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Der Durchhalte-Terror

 

Am 15.2.1945 hatte der Reichsminister der Justiz eine Verordnung „Über
die Einrichtung von Standgerichten"
(Reichsgesetzblatt 1945) erlassen. (Im
März wurden dann mobile Standgerichte der Wehrmacht und SS
angeordnet.) Diese Standgerichte sollten in allen „feindbedrohten
Reichsverteidigungsbezirken" eingerichtet werden und waren für alle
Straftaten zuständig, die „die deutsche Kampfkraft und Kampfent-
schlossenheit" etwa durch „Feigheit und Eigennutz" gefährdeten. Worunter
man sehr viel verstehen konnte, selbstverständlich auch das Zeigen weißer
Fahnen.

Ein Standgericht konnte Todesurteile fällen, Freisprüche aussprechen oder
das Verfahren an ein ordentliches Gericht weiterleiten. Todesurteile waren
die Regel. Standgerichte waren jedoch keinesfalls immer den vielen
Hinrichtungen und Situationsmorden der Selbstjustiz von Hoheitsträgern -
etwa des Kreisleiters von Heilbronn - und SS-Leuten in den letzten
Kriegswochen vorausgegangen.

 

Für die Zeit zwischen Januar und Mai 1945 schätzt man die Zahl der
Todesurteile ordentlicher Militärgerichte auf ungefähr 4.000 (Henke, Seite
809), die Zahl der Standgerichtsurteile auf 6.000 bis 7.000.

 

Eine weitere Steigerung des Durchhalte-Terrors kam mit dem sogenannten
Flaggenbefehl des Reichsführer SS Himmler vom 7. April 1945:

 

„1. Im jetzigen Zeitpunkt des Krieges kommt es einzig und allein auf den
starren unnachgiebigen Willen an, zum Durchhalten.

  1. Gegen das Heraushängen weißer Tücher, das Öffnen bereits
    geschlossener Panzersperren, das nicht Antreten zum Volkssturm
    und ähnliche Erscheinungen, ist mit härtesten Maßnahmen
    durchzugreifen.
  2. In einem Haus, in dem die weiße Fahne erscheint, sind alle männlichen
    Personen zu erschießen. Es darf bei dieser Maßnahme keinen
    Augenblick gezögert werden."

 

 

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