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Crailsheim Nachkriegschronik 1945

21. April

Captain Pasley übernimmt die Militärregierung in Crailsheim.

22. April

Wilhelm Fach wird zum provisorischen Bürgermeister ernannt.

Die Militärregierung erhält einen Raum im Spital.


24. April

Major Lewis übernimmt Crailsheim neben Schwäbisch Hall.

Ausgehverbot von 18 Uhr bis morgens 8 Uhr.

Rückkehr von Bürgermeister Fröhlich.


17. Mai 

Ernennung von Erbprinz Gottfried zu Hohenlohe-Langenburg zum Landrat durch die Militärregierung.

Ernennung von Stadtinspektor Wilhelm Gebhardt auf  Vorschlag von Schlossermeister Karl Daurer zum Bürgermeister. Daurer wird 1. Beigeordneter.


26. Mai
Die Militärregierung stimmt dem von Daurer und Gebhardt vorgeschlagenen  Gemeinderat mit zehn Mitgliedern zu.  
Gemeinderäte sind: 
 Georg Abelein, Karl Breitner, Julius Denneler, Ludwig Drexler, Karl Haußmann, Karl Hebeiß, Friedrich Hornung,  Ernst Schäffer, Franz Scheurer, Friedrich Uhde.

Bauausschuss: Daurer, Schäffer, Scheurer.
                  

1. Juni

Das Amtsblatt "Amtliche Mitteilungen für den Kreis und die  Stadt Crailsheim" erscheint Samstag mit "Official Notice" im Titel. Es wird in Gerabronn gedruckt und unterliegt der Zensur.

Anzeigen werden zugelassen.


1. Sitzung des neuen Gemeinderates. Vorrang für die Ausstattung von Handwerkerbetrieben wird festgelegt. Entlassung von NS-Mitgliedern der Stadtverwaltung. 

16. Juni

Ausgeh-Sperrzeit für die Bevölkerung: 21:00 bis 6.00 Uhr.

Der Schweinemarkt wird wieder zugelassen und findet hinter der Jahnhalle statt.

18. Juni
Bekanntgabe des Gemeinderates im neuen Amtsblatt.  Festgehalten ist, das der Gemeinderat wieder Beschlussorgan ist.

Gemeinderäte sind:  Georg Abelein, Karl Breitner, Julius Denneler, Ludwig Drexler, Karl Haußmann, Karl Hebeiß, Friedrich Hornung,  Ernst Schäffer, Franz Scheurer, Friedrich Uhde.

Bauausschuss: Daurer, Schäffer, Scheurer.


23. Juni

Lockerung der Ausgeh-Sperrzeit im Sinne der Landwirtschaft: 21:30 bis 5:30.

6.Juli

Lt. Coln. (Oberstleutnant) Robert L. Rogers wird Leiter der Militärregierung in Crailsheim.

7. Juli

Der Landrat gibt bekannt, dass es ausgeschlossen ist, alle früheren Crailsheimer wieder aufzunehmen. Die Gemeinden des Landkreises sollen Rücksicht nehmen,

9. Juli

Stuttgart wird von den Franzosen geräumt und von den Amerikanern übernommen.

Die Kreissparkasse ist wieder täglich geöffnet.

10. Juli

Gottfried zu Hohenlohe-Langenburg wird abgesetzt, Schlossermeister Karl Dauer wird Landrat.

Automatischer Arrest: Bisher wurden etwa 20  Crailsheimer  wegen ihrer NS-Stellung verhaftet und in Internierungslager verbracht.


17. Juli
2. Gemeinderatssitzung
Karl Haussmann wird 1. Beigeordneter, da Karl Daurer Landrat geworden ist. Drei wichtige Beschlüsse: Richtlinien für den Wiederaufbau (u.a.: Alle Bauvorhaben sind provisorisch bis zur Neufestsetzung durch eine Neuplanung der Stadt.)

1. August 

Es erscheint das "Zeit-Echo" mit vorerst 3 Ausgaben pro Woche, herausgegeben in Schwäbisch-Hall mit einem Lokalteil für Crailsheim. Lokalredakteur ist Günther  Arnold, ein Journalist aus Düsseldorf, dessen Familie im Krieg nach Satteldorf evakuiert worden war.

 Der Bürgermeister gibt bekannt, dass für die leicht beschädigten Gebäude Arbeiten ohne Genehmigung selbst oder durch Handwerker durchgeführt werden können: Das gilt für Arbeiten der Dachdecker, Gipser, Schlosser, Glaser, Maler und Tapezierer. Bei mehr beschädigten Häusern ist eine Meldung notwendig - aber Arbeiten können vorgenommen werden. Der Aufbau stark oder total beschädigter Häuser bleibt verboten.

Gleichzeitig gilt aber auch, dass wichtige Baumaterialien und Einrichtungen für den Aufbau lebenswichtiger Betriebe beschlagnahmt werden können.

2. August

"Potsdamer Abkommen" - mit der Abtrennung von Teilen  Deutschlands und Übergabe der Verwaltung an Polen und Tschechen: "Oder-Neiße-Grenze".

