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Crailsheimer Chronik 1939

Januar
7.1.
Neuer Chef des Finanzamtes Crailsheim wird Steueramtmann Ahlemann, der vom Finanzamt Pankow nach Crailsheim versetzt wird.
Zollinspektor Schaeff wird zum Vorsteher des Zollamtes Crailsheim ernannt. Zollinspektor Geiger vom Zollamt Aachen wird nach Crailsheim versetzt.

Der Landesbischof verabschiedet Pfarrer Kienle in Rossfeld in den Ruhestand.

Arbeitsdienstpflichtjahr für Mädchen ab 25 Jahren.

26.1.
Einrichtung einer Kraftpostlinie Crailsheim Kirchberg (Jagst). Durch die Kreiseinteilung ab 1.10.1938 ist Kirchberg Teil des Landkreises Crailsheim. Zur Förderung der wirtschaftlichen Entwicklung müssen die Verkehrsbedingungen verbessert werden. Kirchberg erhält jetzt eine direkte Verbindung nach Crailsheim und zu den Bahnverbindungen.

30.1.
Der Reichstag verlängert das Ermächtigungsgesetz von 1933 um weitere vier Jahre.

April

5. April
Mitgliedschaft in der Hitlerjugend  wird Pflicht für alle Jugendlichen zwischen 10 und 18 Jahren.

17. April
Eröffnung der Anlern- und Umschulungswerkstätte der Robert Bosch GmbH am Altenpostweg unter Anwesenheit von u.a. Staatssekretär Waldmann und dem Betriebsführer der Bosch GmbH Stuttgart, Direktor Walz. Die Werkstätte umfasste 22 Lehrlinge, 25 Arbeiter und 3 Meister. (Siehe Willi Glasbrenner. „Arbeit und Rüstung"; Crailsheim 2009, S. 106 ff.)

20. April
Zum Geburtstag von Adolf Hitler hielt Reichs-Erziehungsminister Rust eine Rede über alle Rundfunksender, die in den Schulen von 9:00 bis 9:30 gemeinschaftlich angehört werden musste. Anschließend war schulfrei.

22. April
In Stuttgart wird die Reichsgartenschau eröffnet.

Mai
12. Mai

Tag der „Frau im Luftschutz"


Juni
27. Juni
Bekanntmachung über den Einsatz der Schuljugend in der Landwirtschaft. Die jeweilige Anforderung geht vom Arbeitsamt aus. Die Betreuung in der Freizeit übernimmt die Hitlerjugend.
Die Klassen 5 und 6 der Mittelschulen, die Klassen 5 – 7 der höheren Schulen, die Mittelstufe der höheren Handelsschule sowie der 8. Jahrgang der Volksschule können klassenweise eingesetzt werden. Schüler und Schülerinnen über 14 Jahren erhalten den landwirtschaftlichen Tariflohn der Altersgruppe.

Juli

Die jüdische Gemeinde Crailsheim wird aufgelöst.

Im gesamten Monat  Juli werden Schrott-Sammelaktionen durchgeführt. Hier ist u.a. der Einsatz der Hitlerjugend vorgesehen.

21.- 23.7.
HJ-Gebietssportfest in Stuttgart.


Crailsheimer Ehrenbürger Karl Waldmann

In der Gemeinderatssitzung am 13. Juli 1939 verlieh der Crailsheimer Gemeinderat einstimmig dem damaligen württembergischen Staatssekretär Karl Waldmann (geboren 20.6. 1889 in Tiefenbach) die Ehrenbürgerrechte der Stadt Crailsheim mit Wirkung zu seinem 50. Geburtstag am 20. Juni 1939. Anwesend: Bürgermeister Fröhlich Beigeordneter Kühnle Rathsherren: Beck, Bourzutschky, Föll, Köhnlein. Kübler, Leidig, Rössler, Schmidt und Täschner
Entschuldigt: I.Beigeordneter Gärtner und Ratsherren: Hertfelder, Reinhardt, Scheck.

