Crailsheim-Zeitgeschichte eine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Ziegler gewünschte Kapitel bitte anklicken
Crailsheim-Zeitgeschichteeine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Zieglergewünschte Kapitel bitte anklicken

Crailsheim 1931

Die Stadt Crailsheim hatte 1931  rund   6  400 Einwohner.


Bürgermeister war seit 1911 der parteilose Friedrich Fröhlich (geb. 20. 9. 1880), der 1921 und 1931 ohne Gegenkandidat wiedergewählt worden war.

Der Gemeinderat unter Vorsitz des Bürgermeisters hatte  20 Stadträte:
Baamann, Josef, Zugschaffner                   Bay, Christian, Oberlehrer
Beck, Georg, Bäckermeister                       Bechtel, Ernst, Betriebswerkvorsteher
Dr. Blezinger, Robert, Apotheker              Braun, Johann, Hausverwalter                   
Breitner, Karl, Telegrafenbauhandwerker Brenner, Leonhard, Postinspektor
Fach, Wilhelm, Bierbrauereibesitzer         Gallion, Friedrich, Kaufmann                   
Güntner, Wilhelm, Schlossermeister         Habermeier, Julius, Gärtnereibesitzer        Herrmann, Karl, Landwirt                         Kühnle, Friedrich, Gutsbesitzer                 Leibersberger, Gottlieb, Kaminfegerm.     Ley, Georg, Vorhandwerker                     
Scheurer, Josef, sen. Gipsermeister           Schmitt, Bernhard, Zugführer a.D.            Schneider, Ernst, Schmiedmeister             Stein, David, Kaufmann


1931 saß noch kein Nationalsozialist im Gemeinderat.
         
Crailsheim war Oberamtsstadt. Das Oberamt umfasste 26 Gemeinden.
Ingersheim und Altenmünster waren noch unabhängige Gemeinden.

Crailsheim war Sitz der Ämter des Oberamtes, dessen Leiter schon ab 1928 Landrat genannt wurde. Die Bezeichnung „Oberamt“ wurde erst durch die Kreisordnung 1934 in „Kreis“ umbenannt.

Landrat war Eugen Mayr. (Er wurde dem Zentrum zugeschrieben.)

Im Schloss waren die Büros des Oberamtes, des Amtsgerichtes, das Forstamt und die Dienststelle der Landpolizei untergebracht. Der Landrat wohnte im Schloss.

( Erst 1938 wurde das frühere Oberamt Gerabronn in den Kreis Crailsheim eingegliedert.)

Die politische Situation:
Die Reichtagswahlen vom 14.9. 1930 hatten für die Stadt Crailsheim dieses Ergebnis:

SPD    25,8 %                  DVP      17,6 %         Wirtschaftspartei      11,8 %   
NSDAP    10,8 %            Bauern- und Weingärtnerbund  9,7%       DNVP    9,3 %
Zentrum   7,3%               CVD    5,2%               KPD  4,6%    

Crailsheim besaß  1931 u.a. Amtsgericht, Bezirkskrankenhaus,  Gewerbeverein, eine Oberamtssparkasse (später Kreissparkasse), die Gewerbebank (später Volksbank) und eine Filiale der Handels- und Gewerbebank Heilbronn.

Leiter der städtischen Betriebswerke (Gas-, Elektrizitäts- und Wasserwerk) war seit 1920 Gotthilf Lindenmeyer. Ratschreiber und Standesbeamtrer war Friedrich Frank, Stadt-Baumeister  war Paul Stähle, der Obersekretär Paul Lechler, der auch das Steueramt leitete.

Die Polizeiwache war im Rathaus, Polizeikommissar war Wilhelm Deißer. Kommandant der Feuerwehr war Bäckermeister Georg Beck, sein Vertreter Schmiedemeister Friedrich Schmetzer.

Die Zeitung war der „Fränkische Grenzbote“. Sie wurde herausgegeben von Alfons Richter. Das Büro war im Verlagsgebäude in der Lange Straße.

Kirchen
Die Stadt besaß eine evangelische Kirche, die Johanneskirche, eine Kapelle neben dem Rathaus, die katholische Kirche und die Synagoge.  Die Methodisten hatten ein Gemeindehaus.
Dekan der Evangelischen Kirche war Dr. Adolf Dörrfuß, Stadtpfarrer Adolf Reusch.
Pfarrer der katholischen Kirche war Dr. Julius Langhäuser.
Die israeelische Gemeinde hatte den Fabrikant Bertold Stein als Vorsitzenden, der Religionslehrer war Salli Silbermann und der Synagogenbetreuer Max Rosenfeld.
Der Prediger der Methodistenkirche im Gemeindehaus in der Ludwigstraße war Maximilian Paetzold.

Die Schulen:
- Realschule mit Lateinabteilung bis zur 6 Klasse (10. Schuljahr.) in der Schulstraße 28. Wer das Abitur machen wollte musste täglich nach Schwäbisch Hall fahren.

