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Crailsheim 1950

Crailsheim hatte 1950    10 133   Einwohner

Davon waren   8 377   evangelisch,  1630   katholisch.

901 Bewohner  waren Heimatvertriebene oder Flüchtlinge.

Bürgermeister war  seit 1948  Wilhelm Gebhardt.
Er blieb es  - zweimal wiedergewählt – bis 1962.


Die Zeitung war das "Hohenloher Tagblatt", das ab Juli 1949 erschien  - nachdem die Crailsheim-Ausgabe des "Zeit-Echo" (für die Crailsheimer "eine Zeitung aus Hall" ) Ende 1949 eingestellt worden war.
Redakteur wurde Albert Gscheidle, der aus dem Kreis Calw kam. Er blieb es bis zu seinem Tod 1976. Dann übernahm mein Klassenkamerad Manfred Wankmüller die Redaktion.

Im Mai 1949 hatte der Parlamentarische Rat - eine von den Ländern ernannte Kammer-
das Grundgesetz der Bundesrepublik verabschiedet.

Bonn war ab 1949 Bundeshauptstadt und nach ersten Bundestagswahlen wurde im August 1949 Dr. Konrad Adenauer Bundeskanzler einer Koalitionsregierung von CDU/CSU; FDP  und DP
(Sein Wirtschaftsminister war Ludwig Ehrhardt, Finanzminister Fritz Schäffer, Thomas Dehler Justizminister und Gustav Heinemann Innenminister.) 

Der Bundestagsabgeordnete des Wahlkreises (Crailsheim, Mergentheim, Künzelsau, Öhringen) war Dr. Josef Brönner (CDU) aus Bad Mergentheim.
 
Im September 1949  wurde Dr. Theodor Heuss von der Bundesversammlung (Abgeordnete aus Ländern und Bund) zum Bundespräsidenten gewählt.

Wirtschaft 1950


Im April entfielen  die Lebensmittelkarten.

In Württemberg insgesamt war die Wirtschafstkraft des Jahres 1938 wieder erreicht.

Das im Kriegs so stark zerstörte Crailsheim brauchte noch etwas länger.
Zahlreiche Firmen hielten aber Schritt. Neue kamen hinzu.

Die damalige Zeit:
So beschrieb Werner Martin Dienel die damalige Zeit in  Bd. II seiner Crailsheim Dokumentation (S.206;207 - siehe Literatur.) Auszüge:

Neben dem großzügigen Wiederaufbau des Stadtkerns, der in den fünfziger Jahren verstärkt gefördert wurde, erfolgte der Ausbau größerer Siedlungen am Rande der Stadt. So entstanden im Westen die Sauerbrunnensiedlung, im Nordwesten die Siedlung Roter Buck. Auch in Richtung Goldbach und bis zur Markung des schon während des Krieges eingemeindeten Dorfes Ingersheim mit Altenmünster dehnte sich die Stadt immer mehr aus. …

Von besonderer Wichtigkeit für Stadt Crailsheim war die Ansiedlung von Industrie. Am Ende des Zweiten Weltkrieges waren in der Stadt fast zweihundert große und kleine Gewerbebetriebe völlig zerstört; aber mit dem Wiederaufbau ging es bald zügig voran. Von den älteren Betrieben Crailsheims konnten einige ihre Produktionskapazität bedeutend erweitern. Unter ihnen war eine der ältesten Crailsheimer Firmen, die Schnittholz und Parkettboden herstellte. Auch die anderen älteren Crailsheimer Betriebe hatten nicht an Bedeutung verloren, ob es sich nun um die Fabriken handelte, in denen Möbel, Sportschuhe oder Leder-und Sportbekleidung hergestellt wurden oder die Marmeladen und Konserven produzierten.

In den Nachkriegsjahren siedelten sich zahlreiche neue Industriebetriebe in der Stadt an. Viele von ihnen waren früher in Mittel- und Ostdeutschland beheimatet. Eine große aus Danzig stammende Stahlbaufirma (Heyking), früher schon weltbekannt, lieferte Stahlgerüste in alle Erdteile. Zu den bedeutsamsten Lieferungen gehörte das in Crailsheim vorfabrizierte Stahlgerüst für die Gedächtniskirche in Berlin.

