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1925: Fränkischer Grenzbote, Crailsheimer Tageszeitung
Amts- und Anzeigenblatt sämtlicher Behörden für die Stadt und den Oberamtsbezirk Crailsheim

Erscheint täglich werktags und kostet monatlich 1,60 Goldmark ohne Postgebühren.

(Im Falle von höherer Gewalt, Streik, Aussperrung und Betriebsstörung hat der Bezieher keinen Anspruch auf Lieferung der Zeitung oder auf Zurückzahlung des Bezugspreises. Für Rücksendung unverlangter Manuskripte und für telephonische Aufträge übernehmen wir keine Gewähr)

Anzeigenpreis: die einspaltige Nonpareille-Zeile oder deren Raum 15 Goldpfennig.
Druck und Verlag von A. Richter in Crailsheim. 88. Jahrgang.

Ausgabe vom Samstag, den 31. Oktober 1925
Vierseitig im Format etwas größer als DIN A3 mit jeweils drei Spalten, die 9,5 Zentimeter breit waren.
Die erste Seite war überörtlich und auch international. Auf Seite zwei ging es über in „Aus Stadt und Bezirk“,  auf Blatt 3 gab es „aus Handel und Verkehr“, vor allem aber   waren schon Dreiviertel „Anzeigen“, Seite 4 war ganzseitig Anzeigen.

Der dominierende Artikel auf Seite 2 war der Bericht über die
Gemeinderatssitzung am Donnerstag, den 29. Oktober 1925
Anwesend; Vorsitzender Stadtschultheiß Fröhlich, 18 Mitglieder, entschuldigt GR Fach und Stochdorph. Referenten: Baumeister Kiderlen und Verwalter Lindenmeyer.
Der Inhalt (Auszug):
- Die Eisenbahnverwaltung will die Stützmauern an der Eisenbahnbrücke in der Bahnhofstraße verbessern würde. Das würde für die Stadt Anlass geben, den Eisenbahndurchlass zu verbreitern.  Die Kosten von 50 000 Mark würden aber nicht durch bahneigene oder staatliche Zuschüsse erleichtert und voll zu Lasten der Stadt gehen. Das Thema wurde vertagt. Es wurde aber eine Delegation zu weiteren Verhandlungen mit der Bahn gebildet: Stadtschultheiß Fröhlich und die Gemeinderäte Gscheidel und Luitpold.

- Aus Kostengründen wird die Verbreiterung der Jagstbrücke im Zusammenhang mit der bevorstehenden Bepflasterung zurückgestellt.

- Hochwasserschäden haben die Untersuchung der Stadtdohle von der Wilhelmstraße zur Grabenstraße erforderlich gemacht. Zur Abhilfe sind zwei neue Dohlenschächte auf dem Sehnert-Grundstück notwendig, die der Grundbesitzer wegen eingetragener Unterhaltungslast tragen muß. Kosten 342 Mark.   Die Debatte über die Kostensenkung wird durch das Argument beendet, dass die Kosten für die beiden Dohlen (500 Mark) die Stadt trägt, der Gartenbesitzer aber durch verringertes Aufgraben bei Störungen den Nutzen hat.    

- Das Preisgericht für die städtische Turn- und Festhalle hat sich auf Anfrage wegen der Unterbringung eines Kriegerdenkmals  für den alten Friedhof ausgesprochen. In seinem Gutachten ist bemerkt, dass bei Befragung die gesamte Öffentlichkeit zu keiner Entscheidung kommen würde und vielmehr die Kritisierlust ewig hindernd im Weg sei. Der Gemeinderat solle sich für den Entwurf Jost entscheiden.

Der GR entscheidet noch nicht, läßt es offen.
Dagegen wurde mit der Kirchengemeine ein Vertrag über den Kauf des alten Friedhofs geschlossen. Die Kirche verlangt keinen Kaufpreis, die Stadt ersetzt aber Ausbesserungskosten für die Kapelle in Höhe von 2 000 Mark . Weitere 3 000 Mark sind für weitere Ausbesserungsarbeiten auf dem Friedhof notwendig, so dass der Erwerb des alten Friedhofs die Stadt 5 000 Mark kostet.

