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Schule 1945

Mitte Juli 1945 ernannte die Militärregierung den Oberlehrer und früheren Schulleiter Christian Bay auf Vorschlag von Landrat Daurer zum kommissarischen Schulrat für den Kreis Crailsheim. Bay war vor 1933 Mitglied der SPD gewesen – und hatte keine Probleme mit der Entnazifizierung..

Die größte Problematik für den neuen Schulrat bestand in dem Finden von Lehrern, die keine Verbindung zum Nationalsozialismus hatten. Herr Bay erhielt von der Militärregierung Fragebogen zur Verteilung an die bisherigen Lehrer im Kreis, wobei die Militärregierung davon ausging, dass nur ein Drittel den Anforderungen entsprechen würde.

Am 25. August 1945 erschien im Amtsblatt eine Bekanntmachung, dass die Landesverwaltung für Kultus, Erziehung und Kunst mit Zustimmung der Militärregierung Sonderlehrgänge zur Ausbildung von Hilfslehrkräften an Grundschulen einrichten wird. Die Ausbildung würde je nach Vorbildung und Kenntnissen 3 bis 6 Monate dauern.

Als Bewerber kämen zunächst in Betracht:

Abiturienten und Abiturientinnen, jüngere Angehörige akademischer Berufe und Studenten oder Studentinnen, Angehörige sozialpädagogischer Berufe (Fürsorger und Fürsorgerinnen mit ganz oder teilweise abgeschlossener Ausbildung auf einer Sozialen Frauenschule oder einer Schule für Volkspflege), Kindergärtnerinnen oder Jugendleiterinnen.

Der Bewerbung beizulegen sei der politische Fragebogen.

„Über die Aufnahme wird durch eine schriftliche und mündliche Prüfung entschieden. Die Gesuche sind spätestens bis 1. 9. 1945 einzureichen.

Der Kreisschulrat: Bay."

Pensionierte Lehrer wurden gebeten, sich wieder zur Verfügung zu stellen.

Der Mindestbedarf an Lehrern für alle Schulpflichtigen im Kreis Crailsheim lag bei 155.

In einem Bericht aus dem November 1945 schätzte die Militärregierung, dass ab 1946 für die dann im Kreis zugelassenen Schulen 250 Lehrer im Kreis nötig sein würden. Nur 80 davon seien zugelassene alte Lehrer, der Rest Hilfskräfte, die jedoch den Amerikanern akzeptabel erschienen.

Zum Leiter sowohl der Volksschule als auch der Mittelschule wurde Wilhelm Andrassy ernannt, damals 63 Jahre alt. Mit der Leitung Oberschule wurde Studienrat Joseph Vogt, dienstältester Lehrer dieser Schule, beauftragt. Er war damals 61 Jahre alt und leitete die Oberschule bis 1948, als er von Dr. Fritzmartin Ascher abgelöst wurde.

Absehbar war auch, dass die Militärregierung keine alten, in der NS-Zeit herausgegebenen Schulbücher akzeptieren würde. Schon im Juli rief deshalb Landrat Daurer die Bevölkerung im Amtsblatt vom 21.7.1945 auf, noch vorhandene Schulbücher aus der Zeit vor 1933 zur Verfügung zu stellen.

Im Krieg zerstört worden waren die Oberschule in der Schulstraße und die Grabenschule in der Grabenstraße.

Irgendwie schaffte man es, dass am 1. Oktober im ganzen Kreis die Schulen wieder beginnen konnten.

Die Militärregierung hatte das u.a. dadurch unterstützt, dass die stationierten Truppen die Schulgebäude geräumt hatten.


 

Die Raumsituation: Die Leonhard-Sachs-Schule, ein Stockwerk in der Spitalschule, das Mittelschulgebäude hinter der Johanneskirche, die katholische Schule hinter der Kirche in der Schillerstraße und der sogn. Schulsaal Hanke in der Grabenstraße.

Am 1. Oktober 1945 konnten eingeschult werden:

Die schulpflichtigen Kinder (bis 14 Jahre) der Volks-, Mittel- und Oberschule.