Immer blühende Blumen aller Art, die Kunstblumen, wie sie in
zahllosen Geschäften und Haushaltungen in allen Ländern anzutreffen sind, werden in einem Kunststoffwerk hergestellt. Dieser Betrieb bestand ehemals in der Oberlausitz, dem einstigen Zentrum der deutschen Kunstblumenproduktion (Württembergische Wachsblumenfabrik (Johannes Böhme).

Mit einem reichhaltigen Angebot an Puppenstubenmöbeln und Spielsachen erfreute eine Crailsheimer Spielwarenfabrik (Puppenmöbelfanrik Hübsch & Dietrich) viele Kinderherzen in aller Welt. Das sächsische Spielzeugland, das Erzgebirge, war die Heimat dieses Betriebes.

Wie überhaupt viele neue Crailsheimer Firmen ehedem in Sachsen zu Hause waren, so eine Strumpfwirkerei (Pfau), eine Spinnerei  (Max Klopfer) , eine Elektromotorenfabrik (Huber und Brendel, dann auch durch Funksprechgeräte bekannt.))  und ein Betrieb, der Glaswaren herstellt.

Eine chemische Fabrik aus Heilbronn exportiert heute von Crailsheim aus Reinigungs- und Desinfektionsmittel in viele Länder. Eine bedeutende Maschinenfabrik aus Köln begann vor über dreißig Jahren in Crailsheim mit einem Dutzend Arbeiter, heute beschäftigt der Betrieb mehr als 400 Mitarbeiter. Die Maschinen, die in diesem modernen Betrieb am Stadtrand entstehen, dienen dem Füllen, Verschließen und Etikettieren von Flaschen, Dosen oder Batterien aller Art und Größe.

Aus einem anderen Crailsheimer Unternehmen, das heute annähernd 1 000 Mitarbeiter zählt, gehen die hier angefertigten Flüssigkeitskupplungen und verwandte Produkte fast in alle Länder der Erde.

Die Exportkarten der Crailsheimer Fabriken und die Anschriften auf zahllosen Kisten und Behältern beweisen es täglich aufs neue, wohin die Firmen der Stadt liefern: in alle Welt.

(siehe auch CR-Industrie 1953)

War der Auf- und Ausbau der Industrie und der Siedlungen für das wirtschaftliche Leben der Stadt lebensnotwendig, so richtete die Stadtverwaltung auch ihr Augenmerk auf die Wiederherstellung der historischen Bauten der Stadt. Das war oftmals mit vielen materiellen Opfern verbunden, aber bis heute sind die wichtigsten alten Gebäude neuerstellt oder restauriert.

Eines der ersten größeren städtischen Bauvorhaben nach dem Krieg bildete der Wiederaufbau der zerschossenen Jagstbrücke, um den Verkehr auf der Bundesstraße 14 von Stuttgart nach Nürnberg nicht zu blockieren. Für die Crailsheimer war es ein erfreuliches Ereignis, als sie im September 1949 die Einweihung ihrer neuen Jagstbrücke durch Innenminister Ulrich erlebten. Mit diesem festlichen Tag war zudem wieder das erste große Fränkische Volksfest nach dem Zweiten Weltkrieg verbunden. Leistungsschauen, Viehprämiierungen und ein Bezirksbauerntag bezeugten den ungebeugten Aufbauwillen der Bewohner Crailsheims und des Landkreises. Das Motto des Volksfestzuges »Und neues Leben blüht aus den Ruinen« brachte diesen Optimismus allen sichtbar zum Ausdruck.
 

Zu den anderen kommunalen Aufgaben jener Jahre gehörten die ständige Verbesserung der Wasser-, Strom- und Gas-Versorgung, die Erweiterung des Straßennetzes und der Neubau von Schulen. Dann folgte 1951 der Aufbau des Rathauses. Die Crailsheimer als echte Franken verloren trotz den mühseligen und entbehrungsreichen Jahren ihren Humor nicht. Das bewiesen sie, als sie auf dem neugestalteten Marktplatz einen Brunnen aufstellten. Die auf dem Brunnenrand stehenden, von dem Stuttgarter Bildhauer Fritz Mehlfis geschaffenen Figuren, die zwei Klatschbasen „Die Dicke und die Dürre“. Sie werden nicht müde, das Geschehen in der Stadt geschwätzig zu kommentieren.






 


 

 

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