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Entnazifizierung

Bis zum Frühjahr 1946 führten die Amerikaner in ihrer Zone die Entnazifizierung durch Anordnungen an die deutsche Verwaltung – meist über den Landrat - durch. Grundlage dafür waren die amerikanische Besatzungsdirektive JCS 1067 vom 26.4.1945, die Armeeanweisung (USFET Directive) vom 7.7.1945 und das Gesetz Nr. 8 der US-Militärregierung vom 26.9.1945.

In der Direktive JCS 1067 heißt es: „Alle Mitglieder der Nazipartei, die nicht nur nominell in der Partei tätig waren, alle, die den Nazismus oder Militarismus aktiv unterstützt haben und alle anderen Personen, die den alliierten Zielen feindlich gegenüberstehen, sollen entfernt und ausgeschlossen werden aus öffentlichen Ämtern und aus wichtigen Stellungen in halbamtlichen und privaten Unternehmen.“

Ausdrücklich wird hier festgehalten, dass keine dieser Personen aus verwaltungstechnischen Gründen im Amt belassen werden dürfen. Hilfsmittel für die Feststellung war der „Military Government Fragebogen“ mit 131 Fragen. Die Auslegung auf lokaler Ebene war recht unterschiedlich, aber oft sehr schematisch.

Bestimmte Kategorien – so z.B. auch Kreis- und Ortsgruppenleiter und ihre leitenden Amtswalter sowie höhere HJ-Führer und -Führerinnen – wurden im Rahmen des sogenannten „Automatic Arrest“ verhaftet und in Internierungslager verbracht. Nach groben Schätzungen der Militärregierung waren in der gesamten US-Zone bis Anfang August 1945 rund 80.000 Personen im Zuge des „automatischen Arrests“ verhaftet und 70.000 als NS-Aktivisten aus ihren Ämtern entlassen worden. Im Winter 1945/46 hatten die Amerikaner in neun Internierungslagern, zwei Krankenhäusern und einem Internierungsgefängnis etwa 30.000 Internierte in Württemberg-Baden zusammengezogen .

Die Zahl der in Crailsheim in „automatischen Arrest“ Genommenen ist nicht bekannt. Es gibt nur eine Liste der Mitglieder des Kreisstabes, die 20 Personen umfasst, von denen drei flüchtig waren, einer war von der SS aufgehängt worden (Kreisschulungsleiter Wolfmeyer aus Brettheim), einer blieb auf freiem Fuß und 15 waren verhaftet worden. Die Zahl der Crailsheimer, die darüber hinaus verhaftet wurden, wird in der Größenordnung von bis zu 20 Frauen und Männern liegen. Daneben gab es die „normalen“ Parteigenossen, die der örtlichen Entnazifizierung und ihren Auflagen unterlagen.

Was waren das für Leute, die in Crailsheim „normale“ Parteigenossen waren? Einen gewissen Eindruck vermittelt die Liste der männlichen Parteigenossen, die 1945 zur Enttrümmerung herangezogen wurden. Sie enthält 325 Namen, bei 260 stehen Berufsbezeichnungen:

Selbständige Handwerker - 52
Selbständige Kaufleute - 36    
Arbeiter, Kraftf., Schlosser etc. - 32                                      
Beamte, Justiz, Banken, Finanzamt - 21          
Angestellte - 20     
Lehrer  - 15    
Gastwirte, Konditoren - 13
Beamte, Post, Bahn -   11
Fabrikbesitzer  - 7
Architekten, Ingenieure - 7
Landwirte -  6
Studenten  -  4

Ärzte und Zahnärzte -  4

Die Entnazifizierung im Jahr 1945 verlief in mehreren Phasen. Zuerst wurden die öffentlichen Verwaltungen gesäubert, wobei die erste Maßnahme darin bestand, die Bürgermeister abzusetzen, die der Partei angehört hatten, was in diesem Amt praktisch eine Voraussetzung war.

In Crailsheim werden Entlassungen aus der Stadtverwaltung schon in der ersten Gemeinderatssitzung am 1.6.1945 von Bürgermeister Gebhardt und dem I. Beigeordneten Daurer bekanntgegeben. Hier heißt es noch „im Zuge der politischen Umwälzung“.