- Der Res.-Lok-Führer Ryssel erhält auf Ansuchen einen städtischen Bauplatz, sein Baugesuch wird genehmigt.
- Die Stadt erwirbt vom Landwirt Karl Scheu in Steinbach mehrere Grundstücke an der Schönebürgstraße zum Preis von 1 726 Mark.
- Der bisherige Unternehmer der Kehrricht- und Scherbenabfuhr Karl Kellermann, hat den Vertrag zum 1. September gekündigt – und will ab 1. Oktober für die Erneuerung einen Stundenlohn von 2 Mark und 2 Städtische Arbeiter als Beihilfe.
Die Stadt aber will die Abfuhr wieder durch städtische Fahrzeuge durchführen und sucht einen neuen billigeren Unternehmer.
- Die Stadt wird Einspruch gegen das Schweinemarktgesuch der Gemeinde Ilshofen einlegen. Es würde die Frequenz des Crailsheimer Schweinemarktes schwer  beeinträchtigen.
- Das Ministerium hat die Dienstobliegenheiten des Feldschutzmannes, der nicht vorgebildeten Schutzleute und Wachtmeister sowie des Ratsdieners als einfach  eingeordnet. Deshalb werden  zukünftig in Crailsheim diese Stellen nur für Versorgungs(Militär)anwärter vorgesehen. Auch  die Stellen der 3 Schuldiener, des Bauaufsehers –noch Beamtenstellen – werden zukünftig so gesehen.

- Für die Abhaltung eines staatsbürgerlichen Bildungstags, der aus Vorträgen besteht, findet sich im Gemeinderat kein Fürsprecher, da hier Kosten entstehen, ohne dass gewährleistet ist, dass Beteiligungsinteresse besteht.
- Auf Gesuch der Anwohner wird an der Abzweigung Hallerstr./Tiefenbacherstr. Eine elektrische Straßenlampe errichtet.
- Verwalter Lindenmeyer nimmt noch zum Vorwurf Stellung, dass das Gaswerk Gasherde billig verkauft. Lindenmeyer: Die Steigerung des Gasverbrauchs käme allen zu Gute, nicht nur den Finanzen der Stadt. Das Gaswerk könne gut den doppelten Verbrauch bewältigen.  Man sei aber bereit,  im Gewerbeverein darüber zu sprechen.
Die reichsangeordnete Wertzuwachssteuer wird bekanntgegeben und ihr wird zugestimmt.
Es schließt sich eine nichtöffentliche Sitzung an.

Handel und Verkehr (Seite 3)
In den Monaten November bis einschließlich Februar beginnen die Crailsheimer Märkte um
8 Uhr morgens.
Dem Schweinemarkt am 30. Oktober wurden  20 Läuferschweine  und 734 Milchschweine zugeführt. Erlöst wurden für 1 Paar Läuferschweine  100 – 108 Mark, für 1 Paar Milchschweine 50 bis 75 Mark.

Stadtnachrichten
Das Stadtschultheißenamt gibt bekannt, dass als Nachfolgerin der am 1. Oktober ausgetretenen Hebamme Busch, Marie Ley, hier, Schillerstrstraße 36, heute ihren Dienst angetreten hat. Crailsheim, 30. Oktober 1925. 
- Der Gerichtsvollzieher beim Amtsgericht Crailsheim gibt bekannt, dass im Pfandlokal des Amtsgericht Crailsheim mehrere größere Positionen Kinder, Damen und Herren-Bekleidungsstücke, sowie 4,5 Kilo Strumpfwolle zur Versteigerung kommen.
- Am Dienstag, den 10. November wird um 11 Uhr im Rathaus die hiesige Sommerweide öffentlich verpachtet. Unbekannte Steigerer müssen ein Vermögenszeugnis vorweisen.

Veranstaltung: Konzert- Abend – mit Maria Zapf (Gesang), Fritz Braun (Violine) Theodor Walz (Klavier). Werke von Händel, Schubert, Reger und Hugo Wolf.

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