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Die Kriegsmüdigkeit der deutschen Bevölkerung

 

Die Kriegsmüdigkeit der Bevölkerung nahm im Laufe von  1944/45
deutlich zu. Auslöser waren sicherlich die immer stärker werdenden
Luftangriffe, die Rückzugsmeldungen von den Fronten, die hohen deutschen
Verluste und schließlich auch das nachdenklich machende Attentat auf
Hitler am 20. Juli 1944. Danach wurde die Belastungsschraube für die
Bevölkerung nochmals scharf angezogen.

Am 25. Juli 1944 wurde der „Erlass des Führers über den totalen Kriegseinsatz" bekanntgemacht. Darin heißt es:
„Der Vorsitzende des Ministerrats für die Reichsverteidigung, Reichsmarschall Hermann Göring, hat das gesamte
öffentliche Leben den Erfordernissen der totalen Kriegsführung in jeder
Beziehung anzupassen. Zur Durchführung dieser Aufgabe schlägt er mir
einen 'Reichsbevollmächtigten für den totalen Kriegseinsatz' vor."
Das wurde dann Goebbels.

Das öffentliche und kulturelle Leben kam durch die totale Mobilmachung
praktisch zum Stillstand, um Kräfte für Industrie und Front freizusetzen.

Eine der Maßnahmen, die die ganze Bevölkerung zu spüren bekam, war, dass die Arbeitszeit in den öffentlichen Verwaltungen und in der Wirtschaft auf 60 Stunden in der Woche hochgesetzt wurde. Urlaube wurden gestrichen.

Diese Belastungen bedrückten die Menschen immer stärker - und sie
wurden in den letzten Monaten des Krieges unerträglich. Henke (Seite
820) beschreibt das:

„Bei allem pflichtschuldigem 'Weiterfunktionieren' im letzten Vierteljahr des Krieges trachteten die erschöpften Menschen nun überall danach, sich dem untergehenden System zu entziehen, legten sie es darauf an, nur noch ein Minimum an Energie für die verlorene nationale Sache, aber ein Maximum an Phantasie und Kraft in die Suche nach einem individuellen Ausweg aus  dem Bankrott zu investieren. In bis dahin ungekanntem Ausmaß wurden jetzt Anordnungen unterlaufen und umgangen, folgte man nicht mehr den Befehlen einer durch Mißerfolg und Uneinsichtigkeiten diskreditierten Führung, sondern dem eigenen gesunden Menschenverstand und Überlebenswillen...

Auch die Anzahl der undogmatischen Beamten, der einsichtigen
Kommandeure und sogar verständiger NS-Funktionäre vervielfachte sich
in der Endphase des Krieges mit jeder Woche."

 

Bei Henke (5, Seite 815) finden sich sogar dem entsprechende Auszüge aus
Berichten des SD (sprich Gestapo) Ende März 1945: „Das Vertrauen in die
Führung ist in diesen Tagen lawinenartig abgestürzt." In einem SD-Bericht
am 27. März nach Stuttgart heißt es: „Allgemein ist man der Ansicht, für uns
in Württemberg sei der Krieg in Kürze zu Ende. Teils sind die Volksgenossen
über das rasche Vordringen der Anglo-Amerikaner an der Westfront
bestürzt, zum großen Teil aber ist die hiesige Bevölkerung beinah froh, dass
dieser Krieg endlich ein Ende für sie nimmt."

 

Über die Initiativen zur Rettung von Orten vor der Zerstörung beim Einmarsch
der Amerikaner schreibt Henke (5, Seite 844): „Trotz der beim Einmarsch
von einem Ort zum anderen tausendfältig verschiedenen Konstellation war
es ein Hauptmerkmal solcher Initiativen (manche seit Monaten im geheimen
vorbereitet, manche aus dem Augenblick geboren), daß mutige Bürger, und
zwar in der Regel maßgebliche Angehörige der Gemeindeverwaltung oder
örtliche Honoratioren und Respektpersonen (Pfarrer, Lehrer, Unternehmer,
Handwerksmeister, Ärzte, o.ä.) - mitunter auch einfache Gemeinde-
mitglieder und des öfteren Frauen - in offen verabredetem oder unausgesproche-
nem Zusammenspiel mit dem jeweiligen Kampfkommandanten oder einem
anderen Wehrmachtoffizier, oft auch gänzlich auf eigene Faust, die Initiative
ergriffen und den entscheidenden Schritt zur Rettung der Ortschaft wagten."

 



 

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