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Crailsheim 1924

Crailsheim hatte 1924 rund 7 000 Einwohner.

Bürgermeister (damals Stadtschultheiß) war der seit 1911 amtierende parteilose Friedrich Fröhlich, der 1921 für weitere zehn Jahre ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden war.

Der Gemeinderat unter Vorsitz der Bürgermeisters hatte 20 Mitglieder:

Gallion, Friedrich, Kaufmann Stein, David, Kaufmann
Scheurer, Josef, Gipsermeister Stochdorph, Eugen, Forstmeister
Metzger, Eduard, Verwaltungsaktuar Bechtel, Ernst, Werkstättevorsteher
Fach, Wilhelm, Bierbrauereibesitzer Waldmann, Fritz, Oberamtsbaumeister
Leibrich, Friedrich, Lederhändler Habermeier, Julius, Gärtnereibesitzer
Nagel, Karl, Werkstattmeister a.D. Dallinger, Max, Rechtsanwalt
Metz, Franz, Werkhelfer Gscheidel, Georg, Fabrikant
Luitpold, Albert, Lok-Führer a.D. Breitner, Karl, Telegrafenarbeiter
Haug, Karl, Eisenbahn-Oberinspektor Zitzmann, Hermann, Lok-Führer
Günter, Wilhelm, Schlossermeister Ley, Georg, Vorhandwerker

Obersekretär auf dem Rathaus war Karl Lechler, der auch das Steueramt der Stadt leitete.
Die Ratsschreiberei mit dem Standesamt leitete Friedrich Frank.

Die Polizeiwache war im Rathaus, Leitung: Polizeioberwachtmeister Wilhelm Deißer.
Polizisten waren: August Kehrberger, Leonhard Schneider, Friedrich Winkler, Karl Hörner, Josef Fischer. Der Feldschutzmann war Karl Scheurer.
Kommandant der Feuerwehr war der Oberamtsbaumeister Georg Weick, sein Stellvertreter Bäckermeister Georg Beck.

Crailsheim hatte eine Freiwillige Sanitätskolonne. Sie wurde auch vom Oberamtsbaumeister Weick geleitet, sein Stellvertreter war der Zahntechniker Karl Klingbeil.


Leiter der städtischen Betriebswerke (Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerk) war Gotthilf Lindenmeyer. Seit 1920 war Crailsheim an eine Stromnetz angeschlossen.

Das Stadtbauamt mit Friedhofsverwaltung unterstand Stadtbaumeister Paul Stähle, sein Werkmeister war Paul Kiderlen.

Die politische Situation in Württemberg:
Am 3. Juni 1924 wurde der am 25. Februar 1874 in Esslingen geborene Wilhelm Bazille (Württembergische Bürgerpartei, Teil der DNVP) als Nachfolger von Edmund Rau (parteilos, bürgerlich) zum Staatspräsident von Württemberg gewählt. Er bildete eine Koalition aus Bürgerpartei, Bauernbund und Zentrum.

Die wirtschaftliche Situation der Stadt Crailsheim
war 1924 noch von den Folgen des Krieges gekennzeichnet. Die Kriegsteilnehmer konnten nicht alle Arbeit finden. Es gab Notstandsarbeiten.
Und: Die Reichsbahn expandierte zu Lasten der Stadt und vergrößerte die Wohnungsnot. Der Personalbestand hatte von 1917 bis 1920 schon von rund 500 auf knapp 800 zugenommen – ohne dass sich die Bahn um deren Unterbringung kümmerte. Gewerbesteuer zahlte sie nicht. Werner Martin Dienel schildert das in seiner Crailsheim-Arbeit 1984: „Allein für Eisenbahnkinder waren acht Schulklassen notwendig. In der ev. Volksschule waren 40 Prozent Eisenbahnkinder, in der kaltholischen Volksschule 73 Prozent.

