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1849

14.2. Crailsheim
- Stadtfeiertag.
In den Kirchen werden die Grundrechte verlesen.
Am Abend findet der jährliche Ball der Bürgerwehr in Falken statt.  Im Cafe Hettler  bietet der Billardeur Hettler Unterhaltung mit der beliebten Reitermusik an.


 

Königreich Württemberg

Regierende Monarch war 1849 König Wilhelm I. (1781 -1864), der ab 1816 (bis 1864) regierte. Er war 1849 in 3. Ehe seit 1820 mit Pauline, Prinzessin von Württemberg, verheiratet. Er hatte aus allen Ehen 5 Kinder, darunter sein späterer Nachfolger Karl, der 1823 geboren wurde und 1864 König wurde.

Württemberg gehörte dem Deutschen Bund an.
Es hatte eine von König Wilhelm 1819 erlassene Verfassung, die u.a. Thronfolge und Staatsgewalt definierte.

Im April 1849 nahmen Regierung und Landtag den von der Frankfurter Nationalversammlung des Deutschen Bundes ausgearbeiteten Verfassungsentwurf an – der dann aber für den Bund nicht in Kraft trat, da die Frage des Staatsoberhaupts nicht gelöst werden konnte. In Württemberg Veröffentlicht und angenommen wurden die Grundrechte des Deutschen Volkes (siehe das Kapitel „Bürgerrechte“).

Die Exekutive bestand 1849 aus 6 Ministerien: Auswärtige Angelegenheiten, Justiz, Inneres, Finanzen, Kirchen- und Schulwesen (später Kultusministerium), Militär. Ihre Bezeichnung war Staatsminister. Die Namen gehen aus den Crailsheimer Zeitungsberichten 1849 nicht hervor. (Für „Mehr“ sei in diesem Zusammenhang auf das Buch von Paul Sauer. „Reformer auf dem Königsthron – Wilhelm I. von Württemberg“, Stuttgart 1997, verwiesen.)

Am 28. Oktober 1849 erfolgte eine Umorganisation bedingt durch die Entlassung der bisherigen Regierung, der sogenannten „März“ (1848) Regierung Römer.

Die Zeitung nennt die neuen Namen:
Auswärtiges: vertreten durch das Königliche Haus, genannt ist exekutiv Karl L.F. Roser.
Finanzen: von Herdegen;
Inneres: von Schlayer, auch Chef der Regierung;
Justiz: von Hänlein;
Kirchen- und Schulwesen: von Wächter-Spittler;
Kriegswesen: Generalmajor von Baur
Erwähnt wird, dass von Herdegen und von Schlayer bereits dem vorhergehenden Kabinett angehörten.

Das Königreich Württemberg hatte eine eigene Armee.

Es gab bereits eine Eisenbahnlinie: Die 1846 fertig gestelle Verbindung zwischen Stuttgart und Ludwigsburg. Die Linie Stuttgart Esslingen war im Bau.

Die Generaldirektion der württembergischen Poststellen war Teil des Inneren. Der Direktor hatte ein Büro in Frankfurt/M.

Am 1. Juli 1849 war eine verfassungsrevidierende Landesversammlung gewählt worden.
Sie trat erst am 1. Dezember zur ersten Sitzung zusammen.


Die Landesverwaltung war in 4 Kreise (Vergleichbar mit Regierungsbezirken) eingeteilt:
Neckar, Jagst, Donau und Schwarzwald, in die 64 Oberämter eingeordnet waren.
Das Oberamt Crailsheim gehörte zum Jagstkreis.

Die Kreise hatten eine eigene Regierung, eine Finanzkammer und einen Gerichtshof. Die Regierung des Jagstkreises saß in Ellwangen – und war die Aufsichtsbehörde für die Stadtverwaltung Crailsheim.

Württemberg besaß ein eigenes Militär, die männliche Bevölkerung konnte durch Aushebung (oft eine Lotterie) zum Militärdienst herangezogen werden.

Es gab ein Landjägerkorps als Landespolizei unter einem Korpskommandanten, der den
Bezirkskommandanten vorstand. Die Landjäger waren auf die Oberämter verteilt und konnten die Ortspolizei unterstützen.

Die Flagge des Landes war zweifarbig, oben schwarz, unten rot, so auch die damaligen Landesfarben. Es gab ein Landeswappen, das dem heutigen gestalterisch nahe kommt.

Die Währung des Landes war der Gulden (fl), der aus 60 Kreuzer (kr) bestand.

Württemberg gehörte dem Deutschen Zollverein an und war Mitglied des Deutschen Bundes.

Seit 1843 gab es in Württemberg eine Eisenbahnlinie – für Verbindungen über Crailsheim gab es jedoch nur eine Planung.