Leiter war Studiendirektor Gustav Sigle. Die Lehrer: Studienrat Dr. Karl Kneile, Studienrat Josef Vogt, Studienrat Isidor Fischer, Studienrat Baitinger, Studienassessor  Otto Neher, Oberreallehrer Karl Hofmann, Präzeptor Karl Burkhardt, Reallehrer Adolf Weiler.

- Evang.Volks- und Mädchenmittelschule, Kirchplatz, Rektor Karl Döttinger.

- Evang. Volksschule, Leonhard-Sachs-Schule, Schönebürgstraße 28.

- Grabenschule, Grabenstraße 20

- Katholische Volksschule, Schillerstraße 22, Leitung Oberlehrer Stirmlinger.

- Gewerbeschule mit Handelsabteilung, Schönebürgstraße 33,
Gewerbeschulrat Dr. Ing. Erwin Reyer, Handelsschulrat Paul Arnold.  

- Frauenarbeitsschule, Spitalstraße 2, Leitung Hauptlehrerin Marie Gause.

- Kleinkinderschule, Spitalstraße 4, Kinderschwestern Marie Köhler und Emma Bach.

- Landwirtschaftsschule, Spitalstraße 4, Leitung Landesökonomierat Hermann Schneider.

Gaststätten
Im „Adreß- und Geschäfts-Handbuch“ aus 1931 sind 15 Gastwirtschaften und 19 Schankwirtschaften aufgelistet,  dazu 5 „Kaffees“ und  2 Hotels:
das Post-Faber und das Lamm. Nicht als solches aufgeführt und dennoch Hotel:
Deutscher Kaiser. „Fremdenzimmer“ hatten auch andere, so der „Stern“ in der Langestraße und das Gasthaus Dreikönig (Kellermann) in der Wilhelmstraße.

Unternehmen
An größeren gewerblichen Unternehmen gab es 1932 die Fa. Bourzutschky, die einen
Zweigbetrieb des Hauptwerkes in Wittenberg hier aufgebaut hatte. Die Lederwarenfabriken Hohenstein, Habelt und Möbus hatten ihre Betriebe in Crailsheim und Altenmünster. Die Möbelwerke König produzierten in der Fabrikstraße, wo auch das Sägewerk Speer & Gscheidel seinen Sitz hatte. Die Engelbrauerei saß noch mitten in der Stadt, angrenzend an den Schlossplatz. Die Fa. Schön & Hippelein hatte den Steinbruchbetrieb in Satteldorf, das Steingeschäft in Crailsheim.

Die Arbeiten am Flugplatz/Fliegerhorst wurden erst im Sommer 1935 aufgenommen.

Wie aktiv Handel und Gewerbe (auch für das ländliche Umfeld) waren geht aus den Auflistungen des Handbuchs hervor:
Es gab 22 Bäcker, 11  Fahrradhandlungen, 10 Friseure, 30 Kolonialwarenhandlungen
(2 Großhandlungen), 11 Maler, 13 Metzger, 7 Milchgeschäfte, 8 Sattler, 12 Schlosser und Schmiede, 10 Schreiner, 17 Schuhmacher, 20 Viehhändler  - aber auch schon 6 Kraftfahrzeughandlungen  und 9 Kfz-Reparatur-Werkstätten und 9 Kraftfahrzeug-Vermietungen. Es gab eine Buchhandlung und Buchbinderei. Das Kino wurde noch von einer Nürnberger Firma betrieben – die Vorstellungen fanden im „Ritter“ statt.

Im Anschlussverzeichnis des Crailsheimer Fernsprechnetzes waren 1931 nur 287 Teilnehmer aufgelistet.

Vereine gab es knapp 40 in Crailsheim, darunter: Schwäbischer Albverein, Crailsheimer Altertums- und Heimatverein, Männergesangsverein Harmonia, Liederkranz Crailsheim, Nachbarschaft, Reit- und Fahrverein, Sängerbund, Schützengilde „Horaffen“, Sportverein, Theatergemeinde Crailsheim, Turnerbund, Turnverein, Veteranen- und Kriegerverein, Württ. Frontkämpferbund, Württ. Offiziersbund. 

Reichsbahn
Crailsheim war seit den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts auch Eisenbahnstadt mit wichtigen Ost-West und Nord-Südverbindungen, Werkstätten und einem imposanten Bahnhofsgebäude, das 1866 gebaut worden war.

Das Reichsbahn-Betriebsamt Crailsheim wurde von Reichsbahnrat Karl Storr geleitet, der Bahnhof unterstand Bahnhofsoberinspektor Karl Haug, das Bahnbetriebswerk leitete Maschinenoberinspektor Adolf Härter, die Bahnmeisterei I Bausinspektor Leonhard Ruff, die Bahnmeisterei II Bauinspektor Wilhelm Bertrand.

* Hauptsächliche Quelle: Adreß- und Geschäfts-Handbuch für die Oberamtsstadt Crailsheim 1931, herausgegeben von der Stadtgemeinde Crailsheim.

 
 
Druckversion Druckversion | Sitemap
© Armin Ziegler