Die Entnazifizierung in Stadt und Kreis Crailsheim bekam mit der Einsetzung von Karl Daurer als Landrat am 10. Juli 1945 Momentum. Er hatte den Amerikanern garantiert, dass er den Nationalsozialismus in der Verwaltung ausrotten würde. Er arbeitete schnell.

Schon am 18. Juli konnte die Militärregierung berichten, dass Herr Daurer die Fragebogen aller Bürgermeister des Kreises vorgelegt hat. Ende Juli wird von den ersten 27 Absetzungen (von später 56 der 58 Bürgermeister) berichtet, die der neue Landrat persönlich vornimmt. Ab August/September folgen dann Absetzungen nachgeordneter Personen im öffentlichen Dienst.

Im Landratsamt selbst geschieht das frist- und formlos auch bei langjährigen Beamten. Es liegt hier ein solches Entlassungsschreiben mit Datum 13. August 1945 vor: „Ich teile Ihnen mit, dass Sie mit sofortiger Wirkung auf Befehl der Militärregierung vom 7.8.1945 von Ihrem Amt enthoben sind, da Ihr Dienst im Widerspruch zu den Interessen der Militärregierung steht.“ Unterschrift: Daurer. (Der Beamte wurde nach seiner Entnazifizierung mit der Einstufung „Mitläufer“ nach zwei Jahren wieder eingestellt.)

Am 13. August 1945 fordert Landrat Daurer unter Hinweis auf eine Anordnung der Militärregierung und des CIC von allen Bürgermeistern eine Liste „sämtlicher Nazigrößen bzw. solcher Personen, die durch ihre Parteizugehörigkeit andere Bürger gedrückt und dadurch für sich einen großen Vorteil erreicht haben“ an. Angefordert wurde dabei eine kurze Beurteilung des Verhaltens. Bürgermeister Gebhardt meldet 40 Personen. Bei zwei Fabrikanten, die keine Parteigenossen waren, reichte z.B. allein die Einstufung als „Großverdiener“. (Welche konkreten Konsequenzen diese Liste hatte, ist unbekannt.)

In der Sitzung des Crailsheimer Gemeinderats vom 26.9.1945 wird die Entlassung von drei Beamten und zwei Angestellten per 11.8.1945 aufgrund der Auswertung ihrer Fragebogen bekanntgegeben. Am 22.12.1945 ordnet Landrat Daurer auf Anweisung der Militärregierung die Entlassung von drei weiteren Beamten der Stadtverwaltung Crailsheim an, darunter ist der langjährige Stadtdirektor.

Die Militärregierung meldet Ende August 1945, dass der Kreis bereits zu 58 Prozent entnazifiziert sei. Die Entnazifizierung der Kreis- und Justizbehörden, Finanzinstitute und der Lehrerschaft läuft parallel, für die Unternehmen beginnt sie im September/Oktober 1945 aufgrund des neuen Gesetzes Nr. 8 der Militärregierung. Ende September 1945 meldet die Militärregierung den Kreis Crailsheim zu 80 Prozent entnazifiziert. Alle Bürgermeister, die Mitglied der NSDAP waren, sind abgesetzt.

Es gibt eine Ausnahme: Bürgermeister Gebhardt, für den Landrat Daurer sich erfolgreich einsetzt, obwohl er Parteigenosse und SA-Mann gewesen war und von der Militärregierung schon im August 45 auf die Liste der zu Entlassenden gesetzt wird.

Die zweite Phase ist die Absetzung der Leiter der Banken und Sparkassen und des Finanzamts. Das erfolgt im August/September 1945. Auch hier folgen die Absetzungen der ihnen untergeordneten Mitarbeiter etwas zeitversetzt.

Die dritte Phase betrifft die Lehrer. Da die Volksschulen am 1.10.1945 im Kreis Crailsheim wieder eröffnet werden sollen, gerät diese Aktion im September unter Zeitdruck. Mitte September waren von allen Lehrerinnen und Lehrern im Kreis, die einen Fragebogen erhalten hatten, erst 78 akzeptiert. Hier wurde nicht nur darauf geachtet, ob sie Parteigenossen waren, auch die anderen NS-Organisationen spielten eine Rolle. Bis zum 1.10.1945 waren dann 120 zugelassen. Der Mindestbedarf für die Unterrichtung der Schulpflichtigen betrug 155 Lehrkräfte. Die Lücken wurden erst nach und nach durch Nachwuchskräfte geschlossen.

