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Dekan Otto Matthes

Otto Matthes
wurde am geb. 9.10.1880 in  Schwäbisch Hall geboren.
 Er wuchs in Stuttgart auf und besuchte dort das Real- und Karlsgymnasium.

 

Seine kirchliche Ausbildung:
Evang,-Theologische Seminare in Schöntal und Urach
1892  bis  1902 Studium der Philosophie und Theologie in Tübingen.
1902  bis 1905 Vikar in Walddorf bei Nagold, Liebenzell und Ludwigsburg.
1905  dann weitere theologische Studien in Berlin.
1907 Repetent am Tübinger Stift.
1911  Zweiter Pfarrer an der Kilianskirche in Heilbronn.
1932 Dekan des Kirchenbezirks Crailsheim und I. Stadtpfarrer in  Crailsheim als  
Nachfolger von Dr. Adolf Dörrfuß.

Er hatte eine Wohnung in einem Dekanatsgebäude.
Er war verheiratet mit Hedwig geb. Diez.  Sie hatten zwei Töchter, von denen Frau Isolde Matthes im Schuldienst als Studienrätin eigene Verdienste um Crailsheim erwarb.

In die Amtszeit von Dekan Matthes fällt 1932  die Einführung der Gottesdienstordnung, die noch heute gilt. Sie gibt dem Kirchenliedgesang und dem Abendmahl eine neue Bedeutung.

Dekan Matthes vermehrte die Gottesdienste, Bibelstunden und Abendmahlsfeiern in den Außenorten im ganzen Bezirk.
In Crailsheim wurden neue Gottesdienste eingeführt.

Nach der sogenannten NS-Machtübernahme am 30. Januar 1933 gab es auch gesetzliche Vorschriften, die sich auf die kirchliche Arbeit auswirkten. 

Am 14. Juli 1933 wurde das Gesetz über die Verfassung der Deutschen Evangelischen Kirche erlassen. Es legte die Freiräume der Kirche - so für Religionsausübung, kirchliche Einrichtungen -  wie Kindergärten und Schulen  - aber auch die Pflichten gegenüber dem Staat fest.

Ein gesetzliche Regelung hatte weitgehende Folgen: „Die Deutsche Evangelische Kirche ist Körperschaft des öffentlichen Rechtes.“

In der Praxis bedeutete es, dass Gesetze für öffentliche Institutionen nun auch die Kirche betrafen, so die für Beflaggung, Beachtung von staatlichen Feiertagen,  auch die für Öffnungszeiten der Verwaltung etc.

Ein weiteres Gesetz ein Tag später, vom 15. Juli 1933, ordnete Neuwahlen für die  Kirchengemeinderäte an. Der  einzige gültige Wahlvorschlag war nicht nur kirchlicherseits erstellt. Die gewählten Mitglieder des weiterhin Beirat genannten Gremiums (siehe Anhang) erwiesen sich als kooperativ und  für die Verwaltungsfragen praxisorientiert.
Vorsitzender war Dekan Matthes.

Die kirchlichen Themen waren durch die regelmäßigen Vorgaben des Oberkirchenrates bestimmt. In Zweifelsfragen fragte Dekan Matthes zurück und sicherte sich ab. . Das geschah häufig und geht aus den hier vorliegenden Protokollen der Sitzungen des Kirchenbeirates hervor.   

Dekan Matthes  schuf in Crailsheim auch

- 1934 ein Schulanfänger-Gottesdienst
- 1935 Passionsandachten und eine Heilig-Abend-Feier.

- Mit Stadtpfarrer Reusch teilte er sich als 1. Stadtpfarrer die persönliche Betreuung der
Gemeindemitglieder in den dafür aufgeteilten zwei Stadtteilen.

Im September 1939  wurden Teile des Hochaltars und der Flügel im Untergeschoss geschützt untergebracht. Die Glocken wurden gesichert, eine eingeschmolzen..
 
