Crailsheim-Zeitgeschichte eine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Ziegler gewünschte Kapitel bitte anklicken
Crailsheim-Zeitgeschichteeine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Zieglergewünschte Kapitel bitte anklicken

Crailsheim 1912*


Crailsheim hatte 1912 6 101 Einwohner
5178 waren evangelisch, 577 katholisch, 325 jüdisch, 21 sonstig
(Gerabronn hatte damals 1 508, Hall 9 321 Einwohner)

Es gab in Crailsheim 791 Hauptgebäude und 346 Nebengebäude.

 

Crailsheim gehört seit 1810 zum Königreich Württemberg.
Regent 1912 war Wilhelm II (geb. 25.2.1848), der ab 1891 regierte.
Die Währung war seit 1871 die Mark, die Maßeinheit der Meter.

Württemberg hatte 1912 2 437 574 Einwohner.

Bürgermeister war seit 1911 der 1880 in Heutingsheim geborene Friedrich Fröhlich.
Er wurde 1902 städtischer Beamter der Stadt Crailsheim.
1906 bis 1911 war er Beamter der Stadt Stuttgart.

1912 erhielt Crailsheim einen zweiten Ehrenbürger:
Es war der Apotheker und Botaniker Richard Blezinger.

Crailsheim hatte ein Amtsgericht, das dem Landgericht in Hall unterstand.
Die in Crailsheim zugelassenen Rechtsanwälte:
Max Dallinger, Paul Keppler und Dr. Karl Lang.

Crailsheim war Oberamtsstadt. Das Oberamt umfasste 26 Gemeinden.
Ingersheim und Altenmünster waren noch unabhängige Gemeinden.

Crailsheim war Sitz der Ämter des Oberamtes.
Im Oberamt waren 26 522 Einwohner evangelisch, 3 249 katholisch und 337 jüdisch (325 von ihnen wohnten in Crailsheim).

Im Schloss waren die Büros des Oberamtes – und die Wohnung des Oberamtmannes.
Am Schlossplatz lag auch das Amtsgericht und die Königl. Finanzverwaltung( Kameralamt).

Oberamtmann war Regierungsrat Reinhold Gärtner,
Amtmann: Dr.jur. Friedrich Demmler.
Oberamtssekretäre: Adolf Heß und Ludwig Eichele
Oberamtsrichter: Dr. Hermann Bartsch , Amtsrichter Ulrich Löcher
Bezirksnotare : Wilhelm Seefried, Karl Meßer.
Oberamtssparkassier: Konrad Fick
Oberamtssparkassenkontrolleur: Gustav Brodbeck.

Das Postamt wurde geleitet von Postmeister Hans Kübel.

Das Vermögen der Stadt bestand aus zahlreichen Grundstücken, Gebäuden und Wald. Es überstieg den Schuldenstand. Pachteinnahmen kamen u.a. vom Spitalsee, Stadtgütern, Grundstücken. Des weiteren gehörten Holz- und Lagerplätze, Steinbrüche, Lehmgruben, Eiskeller, Brunnen und Quellen dazu.

Assistent des Bürgermeisters war Gottfried Offenhäußer,
Stadtpfleger Friedrich Wohlmann,
Buchhalter Gotthilf Lindenmeyer, Verwaltungsleiter Richard Frasch.
Das Einwohnermeldeamt leitete Gotthold Schwamm.
Stadtbaumeister war Georg Weick.

Die freiwillige Feuerwehr unterstand Robert Schäffer, Fritz Leiberich war sein Stellvertreter

Die Zeitung war der von Alfons Richter geleitete „Fränkische Grenzbote“, der in der Druckerei August Richter in der Langestraße hergestellt wurde.



Vereine
Es gab 38 Vereine , darunter der Schwäbische Albverein, der Bürgerverein, der Gesangverein Harmonia, der Gewerbeverein (Vorsitzender Kaufmann Albert Schulz), Radfahrverein (Voritzender Fritz Feldner) , Turnverein (Vorsitzender Emil Rümmele), Turnerbund (Vorstand Gotthold Kaufmann), die Nachbarschaft (Vorstand Lokomotivführer Gustav Burkhardt), Verschönerungsverein, Veteranenverein, Veteranenen und Kriegerverein.

