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Wilhelm Gebhardt  
Mit Wirkung vom 17. Mai 1945 wurde Wilhelm Gebhardt von der amerikanischen Militärregierung als Bürgermeister von Crailsheim eingesetzt und löste Bürgermeister Friedrich Fröhlich ab.

Wilhelm Gebhardt wurde am 28. Oktober 1897 in Schramberg im Schwarzwald geboren. Sein Vater war Beamter. Die Volksschule wurde in Calw und Tübingen besucht, die Oberrealschule in Tübingen bis zur Mittleren Reife. Seine Verwaltungslehre begann 1912 in der Stadtverwaltung in Lustnau bei Tübingen.

Am I. Weltkrieg nahm er von 1916 bis 1918 teil und wurde Unteroffizier. Er beschreibt diese Zeit in einer Bewerbung um einen Kreisratssitz 1953 so: „Im 1. Weltkrieg trat ich vom I.R. (Infanterie-Regiment) 122 zum Württ. Gebirgsregiment über, das an beinahe sämtlichen Kriegsschauplätzen als Sturmtruppe zum Einsatz kam. Bei Kriegsende befand ich mich, vom Felde abkommandiert, beim Reserve-Offizierskurs in Münsingen.“
Als Auszeichnungen wegen Tapferkeit erhielt er die Württ. Silberne Militärverdienstmedaille und das Eiserne Kreuz II. Klasse.

Ab Oktober 1919 Höhere Verwaltungsfachschule in Stuttgart mit dem Abschluß einer höheren Verwaltungsdienstprüfung 1920. Die erste Anstellung erfolgte als Aktuar bei der Stadt Welzheim. Dort war er bis zum 31.9.1931 als Stadtpfleger tätig.

Die erste Ehe geht Wilhelm Gebhardt 1922 ein, die Ehe wird 1931 geschieden.

Im Fragebogen der US-Militärregierung mit Datum 23. Februar 1946 sind für den Zeitraum 1931 bis 18.3.1933 mehrere unzusammenhängende Tätigkeiten angegeben.

Im Jahr 1933 erfolgte die zweite Eheschließung. Aus ihr gingen vier Kinder hervor, drei Mädchen ein Junge.
Die Tätigkeit bei der Stadtverwaltung Crailsheim wurde am 18.3.1933 angetreten. Die Einstellung erfolgte als Obersekretär. Der Titel wurde später in Stadtinspektor geändert.
Über seine Tätigkeiten schreibt er in dem oben erwähnten Wahlprospekt, daß er zuerst Leiter der Bürgermeisterkanzlei war und dann in den Kriegsjahren auch die Leitung des Städt. Steueramts und des Standesamts mit Ratsschreiberei übernahm. 1939 war er einige Monate zur Wehrmacht zu einer Krankentransportabteilung eingezogen.

Im Fragebogen der Militärregierung gibt er über seine NS-Tätigkeiten zwischen 1933 und 1945 an: Mitglied der NSDAP (1941 bis 1945), NSV (1937-1945), SA-Reserve (Nov. 1933 bis Dez. 1938, Rottenführer). Als im März 1933 und davor gewählte Partei nennt er die SPD. Aufgeführt wird als Widerstand gegen die NSDAP: „Wurde im Sept./Okt. 1944 zu Schanzarbeiten nach Lothringen von der Kreisleitung der NSDAP kommandiert, was einer ausgesprochenen Strafe gleichzuachten war, zumal als Beamter. Grund: Stetiger passiver Widerstand gegen die Partei.“

Bereits im August 1945 sollte Gebhardt im Zuge der Entfernung aller Bürgermeister, die der NSDAP angehörten, wieder abgesetzt werden. Landrat Daurer trat jedoch nachdrücklich für seine Beibehaltung ein. Erst im Februar 1946 wurde er als Bürgermeister von den Amerikanern entlassen.

Wilhelm Gebhardt wurde nach seiner Absetzung von Landrat Daurer in das Landratsamt übernommen. Die im August 1946 erfolgte deutsche Entnazifizierung erbrachte eine Einstufung als Mitläufer, da ihm mehrere Personen bestätigten, daß er seine NS-Tätigkeiten nur aus dienstlichen Gründen und unter Druck ausgeübt habe.

Mit dieser Entnazifizierungs-Einstufung stand einer Bewerbung um ein öffentliches Amt nichts mehr im Wege. 1948 bewarb sich Wilhelm Gebhardt wieder um das Amt des Bürgermeisters in Crailsheim und wurde mit deutlicher Mehrheit gewählt. Auch seine Wiederwahl 1954 ist erfolgreich. Er wurde mit 94 Prozent der abgegebenen Stimmen - ohne Gegenkandidat - wiedergewählt. 1962 tritt er in den Ruhestand.

Wilhelm Gebhardt verstarb am 30. 4. 1974. Nach ihm ist in Crailsheim eine Straße benannt.


 

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