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Die Kampfhandlungen am 20. April 1945 in Crailsheim nach deutschen Berichten

Aus den Arbeiten von
- Friedrich Blumenstock: „Der Einmarsch der Amerikaner und Franzosen im nördlichen Württemberg im April 1945, Stuttgart 1957;
- Konrad Rahn: „Kriegschronik der Stadt Crailsheim im Frühjahr 1945“, Crailsheim 1955
- Bernd Friedel: „Crailsheim im Feuersturm“, Crailsheim 1985;
 ergibt sich folgender zeitlicher Ablauf:

Nach seiner Rückkehr am 13. oder 14. April ließ Kreisleiter Otto Hänle in der Stadt Panzersperren bauen. Das soll auf Anordnung des Kampfkommandanten Obersturmführer Hübner geschehen sein. Die Ausführung sollte beim Volkssturm liegen.

Dazu schrieb der Landrat von Crailsheim, Karl Daurer, in einem Brief vom 22.9.47:

"In der Zeit zwischen dem 10.und 21.4.1945, als Crailsheim von amerikanischen Truppen wieder frei war, hat es wohl seine schwersten Tage erlebt. (Daurer selbst war in der Zeit in der Stadt und leistete als Mitglied der Feuerwehr Hilfe bei der Brandbekämpfung.) Über der Stadt waren täglich, ja stündlich "Jabos". Den Anforderungen der zurückgekehrten Kreisleitung, inmitten der Stadt Panzersperren anzulegen, kam die Zivilbevölkerung und auch der Volkssturm nicht nach. Am Montag, den 16.4.1945 wurden daher von der Kreisleitung Volkssturmpflichtige der umliegenden Orte nach Crailsheim dirigiert. An demselben Tag erfolgte bereits in der Frühe ein schwerer Jabo-Angriff auf die Stadt, der im Stadtzentrum Großbrände zur Folge hatte. Die andere Folge war die Weigerung der herangezogenen Landbewohner, an den Panzersperren weiterzubauen. Daraufhin wurde von der Kreisleitung verfügt, dass der Panzersperrenbau bei Nacht durchzuführen sei ...Aufklärungsflieger beobachteten jeweils am Morgen darauf, was in der Nacht geschehen war und erneute Jabo-Angriffe setzten ein. Die Zivilbevölkerung verließ hauptsächlich ab 16.4.1945 fluchtartig die Stadt und es ist kaum anzunehmen, dass beim zweiten Einmarsch der Amerikaner noch 5 v.H. ( das wären weniger als 400 Einwohner)  anwesend waren."

Am 20. April verfügte der Kampfkommandant praktisch über keine Verbände, die zur Verteidigung der Stadt eingesetzt werden konnten. Der Volkssturm hatte sich bis auf einen kleinen Rest - hauptsächlich Parteifunktionäre - aufgelöst. Zwar zogen zurückgehende Soldaten durch die Stadt - meist nachts - aber unterstellt waren dem Kampfkommandanten nur etwa ein halbes Hundert Angehörige der Waffen-SS aus Ellwangen und der Rest des Volkssturms.

Konrad Rahn schreibt: "Die Befehlszentrale befand sich seit einigen Tagen in der Kuppelismühle. Versammelt waren dort der Kreisleiter Hänle, der SS-Hauptsturmführer Hübner, ein Oberleutnant und Leutnant Hage...Gegenüber der Kuppelismühle im Keller des Ortsbauernführer Präger waren 15 bis 20 SS-Leute und eine Anzahl von Ordonanzen, in der Hauptsache Hitlerjungen von 16/17 Jahren...

Zwischen dem Kampfkommandanten Hübner und dem Kreisleiter Hänle waren schwere Unstimmigkeiten entstanden, weshalb der Kreisleiter sich nicht gern in der Kuppelismühle aufhielt. Zwei Tage hat er sich dort überhaupt nicht sehen lassen. Meist war er im Prägerkeller, oft auch saß er in der Engelbrauerei, besonders auch am Abend, wenn keine Jabo-Angriffe zu befürchten waren.

Am 20. April ganz früh morgens gab es wieder eine heftige Auseinandersetzung zwischen dem Kampfkommandanten und dem Kreisleiter. Hübner machte dem Kreisleiter Vorwürfe: der Volkssturm sei nicht, wie gemeldet angetreten, es seien überhaupt keine vernünftigen Vorkehrungen zur Verteidigung der Stadt getroffen worden und es wäre unverantwortlich, dass unter solchen Umständen die Unterstützung der SS angefordert sei. Der Kreisleiter, der ohne jede Haltung eine jämmerliche Rolle spielte, verteidigte sich damit, dss seine Aufgabe lediglich in der Führung des Volkssturms...läge; außerdem habe er einen Nervenzusammenbruch gehabt. - Nach diesem Krach ist der Kreisleiter davongegangen, wahrscheinlich hat er gegen 11 Uhr vormittags die Stadt verlassen.."

Der weitere zeitliche Ablauf (auch aus US-Berichten ( siehe  Armin Ziegler: "Crailsheim, 20. April 1945", Baier-Verlag, Ctailsheim 1996.)

