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Württemberg 1933

Januar
Die politische Situation in Württemberg zu Jahresbeginn 1933 war durch ein Patt gekennzeichnet. Die Landtagswahlen am 24. April 1932 hatten für kein Lager eine Mehrheit erbracht. Da die NSDAP mit 23 Sitzen die stärkste Fraktion im 60-Sitze-Landtag bildete, stellte sie mit dem Haller Alt-Nationalsozialisten Christian Mergenthaler den Landtagspräsidenten. Die konservative Regierung mit dem Zentrumsmann Eugen Bolz als Staatspräsident (Ministerpräsident) an der Spitze - seit 1928 im Amt - blieb geschäftsführend.
Das Kabinett:
Ministerpräsident: Eugen Bolz, Zentrum
Inneres: Eugen Bolz, Zentrum
Justiz: Josef Beyerle, Zentrum
Kultus: Wilhelm Bazille, Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
Finanzen: Alfred Dehlinger, Deutschnationale Volkspartei (DNVP)
Wirtschaft: Reinhold Maier, Deutsche Demokratische Partei (DDP)
Staatsrat: Johannes Rath, Deutsche Volkspartei (DVP)

Der Spielraum für Eigeninitiativen war durch die Finanzsituation gering.
Die erste Amtshandlung Anfang Januar war die Unterrichtung der Oberämter über die Durchführungsmaßnahmen zu den erlassenen verstärkten Winterhilfsmaßnahmen der Reichsregierung: Verbilligung von Lebensmitteln und Brennstoffen für Hilfsbedürftige.
Kurz darauf wurde die Mitwirkung Württembergs an einem neuen Notwerk der Reichsregierung für die Jugend und einem freiwilligen Arbeitsdienst beschlossen und bekanntgegeben.

Am 6. Januar beschloss die Reichregierung (unter dem parteilosen Reichswehr-General Kurt von Schleicher, der im November 1932 das Kabinett Papen abgelöst hatte) ein Arbeitsbeschaffungsprogramm. Es stellte Darlehen für öffentliche Körperschaften zur Verfügung, wenn es Arbeitslose und Wohlfahrtsempfänger in Arbeit bringt.
Am 9. Januar erließ die württembergische Regierung Durchführungsbestimmungen.

In Berlin war der am 6. November 1932 gewählte Reichstag noch nicht zusammengetreten.
Von den 584 Sitzen erhielt die NSDAP 196, die SPD 121, die KPD 100, das Zentrum 70, die Deutschnationale Volkspartei (DNVP) 52. Die restlichen 45 Sitze teilten sich 8 Parteien.
Der Januar war geprägt von Gesprächen und Verhandlungen. Eine Regierungsbildung war nicht möglich.

Am 28. Januar trat die Regierung Schleicher zurück. Reichspräsident Hindenburg beauftragte Herrn Franz von Papen (parteilos) mit der Sondierung für eine Regierungsbildung.

Die kam aus einer Koalitionsvereinbarung zwischen NSDAP und DNVP zustande.
Am 30. Januar beauftragte Reichspräsident Hindenburg Adolf Hitler mit der Regierungsbildung. In der Minderheitsregierung war Franz von Papen Stellvertreter des Reichskanzlers, Alfred Hugenberg (DNVP) Finanzminister, Konstantin Freiherr von Neurath (parteilos) Außenminister, Wilhelm Frick (NSDAP) Innenminister, Arbeitsminister wurde Franz Seldte (Stahlhelm). Hermann Göring gehörte dem Kabinett als Minister ohne Fachbereich an.

Im Januar 1933 gab es keine Gesetzesinitiative der württembergischen Regierung.

Februar


2. Februar
Reichspräsident Hindenburg löst den Reichstag wegen der Unmöglichkeit der Bildung einer Mehrheitsregierung auf. Das Zentrum hatte sich geweigert in die Regierung Hitler einzutreten. Die Neuwahlen wurden auf den 5. März angesetzt.

6. Februar
Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz des deutschen Volkes werden im Reichsgesetzblatt veröffentlicht. Es ist eine Zusammenfassung der von der Regierung Schleicher erlassenen Notvorschriften, Neu ist, dass ein Verbot von Streiks in einem lebenswichtigen Betrieb möglich ist.

8. Februar
Im „Staats-Anzeiger“ wird eine weitere Liste der Schmutz und Schundschriften veröffentlicht. Prüfstelle München. November 1932, Grundlage ist ein Gesetzt v. 18.12. 1926.. Die Liste enthält die Nummern 187 und 188 erotischer Literatur. Im Februar erfolgen noch mehrere Erweiterungen dieser Liste.

9. Februar
Das württembergische Innenministerium veröffentlicht die Zuständigkeiten für die Durchführung der Verordnung des Reichspräsidenten vom 6.2. 1933. Es sind die Ortspolizeibehören u.a. bei der Beschlagnahem von Waffen. Bei Versammlungsverbot müssen die Oberämter eingeschaltet werden.

15. Februar
Reichskanzler Hitler hält eine Rede in der Stuttgarter Stadthalle. Die Radioübertragung wird durch die Durchtrennung eines Kabels gestört.
Der „Staats-Anzeiger“ hatte weder über die Rede, den Aufmarsch noch über die Störung berichtet.
Es wurde nur am 16. 2. gemeldet, dass Hitler in einem Sonderflugzeug aus Stuttgart kommend wieder in Berlin eintrifft.

23. Februar
Das württembergische Finanzministerium veröffentlicht eine Reorganisation der württembergischen Forstbezirke.

24. Februar
Anlässlich der deutschen Skimeisterschaften in Freudenstadt und Baiersbronn am 25. und 26. Februar gibt die Eisenbahn verbilligte Sonderzüge bekannt.

Es ist ganz offensichtlich, dass die württembergische Regierung unter dem Zentrumsmann Bolz Distanz zur NS-Reichsregierung hält. Über Feiern zur Machtübernahme in Württemberg wird im Staats-Anzeiger nicht berichtet.

28. Februar
In der Nacht vom 27. auf 28. Februar wurde in Berlin der Reichstag brandgezündet. Der Mittelbau ist ausgebrannt, der Sitzungssaal zerstört.

März

1. März          

Der Staats-Anzeiger veröffentlicht die Verordnung des Reichspräsidenten gegen Verrat am deutschen Volke und hochverräterische Umtriebe vom 28.2.1933.
Für den Verrat militärischer Geheimnise können bis zu lebenslang Zuchthaus und die Todesstrafe verhängt werden. Das gilt auch für Ausspähungen und Weitergabe falscher Informationen, aber auch für Aufrufe zu hochverräterischen Streiks. Die Verfahren obliegen dem Amtsrichter, können aber auch von Ermittlungsrichtern des Reichsgerichts vorgenommen werden.

Die württembergische Landesregierung verbietet kommunistische Publikationen und Versammlungen.


2. März
Landtagspräsident Mergenthaler erlässt eine Verordnung zur Sicherung des Landtaggebäudes. Kommunistische Angeordnete haben keinen Zugang mehr.

Das Reichskabinett beschäftigt sich mit der Berichterstattung der Auslandspresse und beschließt gegen deren Journalisten vorzugehen, die böswillig berichten und hetzen.

Für Notleidende in den Industriegebieten des Reiches werden Hilfsmaßnahmen beschlossen, so die Verteilung kostenloser Lebensmittel.

3. März
Erlass des württ. Innenministeriums an das Landeskriminalpolizeiamt und die lokalen Polizeibehörden über Zuständigkeiten im Zusammenhang mit der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat vom 28. 2.1933.
Ihnen wird ihre polizeiliche Zuständigkeit zugesichert und aufgezeigt, wo sie Landesbehörden und Oberämter einschalten müssen. Das Verbot von Druckschriften verbleibt beim Innenministerium.

5. März
Die Reichtagswahlen erbringen eine deutliche Mehrheit für die Regierungskoalition-Hitler im Reichstag.

8. März        Die Reichsregierung übernimmt auf Grund der „Verordnung zum Schutz von
Volk und Staat" die vollziehende Gewalt in Württemberg, auch der Polizeigewalt.
SA und SS werden zur Hilfspolizei ernannt.

9. März
Im Staats-Anzeiger wird Verfügung des neuen Polizeikommissars für das Land Württemberg, Dietrich von Jagow, SA-Obergruppenführer, veröffentlicht: „Die gesamte württembergische Polizei hat meinen Anordnungen Folge zu leisten. 8. März 1933, v. Jagow.

10./11. März  
Verhaftung von 200 führenden Kommunisten in Württemberg. Verbot der SPD-Presse.

12. März
Flaggenerlass des Reichspräsidenten. Die schwarz-weiß-rote Reichsflagge und die Hakenkreuzfahne sind gemeinsam zu hissen.
14. März
Dr. Joseph Goebbels wurde zum Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda ernannt.

15. März
Gauleiter Murr wird vom Rest-Landtag zum Staatspräsident von Württemberg gewählt. Er ernennt Prof. Christian Mergenthaler zum Kultus- und Justiz-Minister, der bisherige Finanzminister Dr. Alfred Dehlinger (Deutschnationale Volkspartei) bleibt im Amt.
Murr leitet auch das Innen- und Wirtschafstministerium.


16. März
Erlass des württ. Kultministerium für Schulfeiern am 18. März zur Feier der nationalen Erhebung: Die Ausgestaltung liegt bei den Schulen, Teilnahme ist Pflicht, Mitglieder nationaler Jugendverbände dürfen in Uniform erscheinen. Die Schulen sind mit den beiden nationalen Fahnen zu beflaggen.

17. März
Erlass des Polizeikommissars zum Einzug von Heeres-Waffen. Die Einziehung der Waffen soll auf Oberamtsbasis durch Polizei mit Unterstützung der Hilfspolizei erfolgen.

Verordnung des Staatskommissars für die Polizei zur Hilfspolizei. In 11 Paragraphen werden u.a. Aufgaben, Rechtsstellung und Bewaffnung (erwähnt ist u.a. die „Polizeigerte“) beschrieben.

18. März
SA-Hilfspolizei aus Heilbronn unterstützt von lokaler Polizei und SA beginnt eine Reihe von Waffen- Durchsuchungen in 10 Städten in Hohenlohe bei Kommunisten und Juden. Die mit roher Gewalt verbundene Aktion wird in einem gesonderten Kapitel beschrieben.

21. März
Feierliche Eröffnung des Deutschen Reichtages – Staatsakt in der Garnisonskirche in Potsdam.

Dem Reichstag ist der Entwurf eines Ermächtigungsgesetzes zugestellt worden.
Es umfasst 5 Artikel.
- Gesetze können auch durch die Reichsregierung beschlossen werden.
- Sie können von der Reichsverfassung abweichen, dürfen aber nicht Reichstag. Reichsrat und Reichspräsident betreffen.
- Sie treten mit der Verkündung in Kraft.
- Die Ermächtigung betrifft auch Verträge mit fremden Staaten.
- Die Ermächtigung ist befristet bis 1. April 1937 bzw. dem Ende dieser Reichsregierung.

23. März        
Verbot in Württemberg von „kommunistischen, marxistischen, pazifistischen, gottesleugnerischen und wesensverwandten Vereinigungen von Schülern und Studenten".