 6. August          

Abwurf der Atombombe auf Hiroshima (am 9.8. auf Nagasaki).

 Am gleichen Tage Botschaft des Oberbefehlshabers der amerikanischen Streitkräfte in Europa, General Eisenhowers "An das deutsche Volk":

u.a.: "Es ist nicht unsere Absicht, das deutsche Volk zu demütigen. Wir werden Euch helfen, Euer Leben auf demokratischer Grundlage wieder aufzubauen."
Er kündigt die Zulassung von Gewerkschaften und Parteien an. Gleichzeitig sagt er auch: Die kommenden Monate werden für Euch eine schwere Prüfung sein. Die Knappheiten an Lebensmitteln, Heizungsstoffen, Wohnraum und Transportmitteln sind nicht zu beheben. Im Winter wird keine Kohle für das Heizen von Wohnungen zur Verfügung stehen! Er habe aber jetzt dem Militärpersonal "der gewöhnliche Umgang mit Euch in der Öffentlichkeit gestattet."

16. August
Weitere Häuser für US-Truppen. 40 Häuser in Crailsheim. In Altenmünster sind bereits 60 Häuser besetzt, in Ingersheim 25.

1. September
Allgemeine Meldepflicht. Männer zwischen 14 und 65 Jahren und Frauen zwischen 16 und 45 Jahren müssen ihre Beschäftigung nachweisen. Sonst gibt es keine Lebensmittelkarten.

2. September Japan kapituliert.

5. September
Bekanntmachung im Amtsblatt: Unterdrückung des schwarzen Marktes. Der Landrat verbietet jede Ansammlung von mehr als 4 Zivilpersonen außerhalb offizieller Verkaufsstellen. Angedroht werden Geldstrafen und Haft.

Der Postverkehr wird auf ganz Württemberg und Baden ausgedehnt.

Mitfahrten aus Berufsgründen wird für den Dienstzug der Bahn nach Schwäbisch Hall erlaubt. Fahrkarte und Betriebsausweis sind notwendig. Ansonsten noch kein Personenzugverkehr.

18. September   

Die "Stuttgarter Zeitung" erscheint.

25. September    

Die erste Landesregierung Württemberg-Baden wird vereidigt. Ministerpräsident wird Dr. Reinhold Maier, der schon 1930 bis 1933 württembergischer Wirtschaftsminister war. Dr. Theodor  Heuss wurde Kultusminister. Im November wurde das Arbeitsministerium an die KPD gegeben.

26. September
Die Gemeinderäte werden jetzt nur noch als Beiräte bezeichnet. Es geht um Brennholzversorgung. „Es wird nicht möglich sein, jedem Haushalt Brennholz zuzuweisen.“
Kohle gibt es ohnehin nicht. Die Umbenennung der Straßen wird beschlossen. Die „Adolf-Hitler-Allee“ z.B. heißt jetzt Ostring.

28. September
Sondersitzung des Gemeinderates. Der Bürgermeister gibt  Rücktritte von Karl Hebeiß und Franz Scheurer bekannt, da sie der NS- Organisation angehörten. Er selbst bleibt im Amt, obwohl er Parteimitglied und SA-Mann war. Landrat Dauer setzt das bei der Militärregierung durch. Gebhardt sei unentbehrlich. 

1. Oktober

Der Schulunterricht wird für Kinder zwischen 6 und 14 Jahren aufgenommen. Das gilt für die Volksschule, die Mittelschule und die Oberschule. An Schulgebäuden stehen die Leonhard-Sachs-Schule, die Spitalschule im 1. Stock und das Mittelschulgebäude zur Verfügung.

12. Oktober

Aufruf von Landrat und Bürgermeister zur Spendenaktion:

Es sollen Betten, Matratzen, Bettwäsche und Decken für die 3.000 Notleidenden im Kreis gespendet werden. In Crailsheim Abgabe auf der Polizeiwache Spitalstraße 2. Die Verteilung behalten sich Landrat und Bürgermeister vor.

13.Oktober

Gesetz Nr. 8 der Militärregierung. Verbot der Beschäftigung von Mitgliedern der NSDAP in Unternehmen und Dienststellen anders als nur gewöhnliche Arbeiter.

In Crailsheim ordnet der Landrat an, dass die Meldungen nicht ans Arbeitsamt sondern an den Landrat erfolgen müssen.

Sonntag, 14. Oktober
Erneuter "freiwilliger" ganztägiger Arbeitseinsatz der Männer.

17. Oktober

In München erscheint zweimal wöchentlich die überörtliche "Neue Zeitung - eine amerikanische Zeitung für die deutsche Bevölkerung", herausgegeben von der Information Control Divsion. Auch Deutsche sind Redakteure. U.a. Erich Kästner.

 Erklärtes Ziel: Umerziehung. Bezug von Crailsheim aus ist möglich.

27. Oktober
Aufhebung des Beschlussrechts der Gemeinderäte durch eine Bekanntmachung des Landrats Kar Daurer.
Der Gemeinderat wird 1945 nicht mehr einberufen. Der Bürgermeister ist Vollzugsorgan der Anweisungen des Landrats.

