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Die Stadt

Die genaue Einwohnerzahl für das Jahr 1944 ist nicht bekannt. Bürgermeister Fröhlich gab sie für das Kriegsende mit rund 12.000 an, ohne Einrechnung der Besatzung des Fliegerhorsts. Die Nachkriegsangaben für die letzte amtliche Einwohnerzählung im Mai 1939 legen die Zahl auf 10.977 fest, wobei Ingersheim und Altenmünster aber schon eingerechnet sind (Gemeinde- und Kreisstatistik Baden-Württemberg 1950, Statistisches Landesamt Stuttgart 1952). Wesentlicher Zuzug nach Crailsheim bis 1944 erfolgte durch den im April 1939 erfolgten Aufbau eines Zweigwerks der Firma Robert Bosch, durch Einweisung von Evakuierten und durch die Beschäftigung von Fremdarbeitern, die auch in Crailsheim - vor allem in Baracken - untergebracht wurden.

Crailsheim war seit der württembergischen Kreisreform des Jahres 1938 Kreisstadt. Damals wurden die beiden Oberämter Crailsheim und Gerabronn zum Kreis Crailsheim vereint. Zum neuen Kreis Crailsheim gehörten 51 Gemeinden, von denen 32 weniger als 1.000 Einwohner hatten. Die größten Gemeinden waren Gerabronn, Blaufelden, Honhardt, Kirchberg, Langenburg, Rot am See, Satteldorf und Schrozberg. Ingersheim und Altenmünster waren am 1. April 1940 der Stadt Crailsheim eingemeindet worden - was aus ihren Bewohnern gefühlsmäßig längst noch keine Crailsheimer machte.

 Der Sitz des Landratsamtes war das Schloss in Crailsheim. Landrat war Dr. Karl Wilhelm Schäfer, der aber seit 1939 dienstverpflichtet im Generalgouvernement Polen war und erst im Februar 1945 wieder nach Crailsheim kam. Vertreten wurde er durch Dr. Karl Alfons Sautermeister. Crailsheim war Sitz des Amtsgerichtes mit einem Amtsgerichtsgefängnis.


Bürgermeister in Crailsheim war seit 1911 Friedrich Fröhlich, Jahrgang 1880. Er war zwar seit 1937 Mitglied der NSDAP - aber ohne jede Tätigkeit in der Partei oder ihrer Organisationen. Es war auch während der NS-Zeit so, dass kommunale Verwaltungsaufgaben fast ausnahmslos nicht an die Kreis- oder Ortsgruppenleitungen der NSDAP übergingen.
Die seit 1935 gültige Deutsche Gemeindeordnung trennte die Aufgaben. Das änderte sich vom Grundsatz her auch im Krieg nicht. Siehe einen späteren Beitrag hierzu.)


In Crailsheim gab es 1944 alle für eine Kreisstadt notwendigen Schulen:

- Oberschule für Jungen, die aber immer auch von Mädchen besucht wurde. Sie war seit

  1941 Vollanstalt mit Abitur-Abschluss ab 1942.

- Hauptschule (Mittelschule).

- Volksschulen, ab 1936 nicht mehr konfessionell, auch in Ingersheim und Altenmünster.

- Landwirtschaftsschule, Frauenarbeitsschule und Gewerbeschule.


Im Krieg waren die Schulen in Crailsheim teilweise zur Belegung durch das vorhandene Reservelazarett vorgesehen und wurden auch so benutzt. Die Schulklassen wurden dann in andere Räumlichkeiten ausgelagert. Oft war der Unterricht eingeschränkt.


Das Crailsheimer Kreiskrankenhaus war gleichzeitig Reservelazarett, das der Leitung des Chefarztes Dr. Ottokar Lang unterstand, der gleichzeitig den militärischen Rang eines
Oberstabsarztes hatte.


Crailsheim hatte für die Kernstadt zwei Kirchen, die evangelische Johanneskirche und die katholische Bonifatiuskirche. Dekan der evangelischen Kirche war Dekan Matthes, Stadtpfarrer war Pfarrer Reusch. Der Pfarrer der katholischen Kirche war Wilhelm Ohrnberger.


Die Bevölkerung Crailsheims war 1944 zu rund 75 Prozent evangelisch und zu rund 21 Prozent katholisch, obwohl das nicht mit konfessioneller Verankerung oder gar Kirchgang gleichgesetzt werden darf. Es gab "Deutsche Christen", den Nationalsozialisten nahestehende Protestanten, es waren aber nur wenige. Als "gottgläubig" bezeichnete sich nur ein geringer Teil der Bevölkerung, obwohl das bei NS-Funktionären fast erwartet wurde.


Die Standortbedingungen für Industriebetriebe waren in Crailsheim durch die sehr guten nord-südlichen und ost-westlichen Straßen- und Eisenbahnanbindungen außerordentlich günstig. Wobei auch die Stadtverwaltung durch Bereitstellung von Grundstücken und Ausbau der Infrastruktur die Gewerbe- und Industrieansiedlung förderte.

Außerdem gab es bis zu Kriegsbeginn durch die noch starke landwirtschaftliche Ausprägung des Umfeldes ein Reservoir von Arbeitskräften. Crailsheim hatte deshalb auch mehrere Industriebetriebe, die sich zwischen den beiden Weltkriegen angesiedelt hatten: einen Zweigbetrieb der
Wittenberger Marmeladenfabrik Bourzutschky Söhne, die Schlackenverwertung Illig, den Sportschuh-Hersteller Möbus, die Leder- und Trachtenbekleidungsfirma Hohenstein, die Sportbekleidungsfirma Habelt und die Schnittholz-Betriebe Speer & Gscheidel sowie Gehring & Zimmermann.