Am 24. März werden auch „Jugendweihen“ linker Parteien verboten.

24. März
Das Ermächtigungsgesetz ist mit mehr als Zweidrittelmehrheit mit 441 Stimmen vom Reichstag angenommen worden. Dagegen stimmten mit 94 Stimmen die Sozialdemokraten.
Es tritt am 24. März abends in Kraft.
Der Londoner „Daily Express“ berichtet mit der Überschrift „Judea declares War on Germany“ über geplante Boykottmaßnahmen Londoner Kaufleute. Die amerikanischen Jewish War Veterans hatten die Boykotte schon Mitte März beschlossen.

27. März
Der amerikanische Jewish World Congress veranstaltet Protestkundgebungen gegen Deutschland in US-Großstädten.

28. März
Der Reichsaußenminister kritisiert die böswilligen und tendenziösen Falschmeldungen gegen die deutsche Regierung.
Die NS-Partei kündigt einen Abwehrkampf gegen die internationale jüdische Greuelhetze an.

29. März
Die NSDAP-Parteileitung erlässt einen Aufruf zum Abwehrkampf gegen die jüdische Greuelpropaganda. Eine warnende reichweite Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte wird für Sonnabend, den 1. April beschlossen, sie soll evt. am Mittwoch, den 5. April wiederholt werden.

31. März        
Reichsgesetz „Vorläufiges Gesetz zur Gleichschaltung der Länder mit dem Reich". Auflösung des Landtags. Anordnung der Neuzusammensetzung auf der Grundlage der Ergebnisse der Reichstagswahlen in Württemberg.

 

Gleichzeitig Anordnung der Umbildung der kommunalen Selbstverwaltungs­körperschaften - so auch Gemeinderäte - nach den für die Reichstagswahlen im jeweiligen Bereich abgegebenen Stimmen.

 

April 1933

1.April
Die Auflösung des württembergischen Landtages durch das Gleichschaltungsgesetz tritt in Kraft.

3. April
Das württembergische Staatsministerium ordnet an, dass alle Beamten – einschließlich der Lehrer – nicht der KPD angehören dürfen.

4. April
Das Reichsinnenministerium hat angeordnet, dass Deutsche für Auslandsreisen einen Sichtvermerk im Reisepass haben müssen.

5. April
Der Warn-Boykott jüdischer Geschäfte vom Sonnabend wird am Mittwoch nicht fortgesetzt.

6. April
Justiz- und Kultministerium in Württemberg ordnen an, dass Beamte und Lehrer bei der Bewerbung um Stellen angeben müssen, welchen Dienst sie im Krieg bzw. in Freikorps nach dem Krieg geleistet haben.

7. April
Erlass zur Neubildung des württ. Landtages: Der Landtag ist nach den Stimmenanteilen, die bei den Wahlen zum Reichstag erreicht wurden, neu zu bilden.

8. April
Das Reichskabinett beschließt ein zweites Gesetz zur Gleichschaltung der Länder. Danach kann der Reichspräsident auf Vorschlag des Reichskanzlers für die Länder Reichsstatthalter ernennen. Die Befugnisse der Reichstatthalter: Entlassung und Ernennung von Ministern, Auflösung des Landtages und Festsetzung von Neuwahlen, Erlass von Landesgesetzen, Ernennung und Entlassung von Staatsbeamten und Richtern.

10. April
Das Reichsgesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums tritt in Kraft. Es ermöglicht unerwünschte Beamte zu entlassen und auch Bürgermeister abzusetzen.

12. April
Gesetz des württ. Staatsministeriums über die Neubildung der Gemeinderäte. Sie werden gemäß dem Ausgang der Reichstagswahlen neu zusammengesetzt.

13. April
Im Reichsgesetzblatt wird das Gesetz über die Einführung des Feiertags der Nationalen Arbeit am 1. Mai veröffentlicht.

15. April
Der deutsche Botschafter in London legt Beschwerde ein, dass im Unterhaus über die Lage der deutschen Juden gesprochen wurde. Das sei Einmischung in deutsche Angelegenheiten.

 

19. April
Innenminister Murr gibt bekannt, dass das Landespolizeikommissariat aufgehoben ist und die Aufgaben vom Innenministerium direkt übernommen werden. Als Sonderkommissare zur besonderen Verwendung sind ernannt: SA-Oberführer Berger, SS-Standartenführer Zeller und Amtsrichter Dr. Mattheiß.

20. April
Der Geburtstag des Reichskanzlers Adolf Hitler wird in Stuttgart mit einem Festakt im Staatstheater, einer Festaufführung, dem Aufmarsch von Verbänden und mit einer Kundgebung auf dem Marktplatz begangen.

21. April
Verordnung des württ. Innenministeriums über die Schutzhaft. In 17 Paragraphen werden die einzelnen Schritte des Verfahrens dargestellt. Zuständig ist das Landeskriminalpolizeiamt in Zusammenarbeit mit den Polizeistellen der Oberämter.

28. April
Verfügung des württ. Innenministers zur Errichtung der Dienststelle „Politische Polizei“ im Innenministerium. Ihr werden auch die Schutzhaftlager unterstellt. Leiter ist Amtsrichter Dr. Mattheiß.


Mai

2. Mai
- Der „Staats-Anzeiger für Württemberg“ berichtet von den 1.Mai Veranstaltungen. Die zentrale Feier fand in Berlin auf dem Tempelhofer Feld statt. Die NS-Presse: „Nicht viel weniger als zwei Millionen Teilnehmer!“ Adolf Hitler hielt eine Rede und kündigte erste Maßnahmen aus seinem Vierjahresplan zur Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsbelebung an.

- Das württ. Innenministerium erläuterte das Reichsgesetz zum Verbot der Schächtung (rituale Blutentleerung beim noch lebenden Tier).

3. Mai
- Besetzung der Gebäude des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbund (ADGB). Schutzhaft für 30 Funktionäre.

- Der polnische Gesandte stattet dem Reichskanzler einen Besuch ab. Hitler versichert die Einhaltung bestehender Verträge und drückt den Wunsch aus, dass die beiden Länder ihre gemeinsamen Interessen beiderseits leidenschaftslos überprüfen und behandeln möchten.

- Der Reichskanzler empfängt den Großindustriellen Krupp von Bohlen-Halbach und den Fabrikanten Röchling.

- Der Reichsverband des Handwerks erklärt seine Übereinstimmung mit der Regierung und verlegt seinen Sitz nach Berlin.

- Reichsminister Dr. Goebbels führt eine Unterredung mit Dr. Dorpmüller, dem Generaldirektor der Reichsbahn. Es wurde festgestellt, dass die Reichsbahn weitgehende Pläne für die Auftragserteilung an Industrie und Handwerk in der Schublade hat, die zur Arbeitsbeschaffung und Wiederbelebung der Wirtschaft beitragen können.

5. Mai
- Die Reichsbahn gibt bekannt, dass zur Verminderung der Arbeitslosigkeit die Strecke Tübingen-Plochingen elektrifiziert wird.

- Der Reichskanzler hat den von der Technischen Hochschule Stuttgart verliehenen Ehrendoktor aus grundsätzlichen Erwägungen abgelehnt.

6. Mai
- Der Reichspräsident hat auf Vorschlag des Reichskanzlers Reichsstatthalter für Sachsen, Baden, Thüringen, Hessen, Oldenburg, Bremen, Braunschweig und Württemberg ernannt.
In Württemberg wird der bisherige Staatspräsident Wilhelm Murr Reichsstatthalter. Die Stellung des Reichsstatthalters wird u.a. so beschrieben: Er übernimmt gewisse Rechte im Land, die der Reichspräsident ausübt. Er ist unabhängig von Landesregierung und Landtag. Er kann Beamte und Minister ernennen und den Landtag für Neuwahlen auflösen.  

- Gesetz des württ. Staatsministeriums zur Auflösung und zu Neuwahlen der Ortsschulräte.

8.Mai
- Der neue amerikanische Präsident Theodore Roosevelt gab seine wirtschaftlichen und politischen Pläne in einer Rundfunkansprache bekannt.

10. Mai
- Im der 2. Aprilhälfte verminderte sich die Zahl der Arbeitslosen um 200.000 .
11. Mai
- Bildung der neuen Landesregierung durch Reichsstatthalter Murr. Der bisherige Kult- und Justizminister Mergenthaler wird Ministerpräsident. Er belit Kultminister. Das Innenministerium übernimmt der Landtagspräsident Jonathan Schmid, der gleichzeitig das Justizministerium leitet. Dr. Dehlinger bleibt Finanzminister, das Wirtschaftsministerium geht an Staatsrat Prof. Dr. Lehnich. Der bisher ehrenamtliche Staatsrat Waldmann (Tiefenbach/Crailsheim) wird ordentlicher Staatsrat im Staatsministerium.

15. Mai
- Hinweis des Reichsarbeitsministers, dass bisherige Lohn- und Arbeitsbedingungen weiterhin Geltung bis zu der geplanten neuen Sozialverfassung haben. Der Arbeitsfrieden sei unbedingt einzuhalten.

- In Wien erklären der Landesleiter der NSDAP Österreichs und der Obmann der Großdeutschen Volkspartei ihr gemeinsames Ziel: Zusammenschluss Österreichs mit dem Großdeutschen Reich und Volksgemeinschaft statt Klassenkampf.

16. Mai
- Befreiung neuer Kraftfahrzeuge von der Kraftfahrzeugsteuer.

- 17. Mai
Außenpolitische Rede Hitlers vor dem Reichstag. Sie wurde als Friedensrede propagiert, da er u.a. Verhandlungsbereitschaft zur Begrenzung von Angriffswaffen und Zustimmung zu Präsident Roosevelts Vorschlag eines europäischen Nichtangriffspaktes enthält. Im Reichstag erheben sich nach der Rede alle Mitglieder und sangen das Deutschlandlied, einschließlich der Sozialdemokraten.

Präsident Roosevelt hatte einen Teil der im Radio übertragenen Rede gehört. Er verstand sehr gut deutsch, da er Schulzeit in Bad Nauheim während eines längeren Deutschlandaufenthaltes der Eltern verbrachte. Die deutsche Presse berichtete über eine positive Reaktion Roosevelts und der amerikanischen Presse.

18. Mai
- Reichspräsident Hindenburg schickt ein Telegramm an Roosevelt und bedankt sich für dessen Vorschläge. Er hebt diese Punkte hervor: Verzicht auf Angriffswaffen und die Entsendung von eigenen Truppen außerhalb der Landesgrenzen sowie die Einrichtung eines Weltgerichtshofes bei Verstößen.

- Die private deutsche Auslandsverschuldung beträgt 20 Milliarden RM. Die jährliche Belastung durch Zinsen und Tilgungen beträgt 1,3 Milliarden. Dafür müssen monatlich 90 Millionen (Devisen)-Exportüberschüsse erwirtschaftet werden. Das ist augenblicklich nicht möglich. Es wird mit den Hauptgläubiger-Ländern ein Stillhalteabkommen angestrebt.

