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Karl Daurer  
Mit Wirkung vom 10.Juli 1945 wurde Karl Daurer von der amerikanischen Militärregierung zum Landrat des Kreises Crailsheim ernannt.

Er wurde am 9. Februar 1902 in Tiefenbach im damaligen Oberamt Crailsheim als Sohn des Schuhmachers und Landwirts Ludwig Friedrich Daurer und seiner Ehefrau Karoline Barbara geborene Köhler geboren.

Von 1917-1920 erlernte er das Schlosserhandwerk in Crailsheim. Hier ist er bereits Gewerkschaftsmitglied. Nach Beendigung der Lehre und Ablegung der Gesellenprüfung arbeitet er in verschiedenen Betrieben in seinem Beruf. Als Mitarbeiter der Firma Dornier-Metallbau in Friedrichshafen war er politischer Leiter der KPD-Betriebszelle Manzell und stellte im Betrieb illegal Handgranaten her. Dafür wurde er vom Reichsgericht 1924 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu drei Jahren und sechs Monaten Gefängnis verurteilt. Durch Reichsamnestie vom 17.8.1925 erhielt er eine Strafminderung um zwei Jahre. Die Strafe war am 4. März 1926 verbüßt.

Am 7. April 1926 meldet sich Karl Daurer vom Wohnsitz Tiefenbach kommend in
Kempten/Allgäu polizeilich an und nennt als Beruf Schlosser und Geschäftsreisender.
Am 31. Januar 1927 heiratet er in Kempten/Allgäu Berta Güntner, die Tochter des Schlossermeisters Wilhelm Güntner aus Crailsheim. Die Ehe bleibt kinderlos.

In den Jahren 1928 – 1930 arbeitet er in Kempten/Allgäu in seinem Beruf und besucht  abends Fortbildungskurse. Ab Februar 1931 ist Karl Daurer arbeitslos. Aufgrund seiner aktiven Tätigkeit in der Sport- und Gewerkschaftsbewegung wurde ihm im Frühjahr 1931 die Leitung des Arbeiter-Sport- und Kulturkartells in Kempten/Allgäu übertragen. Außerdem ist er Vorsitzender des Proletarischen Freidenkerverbandes in Kempten.

Er schreibt in seinem Lebenslauf: „Diese Stellung war nicht nur sportlicher, sondern auch politischer Natur, auf Grund deren am 1. März 1933 meine Verhaftung durch die Gestapo erfolgen sollte. Derselben konnte ich mich zunächst entziehen und setzte ich von diesem Zeitpunkt an meine anti-nationalsozialistische Tätigkeit illegal im Allgäuer und Augsburger Gebiet fort. Am 10. Mai 1933 erfolgte anläßlich einer allgemeinen Razzia in Augsburg meine Verhaftung. Nach der Überführung nach Kempten in das dortige Amtsgerichtsgefängnis wurde Anklage gegen mich erhoben wegen Fortführung verbotener Organisationen und Verbrechens gegen das Gesetz von Volk und Staat. Nach
3-monatiger Schutzhaft wurde ich in Untersuchungshaft überführt, das Verfahren jedoch wegen Mangel an Beweisen im Oktober 1933 vom Staatsgerichtshof eingestellt.“

Aus der Schutzhaft, die er am 17. Mai 1933 antrat, wurde er am 18. August 1933 entlassen und gleich wieder verhaftet, weil er gegen die Verordnung des Reichspräsidenten über die Auflösung der amtlich so genannten kommunistischen „Gottlosenorganisation“ (Proletarische Freidenker) in Kempten verstoßen hat. Gleichzeitig geht es in einem Verfahren um die verbotene KPD-Zeitschrift „Kempter Mosaik“. Daurer wird die Verbreitung der Zeitung vorgeworfen. Grundlage sind die Texte und Aufforderungen zur Revolution in dieser Zeitung zwischen 1931 und 1933, so zum bewaffneten Kampf für ein „sozialistisches Räte-Bayern“ und „Sowjet-Deutschland“:

Karl Daurer wird am 23.10.1933 aus der Untersuchungshaft ins KZ-Dachau überführt. Dort wird er nach fünf Monaten am 24.3.1934 aufgrund einer Amnestie entlassen. Insgesamt ist er 1933/34 ein Jahr in Gefängnissen und im Konzentrationslager.
 
