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CIC in Deutschland  
Das US-Organ der Überwachung der deutschen Bevölkerung war das Counter Intelligence Corps CIC.
Das CIC war der eigene  Nachrichtendienst der US Army.

Er war nach Kriegseintritt der USA am 13. Dezember 1941  noch unter dem Namen Corps of Intelligence Police (CIP) Dienst neu formiert worden, dann aber ab  1942  als Counter Intelligence Corps aktiv – und blieb bis es zu einer Neuformierung aller amerikanischen Geheimdienste im Jahr 1961 als die Dienste zur Defense Agency (DIA) verschmolzen wurden.
Im Krieg wurde die ganze Breite nachrichtendienstlicher Tätigkeiten ausgeübt – von der Gefangenenbefragung bis zur Unterstützung von Widerstandsgruppen hinter den deutschen Linien.
Noch im und unmittelbar nach dem Kriegsende wurde nach prominenten Feind-Persönlichkeiten und Kriegsverbrechern - aber auch nach  Wissenschaftlern der gegnerischen Militärforschung  gesucht.
Hierzu gehörte auch die Einrichtung von Interrogation Centers.

Generell war der Auftrag die Ausschaltung jeglicher Bedrohung der Sicherheit der Besatzungstruppen.

CIC in Crailsheim
Die erste CIC Aktion in Crailsheim war die Verhaftung und Inhaftierung von bestimmten  Angehörigen der NSDAP und ihrer Gliederungen.
Das war der sogenannte Automatic Arrest (Verhaftung wegen Mitgliedschaft bzw. Diensstellung in einer  bestimmter Organisationen des NS-Staates.)


Die aufgelisteten  Kategorien – so z.B. auch Kreis- und Ortsgruppenleiter und ihre leitenden Amtswalter sowie höhere HJ-Führer und -Führerinnen – wurden im Rahmen des sogenannten „Automatic Arrest“ verhaftet und in Internierungslager verbracht.

Nach groben Schätzungen der Militärregierung waren in der gesamten US-Zone bis Anfang August 1945 rund 80.000 Personen im Zuge des „automatischen Arrests“ verhaftet und 70.000 als NS-Aktivisten aus ihren Ämtern entlassen worden. Im Winter 1945/46 hatten die Amerikaner in neun Internierungslagern, zwei Krankenhäusern und einem Internierungsgefängnis etwa 30.000 Internierte in Württemberg-Baden zusammengezogen .

Die Zahl der in Crailsheim unter  „automatischen Arrest“ verhafteten ist nicht bekannt. Es gibt nur eine Liste der Mitglieder des Kreisstabes, die 20 Personen umfasst, von denen drei flüchtig waren, einer war von der SS aufgehängt worden (Kreisschulungsleiter Wolfmeyer aus Brettheim), einer blieb auf freiem Fuß und 15 waren verhaftet worden. Die Zahl der Crailsheimer, die darüber hinaus verhaftet wurden, wird in der Größenordnung von bis zu 20 Frauen und Männern liegen. Die Crailsheimer Inhaftierten wurden in das Lager Ludwigsburg des CIC eingewiesen- ohne Angabe von Gründen und Haftdauer.

Am 13. August 1945 fordert Landrat Daurer unter Hinweis auf eine Anordnung der Militärregierung und des CIC von allen Bürgermeistern eine Liste „sämtlicher Nazigrößen bzw. solcher Personen, die durch ihre Parteizugehörigkeit andere Bürger gedrückt und dadurch für sich einen großen Vorteil erreicht haben“ an.
Angefordert wurde dabei eine kurze Beurteilung des Verhaltens. Bürgermeister Gebhardt, selbst Parteigenose seit 1937 und schon davor SA Mann, meldet 40 Personen. Bei zwei Fabrikanten, die keine Parteigenossen waren, reichte z.B. allein die Einstufung als „Großverdiener“.

BM Gebhardt stand unter dem besonderen Schutz von Landrat Daurer  - wurde dann aber doch  auch abgesetzt (und von Landrat Dauer ins Landratsamt übernommen.)

Als die Amerikaner im Mai 1946 nach einem Jahr einige der vom automatischen Arrest Betroffenen wieder entließen, schrieb Karl Daurer jedoch in seinem Wochenbericht für den amerikanischen militärischen Geheimdienst CIC: „Die örtlichen Entnazifizierungsausschüsse und insbesondere die politisch verfolgten Antifaschisten der Jahre 1933-1945 sehen in dieser Angelegenheit eine Undankbarkeit der Besatzungsmacht und die von ihnen geleistete Arbeit vollkommen untergraben, da auf diesem Wege eine Säuberung aller Nazis auf Grund vorgekommener Fälle nicht zu erwarten ist.“

Deutsche Berichte an die Militärregierung
Am 12. Dezember 1945 wurde dem Landrat eine Liste für 1946 zu erstattende Situations-Berichte der betreffenden deutschen Stellen an die Militärregierung übergeben. Sie lässt erahnen, welche bürokratische Verwaltung die Amerikaner mit Hilfe deutscher Angestellter aufgebaut hatten. Die angeforderte Kopienzahl der 21 Berichte  lag zwischen 1 und 5.(!) Im Durchschnitt waren es 3. 
Es ist auch davon auszugehen, dass diese Meldungen bzw. ihre Auswertung an vorgesetzte US-Stellen weitergereicht wurden.

