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Die Verwaltung im Oberamt 1914


(Quelle: Von Regierungsoberinspektor Wilhelm Baumann im Ruhstand aufgeschrieben und von seinem Sohn Werner Baumann übermittelt.)
 

Das heutige Landratsamt führte die Bezeichnung „Königliches  Oberamt“
Der Vorstand des Oberamts führte die Bezeichnung "Oberamtmann".
Besonders bewährten Oberamtmännern  konnte die Dienststellung oder der Titel eines Regierungsrats oder Oberregierungsrats zugestanden werden.
Der zweite Beamte des Oberamts (Stellvertreter des Oberamtmanns) hatte den Titel  "Amtmann".

 

Voraussetzung für den Oberamtmann und den Amtmann war die

Erstellung der Staatsprüfung für den höheren Verwaltungsdienst.
Der Oberamtmann trug bei besonderen festlichen Anlässen, z.B. an Königs Geburtstag, eine besondere Dienstkleidung.

Als Kanzleibeamte hatten die Oberämter bis um das Jahr 1900 nur sogen,"Revisionsassistenten". Es waren dies Beamte des gehobenen Dienstes (heute Inspektoren) . Sie waren bis zum Jahr 1895 Privatgehilfen des Oberamtsvorstands. Die ersten Stellen im Staatshaushaltsplan für diese Beamtengruppe wurden 1903/04 geschaffen. Die Kanzeleibeamten wurden damit Staatsbeamte. Ihr Titel war "Oberamtssekretär".

Der Aufgabenkreis eines solchen Beamten war sehr be
scheiden, z.B.Rechnungsprüfung, Fertigung von Abschriften und Auszügen, Ausfüllung von Formularen, Führung des Portoverzeichnisses, Fertigung statistischer Zusammenstellungen. Mit Ermächtigung der Königl..Kreisregierung konnte einem Kanzleibeamten sogar die Führung der Sportelkasse und der Sportelrechnung übertragen werden.

 

Die Stellen der Beamten des mittleren Dienstes (die heutigen Assistenten und Sekretäre) waren von Militäranwärtern besetzt. Sie führten die Bezeichnung "Kanzlist". Sie führten die einfachen Schreibarbeiten aus. Weibliches Personal gab es auf den Oberämtern nicht.
 

Die Diensträume der Oberämter waren bescheiden und einfach ausgestattet. Das Schloss in Crailsheim  hatte z.B. 4 Kanzleien und einen  kleinen Sitzungssaal. Man arbeitete in der Regel an alten Stehpulten oder gewöhnlichen  Schreibtischen. Die Beleuchtung war mehr als primitiv. Die Gaslampe mit ganz gewöhnlichem Pappdeckelschirm zog man, wenn es dunkel wurde, herunter, bei Tag schob man sie wieder hinauf. Ein Telefon hatte nur der Oberamtmann auf dem Tisch. Alle übrigen Beamten mussten sich mit einem Wandtelefon
begnügen, das von dem Kanzleigehilfen bedient wurde. Dieser Zustand
genügte auch. Es wurde nicht viel telefoniert. Auf den Rathäusern draußen war ja vielfach kein Telefonanschluss. Wurde einmal ein
Bürgermeister dringend benötigt, so wurde er an die öffentliche Fernsprechstelle gerufen. 

An Schreibmaschinen hatte
das Oberamt Crailsheim eine alte Adlermaschine, die gerade der benutzte, der sie brauchte. Sehr viel wurde noch mit der Feder geschrieben» Der Oberamtmann, wie der Amtmann schrieben ihre Entwürfe alle handschriftlich.  Der Kanzleigehilfe fertigte dann auf der Maschine die Reinschrift.
 

Die Besetzung des Oberamts Crailsheim war noch im Jahr 1917

1 Oberamtmann, 1 Amtmann, 1 Oberamtssekretär, 2 Kanzleigehilfen.

Die Arbeitszeit war von morgens 7-12 Uhr und von14-19 Uhr, auch

samstags.

Es muss  allerdings berücksichtigt werden, dass der Kreis
Crailsheim damals nur 26 Gemeinden zählte. Die Zusammenlegung der beiden Kreise Crailsheim und Gerabronn kam erst am 1.10.1938.
 

Die Gemeinden des Oberamtsbezirks bildeten einen Verband unter der Bezeichnung Amtskörperschaft (heute Landkreis).
 

Die Verwaltung der Angelegenheiten der Amtskörperschaft war

der Amtsversammlung und dem Bezirksrat übertragen. Die Vertretung der Amtskörperschaft stand dem Bezirksrat zu. Die Amtsversammlung bestand aus dem Oberamtsvorstand als Vorsitzendem und aus 20-30 Abgeordneten der zu dem Oberamtsbezirk gehörenden Gemeinden.
 

Jede einzelne Gemeinde beschickte die Amtsversammlung nach dem Verhältnis, in welchem sie zu dem Bedarf der Amtskörperschaft beitrug. Die kleinsten Gemeinden hatten nur zusammen mit anderen Gemeinden einen Vertreter. Diese Gemeinden mussten sich über eine Reihenfolge einigen, in welcher die von ihnen bestellten Vertreter mit Stimmrecht an den Sitzungen der Amtsversammlung teilzunehmen hatten. Die Abgeordneten der Gemeinden wurden von dem Gemeinderat und dem Bürgerausschuß in geheimer Abstimmung gewählt.

In der Regel wurde der Bürgermeister als Vertreter der Gemeinde in die Amtsversammlung geschickt. Die etwaigen weiteren Vertreter waren dann Gemeinderäte. Die Wahl der Abgeordneten erfolgte jeweils auf drei Jahre im  Dezember.

Der Bezirksrat bestand aus dem Oberamtsvorstand als Vorsitzenden und 6 weiteren Mitgliedern, die nebst 4 Stellvertreten von der Amtsversammlung auf 3 Jahre gewählt wurde. 3 ordentliche und 2 stellvertretende Mitglieder waren aus der Mitte der Amtsversammlung, die übrigen aus den sonstigen Bezirksangehörigen zu wählen,

Die Besorgung der Kassen- und Rechnungsgeschäfte der Amtskörpernschaft war dem Oberamtspfleger übertragen.

Das Amt der Oberamtspflege war noch eine Einmannbehörde. Der Stelleninhaber war Amts
vorstand, Buchhalter, Kasssier, Krankenhausverwalter, alles in einer Person.

Ein Kreisfürsorgeamt, ein Jugendamt, gab es noch nicht. Diese Ämter wurden erst nach dem ersten Weltkrieg geschaffen für die auf den Landkreis zugekommenen neuen Aufgaben.

 

Die Oberamtssparkasse war eine Einrichtung der Amtskörperschaft. Ihre Verwaltung lag dem Bezirksrat ob. Daneben bestand noch für bestimmte Aufgaben eine Ausleihekommission. Die Oberamtssparkasse war mit 2 Beamten besetzt. Hilfskräfte oder Schreibkräfte wurden erstmals 1916 angestellt. Leiter der Oberamtssparkasse war der oberamtssparkassier, der zweite Beamte, der Gegenrechner, führte die Bezeichnung Kontrolleur:

 

Die Oberamtspfleger und die Oberamtssparkassiere hatten eine Sicherheit zu leisten. Wer die verlangte Sicherheit nicht leisten konnte, konnte ein solches Amt nicht bekommen.

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