Die Finanzen der Stadt Crailsheim waren in Bedrängnis. Die Inflation hatte im November 1923 einen Höhepunkt erreicht. Ein Dollar war 2,5 Billionen Mark wert. Crailsheim sah sich gezwungen eigenes Geld zu drucken, um der Stadt Liquidität zu sichern. Am 24. September 1923 war die Entscheidung gefallen: Es wurden für 1000 Milliarden Banknoten gedruckt. Es musste dann im November noch nachgedruckt werden. Insgesamt waren es 17 000 Billionen (Billion = 1 000 Milliarden) .

Als am 15. November 1923 auf der Grundlage eines Ermächtigungsgesetzes für Reichskanzler Dr. Stresemann von ihm die „Rentenmark“ eingeführt wurde, stand für Crailsheim ab 15. Januar 1924 die Einlösung des Notgeldes an – die aber dann doch nur zögerlich erfolgte und 1924 auch abgeschlossen werden konnte. Der Kurs war 1: 1000 Milliarden (1: 1 Billion): Die Rückzahlungsverpflichtung betrug 17 000 Rentenmark.

Crailsheim war Oberamtsstadt. Das Oberamt umfasste 26 Gemeinden. Ingersheim mit Ortsteil Altenmünster war noch eine eigene Gemeinde.

Oberamtmann war Eugen Mayr. Die Obersekretäre waren Ludwig Eichele, Wilhelm Baumann. Oberamtmann Mayr und Obersekretär Baumann wohnten im Schloss.
Die Büros waren im Schloss untergebracht, 4 Kanzeleien und ein Sitzungszimmer. Die Oberamtspflege wurde von Oberamtspfleger Fick geleitet. Das Vermessungsamt in der Kronprinzstraße leitete Oberamtsgeometer Heinrich Trumpp, sein Assistent war Geometer Ernst Trumpp.

Das Bezirkskrankenhaus in der Gartenstraße hatte als leitenden Arzt Dr. Gustav Haug, Chirurg war Dr. Artur Mülberger. Die Krankenhausverwaltung leitete Oberamtspfleger Konrad Fick. Oberamtsarzt war Dr. Otto Magenau.

Leitender Amtsrichter am Amtsgericht am Schlossplatz war Amtsgerichtsrat Dr. Eberhard Ehmann, Amtsrichter Paul Umgelter. Gerichtsvollzieher Leonhard Hagelstein. Bezirksnotare I und II waren Wilhelm Seefried und Karl Messer. Das Landjägerkommando in der Lange Straße 63 unterstand Stationskommandant Martin Staud, mit 5 Landjägerpolizisten.

Die Zeitung war der „Fränkische Grenzbote". Sie wurde herausgegeben von Druckereibesitzer Alfons Richter. Die Redaktion war im Verlagsgebäude in der Lange Straße 22.

Die Stadt hatte neben der von Gustav Brodbeck geleiteten Oberamtssparkasse (später Kreissparkasse) noch drei Banken:
- Gewerbe und Landwirtschaftsbank,
- Handels- und Gewerbebank Heilbronn,
- Württembergische Vereinsbank.

Es gab 213 direkte Telefonanschlüsse, d.h. auf 1000 Einwohner entfielen 30 Anschlüsse.

Kirchen

Die Stadt besaß eine evangelische Kirche, die Johanneskirche, eine Kapelle neben dem Rathaus, die katholische Kirche und die Synagoge. Die Methodisten hatten ein Gemeindehaus, die Altpietistische Gemeinschaft traf sich im Lokal in der Grabenstraße.

Dekan der Evangelischen Kirche war Lic. Friedrich Hummel, Pfarrer der katholischen Kirche war Dr. Julius Langhäuser.

Die israeelische Gemeinde hatte den Fabrikant Bertold Stein als Vorsitzenden, der Religionslehrer war Salli Silbermann und der Synagogenbetreuer Max Rosenfeld.
Lt. Volkszählung lebten 1925 196 Juden in Crailsheim, knapp 3 Prozent der Bevölkerung.

