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Gastbeitrag: Komplexität
Jan Ziegler, MA

8. Januar 2016  

Medien und Politiker wiederholen es unermüdlich: Die Welt wird komplexer und komplizierter. Seien es globale Wirtschafts- und Handelssysteme, Produktionsketten über fünf Kontinente hinweg oder lokal nicht mehr lösbare Probleme wie Veränderungen des Klimas.

Doch wann ist etwas komplex? Komplexe Systeme bestehen, der Wissenschaft zufolge, aus Elementen oder Individuen, die miteinander und mit ihrer Umwelt interagieren und sich in ihren Eigenschaften unterscheiden. In einem komplexen System gibt es keine zentrale Kontrolle oder Leitstelle, die Anweisungen gibt. Daher ist ein Computer zwar kompliziert, aber nicht komplex. Komplexe Systeme können in der Finanzwelt, Wettergeschehen, im Straßenverkehr oder in unserem Immunsystem gefunden werden.1

 

Komplexe Systeme definieren sich durch eine Reihe von Eigenschaften:

1) Das Verhalten eines Systems kann nicht durch eine reine Aufzählung der einzelnen Komponenten berechnet werden. Das Ganze ist also mehr als die Summe seiner Elemente (emergent behaviour). Nur weil wir wissen, wer alles im Syrien-Konflikt agiert, heißt das noch nicht, dass wir vorhersagen können, wie der Konflikt ausgehen wird.

2) Auch wenn wir die Strukturen eines Systems kennen, heißt das noch nicht, dass wir genaue Vorhersagen machen können. Aber wir können Muster erkennen (spontaneous order). In der Finanzwelt folgt auf jede Blase eine Rezession, aber wann genau die Blase platzt, das wissen wir nicht.

3) Nur eine kleine Anzahl von Beziehungen verbindet die Welt (small world principal). Dies beschreibt die Idee, dass über sieben Ecken jeder jeden auf dieser Welt kennt. Das bedeutet aber auch, dass jede Veränderungen mehr Menschen betrifft, als uns im ersten Moment klar/bewusst ist.

4) Komplexe Systeme verhalten sich nicht linear. Lange Ruhephasen eines stabilen Systems können von einem auf den anderen Moment in Bewegung versetzt werden, oftmals ausgelöst durch winzige Veränderungen. Relativ große Veränderungen werden daher von relativ kleinen Faktoren erzeugt. Der Fall der Sowjetunion etwa überraschte die meisten Experten. Sie hatten das System für stabiler eingeschätzt als es tatsächlich war.

5) Die Normalverteilung wie sie die Bellkurve (Gauss Verteilung) vorhergesagt, findet sich nur in wenigen komplexen Systemen wieder. Als unwahrscheinlich eingeschätzte Ereignisse können häufiger auftreten als erwartet.

6) Komplexe Systeme unterliegen einer evolutionären Entwicklung. Sie passen sich den Umständen an. Elemente, die sich nicht anpassen können, werden entfernt. 2

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  1. Lex Hoogduin, “Decision Making in a Complex and Uncertain World,” University of Groningen, 
    Lex Hoogduin, “Decision Making in a Complex and Uncertain World,” University of Groningen, Categories:
    Vorlesung

 aus:
www.nachdenkenswert.de

8. Januar 2016  

 

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