19. Mai
- Verhandlungen zwischen Reichsluftfahrtministerium und den Kultusministerien der Länder über die Einführung eines Luftschutzunterrichts.

- Für den freiwilligen Arbeitsdienst, dessen weiterer Aufbau in Angriff genommen ist, ist die Aufgabe der Kultivierung der deutschen Moore vorgesehen.


20. Mai
- Gesetz über Treuhänder der Arbeit geplant. Da die Gewerkschaften und die Verbände der Arbeitgeber z.Zt. nicht in der Lage seien, berufsständische Regelungen zu treffen, übernehmen eingesetzte Treuhänder der Arbeit die Regelung von Lohn- und Arbeitsbedingungen zur Sicherung des Arbeitsfriedens. Die Einzelheiten sollen noch bekanntgegeben werden.

- Reichsminister Göring befindet sich in Rom, wo unter Ministerpräsident Mussolini Gespräche über einen Viermächtepakt der europäischen Großmächte Frankreich, England, Italien und Deutschland stattfinden.

- Reichsgesetz über Treuhänder der Arbeit. Da die Gewerkschaften und die Verbände der Arbeitgeber z.Zt. nicht in der Lage sind, berufsständische Regelungen zu treffen, übernehmen Treuhänder der Arbeit die Regelung von Lohn- und Arbeitsbedingungen.

22. Mai
- Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda weist darauf hin, dass die bisherigen „Schwarzen Listen“ für Literatur nur vorläufigen Charakter haben und nur für Bibliotheken und Leihbüchereien gelten. Endgültige Listen werden durch einen Ausschuss bestehend aus Vertretern von Bibliotheken, Leihbüchereien, Verlegerrn, Buchhandlungen und Schriftsteller-Organisationen aufgestellt. Sie nehmen jetzt ihre Tätigkeit auf.

26. Mai
- Reichspräsident Hindenburg empfing und vereidigte die ernannten Reichsstatthalter, darunter Wilhelm Murr, Reichsstatthalter in Württemberg. Hindenburg erläuterte, dass die Institution von Reichsstatthaltern eine Klammer zwischen Reich und Ländern bedeute, die eine einheitliche Reichspolitik ermögliche.

- In der Sitzung des Reichskabinetts wurde das Gesetz zur Beschlagnahme des Vermögens der KPD verabschiedet. Begründung: Kommunistische Tätigkeit gelte grundsätzlich als Hochverrat und könne damit nach § 40 des Strafgesetzbuches eingezogen werden.

27. Mai
- 20 Millionen RM werden im Rahmen der Arbeitsbeschaffung der Seeschiffahrt zur Verfügung gestellt.

28. Mai
- Die Wahlen zum Danziger Volkstag erbrachten bei einer Wahlbeteiligung von 92 Prozent eine absolute Mehrheit für die NSDAP. Die zwei polnischen Wahllisten erbrachten zusammen 3 Prozent der Stimmen.

30. Mai
- Die Ausgaben des Landes Württemberg übersteigen 1933 bis Ende April um rund 9 Millionen RM die Einnahmen. Die Position Schulwesen, Wissenschaft, Kunst, Kirche macht rund 50 Prozent der Ausgaben in Höhe von 12 Millionen aus.

- Die elektrifizierte Bahnstrecke Stuttgart - Ulm – München wurde in Betrieb genommen



Juni

1. Juni

- „Staats-Anzeiger“: Bedeutsame Beschlüsse des Reichskabinetts:
Gesetz des Reichsfinanzministeriums zur Finanzierung der Arbeitsbeschaffung. Eine Milliarde Reichsmark über Ausgabe von Arbeitsschatzanweisungen zur Förderung von Instandsetzungs- und Ergänzungsarbeiten an öffentlichen Gebäuden, privaten Wohngebäuden und Wohnungen, vorstädtische Kleinsiedlungen, landwirtschaftlichen Siedlungen, Flussregulierungen, Gas-, Wasser- und Elektrizitätsversorgung, Tiefbauarbeiten und für Sachleistungen an Hilfsbedürftige.
Außerdem wird Steuerfreiheit für Ersatzbeschaffungen gewährt.

- Adolf Hitler schlug vor zusätzlich ein Netz von großen Verkehrsstraßen in Koordination mit Projekten der Reichsbahn zur Verbesserung des Verkehrswesens in Angriff zu nehmen.

- Der deutsche Dampfer „Sylt“ wurden in Gdingen (Hafen Danzigs) von Polen erstürmt, die die Hakenkreuzfahne herunterrissen.

2. Juni
- Arbeitsdienst wird Pflicht. Die Planungen:
Am 1. August 1933 wird mit der Einrichtung für die Stammabteilungen der Arbeitsdienstpflicht begonnen. Zwischen 1. Oktober und 31. Dezember werden die Stammabteilungen vor Ort zur weiteren Vorbereitung eingesetzt. Ab Anfang Januar 1934 beginnt der eigentliche Arbeitsdienst. Für die nächsten beiden Jahre müssen in Abstimmung mit den Ländern Baupläne für Landeskulturarbeiten in Höhe von 1,5 Milliarden RM aus Mitteln der Arbeitsbeschaffung bereitgestellt werden.

- Verfügung des Leiters der „Politische Polizei“ im württ. Innenministerium, Amtsrichter
Dr. Mattheiß: Da in Reutlingen und Schwenningen Flugblätter illegalen Inhalts verteilt wurden, werden drei Wochen keine Schutzhäftlinge aus Reutlingen und Schwenningen aus dem Schutzhaftlager entlassen.

3. Juni
- Der 5. Ordentliche Landtag wird vom Eröffnungspräsident Dr. Schmid zum 8. Juni einberufen. Es finden in den Kirchen Eröffnungsgottesdienste statt.

4. Juni
- In Württemberg wurde der Tag der schwäbischen Heimat begangen. Er galt insbesondere als Gruß an die Auslands-Schwaben in aller Welt.

6. Juni
- Beschlüsse des Staatsministeriums unter Vorsitz des Reichsstatthalters Murr:
Gesetz zur vorläufigen Regelung der Gemeindeverwaltung.


- Das württ. Staatsministerium hat dem Landtag den Entwurf des Gesetzes zur Behebung der Not des Landes (Ermächtigungsgesetz) zugeleitet. Der Kern ist die Angleichung an das Ermächtigungsgesetz des Reiches.

7. Juni
- Das württ. Staatsministerium hat ein Gesetz zur vorläufigen Regelung der Gemeindeverwaltung beschlossen. Die Vertretung der Gemeinde steht künftig grundsätzlich dem Gemeindevorsteher zu. Wenn sie jedoch dem Wirkungskreis des Gemeinderates betreffen erst nach einer Beschlussfassung des Gemeinderates – der jedoch vom Ortsvorsteher bestätigt sein muss. Erst nach einer Einigung beider ist der Beschluss rechtskräftig. Der Ortsvorsteher muss Gemeinderatsbeschlüsse beanstanden, die gesetzwidrig oder für die Gemeinde nachteilig sind.

- Die beiden noch existierenden israelischen Volksschulen können nur noch als Privatschulen weiter bestehen.

- Herabsetzung der Altersgrenze der Hochschullehrer.
Nachdem die Altersgrenze der Staatsbeamten schon im März auf 65 Jahre herabgesetzt wurde, wird die Altersgrenze der Hochschullehrer von 70 Jahren auf 68 herabgesetzt.

8. Juni
- Das Internationale Komitee für die Olympischen Spiele hat beschlossen, die nächste Olympiade in Berlin stattfinden zu lassen.

- Der Deutsche Lehrerverein hat beschlossen, dem NS-Lehrerbund beizutreten.

- Die 14 englischen Sportflieger, die auf Einladung des deutschen Aeroclubs einen Pfingstflug durch Deutschland unternehmen, wurden vom Reichskanzler in Berlin empfangen. Respekt vor den kriegerischen Leistungen der Flieger beider Nationen im Weltkrieg wurde gegenseitig geäußert. Hitler – unter Beifall der Gäste: Gegenseitiger Respekt müsse generell die Beziehungen beider Länder tragen.

- Gesetz zur Bekämpfung der Notlage der Binnenschiffahrt. Es erlaubt den Zusammenschluss zur öffentlich rechtlichen Verbänden und beschränkt die Vermehrung der Kahn- und Schleppfahrten.

- Gesetz gegen Kapitalflucht- und Steuerhinterziehung. Wer sich der Kapital- oder Steuerflucht schuldig macht, begeht Verrat an der deutschen Volkswirtschaft.
Jedoch: wer bis 31. August 1933 sich bei der Reichsfinanzverwaltung anzeigt, muss nur Devisen erklären und Steuern nachzahlen, entgeht aber einer Strafe.

- Im Arbeitsdienst finden bereits 240 000 Jugendliche Beschäftigung.

- Die Arbeitslosenzahlen beginnen über die saisonale Erholung hinaus zu sinken. Die Zahl betrug Ende Mai 5 Millionen (nach Höchststand 1933 von 6 Millionen). Das gesetzte Ziel ist innerhalb eines Jahres 1 250 000 Arbeitslose in den Produktionsprozess zurückzuführen.

12. Juni
- In London beginnt die Weltwirtschaftskonferenz. Die deutsche Delegation steht unter Leitung des Außenministers Frhr. von Neurath und des Finanzministers Graf Schwerin-Krosigk. Der deutschen Delegation ist Fürst Bismarck zur besonderen Verwendung zugeteilt.

- Die Reichsbahn hat Bestellungen in Höhe von 50 Millionen RM aus dem geplanten Arbeitsbeschaffungsprogramm vorgezogen: Es geht um Lokomotiven, Ersatzbeschaffungen, Werkzeuge- und Werkzeugmaschinen, sowie um Material für Strecken- und Brückenbau.

- In Lettland hat die sozialdemokratische Partei und ein Komitee jüdischer Organisationen den allgemeinen Boykott deutscher Erzeugnisse beschlossen.

13. Juni
- Die Abrüstungskonferenz in Genf hat eine Sitzungspause im Juni. Jedoch der weiterhin tagende Effektivausschuss hat ein Verbot der deutschen Arbeitsdienstpflicht ausgesprochen.

- Die Weltwirtschaftskonferenz leidet unter der mangelnden Verhandlungsbereitschaft Amerikas, da Präsident Roosevelt starke parlamentarischen Widerstände bekommen hat. Vom Kongress gehen erneute Isolierungsbestrebungen aus.

- Der Reichsminister des Inneren hat das Wochenende 24. und 25. Juni zum „Fest der Jugend“ erklärt und Sonnenwendfeiern angeordnet. Verbunden wird der Tag mit Jugendwettkämpfen der Schulen.

- Der österreichische Ministerrat erklärte die NSDAP Österreichs als staatsfeindlich und hat sie verboten. Österreichischen Beamten wurde die Zugehörigkeit zur NSDAP untersagt. Der deutsche Landesinspekteur der NSDAP, Reichstagsabgeordneter Habicht, wurde verhaftet.