Der Prediger der Methodistenkirche im Gemeindehaus in der Ludwigstraße 8 war Julius Straehle, sein Vertreter Heinrich Siegele.

Der Gemeinschaftspfleger der Altpietisten war Missionar Ebinger.

Die Schulen

- Realschule mit Lateinabteilung bis zur 6 Klasse (10. Schuljahr.) in der Schulstraße 28. Wer das Abitur machen wollte - musste täglich nach Schwäbisch Hall fahren.

Leiter wurde 1924 der Oberreallehrer Gustav Sigle, der zum Studiendirektor ernannt wurde. Die Lehrer: Studienrat Dr. Karl Kneile, Studienrat Dr. Georg Kröner, Oberreallehrer Karl Hofmann, Präzeptor Adolf Frey, Hilfslehrer Adolf Weiler. Schuldiener war Georg Veit.

Den Schulabschluss mit der 6. Klasse (10. Schuljahr) machten 1924 aus Crailsheim:
Johann von Berg, Karl Brodbeck, Friedrich Kern, Elly Kessels, Rudolf Lang, Helmut Möst, Otto Reichelt, Otto Ruff, Elisabeth Sachs, Kurt Steinle, Martha Vayhinger, Fritz Wohlmann.

Evang.Volks- und Mädchenmittelschule, Kirchplatz, Rektor Johann Schumm.
Evang. Volksschule, Leonhard-Sachs-Schule, Schönebürgstraße 28. Rektor Johann Schumm.
Grabenschule, Grabenstraße 20

Katholische Volksschule, Schillerstraße 22, Leitung Oberlehrer Breitfeld.

- Gewerbeschule mit Handelsabteilung, Schönebürgstraße 33,
Gewerbeschulrat Franz Hermann.

- Frauenarbeitsschule, Spitalstraße 2,

- Kleinkinderschule, Spitalstraße 4, Kinderschwester Marie Köhler

- Landwirtschaftsschule, Spitalstraße 4, Leitung Landesökonomierat Hermann Schneider.


Gaststätten

Im „Adreß- und Geschäfts-Handbuch" aus 1924 sind 7 Gastwirtschaften und 27 Schankwirtschaften aufgelistet, dazu 5 „Kaffees" ( Frank, Geuder, Herz, Kett und Kühl, Bullinger wurde unter „Konditoren“ geführt) und 2 Hotels: das Post-Faber und das Lamm.
„Fremdenzimmer" hatten auch andere, so der „Stern" in der Langestraße und das Gasthaus Dreikönig (Kellermann) in der Wilhelmstraße.


Herstellende Unternehmen
Bei Werner Martin Dienel heißt es in seiner Crailsheim-Arbeit (1984) für 1924:
„Reiche, ergiebige Steuerkräfte fehlten. Das Dampfsägewerk Speer & Gscheidel beschäftigte 65 Angestellte und Arbeiter, die Maschinenfabrik J. Bertold Stein 79, die Motorenfabrik Richard Keidel 29, die Maschinenfabrik Gg. Stecher 24, die Konservenfabrik H. Bourzutschky Söhne 21 und Gebrüder Schaper 5 Betriebsangehörige.“ Im „Heimatbuch Crailsheim“ (1928) erwähnt Oberlehrer Bay, dass J.B. Stein seinem Unternehmen (Maschinenfabrik) eine Autowerkstätte angliederte.

Handel und Gewerbe
Das „Adress- und Geschäftshandbuch für die Stadt Crailsheim 1924“ listet u.a. auf:

