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Schwarzmarkt 1947
Der Schwarzmarkt in Crailsheim - mit seinem landwirtschaftlichen Umfeld - war sehr aktiv.

Schon
im Januar 1947 gab es den Fall des „König des Schwarzmarktes", einem bekannten Crailsheimer Gastwirts mit dem Namen H…, dem man 11 Schwarzschlachtungen nachweisen konnte. Sein Prozess - so ein „lnvestigator"-Bericht der Crailsheimer Militärregierung - erregte mehr Aufmerksamkeit als der Nürnberger Kriegsverbrecherprozess.

Aus weiteren Ermittler-Berichten  zum Thema Schwarzmarkt:
- Eine der Schwarzhandelszentralen scheint die Ausländerbaracke in Altenmünster am Wasserturm zu sein.
- Der Schwarzhandel geht immer mehr in den Tauschhandel über, da die meisten Leute Angst vor einer Geldentwertung haben.
- Dem Schwarz- und Tauschhandel wird viel Vorschub dadurch geleistet, dass  Fabriken dazu übergegangen sind, einen Teil des Lohnes in Fertigware auszuzahlen. Die Waren werden dann zu weit überhöhten Preisen verkauft.

-Als einziges wirksames Mittel zur Bekämpfung das Schwarz- und Tauschhandels wird von allen Stellen der schnellste Aufbau der deutschen Wirtschaft verstanden, damit genügend Waren auf den Markt gebracht werden können.

Das „Zeit-Echo“ meldete am 28. Januar 1947:
Der Tauschhandel blüht weiter
Innerhalb kurzer Zeit wurden auf dem Bahnhof Crailsheim drei Razzien durchgeführt. Diese haben gezeigt, dass der Tausch- und Schwarzhandel einen üblen Umfang angenommen hat. Bei der Überprüfung sämtlicher Züge, die den Bahnhof Crailsheim passieren, wurden über 100 Personen kontrolliert, von denen etwa 30 zur Anzeige gebracht werden mußten.
Durchführende waren deutsche Polizisten mit Unterstützung der Militärpolizei.

Aus den Berichten der Ermittler der Militärregierung geht dazu mehr hervor:
Am 24. Januar war die dritte Razzia. Die Razzia begann um 6:35 – jedoch waren die Reisenden meist Berufspendler. In dem ersten Zug konnte nur eine Frau verhaftet werden, die einen ganzen Koffer voll Fleisch und Wurstwaren hatte. Sie hätte sie von ihren vier Schwestern bekommen, die auf dem Land lebten. Die Erklärung half nicht.

- Ein großes Paket wurde verlassen gefunden. Inhalt: ein halbes Schwein.

- Drei Frauen („girls“) wurden verhaftet, die Zigaretten, Schokolade und amerikanische Bekleidung dabei hatten. Eine Frau erklärte, dass es Wäsche sei, die sie für einen Neger-Soldaten wasche. Sie wurde ins Krankenhaus zur Kontrolle auf Geschlechtskrankheiten verbracht.
- Ein Mann wurde verhaftet, weil er 15 Päckchen US-Zigaretten hatte, ein anderer weil er einen amerikanischen Armee-Mantel trug.
 - Ein jüdischer ehemaliger Zwangsarbeiter hatte 8 brandneue Bügeleisen.

- Außerdem wurde ermittelt, dass inzwischen bekannt sei, dass die Razzien nur dienstags und freitags durchgeführt werden. Deshalb war das Ergebnis dieser
Razzia so mager.

Aus dem Ermittler(Investigator)-Bericht der Militärregierung vom 24. Juli 1947:
Die amerikanische Zigarette ist nach wie vor das hauptsächliche Zahlungsmittel.
Die zur Zeit beliebtesten Gegenstände für den Schwarzhandel sind Baumaterialien, Bauholz, Glühbirnen, Reifen und Schläuche. Aber auch Schmuck, Edelmetalle und Edelsteine werden gehandelt, und sind als Tauschobjekte mehr und mehr gefragt. Einmal um überflüssige Gelder unterzubringen  und zum anderen weil die Sachen leicht zu verbergen sind. Sie behalten immer einen gewissen Wert.



Keine wirtschaftliche Besserung im Laufe des Jahres 1947
Die Versorgungssituation blieb das ganze Jahr 1947 ungenügend. Die Ernährung war die Hauptsorge der Crailsheimer. Auch im Herbst wurde über die zu geringen Fleisch- und Fettzuteilungen in der Bevölkerung geklagt. Im Herbst 1947 war die Kartoffelknappheit groß, die Kohleversorgung zu gering. Das große Problem der zerstörten Stadt waren die fehlenden Baumaterialien, so dass zahlreiche angefangene Bauten nicht vor dem Winter­einbruch beendet werden konnten.

Bayrische Obstimport-Reisen nach Württemberg
In den Berichten wird mehrfach von Razzien auf dem Bahnhof Crailsheim und den Durchfahrts­straßen berichtet. Dort wurden große Mengen „gehamstertes" Obst unterwegs nach Bayern be­schlagnahmt. (Das nahmen die Nürnberger den Crailsheimern noch lange übel.)
Das Zeit-Echo“ meldete dazu am 11. Oktober 1947:
„In der vergangenen Woche wurden bei Großrazzien auf dem Crailsheimer Bahnhof in drei Tagen zehn Tonnen(!) Obst sichergestellt. Es handelt sich um Hamsterware bayrischer Passagiere, die in vielen Fällen mehrere Zentner Äpfel mit sich führten. Kleinere Mengen, etwa eine Handtasche oder ein Rucksack voll wurden aber belassen.“
(Das nahmen die Nürnberger den Crailsheimern noch lange übel.)
 

Im Weekly-Report der Militärregierung vom 8.12.1947 werden ermittelte
Schwarzmarktpreise  aufgelistet:
2Pfund-Brot                 30 RM
Kilo Kartoffeln            8 – 10 RM
Pfund Butter               200 RM
Pfund Zucker             60 RM
Pfund Käse                80 RM
 Liter Öl                     200 RM
1 Ei                             5 RM
Päckchen Zigaretten  100 RM


 

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