Entschließung
„Staatssekretär Waldmann hat seiner Vaterstadt Crailsheim hervorragende Dienste der Förderung erwiesen, wofür sie ihm viel Dank schuldet. Der Bürgermeister beabsichtigt, zum Ausdruck dieses Dankes ihn durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechts der Stadt Crailsheim auf seinen 50. Geburtstag (20. Juni 1939) zu ehren. Der Beauftragte der NSDAP, Kreisleiter Hänle, hat sich bei der Mündlichen Besprechung am 11. April 1939 damit einverstanden erklärt. Der Bürgermeister"

(Karl Waldmann wurde am 17. Februar 1942 Finanzminister in Württemberg. Ihm wird die Ansiedlung der Bosch-Werke zugeschrieben. Nach dem Krieg führte seine langwierige Entnazifizierung in mehreren Verfahren vom internierten Hauptschuldigen am 4. September 1948 zum Minderbelasteten. Karl Waldmann verstarb am 7.11.1969 in Stuttgart, nachdem er ab 1.9.1948 noch bis zum Rentenantritt 1950 als Büroangestellter in einem Stuttgarter Verlag gearbeitet hat.)

28. Juli
Auf der Funkausstellung in Berlin wird der Volks-Fernseher E1 vorgestellt.


August

20. August:
Erweiterte Luftschutzverordnung. Gebäude, die keinen vorschriftsmäßigen Luftschutzkeller hatten, das waren vor allem die Altbauten - müssen einen behelfsmäßigen einrichten: Jedes Gebäude muss einen Luftschutzraum haben.

25. August:

Einberufung von Reservisten. Dafür mussten Schulen vorübergehend als Sammelorte dienen. Die Schulferien wurden um zwei Wochen verlängert.


28. August:
- Das erste Düsenflugzeug macht den Jungfernflug – es ist die He 178.

Ausgabe von Lebensmittelkarten — die bereits gedruckt in den Bürgermeisterämtern lagen. Erfasst wurden auf einer Karte Fleischwaren, Milch und Milcherzeugnisse, Öl und Fette, Zucker und Marmelade, Nährmittel sowie Kaffee und Tee. Brot, Mehl, Kartoffeln, Eier und Hülsenfrüchte blieben noch frei.

(Eine Reichskleiderkarte gab es ab November.)

Bezugsscheinpflicht für Brennstoffe.


September

1. September:
Einmarsch deutscher Truppen in Polen werden.


Verdunklung wird angeordnet. Benzin wird rationiert.

2. September
Verbot des Abhörens ausländischer Sender. Harte Strafen –besonders für die Verbreitung abgehörter ausländischer Nachrichten.

3. September
Großbritannien und Frankreich erklären Deutschland den Krieg auf Grund mit Polen geschlossener Abkommen.

In vielen Veröffentlichungen nach dem Krieg wird geschildert, dass die Stimmung in der deutschen Bevölkerung gedrückt war. (Der erste Weltkrieg lag nur 30 Jahre zurück.)
 
Die Hitlerjugend übernimmt zahlreiche Aufgaben u.a. als Melder.

Bürgermeister Fröhlich sagt das Volksfest ab. In Stuttgart wird das Cannstatter Volksfest ebenso abgesagt, die Gartenschau abgebrochen.

In der Johanneskirche wird der Hochaltar in das als sicher geltende Erdgeschoss verbracht, ebenso weitere Kunstschätze und das Taufbuch.

4. September
Ein Kriegswirtschaftsgesetz regelt u.a. die Zulassung von „lebensnotwendigen" Autos und die Ausgabe von Benzin.

5.September
„Verordnung gegen Volksschädlinge". Sie richtet sich gegen Straftaten, die „unter Ausnutzung der durch den Kriegszustand verursachten außergewöhnlichen Umstände begangen werden." Besonders aufgeführt: Plünderungen evakuierter Gebiete, Verbrechen während der Fliegergefahr, gemeingefährliche Verbrechen, die die Widerstandskraft des deutschen Volkes mindern.

9. September

Bekanntmachung zur Durchführung der Lebensmittelrationierung.
Es gibt Karten für Normalverbraucher über 18 Jahre und Jugendliche, sowie Zusatzbescheinigungen (Abgabe noch ohne Extra- Karten) für Schwer- und Schwerstarbeiter und stillende Mütter. Jedoch ist eine Eintragung bei einem Händler erforderlich.