 
Im April 1939 hatte die Firma Robert Bosch in Crailsheim auf dem ehemaligen Schaperschen Fabrikanwesen im Alten Postweg, zwischen 'In der Kürz' und Hardtstraße, ein Umschulungswerk eingerichtet, das Lehrlinge ausbildete und auch Arbeitskräfte für ein geplantes neues Werk anlernte. Der Neubau war auf der Markung Altenmünster am Ortsrand geplant, wurde dann aber nach Kriegsausbruch nicht mehr ausgeführt. Vielmehr wurde das Umschulungswerk zu einem Fabrikationsbetrieb ausgebaut.

In diesem Werk wurden dann im Verlauf des Krieges auch eine größere Zahl von Fremdarbeitern beschäftigt. Die Zahl soll 1944 bei 600 gelegen haben. Sie waren 1944 zum großen Teil in neu aufgestellten Baracken in der Brunnenstraße untergebracht, z.T. in Privatquartieren und vorübergehend auch im Hotel "Post-Faber".

Das Bosch-Werk wurde im Gemeinderatsprotokoll vom 31.8.1943 mit insgesamt 1.000 Beschäftigten angegeben.


Crailsheim hatte schon damals drei Banken. Die Stadt blieb auch in den Kriegsjahren durch ein vielfältiges Handwerks- und Handelsangebot der kommerzielle Mittelpunkt des Kreises. Erst durch die Auswirkungen des totalen Krieges ab Mitte 1943 kam es z.B. im Angebot handwerklicher Leistungen zu Engpässen, da Handwerksmeister eingezogen und für das Bosch-Werk dienstverpflichtet wurden, so u.a. Schlossermeister Karl Daurer und Flaschnermeister Fritz Halbritter.


Bedeutung für den stark landwirtschaftlich geprägten Kreis, dessen wirtschaftliches Zentrum Crailsheim war, hatten auch die Molkereigenossenschaft und der Schlachthof in Crailsheim. Die Stadt selbst hatte noch mehr als ein Dutzend landwirtschaftliche Betriebe. Selbst 1944 wurde noch immer wöchentlich ein Schweinemarkt abgehalten.

Crailsheim hatte ein für damalige Verhältnisse gutes Angebot an Sportstätten.

Neben der Jahnhalle, die jedoch auch zeitweise für das Lazarett beansprucht wurde, waren zwei Sportplätze in der Schönebürgstraße, zwei Schießstände, Tennisplätze und ein schönes Jagst-Flussbad mit einer großen Liegewiese im Brühl vorhanden.


Es gab in Crailsheim zwei Kinos, das große und das kleine Frankonia-Filmtheater. Zu Beginn des Krieges waren noch mehr als 20 Gaststätten vorhanden, dazu sechs Cafes und zwei gute Hotels, die aber ihren Betrieb im Laufe des Krieges einschränkten.


In Crailsheim hatte neben dem Bahnhof mit seinen eigentlichen Funktionen ein Reichsbahnbetriebsamt und zwei Bahnmeistereien.

"Im Bereich der "Türkei" errichtete man 1941 das im Volksmund  als WAW bekannte Wagenausrüstungswerk oder Wagenaufstellungswerk mit großzügigen Gleisanlagen, Rampen und einer Halle. Dort wurden verschiedene Hilfszüge nach ihrem Einsatz an der Front für den nächsten Einsatz wieder ausgerüstet.

In die überdachten Gleisanlagen führten fünf Schienenstränge hinein, auf denen fünf Züge zur selben Zeit aufgerüstet werden konnten. Folgende Zugeinheiten waren stationiert:

2 Brückenhilfszüge, 1 Wasseranlagenhilfszug, 1 Gleisbauhilfszug, 1 Arzt- und Sanitätszug.

Die strategische Bedeutung des Crailsheimer Bahnhofs und der Bahnlinien hierher wurde in den Jahren des Zweiten Weltkrieges immer deutlicher. Die Eisenbahner in Crailsheim standen vor schweren Aufgaben. Oft tagelang anhaltende Militärbewegungen, während denen die Züge sich in Abständen von 15 Minuten folgten und zudem in Crailsheim regelmäßig Lokomotivwechsel gemacht wurde, mussten gemeistert werden. Der damalige Bahnhofsvorsteher Lindörfer (1942 bis 1946 Vorstand) berichtete, dass mehr als eine Million Soldaten in dieser Zeit durch Crailsheim kamen.


Der Fliegerhorst hatte Crailsheim ab 1935 zur Garnisonsstadt gemacht. Er umfasste 1944 eine Flugzeugführerschule, ein Ausbildungsregiment, die Stammkompanie, zu der wiederum die wichtige Werft zur Flugzeugwartung, die Flugleitung, die Nachrichtenstelle, der Wetterdienst und die allgemeine Verwaltung gehörten. Die Belegung des Fliegerhorsts wird unterschiedlich gewesen sein. Die angegebenen Zahlen liegen zwischen 3.000 und 5.000 Mann. Die Bedeutung des Fliegerhorsts für Crailsheim, für das Leben in der Stadt, für seine Menschen und für seine Wirtschaft war auch noch 1944 groß.

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© Armin Ziegler