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1914

Crailsheim 1914*


Crailsheim hatte 1914 etwa 6 000 Einwohner

 

Bürgermeister war seit 1911 der 1880 in Heutingsheim geborene Friedrich Fröhlich. (Jahresgehalt 5 050 Mark.)
Er erklärte u.a. in seinem Spruchkammerverfahren 1947 (Mitläufer): „Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Infolge der häuslichen Verhältnisse konnte ich nur die Volksschule besuchen. Ich habe mich aber selbst weitergebildet. Als Beruf nahm ich mir vor: Beamter des gehobenen Verwaltungsdienstes. ... Durch Selbststudium auf die Prüfung vorbereitet, machte ich von 171 Prüflingen das beste Examen und wurde 1902 städtischer Beamter der Stadt Crailsheim. 1906 bis 1911 war ich Beamter der Stadt Stuttgart."

 

Der Gemeinderat unter Vorsitz von Bürgermeister Fröhlich bestand 1914 aus
11 Mitgliedern:

  • Fritz Cron, Inh. Malzfabrik
  • Karl Nagel, Werkstattmeister
  • Leonhard Deschner,
  • Drechsler Fritz Leiberich, Lokomotivheizer
  • Gottlob Fischer, Eisenbahner
  • Heinrich Rehberger, Zimmermeister
  • Georg Gscheidel, Sägewerksbes.
  • Robert Schäffer, Hotelier
  • Heinrich Krauß, Eichmeister
  • Josua Stein, Privatier
  • Wilhelm Volz, Gärtnereibesitzer

Daneben gab es einen Bürgerausschuss mit ebenfalls 11 Mitgliedern. Das war eine Art 2. Kammer zur Kontrolle des Gemeinderates durch dafür gewählte Bürger.

Daneben gab es einen Bürgerausschuss mit ebenfalls 11 Mitgliedern. Das war eine Art 2. Kammer zur Kontrolle des Gemeinderates durch dafür gewählte Bürger.

Ihr Obmann war der Malermeister Georg Häffelin.
Die weiteren Mitglieder:

  • Wilhelm Fach, Brauereibesitzer,
  • Heinrich Linhardt, Seilermeister
  • Georg Frank, Konditor
  • Friedrich Otterbach, Schuhmachermeister
  • Wilhelm Habermeier, Gärtnereibes-..
  • Johann Seybold, Schlossermeister
  • Fritz Feldner, Mühlenbesitzer,
  • Fritz Wenig, Flaschnermeister
  • L.H.Goldstein, Handelsmann
  • Heinrich Wieser, Notariatsangetellter


Crailsheim war Oberamtsstadt. Das Oberamt umfasste 26 Gemeinden. Ingersheim und Altenmünster waren noch unabhängige Gemeinden.

Crailsheim war Sitz der Ämter des Oberamtes.

Im Schloss waren die Büros des Oberamtes – und die Wohnung des Oberamtmannes.
Am Schlossplatz lag auch das Amtsgericht und die Königl. Finanzverwaltung.

Oberamtmann war 1914 Regierungsrat Reinhold Gärtner,
der Amtmann Dr.jur. Friedrich Demmler.
Oberamtsrichter war Dr. Eberhard Ehmann, Amtsrichter Dr. Rudolf Millauer.

Das Postamt wurde geleitet von Postmeister Hans Kübel, Leonhard Brenner war schon damals Oberpostassistent.

Die Eisenbahn nahm laufend an Bedeutung im Personen- und Güterverkehr zu.
Der Ausbau wurde geleitet von Baurat Adolf Ötinger und Regierungsbaumeister Karl Reger.
Die Betriebsinspektion unterstand Ernst Rehm, die Güterstelle Ernst Eckert.
Der Bahnhof Crailsheim wurde von Rudolf Weizenegger geleitet.

Stadtverwaltung
Die Finanzen der Stadt waren in Ordnung
.**
Der Schuldenstand betrug rund 1 100 000 Mark, verteilt auf Stadtpflege, Gaswerk und Wasserwerk. (Der Anschluss an ein Stromnetzwerk erfolgte erst 1920. 1914 war die einzige Energiequelle für Haushalte das Gas.)