Gaststätten
Im „Handbuch“ sind zwei Hotels angegeben: Das von Luise Arnold betriebene Hotel „Lamm“ und das „Post-Faber“ von Robert Schäffer.

Als „Gasthof“ und „Gasthaus“ firmierten 12 Unternehmen, darunter der „Ritter“, der Bayrische Hof“, Deutscher Kaiser“, Schwarzer Bock“ und „Grüner Baum“.
29 Schankwirtschaften waren eingetragen, darunter der „Engel“ und die „3 Könige“ (Kellermann). Sie boten fast durchweg auch Übernachtungen an.
Der Pächter der Bahnhof-Gaststätte war Eugen Brandstetter.
Dazu kamen 4 Cafes: Frank, Geuder, Kett und Kühl.

Unternehmen
Crailsheim besaß 3 Banken, die Oberamtssparkasse (seit 1884 – später Kreissparkasse), die Gewerbebank und die Württembergische Vereinsbank.
Schon weit über Crailsheim hinaus bekannt war das 1902 gegründete Muschelkalwerk
Schön & Hippelein, das auch der Bausteinlieferant für den Stuttgarter Hauptbahnhof war.

Als wohl erste regelrechte Crailsheimer Fabrik kann man die Maschinenfabrik von
J. Bertold Stein bezeichnen, die auf landwirtschaftliche Maschinen spezialisiert war.
Aber auch als landwirtschaftliche  Maschinenfabriken angegeben sind die Crailsheimer Maschinenfabrik von Georg Stecher und Karl Einsiedel. 
Die Fa. Richard Keidel bezeichnete sich schon als Motorenfabrik.

Größere überregionale Bedeutung hatte Speer & Gscheidel – Dampfsäge- Hobel- und Spaltwerk. Unternehmerisch recht aktiv war auch die Baufirma Kreisel & Barthelmess mit eigener Produktion von Zement- und Terrazzo-Waren.

Die Möbelfabrik König wird gegründet.

Die wirtschaftliche Lebhaftigkeit der Stadt Crailsheim auch für das Umland geht aber aus  der Auflistung  von

Handels- und Gewerbeunternehmen hervor. Es gab u.a.

30 Versicherungsagenten, 22 Bäcker, 6 Bierbrauereien, 3 Buchdruckereien und 4 Buchbinder,  4 Eisenwarenhandlungen, 3 Fahrradhandlungen, 6 Flaschner, 7 Friseure , 4 Gärtnereien, 4 Getreidehandlungen (mit überregionaler Bedeutung: M. Rosenfeld & Cie),
4 Gipser aber nur 2 Glaser, 17 Güterhändler, 4 Hafner, 10 Geschäfte für Haus- und Küchengeräte, 3 Hebammen und 2 Kaminfeger, 3 Kleiderhandlungen
3 Knochen- und Lumpenhandlungen, 36 Kolonial- und Spezereiwarenhandlungen
6 Konditoreien. 4 Küfer, 2 Kürschner, 1 Kupferschmied, 4 Kutschereien
4 Landesproduktenhandlungen, 9 Leder- und Lederwarenhandlungen, 9 Maler,
12 Manufaktur- und Modewarenhandlungen, 4 Maurer, 6 Mehlhandlungen, 15 Metzger, 3 Hausmetzger, 7 Mostereien, 4 Nähmaschinenhandlungen, 18 Näherinnen,
3 Obstgroßhandlungen, 7 Obst- und Südfrüchtehandlungen, 6 Ofen- und Herdhandlungen, 6 Papier- und Schreibwarenhandlungen, 6 Putzgeschäfte, 3 Rechtsanwälte und einen Rechtskonsulent, 6 Sägereien, 13 Samenhandlungen, 3 Schirmhandlungen, 6 Schlosser, 6 Schmiede, 8 Schneider, 11 Schreiner, 19 Schuhmacher, 12 Schuhgeschäfte, 2 Schweinehändler, 4 Drogerien. 3 Seiler, 2 Spielwarengeschäfte, 1 Tanzlehrer (Karl Grüb), 5 Uhrmacher, 16 Viehhhändler, 2 Wagenbauer und 3 Wagner, 5 Wasch- und Bügelgeschäfte, 4 Weinhandlungen.



