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Luftkrieg Crailsheim 1944

Januar

- Der erste Fliegeralarm des Jahres 1944 erfolgte in Crailsheim am Freitag, dem

7. Januar, von 11:42 bis 12:22 Uhr.

 

Februar
- Am 25. Februar 1944 überflogen größere amerikanische Verbände nachmittags Crailsheim. Ein deutscher Jäger eröffnete das Feuer. Geschosse aus diesem Luftkampf schlugen in der Umgebung des Bahnbetriebswerkes, in der Veitstraße und in der Adam-Weiß-Straße ein. Der Lokomotivführer Wilhelm Wider wurde auf dem Bahnhofsgelände von einem MG-Geschoss in die Brust getroffen und starb im Krankenhaus.

März
In den ersten Monaten des Jahres 1944 gab es in
Crailsheim noch eine Art Normalität des Alltages. Es gab kulturelle Veranstaltungen, der Schulunterricht wurde wenig unterbrochen, Fliegeralarme waren noch nicht so häufig und wurden auch nicht ernst genommen. Sie betrafen die Crailsheimer fast nur durch den Überflug von Verbänden zu anderen Städten wie Nürnberg. S

April

- Am 24. April 1944 wird der Crailsheimer Fliegerhorst durch feindliche Flugzeuge angegriffen. Fliegeralarm von 12 Uhr 58 Min. bis 15 Uhr 22 Min. Überfliegen der Stadt Crailsheim durch einige Hundert Feindflugzeuge. Beim Rückflug über Crailsheim von Ost nach West lösten sich einige feindliche Jäger aus dem Verband und schossen mit ihren Bordwaffen auf die auf dem Flugplatzgelände abgestellten Maschinen. In kurzem Abstand erfolgte durch die feindlichen Jäger ein zweiter Angriff mit Bordwaffen auf den Fliegerhorst.

 -  Wegen nächtlichen Fliegeralarms fallen früh viermal die ersten Schulstunden aus. Einmal müssen die Schüler auch tagsüber vom Unterricht nach Hause geschickt werden.

Mai

- In der Nacht vom 8.auf 9.Mai 1944 wurde Luftalarm gegeben. Um 03.05 Uhr erfolgte ein Angriff, der vermutlich einem oder mehreren Schulflugzeugen, die sich über Crailsheim bewegten, galt. Der feindliche Flieger schoss mit Bordwaffen. Es wurde eine Anzahl Gebäude in Crailsheim getroffen und geringer Sachschaden verursacht. 

Festgestellt wurden Treffer von Bordkanonen:

Rathaus,(Lange Straße 9), Gasthaus zur Rose, Lange Straße 20, ehem.

Synagoge in der Küfergasse; Drogerie Reinhardt, Wilhelmstraße 13; weiter Wl1helmstraße l5, Wilhelmstraße 21 (Photo Schlossar); Lichtspielhaus Frankonia, Großes Haus, Wilhelmstraße; Kessels, Bahnhofstraße 1; Bahnhofstraße 14 (Speer) und Bahnhofstraße 20, (Auto Schneider).  Am meisten getroffen wurde das Kino, Großes Haus, in der Wilhelmstraße durch5 Geschosse.

 - Im Mai gab es zwölfmal öffentliche Luftwarnung, davon viermal nachts. Fliegeralarm wurde achtmal ausgelöst, davon dreimal nachts. An fünf Wochentagen fiel die erste Schulstunde wegen nächtlichen Fliegeralarms aus. An vier Tagen wurde der Schulunterricht wegen Fliegeralarms unterbrochen.

Juni
Aus der Gemeinderatssitzung am 8. Juni 1944:

- Der wichtigste Punkt der Sitzung war eine Darstellung des Standes der Luftschutzbaumaßnahmen. Erschreckend war die damit verbundene Bürokratie. Im Vergleich zu den schon im September 1943 geplanten Maßnahmen war sehr wenig geschehen. Die Aufnahme in das sogenannte LS-Führerprogramm - schon im September verkündet - war formal erst am 15. November erfolgt. Eine Überweisung von Reichsmitteln in Höhe von 150.000 RM war im März 1944 eingegangen, auch Genehmigungen waren erteilt. Nur die notwendigen Materialien waren noch nicht zur Verfügung gestellt. Vor allem die zusätzlich geplanten öffentlichen Luftschutzräume in Bergstollen kamen durch die bürokratischen Genehmigungshürden nicht voran.

