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CR-Stadtteil "Türkei":
Lt. Stadtplan gehören heute zum Crailsheimer Stadtteil Türkei
die Straßen: Ingersheimer Weg, Marienstraße, Veitstraße, Florian Gey Straße,
Pistorius Straße mit dem Jagst-Wasserwerk.   
Im Bewußtsein der alteingesessenen Crailsheimer war die Türkei immer größer und ging über nach Ingersheim und Altenmünster. :
Die Marmeladenfabrik Bourzutschky, die Kleiderfabrik Habelt, Die Lederbekleidungsfabrik Hohenstein und die Schuhfabrik Möbus - sowie später auch Bosch und Schlacken-Illig  - gehörten für sie dazu.

Die Entstehung der Bezeichnung
Der( verstorbene)  Crailsheimer Historiker Willi Glasbrenner:  
„Weil der Fußgängerverkehr zwischen Altenmünster und Ingersheim immer lebhafter wurde  und nur die Jagstbrücke und der Herrensteg in Crailsheim beziehungsweise die Ingersheimer Doppelbrücke … zur Verfügung standen, schlug Schultheiß Robert Scholl am 19. März 1919 den Bau eines Steges über die Jagst unterhalb des Bahnwarthauses der Eisenbahnlinie Crailsheim-Ellwangen, vom Gewann „Untere Au“ zum Gewann „Oberes Lehen“,  vor.
In diesem Zusammenhang wurde auch erstmals die Bezeichnung „Türkei“ für den Stadtteil unmittelbar östlich der Eisenbahnlinie genannt.“
Quelle: „Die Eingemeindung Ingersheim-Altenmünster – die Entwicklung von 1919 bis 1940
in Förtsch/Haller: „Lesezeichen Kultur“, Crailsheim 2011, S.140

Dazu Glasbrenner dort in einer Anmerkung:
„Am 28. November 1894 wird in Crailsheim erstmals überhaupt der Begriff „Türkei“ genannt und zwar, als von der Bahnverwaltung südwestlich der Stadt Crailsheim Grasland zur Verpachtung angeboten wurde. Der Begriff erscheint wieder am 17. November 1904, als auf dem Flurstück „Veitswiesen“ Bauplätze entstanden.“
… In die Amtszeit Robert Scholls (1917 – 1919) fielen auch die ersten Überlegungen zu einem Anschluss Ingersheims und vor allem Altenmünsters an Crailsheim.  (Die Eingemeindung erfolgte 1940 im  Zusammenhang mit dem Ausbau des Fliegerhorsts.)

Die damaligen Häuser in der Türkei (1914):
Ingersheimer Weg  (Vorliegende Namen gekürzt:)
Nr.1: Friedrich M. Gasfabrikheizer
7: Michael K.,Landwirt

Marienstraße Nr. 2
Nr 4: Friedrich M. Lokomotivführer, Friedrich O., Zugführer
5:  Friedrich H., Heizer
6: Friedrich P.,Privatier
7. Johann Sch., Bremser

 Veitstr.
1:Wilhelm St. Güterbodenarbeiter
2: Ludwig K. Bremser
3. Wilhelm B.Taglöhner Crailsheim
4. Friedrich H. Güterbodenarbeiter
(alle Familien wohnten noch 1931 im Haus – und sind beruflich inzwischen vorangekommen.)


1923
Hermann Rheinthaler wird Bürgermeister von Altenmünster und Ingersheim

(Er bleibt nach der Eingemeindung 1940 Geschäftsstellenleiter der Stadtverwaltung in Ingersheim

1940 Eingemeindung von Ingersheim und Altenmünster in die Stadt Crailsheim.


NSDAP
Die Türkey gehörte mit  Ingersheim, Altenmünster und Onolzheim der Crailsheimer Ortsgruppe West an. Für das Jungvolk ( 10- 14 Jahre ) war das Crailsheimer Fähnlein 3 zuständig. Eine eigene HJ-Gefolgschaft gab es nicht, hier übernahmen die speziellen Gliederungen – wie Motor- und Flieger-HJ- die ab 14-Jährigen. Mitgliedschaft in der HJ war ab 1939 Pflicht. Die Mädchen hatten in etwa vergleichbar Gliederungen.)   