Von der Rationierung sind nicht betroffen:
Brot, Kartoffeln, Hülsenfrüchte, Eier, Kakao. Magermilch und Buttermilch.

16.September Studienassessor Dr. Effinger wird zum Studienrat an der Oberschule befördert.
20. September
Kraftfahrzeuge sind nur noch im Straßenverkehr zugelassen, wenn sie auf dem Nummernschild einen roten Winkel haben. Der wird nur verliehen, wenn Kriegswichtigkeit vorliegt.

25. September
Mit Beginn der 2. Zuteilungsperiode gab es nun mehrere Lebensmittelkarten:
Für Brot, Fleisch, Fett, Nährmittel, Marmelade und Zucker, Seife.

Schwerarbeiter, Kinder und Jugendlicher, werdende Mütter erhielten eigene Karten. Ab jetzt mussten in Gaststätten Marken abgegeben werden.

 25. September
Mit Beginn der 2. Zuteilungsperiode gab es nun mehrere Lebensmittelkarten:
Für Brot, Fleisch, Fett, Nährmittel, Marmelade und Zucker, Seife.

Schwerarbeiter, Kinder und Jugendlicher, werdende Mütter erhielten eigene Karten. Ab jetzt mussten in Gaststätten Marken abgegeben werden.


Am 30. September 1939 ist der Krieg in Polen beendet.

Offiziell wird bekanntgegeben, dass 10 572 deutsche Soldaten gefallen sind.

Oktober

3. Oktober
Oberlehrer Dr. Emil Deeg, Jagstheim, wird zum Volksschulrektor ernannt.

5. Oktober
Friedrich Schumm hat die Prüfung für den gehobenen Justizdienst bestanden.

7. Oktober
In der ersten und zweiten Oktoberwoche werden jeweils ein Ei pro Verbraucher freigegeben.

10.Oktober
Regelung der Durchführung von Sammlungen für die Kriegsblinden. Mit einem erteilten Erlaubnisschein ist die Durchführung gestattet.

17. Oktober  
Bis zum 21. Oktober müssen die Gemeinden den Bürgersteuer-Hebesatz für 1940 festlegen.

24. Oktober
Helmut  Kaufmann und Robert Wolmershäuser aus Crailsheim haben die württembergische Verwaltungsdienstprüfung für den gehobenen Verwaltungsdienst bestanden und wurden zum Veraltungspraktikant ernannt.

Es werden Reise und Gaststättenkarten für Fleisch, Fett und Nährmittel eingeführt.
26. Oktober
Erlass des Innenministerium über die Festsetzung des Kriegsbeitrages der Gemeinden. Der Betrag ist durch Einsparungen aufzubringen.


28. Oktober
- Durch die Preisbehörde des Württembergischen Wirtschaftsministeriums werden die Höchstpreise für Weihnachtsbäume – nach genauer Beschreibung – festgesetzt. Sie müssen an den Bäumen oder in einer Preisübersicht ausgeschildert werden. Überprüfung durch die Ortspolizeibehörde.
Verkäufe von Weihnachtsbäumen sind nur Besitzern von Marktausweisen gestattet.

31. Oktober
Innenminister führt Hundehalsbandzwang für Hund älter als 3 Monate zum Schutz vor Tollwut ein. Es muss Besitzerinformationen enthalten. Steuermarken müssen angeheftet sein.
-Justizinspektor Jenisch vom Amtsgericht Crailsheim wurde Bezirksnotar in Bondorf, August Jaeger vom Amtsgericht Waiblingen wurde Bezirksnotar in Jagstheim.


November

4. November
Alfred Gottert, Crailsheim, hat die Prüfung für das Lehramt an höheren Schulen bestanden

7.November
Einführung der KFZ-Haftpflichtversicherung.