Juli

Während im Juni die Crailsheimer relativ ruhig dem Alltag nachgehen konn­ten, erhöhte sich die Gefahrenlage im Juli wieder deutlich.
 Im Juli gab es zwölf­
mal öffentliche Luftwarnung, davon viermal nachts, und achtmal Fliegeralarm, davon dreimal nachts.

Aus dieser Aufzählung ist nicht erkennbar, wie sehr die Luftkriegsaktivitäten das Leben in der Stadt beeinflussten. Die Luftschutzmaßnahmen wurden ja schon ab Luftwarnung 20 (L 20) und Luftwarnung 15 (L 15), die die Minuten bis zu einem evt. Angriff angeben, in Gang gesetzt. Im Stadtarchiv liegen die Warn­meldebücher des Jahres 1944 bis einschließlich Oktober. Sie wurden auf dem Polizeirevier im Rathaus auf der Grundlage der von der Luftwarnzentrale in Heilbronn eingehenden laufenden Meldungen über Feindflugzeugbewegungen geführt.

Für die Woche vom 24.
bis 30. Juli, in der es 5mal öffentliche Luftwarnung und 7mal Flieger­alarm gab, wurden 218 Einzelmeldungen erfasst. Allein für den 26. Juli 1944 sind 44 Luftlage­meldungen des Tages angeführt, die zu zweimal öffentlicher Luftwarnung und einmal Fliegeralarm führten.

Am 21. Juli 1944 während des Fliegeralarms zwischen 10.05 Uhr und 11.57 Uhr wurden etwa um 10.14 Uhr im Feld Roter Buck von einem von Westen nach Ost einfliegenden feindli­chen Verband mehrere hundert Stabbrandbomben abgeworfen.
Im Polizeibericht heißt es:

„Die Brandbomben waren in bombenförmigen Behältern, die wie Sprengbomben mit Leitwerk versehen waren, zum Abwurf gelangt. Nach den Abdrücken auf einem vorgefundenen Zwischenboden müssten in jeder abgeworfenen Sammelbombe je 112 Stück Stabbrandbomben enthalten gewesen sein. Bei diesem Abwurf am Südhang des „Roter Buck" sind mindestens 4, wahrscheinlich aber 5 solcher Behälter abgeworfen wor­den.“ Ziel waren wahrscheinlich Flugplatzbauten.

Der Bericht beschreibt diese neue Art, Brandbomben abzuwerfen, die für Städte und zur Verursachung von Flächenbränden entwickelt wurde. Solche Brände waren mit Mitteln des zivilen Luftschutzes nicht zu bekämpfen.


In Crailsheim erweckten die Luftangriffe auf Stuttgart im Juli große Befürch­tungen. Bei den Angriffen am 25.,26., 28. und 29. Juli gab es 884 Tote (Sauer „Württemberg ... S. 357).

 

 August
- Die einzige überlieferte aktenkundige Luftkriegsaktivität im August über Crailsheim ist in einem Bericht des Revier-Oberleutnants Hilscher an das Landratsamt vom 4.8. festgehalten. Danach hängte sich in der Nacht - schon nach der Entwarnung - ein feindlicher Jäger an die nun wieder mit Beleuch­tung landenden deutschen Jäger an, gab auch ihre Leuchtsignale und schalte­te seinen Scheinwerfer an, um dann zum Angriff anzusetzen, den er auch noch einmal wiederholte. Über Schäden auf dem Fliegerhorst gibt es keine Berichte.


 - Von den drei Zügen der Crailsheimer Feuerwehr musste jeweils ein Zug von abends 18:00 Uhr bis morgens 6:00 Uhr in der (geschlossenen) Gastwirtschaft "Rose" in Bereitschaft sein.

- Polizei-Flak in Crailsheim: Unter dem Betreff „Abwehr von Tiefangriffen auf Reisezüge" schickte der Befehlshaber der Ordnungspolizei in Stuttgart mit Datum 22. August 1944 eine Anordnung an den Landrat in Crailsheim. Er teilte hierin mit, dass zu den bisherigen 10 Reisezüge (RS)-Flakwagen weitere 5 einge­setzt werden. Ein Stützpunkt sei Crailsheim, von dem aus die Reisezüge zwi­schen Crailsheim und Heilbronn beschützt werden sollten Die Flakwagen waren nur mit Maschinengewehren bestückt und mit Polizeikräften besetzt. In Crailsheim stand dem Stützpunkt der Wachtmeister der Schutzpolizei Lützelsberger vor, ihm unterstellt waren u.a. die ukrainischen Schutzmänner Lewatschow und Remez.

