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Bauland-Umlegung
(Auszug aus meinem Buch "Crailsheim 1945/46 -Überleben und Neuanfang".
Baier Verlag,Crailsheim 1999. S.194 ff.)

Bericht von Bürgermeister Gebhardt aus dem Jahr 1956.
(Die Umlegung fiel jedoch  hauptsächlich in die Zeit von Bürgermeister Schatz.)


"Um jedoch die Durchführung der Bebauungspläne vornehmen zu können, war es notwendig, die gesamten Eigentumsverhältnisse im Zerstörungsgebiet neu zu ordnen. … Dementsprechend wurde durch den Einleitungsbeschluss des Gemeinderates und den in einer Versammlung der Geschädigten gefassten Beschluss zur Durchführung der Umlegung ein Maß von Verwaltungsarbeit ausgelöst, von welchen die an dem Beschluss damals Beteiligten keine Ahnung hatten. Die Tatsache, dass die Baulandumlegung im Zeitpunkt der Abfassung dieses Berichtes nur in einzelnen Randteilgebieten abgeschlossen werden konnte, dürfte mit Recht als Beweis dafür angesehen werden.

 

Beim Beginn der Tätigkeit des Baulandumlegungsausschusses am 20.2.1947 lag noch kein rechtsgültiger Bebauungsplan vor. Es konnten das Umlegungs- und das Bebauungsplan-verfahren nebeneinander betrieben werden und sich gegenseitig ergänzen. Diese Verfahrens-weise und die Mitwirkung des Stadtplaners in den Umlegungsausschuss-Sitzungen hatten Vorzüge, soweit Einvernehmen unter den beteiligten Grundstückseigentümern zu erzielen möglich war. Ferner konnte die im Einzelfall hervorgetretene Notwendigkeit zur Änderung oder Zweckmäßigkeit anderer Bebauungsplangestaltung gleich in Erwägung gezogen werden. Das Fehlen des rechtsgültigen Bebauungsplans wirkte sich jedoch dann nachteilig und hemmend aus, wenn widerstreitende Wünsche und Interessen einer Einigung entgegenstanden, weil der Umlegungsausschuss nicht die zur Feststellung eines Umlegungsplans erforderliche Rechtsgrundlage besaß. Demzufolge musste mancher Einigungsversuch mit jeweils neuen Vorschlägen mehrmals wiederholt werden. Dies brachte eine Vielzahl von Verhandlungen, Umstellungen und neuen Lösungen mit sich.
 

Für die Bearbeitung dieser Riesenarbeit hat sich als Sachbearbeiter in dankenswerter Weise der ehemalige, im Ruhestand lebende Bürgermeister Fröhlich zur Verfügung gestellt. Ohne seine aus langjähriger Praxis stammende Erfahrung, Sach- und Personenkunde, verbunden mit seiner ausgleichenden Verhandlungsführung wäre es unmöglich gewesen, die Bodenneuordnung bei den auftretenden Schwierigkeiten zu lösen und gleichzeitig für gut nachbarliche Verhältnisse zu sorgen. ...

 

Nach langwierigen Verhandlungen gelang es dem Umlegungsausschuss, 57 Grundstückseigentümer für eine Aussiedlung an den Stadtrand zu gewinnen. Dieses Ergebnis reichte jedoch nicht aus, die geplante Auflockerung durchzuführen. Deshalb hat die Stadt beinahe Ihren gesamten Grundbesitz im Stadtinnern und am Stadtrand für die Zuteilung an Beteiligte zur Verfügung gestellt.

Nur durch die Hingabe des in Jahrzehnten auf Grund der vorausschauenden Bodenpolitik des Altbürgermeister Fröhlich erworbenen städtischen Grundbesitzes war es möglich, die entstandenen Härten auszugleichen und gleichzeitig die dringend notwendige Auflockerung der Bebauungsdichte, die Straßenverbreiterung und die Neugestaltung der öffentlichen Plätze vorzunehmen. ...

 

Eine Hauptlast der enormen Verwaltungsarbeit lag beim staatl. Vermessungsamt in Crailsheim, das nicht nur bei den Verhandlungen im Umlegungsausschuss vertreten war und die rechnerischen Grundlagen für die Bewertung der alten und neuen Grundstücke lieferte, sondern alle Beschlüsse des Ausschusses in die rauhe Wirklichkeit umsetzen musste. Bei der örtlichen Festlegung und Vermarkung der neuen Grundstücksgrenzen in der teilweise schwer zugänglichen Trümmerlandschaft von Winkeln und Hinterhöfen sahen sich die Vermesser vor sehr schwierigen und zeitraubenden Aufgaben. Zu erwähnen sind hier die Vermessungsingenieure Hermann Reinhardt und Hans Pauschinger.


1956 gab es in Crailsheim im Stadtinneren noch 60 unbebaute Grundstücke im Krieg zerstörter Gebäude. Der Wiederaufbau-Engpass war hier meist die Finanzierung.

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