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Zulassung von Parteien und Gewerkschaften in Crailsheim

Schon am 25. September 1945 hatten zehn Altmitglieder der SPD die Gründung einer Ortsgruppe bei der Militärregierung Crailsheim beantragt. Ihr Antrag (1):

„In der Stadt Crailsheim befand sich vor der Machtübernahme durch den Nationalsozialismus eine Ortsgruppe der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Die Ortsgruppe wurde 1933 aufgelöst und verboten, ein Teil ihrer Mitglieder verhaftet.

Ein Teil standhafter Männer aus dieser sozialdemokratischen Ortsgruppe ist noch in Crailsheim wohnhaft und bittet die amerikanische Militärregierung, wieder eine Ortsgruppe gründen zu dürfen. Ferner wird um die Erlaubnis gebeten, eine öffentliche Zusammenkunft der früheren Angehörigen abhalten zu dürfen.“

Unterschrieben haben: Ludwig Dexler, Karl Haußmann, Karl Schnepf, Johann Braun, Karl Eberhard, Johann Haberroth, August Kirn, Karl Breitner, Ernst Breymayer, Karl Barthelmeß.

Der Antrag wurde nicht genehmigt, da die Militärregierung in Crailsheim Parteien nur auf Kreisebene zulassen wollte und dieser Antrag noch nicht vorlag.

Am 18. Oktober 1945 wurde bei der Militärregierung in Crailsheim ein Antrag auf Gründung des Württembergischen Gewerkschaftsbundes Kreiskartell Crailsheim gestellt. Unterschrieben haben ihn: Friedrich Bertsche, Karl Schumann, Josef Wirth, Ludwig Dexler, Robert Boger, Karl Breitner, Karl Leyh und Josef Baamann. Sie fügten jeweils einen ausgefüllten Fragebogen der Militärregierung bei.

Obwohl die Amerikaner in ihrer Zone generell Gewerkschaften vor den Parteien und schnell genehmigten, erfolgte hier die Zulassung zögerlich. Erst auf eine Anmahnung von Landrat Daurer erteilte die Militärregierung die Genehmigung am 19.12.1945 unter ungewöhnlichen Auflagen: Für jede einzelne Sitzung ist eine Genehmigung der Militärregierung erforderlich, die Protokolle müssen innerhalb von 48 Stunden in englisch vorliegen, Satzungen und Beschlüsse müssen in englisch bei der Militärregierung hinterlegt werden.

Der Grund ist wahrscheinlich, daß in der Grundsatzerklärung der Amerikaner zur Gründung von Gewerkschaften deren strikter unpolitischer Charakter festgeschrieben war. Die Antragsteller waren aber aktive Kommunisten und Sozialdemokraten. (In einem späteren Bericht der Amerikaner wird die Gewerkschaft als stärkste politische Kraft im Kreis Crailsheim genannt.)

Die SPD wurde für den Kreis Crailsheim erst am 7. Dezember 1945 zugelassen. Antragsteller waren die Herren Friedrich Weigel (Blaufelden), Friedrich Bröger (Bernhardsweiler), Josef Baamann, Johann Braun, Karl Breitner, August Kirn, Karl Schnepf, Karl Schumann (alle Crailsheim).

Die CDU wurde ebenfalls noch 1945 zugelassen, zu den Gründungsmitgliedern gehörten aus Crailsheim: Frau Julie Pöhler sowie die Herren Josef Scheurer,
Friedrich Fach, Bernhard Schmitt, Oskar Zahn, Leonhard Kunder.

Die KPD trat als Partei erst Anfang 1946 in Erscheinung. In der Öffentlichkeit waren es vor allem die Herren Bertsche, Hofele und Mulfinger - als Gründungsmitglieder - und Herr Sturm als späterer Kreisvorsitzender.

Die DVP formierte sich in Crailsheim auch erst 1946. Die bekannten Repräsentanten der ersten Stunde waren vor allem die Herren Schmieg, Feuchter und Denneler.

Am 16. Dezember 1945 fand als erste öffentliche Veranstaltung einer Partei in Crailsheim die der SPD im kleinen Haus der Frankonia-Lichtspiele statt. Thema des Vortrages: „Volksstaat und Demokratie“, Referent: Friedrich Weigel, Kreisvorsitzender der SPD, außerdem sprach Schulrat Christian Bay (2).

Für die Polarisierung zwischen SPD/KPD und der CDU sorgte vor allem Landrat Karl Daurer. Ab 1.April 1946 mußte er – wie später auch alle anderen Landräte - einen Wochenbericht für den amerikanischen militärischen Geheimdienst schreiben. Schon im allerersten heißt es: „Im allgemeinen wird festgestellt, daß sich ein großer Teil der ehemaligen Parteigenossen der NSDAP der CDU anschließen und dort auch Unterschlupf finden.“ (3)

Im Herbst 1946 fanden in Crailsheim Gespräche zwischen der SPD und KPD zur Gründung einer „Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft“ statt, die am 10. Januar 1947 von Karl Daurer bei der Militärregierung beantragt wurde (4).

Anmerkungen zum Kapitel „Zulassung von Parteien ...“

(1) OMGUS-Bestand Crailsheim im Hauptstaatsarchiv Stuttgart. Dort sind alle Anträge auf Zulassung von Parteien und Gewerkschaften für den Kreis Crailsheim enthalten.

(2) Amtsblatt vom 15.12.45

(3) Kreisarchiv Schwäbisch Hall, Landratsamt Crailsheim
(4) Ziegler, Crailsheim 1947

 

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