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Bericht von Bürgermeister Gebhardt über das Jahr 1945

Anfang Januar 1946 hielt Bürgermeister Gebhardt in der Jahnhalle – auch im Zusammenhang mit der Information über die bevorstehenden Gemeinderatswahlen – eine Bürgerversammlung ab, in der er auch auf den Wiederaufbau einging (1):

„Sobald die Witterung es erlaubt, wird mit der Schuttabfuhr in den Nebenstraßen begonnen. Schon heute rufe ich Euch Crailsheimer Männer, besonders aber auch die männliche Jugend auf, wenn im Frühjahr zu Großeinsätzen aufgerufen wird, wieder freiwillig mitzuhelfen.


Die landwirtschaftlichen und gewerblichen Betriebe, die beinahe ohne Ausnahme total zerstört waren, wurden durch Notmaßnahmen weitgehend unterstützt. Erwähnt sei nur die Erstellung von vier Feldscheunen und neben der Zuteilung von Maschinen aller Art für das Gewerbe die Bereitstellung einer Baracke für verschiedene Handwerker auf dem Volksfestplatz.


Sofort nach dem Zusammenbruch hat aber auch die Privatinitiative sehr stark eingesetzt. Das vorläufige Ergebnis derselben drückt sich etwa in folgenden Zahlen aus:

 

1.)       Die leicht beschädigten Gebäude sind notdürftig wieder instandgesetzt.

2.)       Von den mittel- und schwerbeschädigten Gebäuden sind etwa 10 % wieder hergestellt, bei 20 % sind die Bauarbeiten im Gange.

3.)       Bei den totalgeschädigten Gebäuden ist die Wiederherstellung von 2 % in Angriff genommen. (2)


Durch diese Instandsetzungsarbeiten und durch Wohnungseinbauten sind etwa 70 Wohnungen bezugsfertig geworden. Weitere 50 Wohnungen werden bis Anfang April bezugsfertig.


Von den lebenswichtigen Betrieben haben ihre Tätigkeit wieder aufgenommen:


                                   die Bezirksmolkerei,

                                   die Firma Bourzutschky,

                                   das Schlachthaus,

                                   8 Bäckereien,

                                   6 Metzgereien,

                                   7 Gaststätten,

sowie sämtliche landwirtschaftlichen Betriebe, wenn auch unter sehr erschwerten Verhältnissen.

 

Und nun zur Frage des Bauens im Jahre 1946.

 

Die Lage auf dem Baustoffmarkt ist sehr gespannt. Die Baustoffzuteilung ist sehr gering. Sie wird vom Innenministerium im Benehmen mit der Militärregierung gelenkt. Genehmigt ist vorläufig aber nur das Repair-Programm, d.h. Instandsetzungsarbeiten.

Der Bauwille der Bevölkerung drückt sich in der Einreichung zahlreicher Baugesuche aus. Eine Vorprüfung derselben ist z.Zt. im Gang. Diese erstreckt sich

 

1.         auf stadtplanmäßige Möglichkeit,

2.         architektonische Gestaltung,

3.         Dringlichkeit.

 

Soweit bezüglich dieser 3 Punkte kein Hindernis entgegensteht, kann eine formelle Genehmigung der Baugesuche ausgesprochen werden. Der Baubeginn ist aber abhängig von der Zuteilung der vom Innenministerium neu eingeführten Baukarte. Die Ausstellung der Baukarten ist Aufgabe der Wiederaufbauämter.


Nach vieler Mühe ist es uns gelungen, das Wiederaufbauamt für die Stadt Crailsheim beim Innenministerium durchzusetzen. Herr Baurat Schleicher, der Leiter dieses Wiederaufbauamts, hat vergangenen Montag mit seiner Arbeit begonnen. Er wird allen Bauwilligen mit Rat und Tat zur Seite stehen. Der von Baurat Haller vorbearbeitete Stadtbauplan wird nun von Baurat Schleicher so rasch als irgend möglich fertiggestellt.


Die Baugesuche, denen stadtbauplanmäßige Schwierigkeiten entgegenstehen, müssen daher so lange zurückgestellt werden, bis der neue Stadtbauplan endgültig aufgestellt und genehmigt ist.


Die vom Innenministerium im Entwurf neu bearbeitete Ortsbausatzung wird nach Genehmigung durch den Gemeinderat zur Anwendung kommen. Der neue Stadtbauplan wird sich in der Hauptsache auf das innere Stadtgebiet beschränken. Es ist selbstverständlich, daß das innere Stadtgebiet nicht mehr in der seitherigen Enge aufgebaut werden kann, sondern aus hygienischen und wirtschaftlichen Gründen aufgelockert werden muß, d.h. im Inneren der Stadt wird nicht mehr so viel Baugelände wie bisher zur Verfügung stehen.

 

Um nun aber im Zentrum der Stadt die Handels- und Gewerbebetriebe unterbringen zu können, ist beabsichtigt, reine Wohngebäude und landwirtschaftliche Betriebe an anderer Stelle am Stadtrand aufzubauen. Die Zuteilung der Grundstücke im Stadtkern ist durch eine Baulandumlegung zu regeln.


Diese zwei großen Aufgaben: Stadtbauplanung und Baulandumlegung
werden von dem Wiederaufbauamt im Benehmen mit dem Innenministerium bearbeitet.“

Anmerkungen zum Kapitel “Bericht von Bürgermeister ....”

(1) Text der ganzen Ansprache: Stadtarchiv Crailsheim, Reg.Nr. 1112
(2) Stadtbaumeister Kiderlen gibt ein halbes Jahr später in einem Schreiben vom 29.6.46 an das Gesund-heitsamt Crailsheim den Stand der Wohnungsreparaturen per 25.6.46 so an:
            1. Leichte Schäden: 97 % wiederhergestellt.

            2. Mittelschwere Schäden: 45 % wiederhergestellt.
            3. Schwere Schäden: 3 % wiederhergestellt.            Stadtarchiv Crailsheim, ohne Reg
.Nr.

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