Im Wochenbericht der Crailsheimer Militärregierung für den Zeitraum 20.9. bis 26.9.1945 gibt es einen Kommentar zu der Reaktion der Bevölkerung auf die Auswirkungen der Entnazifizierung. Es heißt dort:

„Unsere Abteilung hat natürlich erkannt, dass die Entlassungen aus öffentlichen Ämtern und technischen Spezialistenstellen wegen Nazi-Vergangenheit zu Schwierigkeiten führt, diese Stellen wieder zu besetzen. In einigen Fällen war die Ersetzung noch nicht möglich, das gilt besonders für Finanzinstitute und Technikerstellen. Die Reaktion der Bevölkerung drückte zuerst Besorgnis darüber aus, dass solche fähigen Personen entlassen wurden. Dann gab es eine Akzeptierung der Unumgänglichkeit. Die jetzt vorherrschende Reaktion ist, dass die von der Militärregierung und den Deutschen selbst Eingesetzten nicht das notwendige Minimum an Fähigkeiten in der Praxis besitzen, die Bevölkerung über den Winter zu bringen.“

Die nächste Phase der Entnazifizierung war eine Welle: Mit Wirkung vom 26. September 1945 trat das Gesetz Nr. 8 der Militärregierung in Kraft, mit dem nun die Entnazifizierung der Wirtschaftsunternehmen betrieben wurde. In Crailsheim wurde das Gesetz am 17.10.1945 im Amtsblatt veröffentlicht.

Der Kern des Gesetzes ist, dass alle früheren Angehörigen der NSDAP und ihrer Gliederungen nur als gewöhnliche Arbeiter zu beschäftigen sind. Das betraf auch alle Selbständigen, so Ärzte, Architekten etc.

Auch hier zog Landrat Daurer die Initiative an sich. Die auszufüllenden Fragebogen mussten nicht – wie im Gesetz vorgeschrieben an das Arbeitsamt –, sondern an ihn geschickt werden. Das ließ er sich von der Militärregierung genehmigen. Er gab im Amtsblatt vom 23.10.1945 bekannt, dass die betroffenen Personen sofort zu entlassen sind. Fügt aber hinzu, daß dies „zunächst auf öffentliche Ämter etc. nicht anwendbar ist“.  Es sollte wohl erklären, warum Bürgermester gebhardt noch im Amt war.

Im Gesetz war ein Prüfungsausschuss vorgesehen, so dass die Militärregierung Ausnahmen bewilligen konnte, wenn es sich um Personen handelte, die nur nominell der Partei angehörten. Dazu der Landrat am 23.10.1945 im Amtsblatt (siehe nächstes Blatt): „Der im obigen Gesetz nach Ziffer 4 der Ausführungsbestimmungen vorgesehene Prüfungsausschuss ist im Kreis Crailsheim nunmehr bestellt. Zuschriften sind zu richten an den Landrat, Prüfungsausschuss, Crailsheim, Gewerbeschule.“ Wen der Landrat in den Prüfungsausschuss berufen hat, wurde im Amtsblatt nicht veröffentlicht.

Seine Handhabung des Gesetzes Nr. 8 gab ihm wieder viel Spielraum für selektive Anwendungen, d.h. zu entscheiden, wer ein „nützlicher“ Parteigenosse ist und noch gebraucht wird bezw. wer das nicht ist. Handwerker – es sind ja noch kürzlich seine Kollegen gewesen - sind fast ohne Ausnahme auch in seinen Augen wichtig. Unter den  Handwerkern, die er im Spätsommer 1945 mit Maschinen und Unterbringung fördert, sind nicht wenige ehemalige Parteigenossen und auch solche, die kurz vorher in einer Aktion des Landrats vom Bürgermeister als Crailsheimer „Nazigrößen“ eingestuft worden waren.