Der Chronologie in der Festschrift aus dem Jahr 1956 zur Einweihung des Neubaus des Albert Schweitzer Gymnasiums sind einige der Angaben für das Jahr 1945 für die damalige Oberschule für Jungen entnommen (sie hieß so, obwohl sie auch Mädchen aufnahm):

Oberschule für Jungen

Ende Juli 1945:

Komm. Bürgermeister Gebhardt beauftragt Studienrat Fischer, die Geschäfte der Oberschule zu führen, da sich Studiendirektor Sigle noch in Kriegsgefangenschaft befindet. (Die Lehrer Fischer und Sigle werden von den Amerikanern dann jedoch wegen NSDAP-Mitgliedschaft nicht zugelassen.) Die Verbindung mit Behörden stellt Studienrätin Dr. Walter auf verschiedenen Lastwagenfahrten nach Stuttgart her.

2./3. August:

Wiederaufnahme von Neuanmeldungen von Schülern für die Oberschule.

Mitte August: Erhaltene Akten und Schülerlisten werden von Lehrern und Schülern gesammelt, geordnet,  verschmutzte  Akten abgeschrieben  und in Sicherheit gebracht.
Der Papierklau ging um. Bei Neukauf von Papier- und Bürobedarf musste Altpapier abgegeben werden. Auch für Flüchtlinge und Bombengeschädigte gab es keine Ausnahmen.

23. August bis 14. September:

Lehrer und Schüler beteiligen sich an den Aufräumungsarbeiten in der Stadt am Dammweg, am Gaswerk, am Herrensteg und in der Langen Straße, ferner an Schreibarbeiten für die Stadtverwaltung. (Anmerkung des Autors: Studienrat Fischer überwachte als einziger Lehrer die Arbeiten der Schüler — mit einer Schaufel in der Hand wurde er nie gesehen. Die Schaufeln etc. mussten wir übrigens selbst mitbringen.)

26. August:

Erster Versuch, den Betrieb der Oberschule mit Genehmigung der Militärregierung wieder aufzunehmen, scheitert.

3./4. September:

Der Education-Officer der Militärregierung genehmigt die Wiederaufnahme des Unterrichts der Klassen 1 bis 4, d.h. der schulpflichtigen Jahrgänge.

17. September:

Die Stuttgarter Behörde beauftragt den dienstältesten Studienrat Vogt mit der Schulleitung, der sie jedoch wegen Fehlens der Wohnung nicht sofort übernehmen kann.

Lehrkräfte im Schuljahr 1945: Baitinger, Berg, Burkhardt, Fischer, Hofmann, Frl. Matthes, Vogt und Frl. Dr. Walter.

1. Oktober: 1945

Als erste Oberschule des Landes nimmt Crailsheim den Unterricht der Klassen 1-4 nach vorangegangenem Gottesdienst wieder auf. Das waren die Schulpflichtigen.


Am 3. Dezember folgen alle übrigen Klassen . Es stehen 3 Schulräume der Leonhard-Sachs-Schule zur Verfügung, ab Januar 1946 ein vierter.

Erst im August 1946 wird der Oberschule  die frühere Gewerbeschule in der Schönebürgstraße zugewiesen, die bis dahin das Landratsamt beherbergte. Im Oktober 1946 war der Umzug abgeschlossen, so dass der Schichtunterricht für die Oberschüler weitgehend aufgehoben werden konnte. 
Meine damalige Klasse VII kam in das oberste Stockwerk. Mit uns wurde der sogenannte Sonderkurs für Kriegsheimkehrer unterrichtet, der aber schon 1947 das Abitur machen durfte.
Wir Normalschüler mussten noch ein Jahr warten. Kriegsheimkehrer Manfred Wankmüller  machte eine Ausnahme: Er blieb in der „Normalklasse“ . Er wolle die Zeit haben, um Versäumtes gründlich nachzuholen.   Er wurde später in Gerabronn  Chefredakteur des „Hohenloher Tagblatt“.  Zum Abitur bekam er auch den Scheffelpreis 1948 für seinen Abitur-Aufsatz. Unsere Themen habe ich vergessen. Ein Thema war aus Faust I – Stoff  im Unterricht einprägsam behandelt von Studienrat Bechtel, unserem Klassenlehrer.

Im Sommer 1947 wurden zwei frühere Wehrmachtsbaracken vom Flugplatz der Oberschule überlassen, die weitgehend von älteren Schülern der Oberschule aufgebaut wurden. Dort verbrachte auch ich den Rest meiner Schulzeit in Crailsheim. Sehr warm im Sommer, sehr kalt im Winter!!

 

Das Abiturergebnis ist im Kapitel „Dr. Ascher“ beschrieben.
 

 

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