14. Juni
- Auf der Weltwirtschaftskonferenz in London werden nur unverbindliche Reden der Delegationsleiter gehalten. Kredit- und Finanzfragen sind noch nicht zur Spreche gekommen, ebenso die Frage der Schuldenzahlungen, die England und Frankreich ebenfalls bedrücken.
Amerika mahnte ihre Schuldenrückzahlung nachdrücklich an.

15. Juni
- In Österreich sind inzwischen mehr als 1 000 Funktionäre der NSDAP festgenommen worden. Der österreichsche Minister erklärt, dass er sich ernstlich mit der Sperrung des Warenverkehrs zwischen beiden Ländern beschäftigt.
Der Wiener Gauleiter der NSDAP hat durch einen Aufruf an die Bundesangestellten, die der NSDAP angehören, mitgeteilt, dass er sie um ihnen Verfolgungen zu ersparen, aus der NSDAP entlässt. Er hoffe, dass dieser Abschied nur von kurzer Dauer sei.

- Die deutsche sozialdemokratische Presse in Prag berichtet, dass SPD-Führungsmitglied Wels seine Mandatsniederlegung als Mitglied der Zweiten Internationale zurückzieht, da die Hitler-Banditen den entscheidenden Schlag geführt haben (gemeint ist wahrscheinlich das Ermächtigungsgesetz). „Wir haben nun die Aufgabe, den Kampf der Arbeiterklasse unter den Bedingungen des vollendeten faschistischen Terrors neu aufzunehmen.“

- Die allgemeine Aussprache auf der Weltwirtschaftskonferenz wurde abgeschlossen. Interessant war die Rede des chinesischen Delegationsführers, dass die Erhöhung des Lebensstandard in China unbedingt notwendig sei, da dadurch der Welt der größte Markt geöffnet werde. Voraussetzung sei die Garantie der wirtschaftlichen und politischen Unabhängigkeit Chinas (gegen Japans territorialen Besitzansprüche).

- Die Reichsregierungen hat die Länder angeregt, am Tage der Unterzeichnung des Versailler  
Diktats (28. Juni) Halbmast zu flaggen.

16. Juni
- Die Weltwirtschaftskonferenz setzt Ausschüsse für Wirtschaft und Handel, sowie für Währung ein, fasst jedoch weiterhin keine Beschlüsse.


- Ab 1. Juli können Haushaltgehilfinnen, die zum Haushalt des Arbeitgebers gehören, in der Steuerkarte wie ein Kind berücksichtigt werden.

- Die Außenhandelsbilanz für Mai schließt mit einem Überschuss von 89 Millionen (im April 61 Millionen).

- Das württ. Innenministerium erlässt eine Verordnung über die Werbetätigkeit der Internationalen Bibelforschungsvereinigung und der Neuapostolischen Sekte.
Es wird ihnen verboten, Personen, die nicht zu ihrer Vereinigung gehören, zum Zweck der Verbreitung von Druckschriften oder zur Erörterung ihrer Lehren aufzusuchen.

17. Juni
- Der ungarische Ministerpräsident Gömbös trifft zu einem Kurzbesuch in Berlin ein. Es gab eine Aussprache zwischen Reichskanzler Hitler und ihm über gemeinsame wirtschaftliche und politische Interessen. Es wurde ausgedrückt, dass sich beide Seiten mit größten Sympathien gegenüberstehen.

18. Juni
- Auf einem SA-Treffen in Erfurt hält Adolf Hitler eine Grundsatzrede, in der er das Führerprinzip in der Gesellschaft herausstellt. Zur Jugend: „Wir werden unsere Jugend zu dem erziehen, was wir an ihr sehen wollen, und wenn in unserer Generation noch Menschen leben, die da glauben, sie könnten sich nicht mehr umstellen, so werden wir ihnen die Kinder nehmen und sie zu dem erziehen, was für das deutsche Volk notwendig ist.

19. Juni
- Staatsrat Waldmann (Crailsheim-Tiefenbach) hat vor Verwaltungsbeamten ein Vortrag über die Rolle des Ortsvorstehers im neuen Staat gehalten.

20. Juni
- 24. und 25. Juni, dem Fest der Jugend (Sonnenwendfeiern und Jugendwettkämpfe) darf auf Veranstaltungen kein Ausschank geistiger Getränke erfolgen.

- Die am Regierungssitz in Berlin bisher durchgeführten Pressekonferenzen unter Eigenregie der Journalisten wurde aufgelöst. Die nun amtliche Pressekonferenz steht unter Leitung des Leiters der Pressestelle des Reichsministerums für Volksaufklärung und Propaganda, Dr. Jahnke.    

- Reichsarbeitsminister Franz Seldte erläuterte auf einer Tagung der neuernannten Treuhänder der Arbeit deren Rolle. In Zukunft erhebe der Staat auch in der Wirtschaft den unbedingten Führungsanspruch, auch wenn die Wirtschaft wesentlich unverändert sei. Die Wirtschaft habe dem Volke zu dienen und die Aufgabe des Staates sei darüber zu wachen.

- Für Mittwoch, den 28. Juni 1933, ordnet das württ. Staatsministerium an, dass auf allen Dienstgebäuden die schwarz-weiß-rote Fahne und die Hakenkreuzflagge auf Halbmast gesetzt werden soll. Die Bevölkerung wird gebeten, sich dem Vorgehen der Behörden anzuschließen.

- Die österreichische Regierung gibt bekannt, die Einfuhr aus Deutschland beträchtlich zu verringern. In Niederösterreich sind alle NSDAP-Mandate für erloschen erklärt worden.



22. Juni
- Verbot der SPD
Aus der Begründung: Vorgänge der letzten Zeit haben den unumstößlichen Beweis geliefert, dass die SPD vor volks- und landesverräterischen Unternehmungen gegen Deutschland nicht zurückschreckt.

Führende Persönlichkeiten der SPD, wie Wels, Breitscheid, Stampfer, Vogel, führen von Prag aus den Kampf gegen die nationale Regierung in Deutschland.


Sämtliche Mitglieder der SPD, die heute noch den Volks- und Gemeindevertretungen angehören, sind ab sofort aus ihnen ausgeschlossen. Versammlungen sind verboten, Zeitschriften und Publikationen dürfen nicht mehr herausgegeben werden.
Das Vermögen wird beschlagnahmt.

23. Juni
- Das neue Gesetz über Ortsvorsteher regelt, dass der Ortsvorsteher nicht mehr gewählt, sondern durch die Regierungsbehörde ernannt wird. Staats-Anzeiger v. 24. Juni: „Die bisherige Wahl der Ortsvorsteher durch Gemeindebürger die einst mit Misshelligkeiten aller Art verbunden war, ist damit beseitigt, ebenso die daraus entspringende Abhängigkeit des Ortsvorstehers vom Gemeinderat und seinen Wählern. Es tritt am 1. 7. 1933 in Kraft.

- Der Reichskanzler genehmigte die Errichtung eines Unternehmens „Reichsautobahnen“.

- Die Arbeitslosenziffer hat die 5-Millionen-Grenze unterschritten.

- Über Berlin wurden aus mehreren Flugzeugen Flugblätter gegen die Regierung abgeworfen.

24. Juni
- Im ganzen Reich wurde der „Tag der Jugend“ im Rahmen einer Sonnenwendfeier festlich begangen. In Berlin nahmen rund 50 000 Schulkinder teil.

- Der österreichische Bundeskanzler Dr. Dollfuß droht den Nationalsozialisten mit der Todesstrafe.

- In Württemberg wurden in 12 Oberämtern Zeitungen zu Amtsblättern erklärt. Crailsheim, Gerabronn und Schwäbisch Hall sind nicht dabei.

- Der Gesamtverband der Christlichen Gewerkschaften wurde aufgelöst.

27. Juni
- Von Deutschland wird beim Völkerbund mit zahlreichen Telegrammen aus der Bevölkerung dagegen protestiert, dass der Luftverkehr über Deutschland unkontrolliert und frei erfolgen kann.

- Die Deutsche Arbeitsfront fordert alle bestehenden Verbände der Arbeitgeber und Arbeitnehmer auf, sich beim Organisationsamt der Deutschen Arbeitsfront mit allen Mitgliederunterlagen zu melden. Sie werden dann unterrichtet, wie sie sich einzugliedern haben.

- Das neue Segelschulschiff der Reichsmarine „Gorch Fock“ wurde in Dienst gestellt.

28. Juni
- Die Parteiengruppe „Deutschnationale Front“ Koalitionspartner der NSDAP, hat ihre Selbstauflösung beschlossen. Ihr Vorsitzender Dr. Hugenberg hat dem Reichspräsidenten seinen Rücktritt als Reichswirtschaftsminister und als Landwirtschaftsminister angeboten.

- Die „Deutsche Staatspartei“ erklärt ihre Auflösung.

- Die Organisation „Jungstahlhelm“ wird in die SA und der „Bund Scharnhorst“ in die Hitlerjugend übernommen. Ihr Kampf gegen den Marxismus wird nachdrücklich gewürdigt.

- Reichsminister Dr. Goebbels in Stuttgart.
Er landete auf dem Flugplatz in Böblingen und wurde schon auf der Fahrt nach Stuttgart überall mit Jubel begrüßt. Sein Hauptanliegen in Stuttgart war neben einem Empfang im Staatsministerium die Besichtigung des Rundfunkgebäudes des Süddeutschen Rundfunks, dessen oberster Chef er jetzt war.. Hier hielt er eine Ansprache vor den Mitarbeitern und beglückwünschte den Süddeutschen Rundfunk für sein ausgezeichnetes Programm. Und er nahm die Enge im jetzigen Gebäude zur Kenntnis. Der Programmleiter des Süddeutschen Rundfunks, Reuschle, legte ein Treuegelöbnis ab. Im Landtagsgebäude fand ein Empfang statt.

30. Juni
Die neuen Reichsminister:
Reichswirtschaftsminister wird der Generaldirektor der Allianz-Versichungs-AG, Dr. Schmitt, Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft wird Dr. Walther Darre.

Juli 1933

1. Juli
- Der Reichspropagandaminister Dr. Goebbels hat eine Verordnung erlassen, die die Einfuhr ausländischer Filme und den Schutz deutscher Filme regelt.

- In Oberschlesien wurden Mitglieder der des Deutschen Jugendbundes von Polen überfallen, beschossen und schwer misshandelt.

- In Stuttgart wurde die Ausstellung „Die deutsche Saar“ eröffnet.

3. Juli
- Gesetzliche Ergänzung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums. Es lässt den Gemeinden die Wahl, Entlassungen aufgrund des Gesetzes oder durch vertragliche Vereinbarungen vorzunehmen.

- Präsident Roosevelt verweigert die Zustimmung zu einer Erklärung der Länder in London, die noch dem Gold-Standard für Ihre Währung haben. Eine Rückkehr zum Goldstandard sei eine Katastrophe. Ein Abbruch der Weltwirtschaftskonferenz ist nicht mehr ausgeschlossen.
England hatte 1932 und Amerika hat im Januar 1933 nach Regierungsantritt von Roosevelt ihre Währungen vom Goldstandard gelöst. Der Goldstandard setzte voraus, dass Papiergeld und Rechnungen jederzeit durch Gold der Zentralbank gedeckt sein muss und auch eingelöst werden kann. Der Wert einer Währung richtete sich nach der zur Deckung vorhandenen Goldmenge. Wer z.B. mehr importiert als exportiert verringert seine Goldmenge – und die papiergebundene Währung wird dadurch abgewertet. Roosevelt sah sein NEW DEAL als gefährdet an. England war nach dem I. Weltkrieg von einem Gläubigerland zu einem Schuldnerland geworden. Hauptgläubiger waren die USA.

