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Crailsheim 1936                  Die Stadt Crailsheim vor 80 Jahren!

Quellen: "Staatshandbuch für Württemberg", 1936,;
"Chronik1936", Dortmund 1985
Eigenes Archiv und meine Bücher über Crailsheim
Armin Ziegler

Die Stadt hatte 6 444 Einwohner
davon waren 5 367 evangelisch, 733 katholisch, 168 andere Christen, 160 jüdisch.

Bürgermeister war seit 1911 Friedrich Fröhlich.
Die Stadtwerke unterstanden Stadtdirektor Gotthilf Lindenmeyer.
Leiter der Bürgermeisterkanzlei war Stadtinspektor Wilhelm Gebhardt.
Landrat des Kreises Crailsheim war Karl Wilhelm Schäfer, sein Dienssitz das Schloss.
Sein Kanzlei-Vorsteher war Regierungsoberinspektor Baumann.

Behörden: Amtsgericht Crailsheim, Landgericht Ellwangen, Arbeitsamt Schwäbisch Hall, Gesundheitsamt Ellwangen, Staatsrentamt Ellwangen, Finanzamt Crailsheim.


Die drei Banken waren die Kreissparkasse, die Gewerbe - und Landwirtschaftsbank und die Handels- und Gewerbebank Heilbronn, Filiale Crailsheim.

Crailsheim hatte ein Kreiskrankenhaus, dem schon Dr. Ottokar Lang vorstand. Der Amtsarzt war Dr. Magenau, Stadt-Tierarzt Dr. Ruoff.
Der Kreistierarzt war Dr. Bartenbach. 


Es gab ein Kino: Frankonia Lichtspiele, Karlstr. 35


Schulen und Kirchen.
Die Stadt besaß eine evangelische Kirche, die Johanneskirche, die Liebfrauen-Kapelle neben dem Rathaus, die katholische Kirche und die Synagoge.  Die Methodisten hatten ein Gemeindehaus.
Dekan der Evangelischen Kirche war Otto Matthes, Stadtpfarrer Adolf Reusch.
Schwester Margarete Zeuner leitet ab 1937 den Singkreis der Johanniskirche.
Pfarrer der katholischen Kirche war Pfarrer Ohrnberger.
Die israeelische Gemeinde hatte den Fabrikant Bertold Stein als Vorsitzenden (später Hermann Hilb), der Synagogenbetreuer war Max Rosenfeld.
Der Prediger der Methodistenkirche im Gemeindehaus in der Ludwigstraße war Maximilian Paetzold.


Es gab 19 Gaststätten:

Bahnhofwirtschaft, Inh. Richard  Katz

Bayrischer Hof, Gasthof, Bes. Georg Keller, Bahnhofstr.
Deutscher Kaiser,
Gasthof, Inh. Bab. Lang, Bahnhofstr. 32
Dreikönig, Gasthaus, Bes. Carl Kellermann

Eisenbahn, Gasthaus, Bes. A. Heinz

Engel, Bierbrauerei, Gasthaus, Bes. G. Fach

Grüner Baum, Gasthof, Inh. Rosine Bühler, Lange Str. 46
Grüner Baum,
Gasth., Kaffee, Inh. Karl Schmidt, Satteldorf
Herz,
Weinrest., Kaffee-Kond. (Bes. Paul Herz), Wilhelmstr. 20
Kanne, Wirtschaft, Metzgerei, Bes. Leonhard Schmieg

Kronprinzen, Wirtschaft, Metzgerei (Inh. G. Butz), Altenmünster
Mohren, Wirtschaft, Metzgerei, Bes. Gg. Preiß

Ritter, Gasthof, Metzgerei, Bes. Fr. Seitz

Rose, Gasthof, Inh. Anna Rössler, Lange Str. 20

Rose, Gasthaus, Bes. Fr. Schaffert, Jagstheim

Schwarzer Bock, Gasthof, Bes. Fr. Schumm, Bahnhofstr.