Als die Amerikaner im Mai 1946 nach einem Jahr einige der vom automatischen Arrest Betroffenen wieder entließen, schrieb Karl Daurer jedoch in seinem Wochenbericht für den amerikanischen militärischen Geheimdienst CIC: „Die örtlichen Entnazifizierungsausschüsse und insbesondere die politisch verfolgten Antifaschisten der Jahre 1933-1945 sehen in dieser Angelegenheit eine Undankbarkeit der Besatzungsmacht und die von ihnen geleistete Arbeit vollkommen untergraben, da auf diesem Wege eine Säuberung aller Nazis auf Grund vorgekommener Fälle nicht zu erwarten ist.“

Die nächste und letzte Phase der Entnazifizierung ist die Überführung in deutsche Hände. Gleichzeitig aber wollten die Amerikaner die Kontrolle darüber behalten. Das Ergebnis von Vorarbeiten und Auseinandersetzungen deutscher und amerikanischer Stellen war das „Gesetz 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ vom 5. März 1946, das durch die Unterschrift der Ministerpräsidenten der drei Länder in der amerikanischen Zone am 10. März 1946 in Kraft trat. Im Juni/Juli 1946 fanden in Crailsheim die ersten Spruchkammer-Sitzungen statt.

Die Entnazifizierung nach deutschem Gesetz

Das Ergebnis von Vorarbeiten - und Auseinandersetzungen - deutscher und amerikanischer Stellen war das „Gesetz 104 zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus“ vom
5. März 1946, das durch die Unterschrift der Ministerpräsidenten der drei Länder in der amerikanischen Zone am 10. März 1946 in Kraft trat.
Es umfasste 67 Artikel und 29 Ausführungsvorschriften (AVs).

Die erste Phase umfasste das Ausfüllen eines Meldebogens durch jeden über 18 Jahre alten Deutschen. Es war ein beidseitig bedrucktes DIN-A-Blatt mit 13 Fragekomplexen zu Mitgliedschaften in NS-Organisationen und Tätigkeiten dort.
Die Beantwortung entschied, ob es zu einem Spruchkammer-Verfahren kommt.

Die „Gerichte“ der Entnazifizierung waren die lokalen Spruchkammern. Eine Spruchkammer hatte einen Vorsitzenden und mehrere Beisitzer. Sie wurden von den örtlichen Parteien gestellt. Die Anklage wurde durch einen öffentlichen Kläger vertreten.

Zur Verteidigung konnte vom Angeklagten ein Rechtsanwalt zugezogen werden.

Im Juni/Juli 1946 fanden für Crailsheim die ersten Spruchkammer-Sitzungen in Langenburg statt. Erst im Sommer 1947 wurde die Spruchkammer für den Kreis Crailsheim auf den früheren Flugplatz in Crailsheim verlegt.

Die Entnazifizierung dauerte in Crailsheim bis Mai 1948.

Die Einstufungen der Betroffenen erfolgte in fünf Gruppen:

Gruppe I: Hauptschuldige (z.B. wer aus politischen Beweggründen Verbrechen gegen Opfer oder Gegner des Nationalsozialismus begangen hat)

 

Gruppe II: Belastete (z.B. wer durch seine Stellung oder Tätigkeit die Gewaltherrschaft der NSDAP wesentlich gefördert hat)

 

Gruppe III: Minderbelastete  - auch Bewährungsgruppe genannt – (z.B. wer beweisen konnte, dass er unter Zwang gehandelt hat)

 

Gruppe IV: Mitläufer (wer nur nominelles Mitglied der NSDAP und ihrer Gliederungen war)

 

Gruppe V: Entlastete oder Nichtbetroffene

Gegen die Spruchkammer-Urteile konnte bei entsprechender Begründung Berufung eingelegt werden.

 

Das Gesetz gestattete den Crailsheimern, die bisher unter pauschale Einstufungen gefallen waren, sich zu rechtfertigen. Wer dabei die Einstufung als „Mitläufer“ erreichte, fiel damit nicht mehr unter die beruflichen Beschränkungen.

Es gab zwei Amnestien:

Schon im August 1946 erfolgte die wesentliche: Eine Jugendamnestie für alle jungen Menschen ab Jahrgang 1919. Sie waren 1946 27 Jahre alt oder jünger.