4. Juli
- Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ hat auf seiner dritten Süd- Amerikareise mit günstigem Wind eine Reisegeschwindigkeit von 179 Kilometer.

5. Juli
- Nach dem vorläufigen Ergebnis der Volkszählung hatte Württemberg in Juni 1933
eine Bevölkerungszahl von 2 713 150. Das Reich hatte ohne Saargebiet 65,3 Millionen Einwohner, mit Saargebiet 66,1 Millionen Einwohner.

- Auf der Liste der Schund- und Schmutzschriften wurden die Nummern 219 und 220 (Grundlage Gesetz vom 18.12.1926, Reichsgesetzblatt I.S.505) veröffentlicht:
Dr. Magnus Hirschfelder, „Sittengeschichte des Weltkriegs, I. und II. Band, und
Dr. Magnus Hirschfelder, „Sittengeschichte der Nachkriegszeit, I. Band.
Beide Verlag für Sexualwissenschaft Schneider & Co, Leipzig/Wien.

- Der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, hat die Partei mit sofortiger
Wirkung aufgelöst.

- Die Auflösung der Deutschen Zentrumspartei ist am Abend erfolgt.  




6. Juli
- Neues Arbeitsprogramm der Reichsbahn. Es umfasst 560 Millionen RM. Die Aufbringung des Geldbedarfs erfolgt zwischenzeitlich (bis Anleihen möglich sind) durch Wechsel, die aber untergebracht werden konnten.

Der Verwaltungsrat der Reichsbahn beschloss, von der Ermächtigung zur Gründung des Zweigunternehmens „Reichsautobahnen“ Gebrauch zu machen. Damit die Arbeiten sofort in Angriff genommen werden können, stellt die Reichsbahn dem neuen Unternehmen ein Darlehen von 50 Millionen RM zur Verfügung. Die Arbeiten haben auf der Strecke Frankfurt-Mannheim begonnen.

- Hilfe für Ostpreußen. Es soll eine Aktion eingeleitet werden, wonach öffentliche und private Aufträge aus dem ganzen Reich bevorzugt nach Ostpreußen gelegt werden. Der Lebens- und Aufbauwille des ganzen deutsche Volkes stehe hinter dem vom Versailler Vertrag getrennten Teil Deutschlands.

- Zulassung einer Straßensammlung in Stuttgart durch den Volksbund für das Deutschtum im Ausland am Sonntag, den 9. Juli 1933.

7. Juli
- Der Reichskanzler ernannte Dr. Ing. Todt zum Generalsinspekteur für das Straßenwesen. Er ist der Reichskanzelei unmittelbar unterstellt.

- Erneuter Aufruf zur Förderung der nationalen Arbeit. Die freiwillige Spende kann vom Arbeitgeber oder der Dienststelle vom Lohn und Gehalt auf Zeit – jederzeit kündbar – abgezogen werden. Sie vermindert die steuerpflichtigen Beträge.

- Dr. Goebbels erläuterte den Reichsrundfunkwarten der NSDAP die Gründung der Reichsrundfunkkammer, die die Rundfunkeinheit in Deutschland hergestellt hat. Damit sei der Rundfunk von der höchsten Spitze bis zum letzten Mann nun ganz nationalsozialistisch eingestellt. Der Rundfunk ein großes und modernes Beeinflussungsmittel .

8. Juli
- Der Verwaltungsrat der Deutschen Reichspost hat eine teilweise Gebührensenkung beschlossen. Zum Zweck der Arbeitsbeschaffung im Bereich der Reichspost wurde ein Betrag von 76,6 Millionen RM freigegeben.

- Der Christliche Volksdienst in Württemberg hat sich in die NSDAP eingegliedert.

- Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland sank vom 17. bis 30. Juni um 121 000 gesunken.

- Stuttgart steht nach der Volkszählung unter den deutschen Großstädten an 14. Stelle.

- Am Abend wurde das Reichskonkordat in Rom von Vizekanzler v. Papen und dem Kardinalstaatssekretär Pacelli paraphiert. Es grenzt die Autorität de Staates und der Kirche gegeneinander ab. Solche vertraglichen Regelungen waren bisher Ländersache.

In einer Anordnung Adolf Hitlers werden alle Anordnungen zur Auflösung katholischer Organisationen und Zwangmaßnahmen gegen katholische Geistliche aufgehoben.
Hitler drückte die Hoffnung aus, dass eine Regelung des evangelischen Glaubensbekenntnisses in kurzer Zeit folgen werde.

10. Juli
- In Stuttgart fand ein Tag der Hitlerjugend mit 20 000 Teilnehmern statt.

- Die kommunalen Spitzenverbände sind wie im Reich in Württemberg in einem Gemeindetag zusammengefasst worden.

- Der Ausschuss zur Schaffung der Verfassung der deutschen evangelischen Kirche hat seine Arbeiten abgeschlossen.

- Der Amtliche Preußische Pressedienst entgegnet auf die Meldung eines ausländischen (hier nicht genannten) Pressedienstes: Die angegebene Zahl von 100 000 politischen Schutzhäftlingen stimmt nicht. Zur Zeit sind in Deutschland 18 000 Personen in Schutzhaft, In Preußen seien es nach Angaben des Geheimem Staatspolizeiamtes rund 12 000.

11. Juli
- „Staats-Anzeiger für Württemberg“: „das kirchliche Verfassungswerk gestern einmütig angenommen worden. Die „Deutsche Evangelische Kirche hat damit Gestalt gewonnen.“

- Die Spende zur Förderung der nationalen Arbeit hat vom 15. bis 30. Juni schon vier Millionen Reichsmark erbracht.

- In einem Leitartikel in der SA-Zeitung „Angriff“ unterstrich Reichsminister Goebbels die Aufgabe des weiteren Ausbaus der nationalsozialistischen Betriebszellen-Organisation.

12. Juli
- Der Präsident des preußischen Evangelischen Oberkirchenrates und des deutschen evangelischen Oberkirchenausschusses D. Dr. Kapler ist aus „zwingenden Gesundheitsgründen“ zurückgetreten.

- Das „Verfassungswerk der Deutschen Evangelischen Kirche“ wurde vorgelegt.
Es hält fest (hier stark gekürzt), dass die evangelische Kirch keine Staatskirche ist und die verfassungsmäßige Sicherung des Evangeliums auf der Grundlage der Heiligen Schrift weiterhin gegeben ist.

Es handele sich im jetzigen Stadium um ein Rahmenwerk, das noch ausgefüllt werden muss.
Andererseits: An der Spitze der Kirche steht ein Reichsbischof, gestützt durch ein geistliches Ministerium unter Mitwirkung einer Nationalsynode der Kirchenmitglieder. Das Ministerium besteht aus drei Theologen und einem rechtskundigen Mitglied (!). Die drei kirchlichen Mitglieder des Ministeriums vertreten die Lutherische, die Reformierte und die Unierte Kirche. Die rechtliche Anerkennung muss noch durch ein Kirchengesetzt erfolgen.

- Universität Tübingen: Die ordentlichen Professoren für Volkswirtschaftslehre und Finanzwissenschaft Dr. Fuchs, für Verwaltungs-, Staats- und Kirchenrecht Dr. Sartorius, für Hygiene Dr. Wolf, für alttestamentarische Exegese Dr. Rießler und für Anatomie Dr. Heidenhain, werden mit Wirkung Ende September 1933 ihres Amtes enthoben.  

- Auf dem Hornberg bei Gmünd wurde ein Segelfliegerlager eingeweiht.



14. Juli
- Das württ. Staatsministerium hat den Wiederaufbau des Schlosses beschlossen.
In der ersten Phase wird der Rohbau des Ostflügels in Angriff genommen. Außerdem wird bei dem Markthalle zugewandte Südflügel die Dachhöhe angepasst. Die Reittreppe bleibt erhalten erhält jedoch anstelle des Dachs eine Plattform mit Geländer.

- Es wurde ein Gesetz zur zeitweiligen Herabsetzung der Höchstgehälter der Beamten erlassen. Höchstgrenzen sind bei Ministern 12 000 RM, bei der Besoldungsgruppe A1 (Ministerialräte) 9 300 RM.

- Der neu ernannte US-Botschafter Dodd hat seinen Posten in Berlin übernommen.

- Der Reichsinnenminister ordnet an, dass beim Absingen der Nationalhymnen die Hand zum Hitlergruß erhoben wird. Er wird der Deutsche Gruß.
Sämtliche Beamte, Angestellte und Arbeiter von Behörden grüßen ab jetzt innerhalb und außerhalb der Behörden mit dem Deutschen Gruß.

- Auf einer ganztägigen Sitzung des Reichskabinetts wurden diese Gesetzentwürfe beschlossen:
Gesetz über die Einziehung volks- und staatsfeindlicher Vermögen.
Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und Aberkennung der deutschen Staatsbürgerschaft (gegen eingewanderte Juden aus Osteuropa gerichtet),
Gesetz gegen die Neubildung von Parteien.
Gesetz über die Neufassung der deutschen evangelischen Kirche.
Gesetz über Steuererleichterungen.
Das Reichskonkordat wurde angenommen.

- Weitere Projekte des Sofortprogramms zur Arbeitsvermittlung.
Zusätzliche Mittel der Deutschen Rentenkreditanstalt sollen Landgewinnungsarbeiten und Bedeichungen an der schleswig-hollsteinischen Küste und Flussregelierungen ermöglichen. Allein in dieser Woche wurden Bewilligungen in Höhe von 5 Millionen Reichsmark erteilt.

- die Polizei in Königsberg deckte eine kommunistische Propagandazelle auf, die direkte Verbindung nach Moskau hatte.

- In Ulm wurde die Blaubeurer Tor-Brücke dem Verkehr geöffnet.

15. Juli
- In Rom wurde ein Viermächtepakt zwischen Italien, Frankreich, England und Deutschland unterzeichnet. Es sah die Festschreibung des status quo vor, vor allem sollten Streitigkeiten vor dem Völkerbund ausgetragen werden. Die Ratifizierung durch die Staaten ist noch offen.

16. Juli
- Die Freilichtaufführung von Richard Wagners „Rienzi“ vor dem Großen Haus des Stuttgarter war ein großer Erfolg.

- Adolf Hitler hielt eine programmatische Rede in Leipzig vor dem Völkerschlachtdenkmal anlässlich des Gauparteitages in Sachsen. Anschließend fand ein vierstündiger Vorbeimarsch auf dem Augustusplatz statt: „ein gewaltiger Propagandamarsch mit 140 000 Teilnehmern … in Zwölferreihe marschierten die braunen Bataillone am Führer vorbei. Die Teilnahme der Bevölkerung war ungeheuer groß.“

- Die Reichsleitung der NSDAP hat angewiesen alle Boykottmaßnahmen gegen bürgerliche Zeitungen zu unterlassen.