Das Vermögen der Stadt bestand aus zahlreichen Grundstücken, Gebäuden und Wald. Es überstieg den Schuldenstand deutlich. Pachteinnahmen kamen u.a. vom Spitalsee, Stadtgütern, Grundstücken. Des weiteren werden unspezifiziert Holz- und Lagerplätze, Steinbrüche, Lehmgruben, Eiskeller, Brunnen und Quellen angeführt.

Assistent des Bürgermeisters war Gottfried Offenhäußer,
Stadtpfleger Friedrich Wohlmann,
Buchhalter Gotthilf Lindenmeyer, Verwaltungsleiter Richard Frasch.
Das Einwohnermeldeamt leitete Gotthold Schwamm.
Stadtbaumeister war Georg Weick.

Die freiwillige Feuerwehr unterstand Robert Schäffer, Fritz Leiberich war sein Stellvertreter

Ärzte
Oberamtsarzt  Dr. Drachter, Krankenhausarzt
Dr. Rosenfeld
Dr. Gustav Haug
Dr. Artur Mühlberger

Tierarzt::
Oberamtstierarzt Bontz
Stadttierarzt Blümer
Jakob Flecht

Die Zeitung
war der von Alfons Richter geleitete „Fränkische Grenzbote“, der in der Druckerei August Richter in der Langestraße hergestellt wurde.

Kirchen
Die Stadt besaß eine evangelische Kirche, die Johanneskirche, eine Kapelle neben dem Rathaus, die katholische Kirche und die Synagoge.

Dekan der Evangelischen Kirche war Lic. Friedrich Hummel,
Stadtpfarrer Dr. Richard Lempp,
Pfarrer der katholischen Kirche war Roman Stehle.

Das Rabbinat der israelischen Kirche wurde 1914 von Braunsbach nach Schwäbisch Hall verlagert. In Crailsheim war Lehrer Jakob Straus Vorsänger der Gemeinde. Zur Gemeinde gehörten die Synagoge, das Gemeindehaus, die israelische Schule, ein Bad und der Friedhof
Der israelische Verein „Einklang“ wurde von Maschinenfabrikant Bertold Stein geleitet.

Schulen:
- Realschule mit Lateinabteilung bis zur 6 Klasse (10. Schuljahr.) in der Schulstraße 28. Wer das Abitur machen wollte musste täglich nach Schwäbisch Hall fahren.
Rektor war Theodor Marstaller.

Im Jahr 1914 schlossen die 6. Klasse 18 Schüler ab, darunter aus Crailsheim:
Otto Diebold, Walter Gärtner, Ernst Glück, Benno Gundelfinger, Theodor Rosenfelder, Theodor Stern und Robert Wüst.

- Evang. Volksschule, Leonhard-Sachs-Schule, Schönebürgstraße 28, Rektor Karl Kübler..

- Katholische Volksschule, Schillerstraße 22, Leitung Hauptlehrer Otto Breitfeld.

- Israelische Schule, Hauptlehrer Jakob Straus.

- Allgemeine Fortbildungsschule und Gewerbeschule, Gewerbelehrer Franz Hermann.

- Frauenarbeitsschule, Spitalstraße 2, Arbeitslehrerin Else Klöß und Anna Neuhaüßer.

- Kleinkinderschule, Spitalstraße 4, ungenannt.

-Arbeitsschule, Spitalstraße 4, Leitung Arbeitslehrerin Luise Weiß

Vereine
Es gab 38 Vereine , darunter der Schwäbische Albverein, der Bürgerverein, der Gesangverein Harmonia, der Gewerbeverein (Vorsitzender Kaufmann Albert Schulz), Radfahrverein (Voritzender Fritz Feldner) , Turnverein (Vorsitzender Emil Rümmele), Turnerbund (Vorstand Gotthold Kaufmann), die Nachbarschaft (Vorstand Lokomotivführer Gustav Burkhardt), Verschönerungsverein, Veteranenverein, Veteranenen und Kriegerverein.

Gaststätten
Im „Handbuch“ sind zwei Hotels angegeben: Das von Luise Arnold betriebene Hotel „Lamm“ und das „Post-Faber“ von Robert Schäffer.