Eine Weihnachtsamnestie 1946 beendete die Spruchkammerverfahren für Kriegsbeschädigte ab einer gewissen Stufe.
  

Zahlenmäßig sah die Entnazifizierung für den Kreis Crailsheim (eine gesonderte Aufstellung für die Stadt Crailsheim liegt hier nicht vor) nach einem Bericht des „Zeit-Echo“ vom 30.4.1948 so aus:

Zu Beginn der Spruchkammerverhandlungen „lagen 44 755 Meldebogen zur Bearbeitung vor. Davon waren 35 313 vom Gesetz zur Befreiung vom Nationalsozialismus und Militarismus nicht betroffen und 9442 betroffen. Die Betroffenen wurden wie folgt eingestuft:
Gruppe I (Hauptschuldige): 0*

 

Gruppe II (Belastete): 58
Gruppe III (Minderbelastete): 312
Gruppe IV (Mitläufer): 860
Gruppe V: (Entlastete): 24

Unter die Jugendamnestie fielen 3877 Personen, unter die Weihnachtsamnestie 3540;
664 Verfahren wurden eingestellt. Sieben Fälle bleiben noch zur Verhandlung.“
 

Spruchkammerverfahren gegen Kreisleiter Otto Hänle 1948

Das Verfahren der Spruchkammer des Internierungslagers Ludwigsburg fand öffentlich an drei Tagen – 10., 11. und 12. August 1948 – in der jeweils voll besetzten Jahnhalle statt. (Ausführliche Berichte im „Zeit-Echo“ vom 11., 13. und 14. August 1948.) Es wurden 37 Zeugen vernommen – weitere 9 Aussagen lagen schriftlich vor.
Ein Hauptanklagepunkt ist die Zerstörung Crailsheims (u.a. durch den Bau von Panzersperren).

Das Urteil vom 12.August 1948:
1. Der betroffene ist Hauptschuldiger. (= die höchstmögliche Einstufung.)
2. Er wird auf die Dauer von 6 Jahren in ein Arbeitslager eingewiesen, um Wiedergutmachungs- und Aufbauarbeiten zu leisten. Die politische Haft seit dem 21.5.1945 wird angerechnet.
3. Sein Vermögen wird als Beitrag zur Wiedergutmachung eingezogen. Es sind ihm zum nötigen Lebensunterhalt DM 500,- zu belassen.
4. Er unterliegt laufenden Sonderabgaben in Höhe von 25 % von dem monatlich über DM 200,-- Bruttoeinkommen übersteigenden Betrag.
5. Die Berufsbeschränkung nach Artikel 15, 7 tritt auf die Dauer von 10 Jahren in Kraft. (= in nichtselbständiger Arbeit nur mit gewöhnlicher Arbeit beschäftigt.)
6. Die gesetzlichen Folgen nach den restlichen Ziffern des Artikels 15 treten in Kraft. (= kein öffentliches Amt, Verlust von Pension und Rente, Beschränkung des Wohn- und Aufenthaltrechtes.)
7. Die Kosten des Verfahrens fallen dem Betroffenen zur Last, ebenso die Kosten seiner politischen Haft ab 10.11.1946.

In einem Berufungsverfahren im November 1948 wurde die Dauer des Arbeitslagers auf 3,5 Jahre verkürzt, d.h. er kam frei. Andererseits wurde die Einkommensabgabe auf 50 Prozent des 250,- DM übersteigenden Monatseinkommens erhöht. Die unter oben 6. genannten Folgen wurden auf 10 Jahre begrenzt.

Otto Hänle, geb. 4.1.1902, verheiratet, drei Kinder, war ab 1. Mai 1937 Kreisleiter in Crailsheim.
Er starb am 13. März 1969 in Gaildorf.

 





Offiziell wurde die Entnazifizierung in der Bundesrepublik Deutschland durch  das Entnazifizierungsschlussgesetz vom 11.5.1951 beendet. Ab dann konnten auch entlassene  Beamte in den öffentlichen Dienst wieder eingestellt werden, sofern sie nicht unter die Gruppe I und II gefallen waren.

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