31.Oktober
Das "Amtsblatt" veröffentlich ab jetzt wöchentlich die gemeinsame Suchliste des Hilfsdienst für Kriegsgefangene und Vermisste der Württ. Evangelischen Landeskirche, des Caritasverbandes für Württemberg und des Württ. Roten Kreuzes.

1. November

OMGUS ( Office of Military Government) wird eine eigene Organisation. Die Bezeichnung für Württemberg-Baden ist OMGUSWB.  

Die Militärregierung ist nicht mehr Teil der Besatzungsarmee.

Der private Briefdienst der Post ist jetzt für alle vier Besatzungszonen zugelassen. (Briefe bis 500 Gramm.)

 Das Landratsamt verschickte an alle Geschäftsinhaber den Fragebogen der Militärregierung. Die jedoch nicht direkt an die MG geleitet werden durften, sondern über den Landrat laufen mussten. Der forderte zusätzlich auf, dass ihm die Zahl der Mitarbeiter genannt werden mussten.

2. November
Beiratssitzung. Es geht um den Wiederaufbau des Gaswerks. Die Entscheidung wird verschoben. Im Protokoll steht auch. „Entbindung der früheren Parteigenossen von der Pflichtarbeit.“ Sie hatten seit Juni einen Tag in der Woche Pflichtarbeit zu leisten.“

Sonntag, 4. November

Erneuter ganztägiger "freiwilliger" Arbeitseinsatz. Ziel: Bis Jahresende die Crailsheimer Straßen trümmerfrei zu bekommen.

 7. November
Der Aufruf zur Spende von Betten, Wäsche und Decken wird wiederholt.

9. November

In Crailsheim wird die Meldung der NS-Mitgliedschaft durch das Bürgermeisteramt zur Erfassung der späteren Wahlberechtigung angeordnet.

Erfasst wurden alle Organisationen (NSV war eine Ausnahme.)

Ausgenommen waren die Angehörigen der Hitlerjugend ab Jahrgang 1930 - es sei denn, sie hatten einen Dienstrang. Dann müssen sie auch. Jedes Familienmitglied musste auf einem getrennten Bogen alle Mitgliedschaften darstellen und erläutern.

Bürgermeister und Landrat kennen in Crailsheim die gesamte NS-Vergangenheit der Bevölkerung lange vor der Meldebogen-Pflicht der Entnazifizierung.

Sonntag, 18. November
Ganztägiger Arbeitseinsatz. Wenn bei Bauvorhaben danach noch Trümmer anfallen, muss jeder selbst für den Abtransport sorgen.

19. November

Alle Personen, die ab jetzt die Sperrstunde (22:30 bis 5:00) überschreiten werden nun vor ein deutsches Gericht gestellt. Geldstrafen bis 10.000 RM oder Haft.

Das Fankonia-Filmtheater darf wieder Filme zeigen. Meist US Filme mit deutschen Untertiteln.

 20. November
General McNarney wird Nachfolger von General Eisenhower als Befehlshaber der US-Zone.                         

 Der Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg beginnt.

Das Tragen von Uniformen der ehemaligen Wehrmacht war seit 1. November verboten. Erlaubt war sie, wenn sie umgefärbt worden waren. (Schwarz war die Einheitsfarbe.)

Angeboten wurde das Umfärben vom Bürgermeisteramt. Annahme im Nebengebäude der Jahnhalle. Bevorzugt wurden Personen, die ohne der Uniform keine Kleidungsstücke hatten.


28. November
Besitzer von Fahrrädern mussten sich registrieren lassen und einen Fahrradausweis beantragen.


3. Dezember

Die Schüler und Schülerinnen der Oberstufen der Oberschule durften sich zum Unterricht anmelden.

Gründung eines Kreisjugendausschusses. Vorsitzender ist Landrat Daurer. Mitglieder sind Schurat Bay, Dekan Matthes, Stadtpfarrer Ohrnberger. Med.Rat Magenau, Studienrat Baitinger und Frau Pöhler. Sie wird Geschäftsführerin. Es sollen Programme für junge Menschen entwickelt werden. 


7. Dezember

Der Beginn der Sperrzeiten wird an Samstagen und Vorabenden von Fest- und Feiertagen auf 23:30 ausgedehnt.


18. Dezember

Mit Genehmigung der Militärregierung bildet Landrat Daurer einen Kreisbeirat und ernennt:

die Bürgermeister Gebhardt (Crailsheim), Gronbach (Langenburg) und Schuppert (Rot am See), sowie Kreislandwirt Koch (Roßfeld9, Direktor Orphal (Gerabronn) und Gewerkschaftler Karl Breitner.

19. Dezember
Der Turn- und Sportverein Crailsheim wird offiziell zugelassen. Vorsitzender ist
Leonhard Schmieg.

21. Dezember 
Major Tazewell Taylor löst Lt. Col. Rogers in Crailsheim ab. 

 

 

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