- Auswanderungsbüros: Georg Abelein und die Fahradhandlung Stelzer, die jeweils Schiffahrtslinien vertraten (Norddeutsche Lloyd und Hamburg-Amerika-Linie),
- Ärzte: Med.Rat Dr. Bernhard Drachter, Dr. Gustav Haug, Dr. med. Köhnlein, Dr. Max Königsberger, Dr. Otto Magenau, Dr. Artur Mülberger. Augenärztin war Frau Dr. Else Nienhold und Zahnarzt Dr. Walter Wolfangel. Dazu kamen die staatlich geprüften Dentisten Ernst und Otto Bausch, August Elsholz sowie der frei praktizierende Karl Klingbeil.
Naturheilkundler gab es zwei, Adolf Bauer und Friedrich Dolmetsch, sowie 3 Tierärzte: Georg und Rudolf Bontz, Georg Ehmann.
- 6 Fahrradhandlungen und noch 3 Kutschereien.
- Auto-Reperaturwerkstätten gab es neben der von Bertold Stein schon drei:
Louis Beyerbach in der Lange Straße, Friedrich Stegmaier in der Hirschgasse und
Karl Stelzer in der Karlstraße.
- Die Apotheken waren die Hofrat Blezingersche Apotheke und die Schiller-Apotheke von Oskar Zahn. Die Drogerie gehört Carl Reinhardt, sie lag in der Wilhelmstraße.
- Bäckereien gab es 20, d. h. auf 1000 Einwohner entfielen rund 3 Bäckereien bzw. 350 Einwohner ernährten eine Bäckerei.
- Als Brauereien werden die Engelbrauerei und die „zu den 3 Königen“ von Karl Kellermann in der Wilhelmstraße aufgeführt.
- 3 Buchdruckereien: Robert Baier in der Langestraße, Ewald Reichelt in der Wilhelmstraße und Alfons Richter in der Langestraße.
- Friseure gab es 7, davon eine reine Damenfrisöse. D.h. ein Friseur musste 1 000 Crailsheimer bedienen – aber nur theoretisch. Die Selbst-Frisur und -Haarschneiderei war verbreitet.
- Es gab bereits zwei Chemische Reinigungen: Krieger in der Mauergasse und Schöner in der Langestraße.
- 6 Flaschner gab es: Gögelein, Halbritter, Heck, Leidig, Schnepf und Wenig.
- Gärtnereien: Dreßler, Habermeier, Thurner und Volz.
- Gipser: Engelhardt, Hoffmann, Präg, Josef Scheurer, Melchior Scheurer.
- Für Haushaltartikel gab es 12 Geschäfte.
- 5 Hausmetzger kamen noch zum Schlachten auch in die landwirtschaftlichen Nebenbetriebe.
- Erstaunlich ist, dass es nur 2 Kaminfeger gab: Friedrich Freudenblum und Gottlieb Leibersberger.
- „Kolonialwaren- und Feinkosthandlungen“ gab es 29, darunter aufgelistet ist auch der Consumverein für Crailsheim und Umgebung. Etwa 240 Crailsheimer – damals etwa 60 Haushalte - mussten einen Kolonialwarenladen ernähren. Die aber auch sehr unterschiedlich in ihrer Größe waren – und z. T. neben dem Beruf des Mannes geführt wurden.
- Es gab ein Kino: In der Wirtschaft „Ritter“, betrieben von Adam Dörsch.
- 13 Metzgereien, d.h. auf etwas mehr als 500 Crailsheimer kam ein Metzger.
- 21 Näherinnen – davon einige mit kleinem Laden – machten Auftragsarbeiten.
- 8 Obst und -Südfrüchtehandlungen.
- 2 Pelzwarengeschäfte: Wilhelm Müller, Langestraße, Leonhard Kunder, Schmalestraße.
- 9 Sattler, darunter Franz Röhm, Ludwigstraße.
- 4 Schirmgeschäfte.
- 8 Schlosser und 6 Schmiede.
- 14 Schneider.
- 10 Schreiner.
- 18 (!) Schuhmacher und 12 Schuhwarenhandlungen,
- 7 Tabakwarengeschäfte
- Karl Grüb in der Hallerstraße war der einzige Tanzlehrer.
- 22 Viehhändler (inkl. Schweine und Pferde).
- 3 Wollhandlugen
- 3 Zimmergeschäfte: Leo Markert, Rehberger & Gehring und Ludwig Zicker.

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