Die Berichte:
wöchentlich:
ansteckende Krankheiten
monatlich: Bewohnerzahl, Feuerwehr, Polizei, Kriminalität und Gefängnishaft, Ernährung, Krankenhaus mit Beschäftigte und Belegung, Geschlechtskrankheiten, Sozialfürsorge, Schulamt, Kirchen, Arbeitsmarkt, Wohnungsamt, Sozialversicherung, Kraftfahrzeuge, Treibstoffe, Wasser und Strom
Vierteljährlich: Agrarflächennutzung
Jährlich
Viehbestand
je nach Anfall
Betriebsratswahlen und Betriebsräte

Hinzu kommt der
wöchentliche Bericht des Landrats an den CIC,
den Geheimdienst der US-Army. Er wurde in deutscher und übersetzter  englischer Sprache abgegeben und hatte vorgeschriebene Themen, zu denen Informationen und Stellungnahmen verlangt waren. Der Umfang war in der Regel zwei eng beschriebene  DINA4-Seiten.
Beispiel 1.4.1946
1. Wirtschaftslage mit Stimmungsbild
2. Ernährungslage mit Stimmungsbild
3. Fürsorgeangelegenheiten mit Stimmungsbild
4. Ostflüchtlingsfragen mit Stimmungsbild
5. Jugendorganisationen und Stimmungsbild
6. Politische Parteien und Stimmungsbild
7. Arbeitswesen
8. Besondere Vorkommnisse
9. Besondere Gerüchte und Parolen
10. Stimmungsbild zur Außenpolitik



Die Berichte der Militärregierung Crailsheim 1946:
1. Weekly Activity Report
An Office of Military Government Württemberg/Baden
Berichterstatter: LIAISON – Security Office.
Verteiler: Information Control Division
Inhalt:
Administration Office Crailsheim
Summary of Situation (Military).

Summary of Situation (German)
Civil Administration
Militärgericht
Political Intelligence (Nachrichtendienstliche Erkenntnisse)
Gefängnis (Einsitzende mit Haftdauer)
Erziehung und Religion
Aktuelles lokal.


2. Monthly Political Activity Report US Army
Verteiler:
- Civil Administration Branch
- Director of Political  Affairs
- Information Control Division
- Andere Dienststellen der Militärregierung
Inhalt: Significiant Political Events
            Important Political Personalities
            Party Activity
            Political Opinions and Views.


3. Weekly Intelligence Report
Berichterstatter: Militärgouverneur Crailsheim, dort das Liason and Security Office
Vermerk: Confidential – mit Einsichtsbeschränkungen.
Verteiler:  Director of Intelligence, Military Government for Germany
Inhalt: Nur beschränkt auf das zugeordnete Besatzungsgebiet, hier der Kreis. 

Der Berichterstatter musste sowohl Quelle als auch Inhalt  in Noten von A bis F bzw. 1 – 6 selbst auf ihre Verlässlichkeit beurteilen.
Inhalt: 3 Hauptthemen mussten auf jeden Fall bearbeitet werden:
Main Events,
German Attitudes and Opinions
Main Personalities.


1947
Die Themen blieben unverändert -
jedoch wurde im August 1947 die Berichtsabgabe von wöchentlich auf vierzehntägig umgestellt.


Die Berichte der „Investigator“
Die örtlichen Militärgouverneure in der amerikanischen Besatzungszone beschäftigten externe Ermittler, die auf bestimmte Sachgebiete und Ereignisse angesetzt wurden.
Ihre deutsch- und  englischsprachigen Reports decken alle Gebiete der Nachkriegsgeschichte ab – viel weitergehend als die amtlichen deutschen Berichte es tun. Ohne ihre Auswertung ist wohl keine lokale Nachkriegsgeschichte vollständig.
In Crailsheim wurden 5 Berichterstatter beschäftigt. Sie wurden nicht in Crailsheim rekrutiert. Über ihre Herkunft ist nichts veröffentlicht. Vermutet wird, dass sie aus befreiten Lagern kamen und von den Amerikanern dort für Ermittlungsarbeiten ausgesucht wurden.    

Hier liegen die Crailsheimer Investigator-Berichte für die Jahre 1946 bis 1948 vor. 
Beispiel: Für den Januar 1947 gibt es 29 Berichte.

Ein US-Ermittler nahm an jeder  Sitzung des Gemeinderats und des Kreistags – auch den nichtöffentlichen - bzw. an jeder Versammlung – die ja alle genehmigungspflichtig waren – teil. Und sie erstellten anschließend einen Bericht für die örtliche Militärregierung.

Einzelne Berichte – etwa zur Währungsreform und zum Flüchtlingsproblem – sind hier bereits veröffentlicht. Eine weitergehende Veröffentlichung müsste außerhalb dieser Internet-Berichterstattung erfolgen.


 

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