Sonne, G. Dorsch

Stern, Gasthaus, Bes. August  Lang

Traube, Gasthof, Metzgerei, Bes. Fr. Hahn

und 5 Cafes:
Frank, Kaffee-Konditorei, Kolonialwaren, Bes. Georg Frank

Geuder, Kaffee-Konditorei, Inh. Georg Geuder, Karlstr. 7
Joos, Kaffee-Restaurant, Inh. Paul Hirzel

Kett, Kaffee-Konditorei, Bes. Eugen Kett

Kühl, Kaffee-Konditorei, Besitzer. Wilhelm Kühl, Lange Str. 18
 



N. S. D. A. P.

Kreisleitung, Schillerstr. 7

Kreisamtsleitung der NS-Volkswohlfahrt, Karlstr. 34

NSKK, Motorsturm 26/M 155, Schillerstr.4

SA Sturm 5/248, Bahnhofstr. 1

HJ-Bann, Jungbann und BDM-Untergau 122, Spitalstr. 2

 

Deutsche Arbeitsfront, Kreiswaltung, Schillerstr.7
NS-Volkswohlfahrt (NSV), Karlstr.34
Reichsluftschutzbund, Karlstr. 29


Die Nachbarstädte zum Vergleich:

Schwäbisch Hall: 30 560 Einwohner, davon 27 168 evangelisch, 2 497 katholisch, 645 andere Christen, 115 jüdisch.
Hessental wurde am 1. 7. 1936 eingegliedert.

Ellwangen: 5 924 Einwohner, davon 962 evangelisch,  4 914 katholisch, 31 andere Christen, 13 jüdisch.

Aalen: 12 714 Einwohner, davon 6 322 evangelisch, 6 201 katholisch, 138 andere Christen, 7 jüdisch.

Gerabronn: 1 586 Einwohner, davon 1528 evangelisch, 54 katholisch, 3 andere Christen.


Notizen aus 1936
Februar

-Einberufung des ersten Jahrgangs (1915) zum zur Pflicht gewordenen Arbeitsdienst.
 -Thomas Mann kündigt Emigration an.
 - Chaplin-Filme verboten.
März:
Das Hakenkreuz wird zum Hoheitszeichen des Deutschen Reiches erklärt.
- Einmarsch deutscher Truppen ins Rheinland-

-Die Aktion „Kraft durch Freude“ richtet für KdF-Urlauber in einem 3-Jahresplan erste eigene  Heime in Seebädern ein.
Ausstellungseröffnung „Entartete Kunst. Vertreter der „Moderne“ werden  angeprangert.
 Bei den Reichstagswahlen stimmen „99 Prozent „für den Führer“.
April
 Der Jahrgang 1926 wird in die Hitlerjugend aufgenommen (noch keine Pflicht).
„Hausmannskost“ wird der „Haute Cusine“ gegenübergestellt. Eintopf-Sonntage eingeführt.
- Zarah Leander wird deutscher „Filmstar“ „Mädchenjahre einer Königin“.
- Nationalsozialistische Straftäter werden amnestiert.
Alle deutschen Sportverbände werden zum Deutschen Reichsbund für Leibesübungen zusammengeschlossen.
- Der Volksgerichtshof wird letztinstanzliches Gericht.
- Wohnbauten erreichen Höchstzahlen.
- Neben Sammlungen für dasWinterhilfswerk werden jetzt Sammlungen für die NS-Volkswohlfahrt (NSV) durchgeführt.
- Englisch wird die erste Fremdsprache an Höheren Schulen
- Jedes Brautpaar erhält ab jetzt auf dem Standesamt Hitlers „Mein Kampf“.

Mai
- Die „Gewaltenteilung“ wird offiziell  ersetzt durch „die Macht, die dem Führer erteilt wurde.“ Bekanntgabe auf dem Deutschen Juristentag.
- In Deutschland sind rund eine Million Personenwagen zugelassen.
- Gesetz zur Einziehung von „Erzeugnissen Entarteter Kunst“.
- Pfingstdenkschrift der Bekennenden Kirche gegen NS Rassenwahn und Antisemitismus.