- Auf einer „gewaltigen“ Kundgebung in Stuttgart sprach Dr. Ley, Führer der Arbeitsfront.

17. Juli
- Der Leiter der Genfer Abrüstungskonferenz, an denen 64 Länder mit Delegationen seit Februar 1932 teilnahmen, Arthur Henderson, traf zu einem Gespräch in Berlin mit dem Außenminister von Neurath und dem deutschen Delegationsleiter Rudolf Nadolny zusammen. Die Verhandlungen waren erneut ins Stocken geraten, da es vor allem Frankreich darum ging, die Rüstungsauflagen des Versailler Vertrages und das eingeschränkte Teilnahmerecht Deutschlands aufrecht zu erhalten. (Nadolny hat das in seinen Erinnerungen beschrieben, die 1985 in Köln erschienen.) Henderson kam aus einem erfolglosen Gespräch in Paris nach Berlin. Die deutsche Einstellung war, dass eine allgemeine Abrüstung aller Staaten die Voraussetzung sein müsste. Henderson fuhr nach Prag weiter.

- Der Schuldenstand des Deutschen Reiches stieg im Juni 1933 um 21 Millionen RM .

- Der bisherige Leiter des württembergischen Wirtschaftsministeriums, Prof. Dr. Lehnisch, wurde zum Minister ernannt. Staatsrat Waldmann (Tiefenbach/Crailsheim) im Staatsministerium wurde der Titel Staatssekretär verliehen.

18. Juli
- Aufruf der Reichsregierung zur Kirchenwahl am 23.Juli. Das jeweils gewählte Gremium sollte in den Gemeinden den Kirchengemeinderat bilden und die „Führung“ der Kirche übernehmen. Im Saargebiet wurden die Kirchenwahlen verboten.

19. Juli
- Die württembergische Regierung übernimmt die Anordnung der Reichsregierung, nach der der Hitlergruß „Deutscher Gruß“ wird und angewendet werden muss. Beim Singen der Nationalhymnen muss nun auch in Württemberg die Hand zum Deutschen Gruß erhoben werden. Uniformierte grüßen weiterhin militärisch.

20. Juli
- Die deutsche Post muss bei Einstellungen Angehörigen von NS-Verbänden den Vorzug geben. In den Diensträumen wird es künftig eine Führerbild geben.

- Durch eine Ergänzung des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums können nun auch die bisher geschützten jüdischen Weltkriegsteilnehmer entlassen werden.

- Der Reichskanzler empfing den von Prag kommenden Leiter der Abrüstungskonferenz Henderson in München, der anschließend nach Paris fuhr.

- In Rom fand die Unterzeichnung des zwischen dem Heiligen Stuhl und dem Deutschen Reich abgeschlossenen Konkordats statt. Unterzeichner: Kardinalstaatssekretär Eugenio Pacelli und der deutsche Vizekanzler Franz von Papen. Von Papen wurde vom Papst in Privataudienz empfangen und erhielt das Großkreuz des Piusordens.

- Die Zahl der Landhelfer konnte auf 120 000 verdoppelt werden. In Ostpreußen sind bereits drei Kreise ohne Arbeitslose.

- In der ersten Julihälfte wurden 40 000 Arbeitslose in die Wirtschaft eingegliedert. Das übertrifft die saisonale Entwicklung sehr deutlich.

- Das evangelische Frauenwerk tritt der Arbeitsgemeinschaft deutscher Frauenverbände bei.

21. Juli
- In Stuttgart hat an diesem Freitag mit dem Turnen von 12 000 Schülerinnen das 15. Deutsche Turnfest begonnen.

- Weitere Kurseinbrüche an den amerikanischen Börsen.

- Der Reichskanzler wohnte der Festaufführung der „Meistersinger“ bei den Bayreuther Festspielen an.

- Der Vorsitzende der Abrüstungskonferenz Henderson ist nach London zurückgekehrt. Er äußerte sich zu den Aussichten der Abrüstungskonferenz wenig hoffnungsvoll.

23. Juli
- Auf dem Turnfest wurde ein Feldgottesdienst abgehalten, es folgte der Festzug und die Weihe der Adolf-Hitler-Kampfbahn.

- Einführung des „Arierparagraphen“ im Reichsverband Deutscher Schriftsteller.

25. Juli
- Das Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses wurde verkündet. Es tritt am 1.1.1934 in Kraft. Es geht um die Sterilisierung zur Verhinderung erbkranken Nachwuchses bei schweren geistigen Behinderungen. Dazu werden u.a. Erbgesundheitsgerichte eingeführt.

- Das Reichsinnenministerium hat den Unterrichtsministerien der Länder Richtlinien für den Geschichtsunterricht gesandt.

- „Staats-Anzeiger für Württemberg“: „Seit Amtsantritt der nationalen Regierung ist die Zahl der Arbeitslosen um über zwei Millionen gesunken.“

- Der Vorsitzende der Fuldaer Bischofskonferenz, Kardinalerzbischof Bertram, hat an den Reichskanzler zum Abschluss des Konkordats ein Dankschreiben gerichtet.

- Die geplanten Reichswehrmanöver werden nicht abgehalten.

- Auf dem Deutschen Turnfest fanden die Polizeimeisterschaften statt. Die Stuttgarter Studenten hatten eine eigene Vorführung.

- In verschiedenen Teilen Württembergs richteten Unwetter schwere Schäden an.

- In Deutschland fanden auf allen Linien der Reichsbahn und auf den großen Durchgangsstraßen Personen- und Sachkontrollen statt. Es wurde illegales Schriftmaterial gefunden.

- Gewährung eines Reichszuschusses für die Instandsetzung und Erweiterung von Gebäuden zur Wohnraumbeschaffung. Das erfolgt über die Landeskreditanstalt.

- Französische Flotteneinheiten haben im Chinesischen Meer mehrere Inselgruppen besetzt und unter französische Hoheit gestellt.


26. Juli
- Bei einer in ganz Deutschland durchgeführten Polizeiaktion wurden große Mengen illegaler Druckschriften, Sprengstoffe u.ä. beschlagnahmt.

- Am Abend fand in Stuttgart die offizielle Eröffnung des 15. Deutschen Turnfestes durch Reichssportführer Tschammer-Osten statt.

- Der Reichskanzler nahm an der Festaufführung des „Siegfried“ in Bayreuth teil.

- Runderlass des Reichsarbeitsministers: Die Auswanderung von Juden ist erwünscht und darf nicht unterbunden werden. Erhoben wird jedoch die 1931 eingeführte „Reichsfluchtsteuer“.

- Vom württ. Staatsministerium wird die Durcharbeitszeit bei den staatlichen Behörden in Groß-Stuttgart ab 1. August eingeführt. Dienststunden werktags von 7 bis 16 Uhr, samstags von 7 bis 13 Uhr. Erfrischungspausen werden vor Ort festgelegt.

27. Juli
- Die Weltwirtschaftskonferenz, die eine Weltwährungskonferenz war, hat sich ohne Terminfestsetzung vertagt. Das Ergebnis war, dass den Ländern überlassen war, nach welchem Währungssystem sie arbeiten wollten. Hier wurde die Ausrichtung auf die binnenwirtschaftlichen Notwendigkeiten meist vorrangig, d.h. dass der Außenhandel überwiegend durch zweiseitige Verträge bestimmt wurde – wenn nicht durch den überragenden Gläubiger-Status der USA u.a. auch gegenüber Frankreich und England.
England und Frankreich verloren ihre Finanz- und Weltmarktstellung nicht erst nach dem II. Weltkrieg. Der Dollar etablierte seine überragende Bedeutung jetzt.

- In Württemberg wurden weitere Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen durch die Freigabe von weiteren 6,25 Millionen RM eingeleitet. Sie sollten vorrangig für Brücken- und Hochbauten öffentlich-rechtlicher Körperschaften eingesetzt werden.

28. Juli
- In der Stuttgarter Stadthalle fand im Rahmen des Turnfestes eine Kundgebung für die zahlreich aus der ganzen Welt angereisten Auslands- und Grenzlanddeutschen statt. Reichsaußenminister v. Neurath hielt die Festansprache.

- Auf dem Turnfest wurde Krötsch (Leipzig) 12-Kampf-Meister.

30. Juli
- Auf der Abschlussveranstaltung des Turnfestes am Sonntag in Stuttgart sprach Adolf Hitler, nachdem am Sonnabend Joseph Goebbels im Rahmen einer nationalen Feierstunde ebenfalls gesprochen hatte. Hitler „Als Kanzler des deutschen Volkes und Reiches bewegen mich Freude und Stolz, in dieser wunderschönen Hauptstadt des Schwabenlandes deutsche Männer und Frauen begrüßen zu können, die als beste Repräsentanten der Lebenskraft unseres Volkes anzusprechen sind.“


August

1. August
- Prof. Dr. Richard Csaki-Hermannstadt wurde mit der Führung der Geschäfte des Deutschen Auslandsinstitut in Stuttgart beauftragt.

2. August
- Auf Grund des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums sind die Oberbürgermeister in Esslingen, Ulm, Heilbronn und die Bürgermeister in Eschach, Hayingen, Rißtissen, Schafhausen entlassen worden.

- Im Flughafen Böblingen wurde der Nachtflugdienst für Post und Güter eröffnet.

- In der „Wiener Allgemeinen Zeitung“ erschien eine Meldung, die sich auf die Londoner Hearst-Presse beruft, dass es in Nürnberg und Fürth zwischen Reichswehr und SA zu Straßenkämpfen gekommen sei, bei denen 5 Nationalsozialisten schwer verwundet wurden. Reichswehr und Polizei hätten gemeinsam verhindert, dass jüdische Wohnungen durch SA geplündert worden wären. General Ritter von Epp habe beim Reichspräsidenten erbeten, den Belagerungszustand über Bayern zu verhängen.
Die „Lügenmeldung“ wurde in Berlin drastisch dementiert und als ein Teil einer Emigrantenaktion dargestellt, die über Deutschland Falschmeldungen verbreitet.

- In Rötenbach, Oberamt Nagold, wurde eine Nationalsozialistische Gauführerschule eröffnet.

- Ortsschulräte. Gemäß Anordnung des Reichsministers des Inneren werden die Ortsvorsteher ermächtigt, im Benehmen mit dem Kreisleiter der NSDAP, Ersatzleute für die Mitglieder der Ortschulräte zu bestimmen, die ausgeschieden wurden.

4. August
- Die Höhere Maschinenbauschule Esslingen gibt bekannt, dass 51 Bewerber in der Abteilung Maschinenbau und 30 Bewerber in der Abteilung Feinmechanik und Mengenfertig die Schlussprüfung bestanden haben und damit Ingenieure sind.

- Österreich verwies eine weitere Zahl von Deutschen aus dem Land. Berlin reagierte ebenfalls mit Ausweisungen. Es handelte sich auf beiden Seiten vor allem um Journalisten.