September
Generell wurde der Unterricht häufig durch Luftlagewarnungen unterbro­chen, und zwar schon vor der öffentlichen Luftwarnung, um den Schülern noch die Möglichkeit zu geben, zu Hause den Luftschutzraum aufzusuchen oder aus der Stadt herauszugehen. Wenn nachts öffentliche Luftwarnung oder Flieger­alarm war, durften die Schüler eine Stunde bei längeren Alarmen auch zwei Stunden später kommen.
- An sieben Wochentagen durften die Schüler später in die Schule kommen. An sieben Wochentagen fällt der Schulunterricht ganz oder teilweise wegen öffentlicher Luftwarnung oder Fliegeralarm aus.

 In Stuttgart fand am 9. September der schwerste Angriff des Jahres 1944 statt. Es gab 957 Tote. Ein Zug der Crailsheimer Feuerwehr leistet in Stuttgart Hilfe.

Oktober
- Stuttgarter Luftwaffenhelfer in Crailsheim: Während die Luftwaffenhelfer aus der damaligen Klasse 6 der Crailsheimer Oberschule hauptsächlich in Ost-Oberschlesien zum Schutz der Hydrierwerke im Umfeld von Auschwitz eingesetzt waren, kamen Anfang Oktober 1944 gleichaltrige Luftwaffenhelfer aus Stuttgart von der Höheren Handelsschule in der Knospstraße, Klasse M II b, nach Crailsheim. In einem Brief an den Baier Verlag schrieb einer von ihnen - ein Nachbar des Autors in Schönaich:

"Nach meinen Unterlagen sind wir (Leichte Heimatflakbatterie 24/VII, Standort Herbertingen bei Saulgau; Batteriechef Oberleutnant Möbius, später Leutnant Kahle, am Donnerstag, 5. Oktober 1944, morgens 8 Uhr von Stuttgart, wo wir ausgebildet worden sind, über Mettingen in Crailsheim angekommen und haben dann gleich mit dem Stellungsbau am Fliegerhorst vor Roßfeld angefangen. Später, etwa zweite Oktoberhälfte, wurden wir in Stellungen an der Haller Straße, in Höhe der gegenüber liegenden Siedlung, verlegt. Es gab an beiden Stellen vorher noch keine Flakstellungen. Wir waren bei allen feindlichen Tieffliegerangriffen auf den Fliegerhorst aktiv und natürlich bei allen Feindmeldungen in Feuerbereitschaft.

Die Stuttgarter sollten ihren Schulunterricht mit der vergleichbaren Klasse in der Oberschule erhalten. Das war zu dieser Zeit fast kontinuierlicher Feuerbereitschaft nie möglich. Lehrer kamen nie in die Flakstellung.


 

- Crailsheim hatte im Oktober 44mal öffentliche Luftwarnung, davon fünfmal nachts, sowie 14 mal Fliegeralarm, davon einmal nachts.

November
- Am 5. November erfolgte ein Tieffliegerangriff auf den Flugplatz und auf einen bei Maulach gestoppten Zug.

Dezember
 - Der Lok-Führer August Pfitzenmaier kam durch Tieffliegerbeschuss um.

- Es ist nicht bekannt, wie viele Male Fliegeralarm ausgelöst wurde, wahrscheinlich oft. Der Stuttgarter Luftwaffenhelfer notierte in seiner Stellung am Rande des Crailsheimer Fliegerhorsts über alle Weihnachtsfeiertage bis Neujahr täglich mehrstündige Feuerbereitschaft.

Im Dezember erfolgten einige der schwersten Angriffe in Württemberg. Der schwerste

überhaupt war der am 4. Dezember auf Heilbronn. Am 4. Dezember 1944 wurde Heilbronn von britischen Nachtbombern in knapp einer halben Stunde fast vollständig zerstört. Es gab 6530 Tote und 1840 Schwerverletzte.

 

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© Armin Ziegler