Juni
- Alle Brautpaare erhalten auf dem Standesamt Adolf Hitler„Mein Kampf“
- Die Zahl der Arbeitslosen ist erstmals unter 1,5 Millionen gefallen.
-Das Zentralkomitee der deutschen Exil-KPD in Paris wählt Walter Ulbricht zum  Sekretär des Politbüros.
- Der Reichsführer SS, Heinrich Himmler wird zum Chef der Deutschen Polizei ernannt.
- Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit steigt auf 45,6 Stunden.
- 1.FC Nürnberg ist deutscher Fußballmeister. Vizemeister ist Fortuna Düsseldorf.

Juli
- In Frankfurt/Main wird der Flug- und Luftschiffhafen eröffnet.
- Deutsche Juden dürfen nicht mehr zur Wehrmacht einberufen werden.
- Die Siemens AG bietet Kühlschränke zwischen 60 und 300 Liter Nutzraum ab 295 RM an.
-Die Bayreuther Festpiele eröffnen mit „Lohengrin“.
Der Sommerschlussverkauf dauert vom 27. Juli (Montag ) bis 1. August.

August
- In Genf tagt der jüdische Weltkongreß und beschließt in einer  Resolution, dass das jüdische Volk die Herausforderungen des Nationalsozialismus annehmen wird. Bekanntgabe, dass inzwischen
93 000 Juden Deutschland verlassen haben.
-Die Dienstpflicht in der Wehrmacht wird von einem Jahr auf zwei Jahre erhöht.
Stuttgart erhält den Ehrentitel „Stadt derAuslandsdeutschen. Es ist Sitz des Deutschen Auslandsinstitutes.
- In Berlin wird die Große Deutsche Funkausstellung abgehalten.
- Der farbige Amerikaner Jesse Owens ist der erfolgreichste Athlet der Olympischen Spiele
(4 Goldmedaillien.)


September
- 9. September : NSDAP „Parteitag der Ehre“. Proklamation eines 4Jahres-Planes  Erreichung der weitgehenden Rohstoff-Autokratie. Hitler und Reichsjugendführer Baldur von Schirach sprechen vor 50 000 Hitlerjungen, die in  sogen. Sternmärschen aus dem ganzen Reich herangeführt wurden.
- Neue Winterhilfsmarken der Reichspost: NSBauten und Straßen.
- In Breslau wird der 1000. Kilometer der Reichsautobahn freigegeben.
- Verkürzung der Schulzeit von 13 auf 12 Jahre.
- 227 000 Ausländer arbeiten in Deutschland (80000 Frauen), 50000 in der Landwirtschaft.


Oktober
- Juden oder Mischlinge dürfen nicht mehr  Schulen leiten oder Privatunterricht geben.
-  Erste Straßensammlung für das Winterhilfswerk.
- 40 Jugendherbergen werden eröffnet. Weitere Grundsteinlegungen.
- In Madrid im  Bürgerkrieg:  Gründung der Internationalen Brigaden.
- Die bisher zeitlich festgelegte „vorbeugende Schutzhaft“- Einweisungen in Konzentrationslager erfolgt ab jetzt  „bis auf weiteres“.
- Orkanartige Stürme und Sturmflut an der Nordseeküste.  Große Sturmschäden.
- Sepp Herberger wird Fußball-Reichstrainer einschl. der Nationalmannschaft.

November
- In Drogerien werden Sammeltonnen für Altmetalle aufgestellt.
-Hirtenbrief der katholischen Bischöfe zum Schutz der Bekenntnisschulen und katholischen Lehrkräfte.
- Föderungsprogramm  für Arbeiterwohnungen.
- Dem deutschen Pazifisten und Schriftsteller Carl von Ossietzky wird nachträglich der Friedensnobelpreis für 1935 zuerkannt.
- Das Innenministerium führt für Personalangaben die Religions-Begriffe
„Gottesgläubiger“ und „Gottloser“ ein.
- Die Verbraucherpreise für Weihnachtsbäume werden reichseinheitlich festgelegt.
- Anbietungspflicht (an die Reichsbank) von Gold und ausländischen Zahlungsmitteln.
(zur Minderung des deutschen Devisenmangels.) Praktisch war das ein Verkaufszwang.