16:00 Uhr. Die Amerikaner nehmen nach Beschuss Beuerlbach.

16:30 Uhr: Ein letzter starker Jabo-Angriff.

Zwischen

16:00 und 18:00 Uhr rücken die Amerikaner auf den Karlsberg und Kreckelberg (Villa) vor. Ab dieser Zeit steht Crailsheim unter direkter amerikanischer Beobachtung. Der Artilleriebeschuss ab etwa 18:00 Uhr wird von hier gelenkt.

 18:00 Uhr. Deutsche Soldaten, die sich vom Kreckelberg absetzen, werden am Ingersheimer Weg gesehen.

18:00 Uhr. Die beiden Bahnüberführungen an der Hallerstraße werden von einem deutschen Sprengkommando gesprengt, kurz darauf die Jagstbrücke. Nur wenig später tauchen schon auf der der Gastwirtschaft Kellermann gegenüberliegenden Seite der Jagst erste Amerikaner - wahrscheinlich ein Spähtrupp - auf, die die Jagst an anderer Stelle überquert hatten.

 Das Sprengkommando setzt sich auf Fahrrädern aus Crailsheim ab.

Der stellvertretende Landrat Dr. Zinser und der Gendarmerie-Oberleutnat Bux verlassen die Stadt.

18:00 Uhr. Von der Kuppelismühle wird ein Spähtrupp ausgeschickt, der bis zum Karlsberg und dem Eichwald vorgehen und den Stand der Amerikaner erkunden soll. Beim Krankenhaus stoßen sie auf eine SS-Truppe von etwa 20 Mann, die berichten, dass die amerikanischen Panzer schon an der Katholischen Volksschule ständen. Die Patrouille - möglicherweise Volkssturmmänner - und die SS-Männer setzen sich über den Trutenbach in Richtung Hammersbacher Weg auf den Kreuzberg ab und werden dabei von Artillerie und MG-Feuer beschossen.

Vorausabteilungen der Amerikaner werden in der Schönebürgstraße, Leonhard-Sachs-Schule, Katholische Volksschule und Kirche, Schillerstr. Ludwigstraße, Frohneberg beobachtet.

 19:00 Uhr. Ein Meldegänger vom Volkssturm kommt zur Kuppelismühle und berichtet, daß amerikanische Panzer in der Schönebürgstraße und Schillerstraße stehen. Eine Gruppe des Volkssturms muss sich demnach noch zu diesem Zeitpunkt in der Stadt aufhalten. (Kampfkommandant Hübner fragt den Meldegänger, ob man - d.h. der Volkssturm - denn keinen Panzer abgeschossen habe. Was verneint wird.) Kampfkommandant Hübner befiehlt die Räumung der Stadt: "langsam zurückziehen". Daraufhin werden Kuppelismühle und Prägerkeller geräumt.

Die Stadt liegt bis etwa 19:30 Uhr unter Artilleriebeschuss mit Sprenggranaten.

20:00 Uhr. Es ist eine heftige Schießerei zwischen Volksfestplatz und katholischer Kirche zu hören.

Kurz danach kommen Amerikaner in das Anwesen Roll in der Ludwigstraße und Fragen nach dem Bürgermeister. Herr Roll kann die Frage nicht beantworten. Darauf durchsuchen diese Amerikaner das Haus nach Waffen und Soldaten.

20:10 Uhr. Die Beschießung der Stadt mit Phosphorgranaten beginnt. (Phosphorgranaten heißt, dass die Brände nicht wirkungsvoll mit Wasser bekämpft werden können. Man braucht dazu Sand - oder muss zusehen, wie sich die Brände weiter fressen.) Die Beschießung dauert bis in die Nacht hinein. Es wird nachts von vorsichtig vorgehenden Amerikanern berichtet.

(Nach dieser Ablaufschilderung lägen zwischen der Schießerei in der Gegend Volksfestplatz, der Frage nach dem Bürgermeister im Hause Roll in der Ludwigstraße und dem Beginn der Beschießung mit Phosphorgranaten nur wenige Minuten.)

Sonnenuntergang: 20:00 Uhr

21. April 1945, Sonnenaufgang: 5:50 Uhr

5:30 Uhr. Die Amerikaner kommen wieder zum Hause Roll und errichten dort auf dem Dachboden einen Beobachtungsstand. Bis etwa 6:00 Uhr wird noch einmal die Innenstadt beschossen.

Anschließend rücken die Amerikaner, die schon in der Nacht mit Spähtrupps in der Stadt waren, endgültig in die Stadt ein und in Richtung Ingersheim weiter vor.

 (Die deutsche und amerikanischen Zeitangaben stimmen uhrzeitlich überein. In Deutschland gab es 1945 - im Gegensatz zur doppelten in den Vorjahren und dann wieder 1946 - nur die einfache Sommerzeit. Sie entsprach der sog. Greenwich-Zeit plus zwei Stunden. Die amerikanischen Truppen operierten unter der von ihnen "Bravo-Time" genannten Zeit, die mit der Londoner doppelten Sommerzeit übereinstimmte, d.h. auch Greenwich puls zwei Stunden.)

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