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Debatte um den Wiederaufbau 1946

Die meisten Crailsheimer hatten eine feste Vorstellung davon, wie ihre Stadt wieder aufgebaut werden sollte: So wie sie gewesen war!!
Vielleicht ein paar Verbesserungen – über die man sprechen könnte. Auch etwas größer.  Mehr bitte nicht!!
 Die Debatte kam in Fahrt als  auf einer Wiederaufbau-Ausstellung im März 1946 in der auch ein Modell des Wiederaufbauplans von Dipl. Ing. Ludwig Schweizer vorgestellt wurde. Sie stieß auf heftigen Widerspruch.-  Zahlreiche laut geäußerte Alternativen wurden in den Raum gestellt. (Es gab damals auch  noch in allen Gasthäusern Stammtische.)

Darum ging es u.a:

- Ein Hauptpunkt war der Bahnhof. Sollte er nicht besser weiter außerhalb der Stadt liegen? Wenn nicht, dann sollte man den Zugang doch in die Kronprinzenstraße verlegen. Dort war Platz für mehr Parkplätze – und der Besucher Crailsheims hätte einen schönen ersten Blick auf die Stadt mit Stadtmauer und Türmen über viel Grün hinweg.
- Die Zweiteilung der Gleisanlagen in Ost und West schien überflüssig. Vielleicht bekäme man auch einen Kopfbahnhof wie Stuttgart?
- Der Güterbahnhof müsste auf jeden Fall in den alten Postweg.

- Müsste man nicht einen größeren Marktplatz  schaffen, um Crailsheim als Mittelpunkt des landwirtschaftlichen Umfeldes zu kräftigen. Vielleicht sogar mehrere Marktplätze,  einen davon am Stadtrand?

- Das Rathaus! Wäre man überhaupt in der Lage das alte Rathaus in den nächsten Jahren wieder aufzubauen. Der Turm aber sollte bleiben.  Der Turmtrakt war aber kostspielig. Wo und wie sollte  man ein neues Rathaus  kostengünstig bauen? Im Spital doch nicht! – Oder doch?

- Das Schloss? Passte es noch in die Zeit? Abriss oder was dort in bester Lage unterbringen?

- Könnte man Ingersheim-Altenmünster durch eine zusätzliche Jagstbrücke besser in die Stadt integrieren. Oder welchen anderen Stadtteil?

- Sollte man zumindest Ingersheim wieder verwaltungsmäßig ausgliedern?  Die wollen doch schon immer eine eigene Stadt sein!

- Die Langestraße war ein großes Gestaltungsproblem. Die alte Breite würde nicht genug Platz für Wohnbauten lassen. Weniger Wohnbauten und Geschäfte zulassen? Sie vielleicht nur als eine Laufstraße zulassen? Oder die Gehwege doch  unter Arkaden legen?

- Es gab so viele Argumente gegen Arkaden! Finster, krumme Wohnraumwürfe, niemand würde dort Läden aufmachen. Und: Architekten-Denkmale!

- Generell – die Straßenbreite! Verkehrsweg, Gehweg und Parkmöglichkeit für Autos passte weitgehend nicht in die alte Straßengestaltung. (Die Architekten sahen schon wieder mehr Autos.) Oder  Häuserfronten zurücksetzen?   

- Der Flugplatz war ein ähnlicher Streitpunkt wie der Bahnhof.
 Industrieansiedlung? Neues Wohnbaugebiet? Verwaltungen dorthin auslagern?
Nur: Der Flugplatz gehörte nicht der Stadt. 
Jegliche Platzierung war erst einmal zeitlich unbestimmt. (Und 1951 kamen die Amerikaner!)
- Der Fernverkehr bzw. Durchgangsverkehr. Gestatten oder umleiten. Parkverbote – oder Ausweichparkplätze?

- Und das Problem des Schulraummangels. Es mussten neue Schulen gebaut werden. Die Oberschule? Wo?
Wo konnte die gut gestartete Volkshochschule untergebracht werden?
Und die nun wieder  mehr Bedeutung bekommende Berufsausbildung brauchte  zusätzliche Gewerbeschulplätze.

- Der Einzelhandel wollte wieder innerstädtische  Standorte schneller als der Wiederaufbau Platz dafür schaffte. Wo und wie kann man erst mal Überbrückungen schaffen?

- Und immer: Was kommt zuerst? Wofür reichten die Finanzen – und für was gab es Zuschüsse von draußen? Vieles scheiterte erst einmal an der Finanzierung.





 

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