5. August
- Die Deutsche Reichspost hat für 1933 ein zusätzliches Programm zur Arbeitsbeschaffung vorgesehen. 76,6 Millionen Mark sollen für Ausbau des Fernmeldewesens, für zusätzliche Hochbauten und für den Fahrzeugpark ausgegeben werden. Kleine und mittlere Betriebe sollen auch weiterhin nach Möglichkeit bei der Auftragsvergabe berücksichtigt werden. Bei den Einstellungen sollen Kinderreiche, Familienernährer und langfristig Erwerbslose vorrangig berücksichtig werden. Unter ihnen zuerst Angehörige von NS-Verbänden.

- Der frühere Reichstagspräsident Löbe (SPD) wurde in ein Konzentrationslager eingewiesen. Ebenso die Gattin des früheren Oberpräsidenten von Schlesien, Lüdemann, der bereits einsaß. Beide Einweisungen erfolgten wegen der Verbreitung unwahrer Nachrichten über die Kzs.

- Auf einer Tagung der Reichs- und Gauleiter in Berchtesgaden sagte Hitler:
Der Generalangriff gegen die Arbeitslosigkeit sei die wichtigste Aufgabe der ersten Jahre.
Die bisherige erste Welle habe zwei Millionen Arbeitslose von der Straße geschafft, die zweite Welle, die ab September anlaufe, habe das Ziel das Erreichte im Winter durchzuhalten und die dritte Welle beginne im Frühjahr 1934. Arbeitsbeschaffung sei die wichtigste Aufgabenstellung der nächsten Jahre. Hitler auch: Das begonnene gewaltige Straßenbauprojekt werde noch in Jahrhunderten Zeugnis davon ablegen für die Kühnheit und Leistungsfähigkeit der nationalsozialistischen Bewegung.  

7. August
- Frankreich und England haben durch ihre Botschafter in Berlin Beschwerde bei der Reichsregierung in Sachen der Aktionen gegen Österreich eingelegt. Es sei ein Verstoß gegen den Viermächtepakt. Die Reichsregierung wies die Beschwerden gegen Vertragsverletzung seitens Deutschlands zurück.

- Das Finanzministerium hat Mittel freigemacht, die es ermöglichen Zuschüsse zur Unterbringung von 200 000 Landhelfern zu geben.

- Die Reichsregierung hat Maßnahmen zur Förderung des deutschen Ölsaaten-Anbaus getroffen. Festgesetzt wurden Mindestpreise, die gestützt werden.

8. August
- Zum 15. August wird die Hilfspolizei, die hauptsächlich aus der SA bestand, aufgelöst.

- In Musberg auf den Fildern wurde ein permanentes HJ-Sportlager eingerichtet.

- Das württ. Staatsministerium gibt bekannt, das die Zuständigkeit für Zwangsenteignungen im Rahmen der Arbeitsbeschaffung dem Wirtschaftsministerium übertragen wurde.

9. August
- Die Zahl der bei den Arbeitsämtern gezählten Arbeitslosen sank in der Zeit vom 16. bis 31. Juli um rund 358 580 auf 4 468 500.

- Als erster Bezirk in Württemberg ist der Oberamtsbezirk Gerabronn von Arbeitslosen frei.

- Der Reichsfinanzminister hat die Präsidenten der Landesarbeitsämter angewiesen, die Personalreferate in Zukunft nur mit bewährten Nationalsozialisten zu besetzen.

- Im Reichsgesetzblatt wurden weitere Richtlinien für das Reichsbeamtengesetz veröffentlicht. Danach gilt als „nicht arisch“, wer von nicht arischen, insbesondere jüdischen Eltern oder Großeltern abstammt. Es genügt, wenn ein Elternteil oder Großelternteil der jüdischen Religion angehört. Als Abstammung im Sinne des Gesetzes gilt auch die nichteheliche Abstammung. Wer als Reichsbeamter berufen werden soll, hat nachzuweisen, dass er und sein Ehegatte arischer Abstammung ist. Die Richtlinien gelten entsprechend für das Beamtenrecht der Länder.

10. August
- Der deutsche Außenhandel erlitt im ersten Halbjahr 1933 im Vergleich zum Vorjahr Einbußen. Die Handelsbilanz hatte nur noch einen Überschuss von 291 Millionen im Vergleich zu 602 in 1932.  Der Rückgang liegt voll im Handel mit den europäischen Nachbarn, die Hälfte davon im Handel mit der UdSSR.

- Bei Aktionen gegen kommunistische Funktionäre wurden in München 68 und in Württemberg vierzig Kommunisten festgenommen. Begründung: Illegale Tätigkeit.

- Der Stand der Rundfunkteilnehmer in Deutschland war am 1. August 1933 4 483278. Gegenüber Ende Juni 1933 waren es 37 828 weniger als Ende Juni. Das entspricht den üblichen Abmeldungen zum Sommeranfang. Unter der Gesamtzahl befinden sich 531 230 Teilnehmer, die keine Gebühren zahlen, meist Arbeitslose.

- Der Reichsernährungsminister verweist auf die Verfügung des thüringischen Staatsministeriums, die in den gemeindeigenen Betrieben und Anstalten die ausschließliche Verwendung deutscher Frischmilch, deutscher Eier und deutscher Butter vorsieht. Margarine als Brotaufstrich wurde verboten.

12. August
- Die Grundstücke, Verlagsgebäude, Druckerei und der Verlag des „Vorwärts“ (SPD) sind vom preußischen Staat enteignet.

- Die Zahl der Kurzarbeiter ist in Württemberg von Ende Januar bis Ende Juli von 31 047 auf 15 887 gesunken.

- Veröffentlichung eines Beschlusses des Reichsminister der Finanzen: Außerkurssetzung der Vier-Reichspfennigstücke aus Kupferbronze. Die Stücke werden bis 30. September bei den Reichskassen und Landeskassen in Zahlung als auch zum Umwechseln angenommen.

15. August
- Das württ. Staatsministerium gibt bekannt: „Furchtlos und treu“ ist wieder Staatswappenspruch Württembergs. Der Spruch war in einer Wappenänderung 1922 weggefallen.

- In Österreich erscheinen wieder „Enthüllungen“. Es geht um Dokumente aus dem Außenpolitischen Amt der NSDAP. Das jedoch stellt fest, dass es solche Schreiben nicht gegeben hat. Die Behauptung, im Lager Lechfeld werde eine bewaffnete Truppe zum Einfall nach Österreich ausgebildet, ist unsinnig, „stimmt“ aber soweit, dass in Lechfeld aus Österreich ausgewiesene Nationalsozialisten untergebracht sind, damit sie Unterkunft haben und in eine Beschäftigung überführt werden können.

- Konjunkturelle Besserung der Wirtschaftslage im ersten Halbjahr. Am stärksten hat sich der Fahrzeugbau belebt. Aber auch Hausrat und Gegenstände für den Wohnbedarf zogen an. Die Zahl der Konkurse ging gegenüber dem Vergleichszeitraum 1932 um fast 50 Prozent zurück.

- Eine Meldung aus dem privaten Bereich Hitlers: Bei einem den Führer begleitenden Wagen gab es auf der Fahrt nach Reit im Winkel einen Unfall, bei dem der Adjutant des Führers, Gruppenführer Brückner, schwer verletzt wurde. Die im Wagen befindliche Nichte des Führers erlitt leichte Verletzungen, Die Schwester des Führers erlitt keine Verletzungen.

16. August
- Die Vorausschätzungen lassen für Deutschland eine ebenso gute Ernte wie 1932 erkennen.

17. August
- Reichspräsident von Hindenburg hat den Oberpräsidenten von Ostpreußen, Erich Koch, zur Überwindung der Arbeitslosigkeit in Ostpreußen beglückwünscht.


- Der Oberreichsanwalt hat den schwedischen Rechtsanwalt Branting und den französischen Schriftsteller Romain Roland aufgefordert, ihr angebliches Beweismaterial zum Reichstagsbrand den deutschen Behörden zur Verfügung zu stellen, damit es in der Untersuchung verwendet werden kann.

- Auf der Welt-Lehrertagung in Santana auf Kuba stellte die österreichische Delegation nach einem Bericht der Zeitung „Fränkisches Volk“ Deutschland als das Land dar, das Bomben und Flugzeuge in Massen herstelle, um den Frieden in Europa zu stören.

- Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, verfügt, dass nationalsozialistische Gemeindevertreter den Antrag auf Verleihung von Ehrenbürgerrechten nur noch in ganz außergewöhnlichen Fällen stellen dürfen.

18. August
- Dr. Goebbels eröffnete in Berlin die Reichsrundfunkausstellung.

- Das Wirtschaftsministerium gibt zum Thema „Arbeitsbeschaffung in Württemberg“ auf der Grundlage des Arbeitsbeschaffungsgesetzes vom 1.6.1933 bekannt:
Es wurde rund 13 Millionen RM an öffentliche Träger von Arbeiten in Württemberg vergeben. Sämtliche so finanzierte Projekte sind im Bau. Darunter als große Bauvorhaben:
Der Ausbau der württembergischen Landeswasserversorgung, der Bau eines Hauptabwasserkanals in Esslingen, die Abwasserbeseitigung von Feuerbach und Zuffenhausen, Entwässerung der tiefer liegenden Stadtteile in Stuttgart-Münster, der Straßenbau Nagold- Altensteig, der Bau der Straßen von Aachstetten nach Oberkirchberg und von Riedlingen nach Utteweiler, sowie eine große Zahl von Meliorationen und Kanalisationen. Die Arbeiten müssen bis 31. Dezember 1933 beendet sein.

In diesen 13 Millionen sind auch enthalten:
Flussregulierungen, Bachkorrekturen, künstliche Entwässerungen und ähnliche landwirtschaftliche Arbeiten,
Reichszuschüsse für die Instandsetzung von Wohngebäuden, für vorstädtische Kleinsiedlungen, für landwirtschaftliche Siedlungen.

Neben dem ersten arbeitslosen Oberamt Gerabronn gibt es acht Oberämter, die weniger als 100 Arbeitslose haben.

Außerhalb dieser Projekte ist es dem württ. Staat gelungen, einen Vertrag mit der Reichsbahn über die Elektrifizierung der Strecke Plochingen – Tübingen abzuschließen und namhafte Aufträge für die Maschinenfabrik Esslingen von der Reichsbahn zu erhalten.

19. August
- In Eisleben begann die Lutherwoche.

- Vom Leiter der politischen Polizei in Württemberg sind die Tageszeitungen „Ipf- und Jagstzeitung“ und Tübinger Chronik“ für die Dauer von 14 Tagen verboten worden.

- Der Reichswirtschaftsminister hat auf eine Anordnung aus 1918 verwiesen, nach der Erwerb landwirtschaftlicher Grundstücke über 5 Hektar versagt werden kann, wenn der Erwerber nicht hauptberuflich Landwirt ist oder früher war. Bodenspekulation soll vermieden werden.

- Die nationalsozialistischen „Landpost“ warnt vor Erweiterung der Anbauflächen für Weizen und Roggen. Die Produktion decke vollkommen den Bedarf. Ereiterungen würden den Preis senken. Jedoch sei eine Vergrößerung der Flächen für Gerste und Mais sinnvoll.

