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Friedrich Fröhlich

Friedrich Fröhlich war von 1911 bis 17. Mai 1945 Bürgermeister der Stadt Crailsheim.
Er war verheiratet und hatte zwei Kinder.

Fröhlich wurde am 20.9.1880 in Heutingsheim Kreis Ludwigsburg geboren. Nach dem Tod der Mutter in seinem ersten Lebensjahr wurde er von einem kinderlosen Onkel und seiner Frau, die eine Gastwirtschaft betrieben, erzogen. Er besuchte nur die Volksschule, da Mittel für eine weiterführende Schule nicht zur Verfügung standen.

Durch intensive eigene Vorbereitung bestand er 1902 die Prüfung zum gehobenen Verwaltungsdienst als Bester von 172 Prüflingen. Die erste Anstellung erfolgte im gleichen Jahr bei der Stadtverwaltung Crailsheim als städtischer Beamter. Von 1906 bis 1911 war er in der Stadtverwaltung Stuttgart tätig.

Bei den Bürgerschaftswahlen 1911 bewarb er sich um den Posten des Bürgermeisters in Crailsheim und wurde als parteiloser Kandidat auch gewählt. Die Wiederwahlen erfolgten 1921 und 1931 mit großer Mehrheit.

In seiner Amtszeit verdoppelte sich das Stadtgebiet und die Einwohnerzahl. Vor allem auch durch die von ihm gegründete Gemeinnützige Baugenossenschaft Crailsheim entstanden zwischen 1911 und 1933 rund 400 Wohnungen, davon 75 Prozent auf dafür zur Verfügung gestelltem städtischem Grund. Durch städtische Notstandsarbeiten erreichte er, daß es in Crailsheim den ersten Empfänger von Wohlfahrtsunterstützung erst 1931 gibt. Die Finanzen der Stadt waren immer bestens geordnet. Bei seinem Ausscheiden gab es – nach seinen Angaben - eine Million Reichsmark als Rücklagen.
 
Nach der sogenannten Machtergreifung 1933 wollte ihn der Kreisleiter absetzen lassen, da er die NSDAP nicht genügend unterstützt habe. Das Verfahren dauerte mehrere Monate. Dazu heißt es in Thomas Schnabel „Württemberg zwischen Weimar und Bonn 1928-1945/46, Seite 201: „Aber der Einfluß der Partei reichte nicht immer aus, um einen mißliebigen Bürgermeister zu entfernen. So blieb der Crailsheimer Stadtvorstand Fröhlich trotz wütender Proteste des Kreisleiters im Amt.“

1938 trat er der NSDAP bei (der Eintrittstermin wird auf den 1.5.37 zurückdatiert). Er wurde auch förderndes Mitglied von NSFK und NSV.

Dr. Max Königsberger, jüdischer Crailsheimer, bis zu seiner Auswanderung 1936 in die USA praktischer Arzt in Crailsheim, schrieb ihm für seine Entnazifizierung 1947 u.a.: „Herr Fröhlich hat immer und jeder Zeit den höchsten Grad der Gerechtigkeit, Rechtlichkeit, tiefer menschlicher Gesinnung, hoher Menschenwürde gezeigt verbunden mit einer unermüdlichen Tätigkeit, bestrebt immer nur das beste für seine Gemeinde zu vollbringen. Er hat niemals einen Unterschied zwischen den Ständen und Religionen und Rassen gemacht. Er hat nur eines gekannt, Gerechtigkeit. Der jüdischen Gemeinde und deren Anwesen hat er immer soweit es in seiner Macht war, Schutz und Schirm zuteil werden lassen, auch in den Zeiten, wenn es keinesfalls ohne persönliche Gefahr möglich war.“

Bei seiner Entnazifizierung spielte eine negative Rolle, daß er den jüdischen Händlern 1937 auf Druck der Partei das Betreten des Marktes verboten hatte. Auslöser war im „Stürmer“ ein Bild jüdischer Händler auf dem Crailsheimer Schweinemarktplatz. Andererseits wurde ihm bestätigt, daß er durch Verhandlungen mit dem Kaufmann Hilb, dem letzten Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde in Crailsheim, oft Schlimmeres verhindert hat.

Friedrich Fröhlich wurde in seinem Entnazifizierungsverfahren als Mitläufer eingestuft, was trotz des Berufungverfahrens, das der öffentliche Ankläger einleitete, aufrechterhalten blieb.

Anfang 1948 trat er als 68jähriger auf Bitte einer Gruppe Crailsheimer Bürger nochmals zur Wahl des Bürgermeisters an, verlor aber gegen Wilhelm Gebhardt, der die Wahl sehr deutlich für sich entscheiden konnte.

Im Ruhestand übernahm er freiwillig wichtige Aufgaben bei der Baulandumlegung.

Friedrich Fröhlich starb  am 23.9.19 64. Nach ihm ist eine Straße in Crailsheim benannt.

 

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