Der Neckar war schiffbar, Heilbronn hatte einen Hafen. Crailsheim wurde von dort aus mit Pferdefuhrwagen bedient. Der Bodensee hatte bereits einen Dampfschiffverkehr.




Stadt Crailsheim 1849

Die Stadt Crailsheim hatte 1849 um 3 000 Einwohner.

Stadtschultheiß (Bürgermeister) war der auf Lebenszeit gewählte Johann Friedrich Faber, der es seit 1815 aufgrund der Verfassung von 1819 und dem Verwaltungsdelikt von 1822 war (und es noch bis 1856 blieb.)

Der Gemeinderath hatte 12 Mitglieder, die bis August 1849 auch auf Lebenszeit gewählt worden waren.
Für August 1849 wurden aber durch Gesetz Neuwahlen angesetzt, die dieses Ergebnis hatten (hinter den Namen stehen die jeweils auf sie entfallenden Stimmen):
1. Bäcker Wacker (257)
2. Ludwig Faulstich (206)
3. Michael Rappold (188)
4. Schuhmacher Wiedamann (180)
5. Mezger Diller (164)
6. Tuchmacher Volz (164)
7. Weber Schäffer (141)
8. Schlosser Arold (139)
9. Sailer Meng (139)
10. Sattler Stephanie jun. (138)
11. Kaufmann Wohlfahrt (137)
12, Kaufmann Scheef (129)

Zu Beschlüssen des Gemeinderaths musste der Bürgerausschuss angehört werden. (Die Namen liegen hier nicht vor.)

Die Bekanntmachungen der Stadt wurden in der Zeitung und durch Ausscheller Kund getan.

Den Posten des Rathsschreibers nahm der Schultheiß war
Verwaltungsactuar: Späth

Stadtpfleger – zuständig für Kassen- und Rechnungswesen: Goppelt
Marktmeister: Goppelt
Kameralamt = Steueramt): Finanzrath Hirsch.
Ratsdiener: Rittmeier
Forstamt: Brecht
Waldschütz: Geyer

Posthalter: Kleindienst, die Post war im Rathaus untergebracht.

Bürgerwehr: Die Stadt hatte 3 Bürgerwehr-Companien, davon eine berittene.

Oberamt Crailsheim

Oberamtmann: Schwarz
Oberamtsrichter: Neuffer
Amtsnotar: Walther

Oberamtsarzt: Dr. Horlacher

Oberamtspfleger Troitsch (verstorben im April 1849)

Kameralamt: Finanzrath Hirsch



Die Zeitung:

„Amts- und Intelligenz-Blatt

für Oberamt Crailsheim und die Umgebung“

Jahrgang 1849, erstmals 1838 erschienen.

Verleger und Redakteur: Friedrich Stüber,
Redaktionshelfer: Leube,

gedruckt in der Buchdruckerei Friedrich Stüber in Crailsheim, die 1834 eine Konzession erhielt

Erscheinungsweise: Dienstag und Freitag mit jeweils 4 Seiten.
Hauptrubriken: “Amtliche Bekanntmachungen“ und „Private Anzeigen“,
weitere je nach Anfall.

Format: Etwas kleiner als DIN-A4 (18,8 x 27 cm)
Beilage wöchentlich einmal: „Der Erzähler im Virnisgrund“, Erzählungen und Abbildungen fürs Gemüth, aus Ellwangen übernommen.

Abo-Zeitraum: halbjährlich, Vorauszahlung, 1 Gulden für das Jahr.
Anzeigen-Annahme: Am Vortag bis 2 Uhr nachmittags.

Angeboten werden Nachdrucke von Artikeln oder Ausgaben für Vereine und Organisationen.




In der Zeitung wurden über diese Gemeinden aus dem Oberamt berichtet:


Altenmünster                         Mariakappel               Waldthann
Ellrichshausen                       Mazenbach                 Weippertshofen

Goldbach                                Oberspeltach             Westgartshausen
Gröningen                              Onolzheim

Gründelhardt                         Rechenberg
Honhardt                                Roßfeld
Jaxtheim                                Satteldorf
Ingersheim                             Stimpfach
Lautenbach                            Tiefenbach
Leukershausen                       Triensbach
Lustenau                                Unterdeuffstetten
                                              

 



Vereine
(soweit in der Zeitung 1849 erwähnt):

Gewerbe-Verein (gegründet 1840)
Bürger-Verein
Belletristischer Leseverein (mit eigener Bibliothek)
Liederkranz
Lehrer-Verein (Vorsitzender Lehrer Guth)
Volksschriften-Verein
Bezirks-Wohltätigkeitsverein
Gesangverein Harmonia
Turngemeinde (Vorstand: L. Wünsch, G. Diller, Süß)
Frauen-Verein (zur Versorgung vernachlässigter Kinder)

 

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