Im Krieg.
1941
Einrichtung des Wagenausrüstungswerkes (Im Volksmund WAW)

Ausrüstung von Hilfszügen für den Fronteinsatz. (Später war hier die Firma Gröger.)

Fremdarbeiter
Neben dem Was­serturm stand eine Baracke für die im BW eingesetzten Franzosen, Russen, Belgi­er, Polen und Arbeiter anderer Nationalitäten.
Einsatzorte 1944  Reichsbahn: Bahnmeistereien, Betriebswerk  Einsatz im Fahrbetrieb.
Schuh­
fabrik Möbus, Engel-Brauerei, Marmeladenfabrik Bourzutschky, Holzwerke Gehring & Zimmermann und Speer & Gscheidel, Baufirma Leonhard Weiss, vor allem aber in der Fa. Bosch, deren tschechische Arbeiterinnen haupt­sächlich in der Nähe des Werkes in Baracken in der Brunnenstraße, der damali­gen Richthofenstraße, der Zufahrt zum Fliegerhorst, untergebracht waren. (1943 waren 15 Fremdarbeiter im Einsatz).

Im Stadtbild von Crailsheim waren vor allem die tschechischen Bosch-Arbeiterin­nen zu sehen. Sie waren nicht zwangsrekrutiert  sondern angeworben und hatten Arbeitsverträge.
Sie genossen größere Freizügigkeiten und nutzten sie auch mit großer Selbstsicherheit etwa bei den Einkäufen. Sie waren nicht gekennzeichnet und durften auch ins Kino gehen und Cafes besuchen. Sie waren adrett und oft chic  angezogen – und wer  Kontakt mit ihnen hatte - berichtete  über ihre nette Art.
Was sie nicht durften: einen deutschen Freund haben und Crailsheim ohne spe­zielle Erlaubnis verlassen.
(Sie starben bei dem Fliegerangriff am 23. Februar durch einen Volltreffer auf die Baracke.)


März 1945
Die Karawanen

Nachdem Bombenangriff vom 23. Februar war die zentrale Crailsheimer Fliegeralarmanlage ausgefallen. Für die Crailsheimer war die hauptsächliche Warnung  der Jägeralarm des Flugplatzes; 3 hohe Pfeiftöne. Aber vorher warnte  auch schon, wenn der Stuttgarter Sender auf Luftwarn-Durchsagen umschaltete. Spätestens dann schlossen die Crailsheimer Geschäfte. Das war meist so gegen 9 Uhr.
Viele Crailsheimer waren da schon auf der Suche nach Sicherheit aus der Stadt heraus unterwegs. Es waren „Flüchtlingskarawanen“, meist Frauen mit Kindern, wichtiges Hausgut, Lebensmittel und Koffer auf Leiterwagen und in Kinderwagen mitführend. Der Schulunterricht war im März schon eingestellt.
Die „Tiefenbacher Karawan“ führte zum Schießstand im Steinbruch an der Jagst und die „ Eichwälder“ ging  entlang der Schönebürg- und Goldbacher-Straße in den Wald. Die Karawane der Türkei „lief“ in den Baumbestand Richtung Burgberg/Roßfeld oberhalb des Flugplatzes.
Besonders die Jabo-Tätigkeit der Amerikaner erfolgte meist vormittags. Die meisten Frauen gingen deshalb mittags wieder nach Hause. Nachts war meist durchgehend Alarm, der weniger beachtet wurde. Man blieb im Haus.




Zerstörungen im Krieg
Vororte Ingersheim und Altenmünster = 14 Prozent zerstört.
Von 365 Hauptgebäuden wurden 33 vollständig und 17 schwer beschädigt.

 
siehe auch: www.CR-April1945

Interessant für ergänzende Informationen sind auch meine  Kapitel "Eisenbahn"
und "BHF Crailsheim 1996"
(bitte oben im grünen Feld ancklicken!)

Armin Ziegler

Anmerkung:
„In der Türkei“ war und ist in Württemberg im Volksmund eine Charakterisierung von  „abseits“ und „weit draußen". Das bezeichnet in zahlreichen Orten externe  Häusergruppen.
Mein heutiger Wohnort hat auch seine “Türkei“ am alten Ortsrand. 
Hintergrund waren die Türkei-involvierten Balkankriege des 19. Jahhunderts- während es bei uns kriegsbezogen meist friedlich war: -anderwärts war es "wie in der Türkei". 


 

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