Dezember
- Die Hitlerjugend ist ab jetzt die einzige zugelassene Jugendorganisation.
- Das Gesetz gegen Wirtschaftssabotage enthält auch die Todesstrafe bei Devisenvergehen.
- Das Reichspropagandaministerium übernimmt die Leitung des Winterhilfswerkes.
-  Thomas Mann wird die deutsche Staatsangehörigkeit aberkannt.
- Für die Abgabe von Speisefetten werden Händler-Kundenlisten angeordnet.
- In Paris findet eine Buchmesse deutscher emigrierter Autoren statt.
- Reisepässe für deutsche Wehrpflichtige dürfen nur noch mit Zustimmung des Wehrmeldeamtes ausgestellt werden.
- Die katholischen Bischöfe erklären es in einem Hirtenbrief zur Pflicht, das Oberhaupt des deutschen Reiches im Kampf gegen den Bolschewismus zu unterstützen.
- 1. Dezember: Gesetz über die Hitlerjugend. - Die Hitlerjugend ist ab jetzt die einzige zugelassene Jugendorganisation.  Die Mitgliedschaft wird ab dem 10. Lebensjahr Pflicht.
- In einem internen Bericht der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) wurden 1936 13 000 Personen wegen illegaler politischer Betätigung verhaftet. (Hauptsächlich Sozialdemokraten und Kommunisten, örtlich z.B. auch Zeugen Jehovas.) 1,6 Millionen illegaler Flugblätter wurden vernichtet.


Ernennungen in Crailsheim und Hohenlohe

Im Mai 1936 wurde
Studienrat Isedor Fischer, Oberschule Crailsheim,  von der Württembergischen Archivdirektion zum

„Bezirkspfleger für Schriftdenkmal-Archivalienschutz“ ernannt.
Für Schwäbisch Hall wurde es Oberlehrer Wilhelm Hommel,
für Gerabronn     Hauptlehrer Karl Schumm;

In der Liste der „Bezirksbeauftragte für „Naturschutz“
sind 1936 aufgeführt:

Crailsheim: Studienrat Isedor Fischer;
Schwäbisch Hall: Dr. Gustav Oertle, Studiendirektor
Gerabronn: Leonhard Kellermann, Kreisbaumeister

 

September: 27. Fränkisches Volksfest
Wegen des Reichsparteitag in Nürnberg vorverlegt auf  Samstag bis Montag, 5.- 9.9.1936.
Festzug-Motto: Das deutsche Lied. 30 Gruppen und Wagen. Segelflugvorführungen.
Gewerbeschau, Schweine – und Kaninchenschau. Montag Pferdemarkt.



Weitere Notizen
Kurzinformationen über sonstige Ereignisse im Jahr 1936


Der NSDAP-Reichsparteitag in Nürnberg hatte den Namen
"Reichsparteitag der Ehre".

Olympiade in Deutschland

Winterolympiade im Februar 1936 in Garmisch-Partenkirchen .
Die Norweger  gewinnen vor Deutschland die meisten Medaillien.

Sommerolympiade 1936
Eröffnung am 1. August 1936 im Berliner Olympiastadion

Medaillien-Spiegel:
Deutschland gewinnt 36 mal Gold , die USA 24 mal – aber im Weitsprung „verliert der Leipziger Lutz Long, ehemaliger Schüler meines Leipziger Nikolai-Gymnasiums“ knapp hinter Jesse Owens – der auch die 100 Meter gewinnt.


Weitere Sportereignisse
24. März: Rennfahrer Hans Stuck stellt auf dem Autobahn-Teilstück Frankfurt-Heidelberg fünf Geschwindigkeitsweltrekorde auf. Über 100 Kilometer erreicht er 262 Km/h.
Neben ihm zählen Rudolf Caracciola und Bernd Rosemeyer zu den bekanntesten deutschen Rennfahrern.
19. Juni : Max Schmeling schlägt den unbesiegten amerikanischen Boxer Joe Louis KO.


 

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