Im Krieg wurden die Gottesdienste - soweit es die Luftlage zuließ - weitergeführt.
Spannungen gab es mit der Bannführung der Hitlerjugend, so wenn dort keine Rücksicht u.a. auf den Konfirmandenunterricht genommen wurde. Die SA ignorierte die Kirche demonstrativ. Bei Begräbnissen marschierte sie ab bevor der Pfarrer sprach.

 Noch im Krieg wurde nach der Besetzung  der erste Gottesdienst in der Johanneskirche -  die keine Fenster und ein undichtes Dach hatte – am 29. April 1945 gefeiert. 

-  Die hauptsächlichen Gottesdiensttermine im 2. Halbjahr 1945:

Sonntag    7:30  und 9: 30  Predigtgottesdienst
                 10:30 Kinderkirche
                 13:30 Christenlehre
Dienstag   14:00 Frauen- und Mütterstunde
Mittwoch  19:30 Bibelstunde
Donnerstag 7:30 Morgenwache der Jugend
                 
- Die Pfarrämter sind auch Anlaufstellen der 1945 von der Landeskirche mit dem Internationalen Roten Kreuz in Genf organisierten Suchdienst nach Kriegsgefangenen und Zivilvermissten.
 
- Dekan Matthes wurde oft  im Zusammenhang mit der Entnazifizierung angegangen, Kirchenbesuche während der NS-Zeit zu bestätigen. Das tat er,  auch setzte er sich für Lehrer ein, die wegen bloßer NS-Mitgliedschaft entlassen wurden. Er selbst gehörte keiner NS-Organisation an. Beim Roten Kreuz und der NSV zahlte er Beiträge.

1945 wurde ein Schuljahranfangs-Gottesdienst eingeführt.
1946 wurde Kantor Mühlichen hauptamtlich für die Kirchenmusik eingestellt.

1947 gehörte Dekan Matthes dem Worthington-Komitee an und half die Spenden gerecht zu verteilen.

1948 waren nach entsprechenden Bemühungen im Oktober  Hochaltar und vollständiges Glockengeläut wieder eingeweiht.

1948 wurden für den Flugplatz  zweimal im Monat Predigtgottesdienste und ein sonntäglicher Kindergottesdienst eingeführt.

 

Deakan Matthes gründete 1950 die religionspädagogische Arbeitsgemeinschaft für den Kirchenbezirk Crailsheim zur Unterstützung der Religionslehrer im Kirchenbezirk.
 
1950 wurde Dekan Matthes in den Ruhestand verabschiedet,
 Seine letzte Predigt hielt er am 26. November 1950 „Vom Tod und Leben“.

Gattin Hedwig verstarb im Dezember 1952.

 

Otto Matthes  verstarb  1961     in Crailsheim und wurde hier begraben. 

Nachfolger wurde  Hans Pfähler (1902 - 1982), der  von 1950 bis 1969 amtierte.

(Die  biographischen Angaben sind einem Beitrag von Pfarrer König entnommen, der in der Beilage zum Evangelischen Gemeindeblatt für Württemberg im November 1960 zum  80. Geburtstag von Dekan Matthes erschienen ist.)  

Der 1933 gewählte Kirchen-Gemeinderat
(In der Reihenfolge erreichter Stimmen)

Georg Beck, Bäckermeister
Wilhelm Fach, Gastwirt, Bierbrauer
Sofie Arold, Ehefrau von Schlosser Arold
Wilhelm Böhm, Oberpostinspektor
Julie Helferrich, Ehefrau von Apotheker Helfrich
Albrecht Spindler. RB-Lademeister
Rober Baier, Buchbindermeister
Christian Müller, Anwalt, Alexandersreut
Leonhard Ley, Landwirt, Beuerlbach
Otto Oechsle, Kaufmann
Heinrich Mahl, Reichsbahn-Obersekretär
Dr. Rudolf Bontz, Stadttierarzt
Eugen Kübler, Hauptlehrer
Friedrich Esslinger, Gewerbelehrer

Das älteste Mitglied war Georg Beck (Jahrgang 1870),
das jüngste Eugen Kübler (Jahrgang 1898).
Das Durchschnittsalter war im Jahr 1933  52 Jahre.


 

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