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Das Ende der offiziellen Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft
– und die Weiterführung durch personelle Kontinuität

Die Sozialistische Arbeitsgemeinschaft trat offiziell nach der für sie personell erfolgreichen Gemeinderats- und Kreistagswahl am 7. Dezember 1947 nicht mehr in Erscheinung.
 
Wie die beiden Hauptakteure der Sozialistischen Arbeitsgemeinschaft - Daurer und Bertsche - in den Jahren 1947 bis 1953 die Crailsheimer Kommunalpolitik entscheidend gestaltet haben, kann man aus den Protokollen des Gemeinderats - vor allem aber des Verwaltungsausschusses - erkennen, dessen Vorsitzender Herr Daurer wurde.

Sicher ist, daß nach 1947 die „informelle Sozialistische Arbeitsgemeinschaft“ in der Crailsheimer Kommunalpolitik weiter Dinge in Bewegung setzte. Man wird feststellen, daß ohne Herrn Daurer damals in Crailsheim kaum etwas lief. Und das hatte zweifellos auch nicht nur weltanschaulich geprägte Resultate, besonders wenn der weitaus pragmatischere Friedrich Bertsche mitwirkte.

Bürgerversammlungen gab es jedoch so schnell nicht mehr. Fanden 1947 in Crailsheim noch acht solcher Veranstaltungen statt – sechs durch die Sozialistische Arbeitsgemeinschaft, zwei durch den Bürgermeister –, gab es 1948 keine mehr und auch danach waren sie sehr selten. Jetzt, wo Karl Daurer die Crailsheimer Lokalpolitik aus Gemeinderat und Kreistag beeinflußte, waren sie anscheinend eher störend als erwünscht.
 

Karl Daurer wurde auch Mitglied des Volkshochschul-Ausschusses. Nach außen sichtbar wurde das durch eine Anzeige im „Zeit-Echo“ vom 24.12.47, mit der er für eine Vorlesungsreihe der Volkshochschule über wissenschaftlichen Sozialismus warb.

Eine gute Voraussetzung für das Wirken von Karl Daurer war die Anfang 1948 stattgefundene Bürgermeisterwahl in Crailsheim. Bei ihr wurde Wilhelm Gebhardt – wie berichtet inzwischen von der Spruchkammer als Mitläufer eingestuft und deshalb wählbar - mit großer Mehrheit von den Crailsheimern am 14. März 1948 der Vorzug vor dem 68jährigen Alt-Bürgermeister Fröhlich und dem amtierenden Bürgermeister Schatz gegeben.

Die Herren Daurer und Gebhardt konnten auf eine gute Zusammenarbeit direkt nach dem Krieg zurückblicken. Wilhelm Gebhardt wurde von den Amerikanern als Bürgermeister eingesetzt, Karl Daurer zu seinem Stellvertreter ernannt. Daurer verhinderte dann als Landrat relativ lange die Absetzung von Gebhardt trotz Mitgliedschaft in der NS-Partei und SA und kannte auch die weiteren Vorbehalte der Amerikaner. Nach der von den Amerikanern durchgesetzte Absetzung als Bürgermeister im Februar 1946 bekam Wilhelm Gebhardt von Karl Daurer eine Stelle im Landratsamt.

Die Einschätzung der Wahlsituation durch die Militärregierung vor der Bürgermeisterwahl, geht aus ihrem „Weekly Intelligence Report“ vom 12. März 1948 hervor:

„Der populärste Kandidat bis heute ist Wilhelm Gebhardt, Ex-NSDAP-Mitglied und Ex-Bürgermeister von Crailsheim. Gebhardt wird von der Arbeiterschaft unterstützt und die wird von Karl Daurer, SED-Sympathisant, kontrolliert.

Ein Sieg Gebhardts wird ein Sieg Daurers und der SED sein. Zahlreiche Leute sind sich der Motive Daurers bewußt, aber diese Gruppe ist begrenzt auf Geschäftsleute und die Intelligenz. Die einfachen Arbeiter sind alle für Gebhardt und blind gegenüber Daurer und seinen Plänen.“

In einer nachträglichen amerikanischen Analyse vom 24. März 1947 heißt es:

„Die Bürgermeisterwahlen am 14. März in der Stadt Crailsheim bewiesen, daß es im Grunde nur eine starke politische Kraft im Kreis gibt. Diese Gruppe sind die Gewerkschaften im Kreis mit ihren ungefähr 2.000 Mitgliedern. Die Mehrzahl sind die Eisenbahner, der Rest verteilt sich auf verschiedene Industrien. Die Gewerkschaft hat keine eigene starke Führung aber ihre Leiter sind stark beeinflußt und angeführt vom Ex-Landrat und bekannten KPD-Sympathisanten Karl Daurer. Daurer, Arbeitsrichter in Schwäbisch Hall, Einwohner von Crailsheim, ist ein enger Mitstreiter und Freund des Gewerkschaftsführers (gemeint ist Friedrich Bertsche): Während der Wahl gab Daurer mit der SPD und der Gewerkschaft Wilhelm Gebhardt, Ex-Nazi aber heute kein Mitglied einer Partei, volle Unterstützung. ...
Daurer, auch kein Mitglied einer Partei, ist praktisch der Sprecher der SPD, deren alte Parteiführer ihm anscheinend freie Hand lassen.“

Mitte 1948 wählte die SPD in Crailsheim Robert Boger zum neuen Vorsitzenden. Im gleichen Jahr wurde Herr Boger auch Vorsitzender der Gewerkschaft in Crailsheim.

Zu Herrn Boger heißt es in dem Wochenbericht der Militärregierung vom 30.7.1948: „Robert Boger, der neugewählte Vorsitzende der SPD, irritiert uns im Augenblick. Boger hatte im vergangenen Jahr den Widerstand gegen den erfolgreichen Versuch Daurers angeführt, SPD und KPD auf einer gemeinsamen Liste gegen CDU und DVP zu vereinen. Heute sind sie gute Freunde, Daurer übernimmt das Reden und kann in den meisten Fällen Boger dazu bringen, mit seinen Vorschlägen übereinzustimmen.“

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© Armin Ziegler