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Zum Alltag gehörte bald wieder der Sport

Im „Amtsblatt“ vom 29. August 1945 erschien die erste offizielle Mitteilung des Turn- und Sportverein Crailsheim:

               Mit Genehmigung der Militärregierung wird der Sportbetrieb wieder aufge-
               nommen.
                              Trainingsabende jeweils
                              Montag: 18:30 bis 21 Uhr                             Turnerinnen Korbball
                              Dienstag: 18:30 bis 21 Uhr             Fußballabteilung

                              Die Turner beteiligen sich vorerst an der Instandsetzung der Sportplatz                                           anlagen.
                              Crailsheim, den 25. August 1945, im Auftrag Holz, Schriftwart.“

Der Korbball der Turnerinnen hatte in Crailsheim Tradition. Während des Krieges beteiligten sie sich an den offiziellen Wettkämpfen in Württemberg. Die gleiche Mannschaft hat unter Leitung von Fritz Halbritter, der das Turnen für den TSV betreute, 1945 wieder mit dem Korbball begonnen. Das waren: Erika Bratz, Else Groß, Hilde Lenz, Trudel Gröber, Hilde Kett, Hanna Albrecht.

Offiziell wurde der Turn- und Sportverein Crailsheim erst später zugelassen. Am
8. November        1945 wird der Antrag auf Zulassung mit einem Vorstand gestellt, dem keine ehemaligen Parteigenossen mehr angehören. Der Antrag wird genehmigt und im Amtsblatt vom 15.12.1945 wird zur Mitgliedschaft aufgefordert. Alte Mitglieder bleiben es automatisch. 1. Vorsitzender ist Leonhard Schmieg, 2. Vorsitzender Walter Burkhard, Schriftwart Eugen Kleinknecht, Sportleiter Fritz Gerhard Welzel, Kassenwart Hans Maier, Kulturleiter Hermann Lang.

Die Jahnhalle war bis zu dieser Zeit von den Amerikanern besetzt.
Mina Wittig geb. Mayer erinnert sich, daß im Dezember 1945 eine „Putzkolonne“ ehemaliger BDM- und Frauenschafts-Führerinnen u.a. die stark verschmutzte Jahnhalle saubermachen mußten. Dann machten die Turnerinnen sie wieder für den Turnbetrieb fertig. Im Januar 1946 wurde der normale Turnbetrieb wieder aufgenommen. Im Februar 1946 konnte Mina Wittig wieder mit dem Kinderturnen beginnen.

Die Fußballer waren sicherlich schon im Sommer und Herbst 1945 die aktivsten Sportler in Crailsheim. Sie werden im „Amtsblatt“ aber nicht sehr oft erwähnt. Zu entnehmen ist dem Blatt:

18. November     Fußball-Eröffnungsspiel Sportplatz Schönebürgstraße.
Angekündigter Gegner ist der Turn- und Sportverein Künzelsau. Wahrscheinlich gab es Transportprobleme. Gespielt wurde dann gegen den Sportverein Steinbach (Hall).
Die I. Mannschaft der Crailsheimer verlor 2:1. Die II. Mannschaft gewann dafür 1:4.

2. Dezember                       Die Crailsheimer Fußballer schlagen die Gaildorfer. Die
I. Mannschaft gewinnt 2:1, die II. Mannschaft 5:2. In den jetzt wieder durchgeführten Verbandsspielen (Pflichtspielen) ist jedoch Hall der große Konkurrent. Vor den Spielen in Crailsheim spielen noch jeweils die Jugendmannschaften.

Von den Jugendfußballern steht nichts im damaligen Amtsblatt, obwohl sie sehr aktiv und mit großer Begeisterung bei der Sache waren. Rudolf Leipersberger erinnert sich an die der ersten Jugendspieler: Erich Breymaier (im Tor), Heinz Kehl, Erich Frey, Fritz Möbus (nur namensgleich mit dem Trainer), Walter Utz, Kurt Belzner, Erich Hägele, Rudolf Wagner. Rudolf Leipersberger spielte Mittelläufer. Später kam nach Rückkehr aus der Gefangenschaft Gottlieb Ziegler und Willi Steeb hinzu. Trainer war Fritz Möbus von der Sportschuhfabrik Möbus.

Noch 1945 wurde eine zweite Jugendmannschaft aufgestellt. Fritz Halbritter erinnert sich an seine Mitspieler: Torwart: Werner Vogel; Verteidiger: Richard Bayerlein, Helmut Drescher; Läufer: Georg Eichhorn, Kurt Faßnacht, Kurt Groß, Walter Schwarz; Stürmer: Siegfried Kirchhöfel, Robert Gratze, Hans Waizenhöfer, Reinhold Hägele, Günter Baumann und Fritz Halbritter (Mittelstürmer).Erster Trainer war der Leiter der Fußballabteilung Robert Schwarz. Im Laufe des Jahres 1946 übernahm das Karl-Hermann Müller, der hier seine mehr als 40jährige ehrenamtliche Tätigkeit für die Sportjugend in
Hohenlohe und darüber hinaus begann.

Anfang 1946 machten die Amerikaner den Versuch, den Jugendlichen des TSV Crailsheim das amerikanische Football nahezubringen. Fritz Halbritter berichtet darüber: „Trainer war ein US-Offizier namens Mitchell (der Jugendoffizier der Militärregierung). Die Zusammenkünfte der Jungen fanden im Gasthaus Schwarzer Bock statt. Es gab Kaugummi, Cola und sogar auch Zigaretten. Nach drei oder vier Trainingsabenden wurde die Sache mangels Interesse wieder eingestellt.“

Über die erste Nachkriegszeit heißt es in der TSV- Broschüre „50 Jahre Fußball in Crailsheim 1919 – 1969“:

„Die ersten alten und jungen Spieler kehrten nach und nach wieder aus der Gefangenschaft zurück, und bald hatte sich im Gasthaus „Zum Stern“, einem der wenigen übriggebliebenen Lokale der Stadt, bei allzudünnem Bier und Ersatzlimonade, wieder eine Runde von Idealisten versammelt, die ihren Sport über alle Not und Entbehrung dieser Zeit die Treue bewahrten.

Eine A-Klasse Hohenlohe entstand als erste überlokale Vereinigung – noch argwöhnisch von der US-Militärregierung betrachtet – und schon vorher standen sich auf dem notdürftig hergerichteten „oberen Sportplatz“ der SC Steinbach und die erste wieder aufgestellte Crailsheimer Elf gegenüber. Am Ende der A-Klassenrunde, die aus 8 Vereinen bestand, wurden die Sportfreunde Hall „Hohenloher Meister“ und steigen zusammen mit dem TSV Crailsheim (2. Platz) und der TSG Öhringen in die Bezirksklasse Unterland auf.

Im Oktober 1946 übergab Abteilungsleiter Robert Schwarz, der sich wieder seinem eigentlichen Metier, dem Schiedsrichtern, zuwandte, die Geschäfte an den Aktiven (das blieb er noch einige Jahre) Alfred Rümmele. Mit wechselndem Erfolg kämpfte der TSV in der Unterländer Spitzenklasse mit, belastet durch lange Anmarschwege, die oft durch Lkw-Fahrten (es ging nicht mit Benzinmotoren, sondern mit Holzvergasern). ...“


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© Armin Ziegler