Ärzte
Dr. Dracher, Oberamtsarzt, Bahn- und Krankenhausarzt
Dr. Rosenfeld, Oberamtswundarzt, Bahn- und Postarzt
Dr. Haug, Gustav, Oberarzt

Tieräzte:
Bontz, Amtstierarzt
Schweikert, Georg

Kirchen
Die Stadt besaß eine evangelische Kirche, die Johanneskirche, eine Kapelle neben dem Rathaus, die katholische Kirche und die Synagoge.

Dekan der Evangelischen Kirche war Lic. Friedrich Hummel,
Stadtpfarrer Dr. Richard Lempp,
Pfarrer der katholischen Kirche war Roman Stehle.

Das Rabbinat der israelischen Kirche war in Braunsbach, der Rabbiner war Dr. Berlinger.
In Crailsheim war Lehrer Jakob Straus Vorsänger der Gemeinde. Zur Gemeinde gehörten die Synagoge, das Gemeindehaus, die israelische Schule, ein Bad und der Friedhof
Der israelische Verein „Einklang“ wurde von Maschinenfabrikant Bertold Stein geleitet.

Schulen:
- Realschule mit Lateinabteilung bis zur 8. Klasse (12. Schuljahr)

Im Jahr 1912 schlossen die 6. Klasse 24 Schüler ab, darunter aus Crailsheim:
Wilhelm Baumann, Paul Breitenbücher, Irwin Goldstein, Heinreich Goldstein, Nathan Gundelfinger, Elsbeth Kehm, Wilhelm Leiberich, Friedrich Löb, Albert Müller, Friedrich Pfisterer, Karl Schlegel, Hermann Strauss, Arno Zetsche.
Ab 1908 wurden auch Mädchen aufgenommen.

- Evang. Volksschule, Leonhard-Sachs-Schule, Schönebürgstraße 28, Rektor Karl Kübler..

- Katholische Volksschule, Schillerstraße 22, Leitung Hauptlehrer Otto Breitfeld.

- Israelische Schule, Hauptlehrer Jakob Straus.

- Allgemeine Fortbildungsschule und Gewerbeschule, Gewerbelehrer Franz Hermann.

- Frauenarbeitsschule, Spitalstraße 2, Arbeitslehrerin Else Klöß und Anna Neuhäußer.

- Kleinkinderschule, Spitalstraße 4, ungenannt.

-Arbeitsschule, Spitalstraße 4, Leitung Arbeitslehrerin Luise Weiß

Eisenbahn

Eisenbahninspektor: Rechnungsrat Karl Ruoff

Bahnmeister: Georg Nack

Eisenbahnbetriebsinspektor: Ernst Kehm

Eisenbahnsekretäre: Oberbahnsekretär Hugo Weber, Bahnsekretär Gottlob Fischer

Eisenbahnbauinspektor: Baurat Adolf Ötinger, Abteilungsingenieur Rudolf Schleicher

Techn. Eisenbahnsekretär: Eugen Haaf


*
Hof- und Staatshandbuch des Königreich Württemberg 1912, Teil I und II (Statistik)
Hof und Staatshandbuch des Königreich Württemberg 1913
„Adreß- und Geschäfts-Handbuch für die Stadt Crailsheim 1914“.
Werner Martin Dienel: „Crailsheim Einst und Heute“, Crailsheim 1984.