9.  November
Aus dem Ortspolizeibuch (nach K. Fastnacht, S.59): Festnahme und Einlieferung von Juden. Die Juden Hilb, Essinger und Rosenfeld von der Heldenmühle wurden in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis gebracht.
(Die Maßnahmen erfolgten im Anschluss an das Attentat auf Hitler am 8.11.1939 in München, bei dem es anlässlich der Gedenkfeier zum Umsturzversuch in München am 9. November 1923 unter den versammelten Alt-Parteigenossen zu 6 Todesopern und 63 Verletzten kam.)

15. November
Für Schwer- und Schwerstarbeiter werden Zusatzkarten eingeführt, für Lang- und Nachtarbeiter gibt es Zulagekarten.

20. November:
 Hermann Hilb, Jüdischer Crailsheimer, erstattet am 16.11. Anzeige wegen Beschädigung jüdischer Grabdenkmale im jüdischen Friedhof Crailsheim. Erhebungen werden angestellt. Täter nicht ermittelt. Anzeige an Oberstaatsanwalt Ellwangen. 

- Einführung der Reichskleiderkarte.

- Der Bußtag wird auf Sonntag verlegt. Am ursprünglichen Tag findet Schulunterricht statt.

22. November
- Zur Herstellung von Weihnachtsgebäck kann Mahl auf Brotmarken bezogen werden.
- Der Bezug von Reis und Hülsenfrüchten auf Nährmittelkarten muss vorher angemeldet werden. Damit dem Handel entsprechende Mengen zugewiesen werden können.
 
27. November
- Die Eierzuteilungen auf die Reichskarte für Marmelade, Zucker und Eier für Dezember und Januar werden bekanntgegeben. Es sind insgesamt 3 Eier pro Karte.
- Es wird zu einer Feldpostaktion zur Sendung von Büchern an die Soldaten aufgerufen.

Steuerinspektor Hellriegel vom Finanzamt Schwäbisch Hall wird an das Finanzamt Crailsheim versetzt.

29. November
- Festsetzung von Höchstpreisen für Speisekartoffeln je übliche Sorte.

Dezember

1. Dezember
Bekanntgabe der Aufnahmebedingungen für die Nationalpolitischen Erziehungsanstalten (Napola) in Backnang und Rottweil für den Eintritt im Frühjahr 1940. Einreichung durch die Schulleiter für herausragende Schüler.

2. Dezember
Reichseinheitliche Vorverlegung der Weihnachtsferien aus verkehrstechnischen Gründen. Letzter Schultag Mittwoch, 20. Dezember. Erster Schultag: Freitag, 5. Januar.

4. Dezember
Die generellen Sammel- und Anwerbe-Verbote werden für den Reichsluftschutzbund und Reichsarbeitsgemeinschaft Schadensverhütung aufgehoben.

- Die außerplanmäßige Kanzeleiangestellte Häffner  beim Landratsamt in Crailsheim wurde zur planmäßigen Kanzeleiangestellten ernannt.
 
11. Dezember
Ankündigung der Sammlung der Hitlerjugend für das Winterhilfswerk am 15. und 17. Dezember 1939. Die Schulen werden vom Kultminister gebeten, das bei den Schulaufgaben und bei Freistellungen zu berücksichtigen.

13. Dezember

Alle Versorgungsberechtigten erhalten zusätzlich 125 Gramm Kunsthonig – auf einem Abschnitt der Reichsfleischkarte.

18. Dezember
Die Silbermünzen zu 2 Reichsmark werden außer Kraft gesetzt und eingezogen.

22. Dezember
Ankündigung einer Facharbeiter-Fortbildungsaktion für alle Crailsheimer Handwerkerberufe im Januar und Februar 1940.

23. Dezember
Die Regelung der Weihnachtszuwendungen im öffentlichen Dienst wird bekanntgegeben.
So erhalten die Beschäftigten pro Kind 8 RM. Aufgeführt werden auch die von der Regelung Ausgenommenen, wie z.B. Bürgermeister.

24. Dezember (Sonntag)
Weihnachtstag

25. Dezember
Kirchliche  Weihnachtsgottesdienste.

26. Dezember
2. Weihnachtsfeiertag – Dienstag ist ein Werktag.

31. Dezember (Sonntag)

1. Januar ist ein Feiertag.

 

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