Er schreibt: „Nach meiner Rückkehr nach Kempten/Allgäu erhielt ich vom dortigen Bezirksamt den Bescheid, meinen Wohnsitz in Kempten aufzugeben, nachdem angeblich dort für meine persönliche  Sicherheit keine Gewähr geleistet würde. Es blieb nichts anderes übrig, als in meine Heimat zurückzukehren. Hier übernahm ich im August 1934 das von meinem Schwiegervater betriebene (Schlosserei-)Geschäft. Auch hier hatte ich selbstverständlich mit sehr viel Schwierigkeiten von Seiten der NSDAP zu kämpfen, nachdem ich grundsätzlich ablehnte, auch nur irgend einer Gliederung beizutreten.“

In den Jahren 1934 und 1935 besuchte Karl Daurer wieder betriebliche Fortbildungskurse und absolvierte den Vorbereitungskurs für die Ablegung der Meisterprüfung, die im Frühjahr 1935 bei der Handwerkskammer Heilbronn erfolgte. Er gilt in Crailsheim als korrekter, kompetenter und hilfsbereiter Handwerker.

Eine Beteiligung am Widerstand ist nicht bekannt. Bei der Entlassung aus dem KZ-Dachau mußte er unterschreiben, sich zukünftig nicht gegen den NS-Staat zu wenden.

Bei Ausbruch des Krieges wurde er am 1. September 1939 zur Wehrmacht einberufen, sofort aber wieder auf Anforderung des Stadtbauamts Crailsheim zur Ausführung von Luftschutzmaßnahmen entlassen. Am 5. Dezember 1941 erfolgt eine zweite Einberufung. Infolge eines Unfalls verlor er bei der Wehrmacht am 28. April 1942 sein linkes Auge und wurde im April 1943 der Rüstungsindustrie zur Verfügung gestellt, und zwar der Firma Robert Bosch in Crailsheim. Er war hier bis Kriegsende tätig.

Beim Bombenangriff am 23.2.1945 auf Crailsheim wurde das Ehepaar Daurer totalgeschädigt. Karl Daurer war Maschinist der Crailsheimer Feuerwehr und zählte während der Brandbekämpfung im Zusammenhang mit den Kriegsereignissen in Crailsheim,

die er von Anfang bis Ende miterlebte, zu den tatkräftigen und mutigen Helfern.

Er schreibt: „Nach Beendigung der Kampfhandlungen in Crailsheim nahm ich sofort die Verbindung mit der örtlichen Militärregierung auf und schuf einen kleinen zivilen Apparat und Sicherheitsdienst. Im Mai 1945 erfolgte die Umbesetzung beim Bürgermeisteramt Crailsheim und ich war von diesem Zeitpunkt an dort als 2. Bürgermeister tätig, bis ich am 10. Juli 1945 von der örtlichen Militärregierung zum Landrat des Kreises Crailsheim berufen wurde. Meine Vereidigung erfolgte von derselben am gleichen Tage.“

Karl Daurer wurde im August 1946 von dem inzwischen gewählten Kreisrat als Landrat nicht bestätigt und mußte sein Amt im September an Kraft Götz von Oelffen (CDU) abgeben. Am 1.11.1946 wurde Karl Daurer vom kommunistischen Arbeitsminister Kohl zum Arbeitsrichter – zuerst mit Sitz in Schwäbisch Hall, dann ab 1948 in Crailsheim – ernannt, wurde Landesbeamter und 1967 als Arbeitsgerichtsrat pensioniert.

Er war von 1947 bis 1953 Stadtrat, Kreisverordneter und Mitglied des Verwaltungsrats der Kreissparkasse Crailsheim.

Karl Daurer verstarb am 16. September 1971.

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