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Die industriepolitische Konzeption von Landrat Daurer für Crailsheim

In der ersten Sitzung des neugewählten Gemeinderates am 15. Februar 1946 stellte Landrat Daurer seine Sicht der industriellen Entwicklung Crailsheims vor. Sie ist hier aus dem Protokoll zusammengefasst:

Die bisherige Crailsheimer Industrie ist praktisch vernichtet. Sie soll für die Bereiche Bekleidungs-, Schuh- und Nahrungsmittelindustrie wieder aufgebaut werden, um sie als Steuerzahler und für krisenfeste Arbeitsplätze zu erhalten.

Fertigwarenindustrie auf Metallbasis wird es in den nächsten Jahren – vielleicht Jahrzehnten – hier nicht mehr geben, da die Rohstoffe fehlen.

Ausgangspunkt für den weiteren industriellen Aufbau ist die Ernährungswirtschaft, die auf der landwirtschaftlichen Struktur des Kreises basiert.

Amerika ist ein Beispiel für die Fortschritte auf dem Gebiet der Konservierung. Die Firma Bourzutschky ist hier Vorreiter. Sie will die Herstellung von Gemüsekonserven aufnehmen und für den Gemüseanbau Land erschließen. Die umliegenden Gemeinden sollen zur Lieferung an die Fa. Bourzutschky angehalten werden.

Die Form der Genossenschaften wird in der Landwirtschaft Aufschwung nehmen.

Wenn die Fliegerhorst-Hallen erhalten bleiben, soll dort ein Genossenschafts-Schlachthaus und ein Betrieb der Fleischkonservierung eingerichtet werden.

Angestrebt werden soll, Textilindustrie anzusiedeln, um für die erwarteten Ostflüchtlinge Arbeitsplätze zu schaffen.

In seiner Rede am 16.3.1946 zur Eröffnung der Wiederaufbau-Ausstellung in Crailsheim führte Landrat Daurer seine Gedanken so aus:

„Ferner ist darauf Rücksicht zu nehmen, dass die Neuschaffung einer Fertig- oder sonstigen Industrie in unserem Gebiet in absehbarer Zeit nicht in Frage kommen dürfte.

Andererseits müssen trotzdem für die städtische Bevölkerung oder für landwirtschaftliche Arbeiten nicht geeignete Kräfte Arbeitsmöglichkeiten geschaffen werden. Dazu ist notwendig, dass sich die Landwirtschaft in unserem Gebiet hinsichtlich ihrer Anbaufrüchte etwas umstellt.

Unsere Landwirtschaft muss die Rohstoffbasis für eine krisenfeste Industrie abgeben, sei es nun auf privatwirtschaftlicher oder genossenschaftlicher Basis.

Die Konservierung von Lebensmitteln wird in den nächsten Jahren unbedingt einen Aufschwung erleben, und hier ist der Ansatzpunkt, die Verbindung zwischen Rohstoff produzierender Landwirtschaft und Verarbeitungsindustrie herzustellen.

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© Armin Ziegler