Notverordnung

Die Begriffe Notverordnung und Notverordnungsrecht selbst werden in Artikel 48 WRV nicht genannt. Der Artikel gibt dem Reichspräsidenten jedoch weitreichende Möglichkeiten zur Regierung im Ausnahmezustand. Während in Absatz 1 des Artikel 48 WRV die Reichsexekution geregelt ist (d. h. Maßnahmen gegen die Länder des Reichs), verleiht Absatz 2 dem Reichspräsidenten polizeiliche Kompetenzen für den Ausnahmezustand. Daraus wurde in der Verfassungspraxis das Recht hergeleitet, formelle Verordnungen mit materieller Gesetzeskraft zu erlassen. Die Verfassung sah für die Ausnahmebefugnisse eine Konkretisierung durch ein Ausführungsgesetz vor (Art. 48 Abs. 5). Da dieses aber nie erlassen wurde, blieben jene Befugnisse sehr weit und unbestimmt.

Die Befugnisse aus Artikel 48 wurden durch die inhaltliche Unbestimmtheit stark von einer konkreten Regierungspraxis, von Entscheidungen des Staatsgerichtshofs und der herrschenden Lehrmeinung der Staatsrechtler geprägt.

Ursprünglich war nur an wirkliche Ausnahmesituationen gedacht worden; mit der zunehmenden Handlungsunfähigkeit des Deutschen Reichstags entstand die politische Neigung, dieses Recht des Präsidenten als Ersatzgesetzgebung zu verwenden. Bereits unter Friedrich Ebert wurde dieses Instrument angewandt, so zum Beispiel am 9. November 1923 anlässlich des Hitler-Putschs. Vor allem aber kam es zum Einsatz, nachdem am 27. März 1930 die Große Koalition zerbrochen und die Regierung Müller zurückgetreten war. Von da an gab es keine Regierung mehr, die sich auf eine Mehrheit im Parlament hätte stützen können; der Reichskanzler wurde seither ohne Berücksichtigung des Reichstags nur noch durch den 1925 erstmals gewählten Reichspräsidenten Paul von Hindenburg ernannt: zunächst Heinrich Brüning, später Franz von Papen, Kurt von Schleicher und schließlich Adolf Hitler. Mit den sogenannten Präsidialkabinetten wurde ein Bruch mit dem Parlamentarismus in Kauf genommen. Der Anteil der Notverordnungen an der (faktischen) Gesetzgebung stieg seit 1930 erheblich an. 1931 standen 34 vom Reichstag verabschiedeten Gesetzen 44 Notverordnungen gegenüber.

 

Die folgenreichste Notverordnung war die sogenannte Reichstagsbrandverordnung vom 28. Februar 1933. Auf der Grundlage des Art. 48 Abs. 2 der Weimarer Verfassung („Maßnahmen bei Störung von Sicherheit und Ordnung“) setzte sie wesentliche Grundrechte außer Kraft und übertrug Befugnisse des Reichspräsidenten auf die neue Reichsregierung unter Hitler. Die Notverordnung wurde damit zur normativen Grundlage der nationalsozialistischen Diktatur, zum „Freibrief des Dritten Reiches“.

Wortlaut des Artikels 48 der Weimarer Reichsverfassung

(1) Wenn ein Land die ihm nach der Reichsverfassung oder den Reichsgesetzen obliegenden Pflichten nicht erfüllt, kann der Reichspräsident es dazu mit Hilfe der bewaffneten Macht anhalten.
(2) Der Reichspräsident kann, wenn im Deutschen Reich die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich gestört oder gefährdet wird, die zur Wiederherstellung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung nötigen Maßnahmen treffen, erforderlichenfalls mit Hilfe der bewaffneten Macht einschreiten. Zu diesem Zwecke darf er vorübergehend die in den Artikeln 114, 115, 117, 118, 123, 124 und 153 festgesetzten Grundrechte ganz oder zum Teil außer Kraft setzen.
(3) Von allen gemäß Abs. 1 oder Abs. 2 dieses Artikels getroffenen Maßnahmen hat der Reichspräsident unverzüglich dem Reichstag Kenntnis zu geben. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichstages außer Kraft zu setzen.
(4) Bei Gefahr im Verzuge kann die Landesregierung für ihr Gebiet einstweilige Maßnahmen der in Abs. 2 bezeichneten Art treffen. Die Maßnahmen sind auf Verlangen des Reichspräsidenten oder des Reichstages außer Kraft zu setzen.
(5) Das Nähere bestimmt ein Reichsgesetz.

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Armin Ziegler