Als „Gasthof“ und „Gasthaus“ firmierten 12 Unternehmen, darunter der „Ritter“, der Bayrische Hof“, Deutscher Kaiser“, Schwarzer Bock“ und „Grüner Baum“.
29 Schankwirtschaften waren eingetragen, darunter der „Engel“ und die „3 Könige“ (Kellermann). Sie boten fast durchweg auch Übernachtungen an.
Der Pächter der Bahnhof-Gaststätte war Eugen Brandstetter.
Dazu kamen 4 Cafes: Frank, Geuder, Kett und Kühl.

Unternehmen
Crailsheim besaß 3 Banken, die Oberamtssparkasse (seit 1884 – später Kreissparkasse), die Gewerbebank und die Württembergische Vereinsbank.
Schon weit über Crailsheim hinaus bekannt war das 1902 gegründete Muschelkalkwerk
Schön & Hippelein, das auch der Bausteinlieferant für den Stuttgarter Hauptbahnhof war.

Als wohl erste regelrechte Crailsheimer Fabrik kann man die Maschinenfabrik von
J. Bertold Stein bezeichnen, die auf landwirtschaftliche Maschinen spezialisiert war.
Aber auch als landwirtschaftliche Maschinenfabriken angegeben sind die Crailsheimer Maschinenfabrik von Georg Stecher und Karl Einsiedel.
Die Fa. Richard Keidel bezeichnete sich schon als Motorenfabrik.

Größere überregionale Bedeutung hatte Speer & Gscheidel – Dampfsäge- Hobel- und Spaltwerk. Unternehmerisch recht aktiv war auch die Baufirma Kreisel & Barthelmess mit eigener Produktion von Zement- und Terrazzo-Waren.

Die wirtschaftliche Lebhaftigkeit der Stadt Crailsheim auch für das Umland geht aber aus der Auflistung von Handels- und Gewerbeunternehmen hervor. Es gab u.a.

30 Versicherungsagenten, 22 Bäcker, 6 Bierbrauereien, 3 Buchdruckereien und 4 Buchbinder, 4 Eisenwarenhandlungen, 3 Fahrradhandlungen, 6 Flaschner, 7 Friseure , 4 Gärtnereien, 4 Getreidehandlungen (mit überregionaler Bedeutung: M. Rosenfeld & Cie),
4 Gipser aber nur 2 Glaser, 17 Güterhändler, 4 Hafner, 10 Geschäfte für Haus- und Küchengeräte, 3 Hebammen und 2 Kaminfeger, 3 Kleiderhandlungen
3 Knochen- und Lumpenhandlungen, 36 Kolonial- und Spezereiwarenhandlungen
6 Konditoreien. 4 Küfer, 2 Kürschner, 1 Kupferschmied, 4 Kutschereien
4 Landesproduktenhandlungen, 9 Leder- und Lederwarenhandlungen, 9 Maler,
12 Manufaktur- und Modewarenhandlungen, 4 Maurer, 6 Mehlhandlungen, 15 Metzger, 3 Hausmetzger, 7 Mostereien, 4 Nähmaschinenhandlungen, 18 Näherinnen,
3 Obstgroßhandlungen, 7 Obst- und Südfrüchtehandlungen, 6 Ofen- und Herdhandlungen, 6 Papier- und Schreibwarenhandlungen, 6 Putzgeschäfte, 3 Rechtsanwälte und einen Rechtskonsulent, 6 Sägereien, 13 Samenhandlungen, 3 Schirmhandlungen, 6 Schlosser, 6 Schmiede, 8 Schneider, 11 Schreiner, 19 Schuhmacher, 12 Schuhgeschäfte, 2 Schweinehändler, 4 Drogerien. 3 Seiler, 2 Spielwarengeschäfte, 1 Tanzlehrer (Karl Grüb), 5 Uhrmacher, 16 Viehhhändler, 2 Wagenbauer und 3 Wagner, 5 Wasch- und Bügelgeschäfte, 4 Weinhandlungen.
 




* Die Hauptquelle ist das „Adreß- und Geschäfts-Handbuch für die Stadt Crailsheim 1914“.
** Angaben aus Werner Martin Dienel: „Crailsheim Einst und Heute“, Crailsheim 1984.

Hof- und Staatshandbuch des Königreich Württemberg 1914

 

 

 

 

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