20. August
- In Königsberg begann die Deutsche Ostmesse.
Zur Ostland-Treuefahrt nach Königsberg haben sich 800 Fahrzeuge angemeldet.

- Es wird angeordnet: Arische Ärzte sollen arische Patienten nur an arische Fachärzte und Gesundheits-Institutionen überweisen. Eine Praxisgemeinschaft zwischen arischen und nicht arischen Ärzten ist verboten. Arische Ärzte dürfen sich nur durch arische Ärzte vertreten lassen.

- In zahlreichen Orten werden Badeverbote für Juden in Bädern und an Stränden erlassen.

21. August
- Der „Staats-Anzeiger für Württemberg“ berichtet über die Deutschland-Berichterstattung des amerikanischen Radio-Korrespondenten Doug Brinkley, der über Kurzwellensender direkt nach den USA berichtet. Der Tenor: In Deutschland gehe es unter Hitler bergauf. Er forderte seine Landsleute auf, sich selbst in Deutschland umzusehen.

- Der Reichsluftfahrtminister ordnet an, dass Fluggäste während des Fluges keine Lichtbildgeräte benutzen dürfen. Sie sind für die Dauer des Fluges abzugeben.

- Marxistische Grenzschmuggler gefasst. Zwei Kieler Einwohner hatten mit ihrem Segelboot marxistische Zeitungen aus dem Ausland hereingeschmuggelt. Darunter den „Neuer Vorwärts“, der in Karlsbad gedruckt wird.

- Für den Reichsparteitag in Nürnberg werden 340 Sonderzüge bereit gestellt.

23. August
- Der Marinemitarbeiter des Londoner „Daily Telegraph“ berichtet über die zu erwartenden Vorschläge der britischen Admiralität. Danach geht es um den Bau von 25 neuen Kreuzern, die an Tonnage und Bestückung den besten ausländischen Schiffen gleichkommen sollen. Außerdem: Neubau von jährlich 15 bis 18 Zerstörern, ein großes U-Boot-Progarmm, beträchtliche Erhöhung der Marineflugzeuge, Erhöhung der Mannschaftsstärke um mindestens 10 000 Mann.

- Auf Anregung des Reichsministers für Luftfahrt sollen Arbeiten zum Ausbau von Luftschutzräumen bei der Förderung wie Wohnräume behandelt werden.

- In der ersten Augusthälfte ist die Zahl der Erwerbslosen um 130 000 gesunken.

- Der Reichsbund der Deutschen Industrie hat sich für die Anwendung des Deutschen Grußes in allen Betrieben und Verbänden ausgesprochen.


- Die württ. Politische Polizei weist darauf hin, dass im Zusammenhang mit den verbotenen Werbetätigkeiten an Haustüren unter „Neuapostolische Sekte“ alle in Württemberg vorhandene oder künftig in Erscheinung tretende neuapostolische Religionsgesellschaften zu verstehen sind. Sie sind den Bibelforschern gleichgestellt.

24. August
- Der preußische Justizminister verweist auf die Verschärfung der Strafen bei der Misshandlung von Tieren.

- Der große „Deutschlandflug“ hat mehr als 100 Teilnehmer. Start ist in Berlin-Tempelhof.

- Das 1925 zwischen dem Direktorium des Memelgebietes und dem evangelischen Oberkirchenrat in Berlin geschlossene Kirchen-Abkommen ist von der litauischen Regierung als erloschen erklärt worden.

- Der Rückgang der Arbeitslosigkeit zwischen Ende Februar und Ende Juli liegt im Schnitt aller Berufsgruppen bei 25,6 Prozent. Überdurchschnittliche Rückgänge gibt es in der Landwirtschaft (64,2), Baugewerbe (45,5), Industrie der Steine und Erden (45.4); Forstwirtschaft und Fischerei (34,4), Holz- und Schnittstoffgewerbe (29,4).
Eine Zunahme der Arbeitslosigkeit verzeichnen die Arbeiter im „Vervielfältigungsgewerbe“ (1,4 Prozent) und die „sonstigen Angestellten“ (3,7).

25. August
- Die Rohstoffeinfuhr hat in den Monaten Mai bis Juli 1933 der Menge nach um 27 Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen.

- Die vom Statistischen Reichsamt durchgeführt Erhebung über den Kraftfahrzeugbestand hat eine Zunahme nach Rückgang in den vergangenen Jahren ergeben.
Am 1. Juli 1933 waren im Betrieb: 522 209 Personenkraftwagen (+ 5 %), 852 776 Krafträder (+ 4,1 Prozent), Lastkraftwagen 155 219 (+1,8 Prozent). Damit ist bei Personenwagen und Krafträdern der Bestand des Jahres 1931 wieder erreicht bzw. überschritten. Der Bestand an Lastkraftwagen liegt noch um 3,6 Prozent zurück.

- In Berlin wurden 40 Ztr. kommunistisches Schriftenmaterial aus dem Ausland.

26. August
- Ein internationales Weizenabkommen wurde in London auch von Deutschland unterzeichnet. Darin wird festgelegt, dass die Übersee-Ausfuhrländer und die Donauländer ihre Erzeugung an den Weltbedarf anpassen, d.h. ihre Erzeugung steigern oder mindern, damit ein einheitliches Preisniveau erreicht wird. Russland hat noch keine Mengenzusage gegeben.

- Staats-Anzeiger für Württemberg, 26. 8. 1933 (Originaltext):
„Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit.
Aus der deutschen Volksgemeinschaft ausgeschlossen.
Aufgrund des § 2 des Gesetzes über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der deutschen Staatsangehörigkeit vom 14. Juli 1933 hat der Reichsminister des Inneren im Einvernehmen mit dem Reichsminister des Äußeren durch eine im Reichsanzeiger veröffentlichte Bekanntmachung vom 23. August 1933 zunächst folgende im Ausland befindlichen (33) Reichsangehörigen der deutschen Staatsangehörigkeit für verlustig erklärt, weil sie durch ein Verhalten, das gegen die Pflicht zur Treue gegen Volks und Reich verstößt. die deutschen Belange geschädigt haben:

Dr. Alfred Apfel, Georg Bernhard, Dr. Rudolf Breitscheid, Eugen Eppstein, Alfred Falk,
Lion Feuchtwanger, Dr. Friedrich Wilhelm Foerster, Helmuth von Gerlach, Elfriede Gohlke, genannt Ruth Fischer, Kurt Großmann, Albert Grzesinski, Emil Gumbel, Wilhelm Hansmann, Friedrich Heckert, Max Hölz, Dr. Alfred Kerr, Otto Lehmann-Rußbüldt, Heinreich Mann, Theodor Maslowski, Wilhelm Münzenberg, Heinz Werner Neumann, Wilhelm Pieck, Berthold Salomon, genannt Jakob, Philipp Scheidemann, Leopold Schwarzschild, Max Sievers, Friedrich Stampfer, Ernst Toller, Dr. Kurt Tucholski, Bernhard Weiß, Robert Weißmann, Otto Wels, Dr. Johannes Werthauer.
Zugleich ist das Vermögen dieser Personen beschlagnahmt worden.“

Sonntag, 27. August
-
Der Tag von Tannenberg wurde in Hohenstein in Ostpreußen abends festlich begannen. Reichspräsident von Hindenburg – in seiner Feldmarschalluniform – , begleitet vom Reichskanzler - wurde von der Führung des Reiches am Abend ehrenvoll mit allem, was der Staat zu bieten hatte, dafür gefeiert, dass er die zahlenmäßig überlegenen in Ostpreußen eingedrungenen Russen in der Schlacht von Tannenberg zwischen dem 26. bis 30. August 1914 vernichtend geschlagen hat.

- Am letzten Tag der des Deutschlandflugs flogen 12 Maschinen der großen Klasse den Flughafen Stuttgart-Böblingen an.

28. August
- Im Schlosshof zu Königsberg fand die Ostlandtreuefahrt mit einer Kundgebung und einer Rede von Dr. Goebbels ihren Abschluss.

30. August
- Feierliche Eröffnung des Reichsparteitages der NSDAP am Abend in Nürnberg durch Eintrag des Führers ins „Goldene Buch“ der Stadt. Adolf Hitler erklärt, dass Berlin Sitz der Reichsregierung, München der Sitz der NSDAP-Reichsführung und ab jetzt Nürnberg die Stadt der Reichsparteitage sein wird.

- „Staatsanzeiger für Württemberg“: Planmäßiger Wirtschaftsaufbau.
Der württembergische Wirtschaftsminister, Prof. Dr. Lehnisch, gab eine Liste von acht möglichen Ansatzpunkten für die Förderung der privaten Arbeitsbeschaffung bekannt:

1. Förderung der Rückkehr von Arbeitslosen in den Familienverband.
2. Arbeitszeitverkürzug durch optimale Arbeitszeiten.
3. Ansiedlung neuer Industriezweige in die Gebiete, die auch bei Besserung der Arbeitslage keine zusätzliche Beschäftigung erbringen können.
4. Unterstützung einer maßvollen Exportpolitik.
5. Struktureller Umbau von Wirtschaftszweigen, die ihren früheren Erzeugungsumfang nicht mehr erreichen können. U.a. Dezentralisation heute in wenigen Betrieben zusammengeballter Industriebetriebe.
6. Stärkere Verankerung der Bevölkerung in der Landwirtschaft. Hierzu müssen vor allem Siedlungen gefördert werden.
7. Herausnahme rein handwerksmäßiger Tätigkeiten aus Industriebetrieben und sonstigen Großunternehmen zur Schaffung neuer Existenzen im Handwerk.
8. Schaffung elastischer Zwangskartelle für Produktion und Absatz unter voller Aufrechterhaltung der Unternehmensverantwortlichkeit und Initiative.

 

September

1. September
- Auch der Verlauf der Leipziger Herbstmesse lässt erkennen, dass es wirtschaftlich aufwärts geht.

- Ein italienisch- russischer Nichtangriffspakt steht zur Unterzeichnung an.

2. September
- Auf dem 5. Reichsparteitag wurde der Parteikongress durch Rudolf Hess mit der Verlesung einer Proklamation Adolf Hitlers eröffnet, in der die Überwindung des Marxismus auch durch Faustrecht proklamiert wird.

Sonntag, 3. September
- Der Reichsparteitag endete am späten Nachmittag mit einer Rede Adolf Hitlers, in der er nicht nur das kommunistische Zeitalter für beendet erklärte, sondern auch der höheren Rasse das Recht des Stärkeren als natürlich gegeben zusprach.

4. September
- Es wurden in Bremen 64 Personen festgenommen, die an Herstellung und Verbreitung der kommunistischen Schrift „Die Wahrheit“ beteiligt waren. Die Schrift wurde in England gedruckt und auf dem Seeweg eingeführt.

7. September
- Auf der Wartburg fand die erste Tagung des neuen Theaterbesucherorganisation „Reichsverband Deutsche Bühne„ im „Kampfbund für deutsche Kultur“ (unter Alfred Rosenberg) statt. Zitiert wurde Adolf Hitler, der im Theater eine Kultstätte der ganzen Nation sehe. Der Arbeiter gehöre ins Theater neben den Akademiker. Dann würde es das Spiegelbild des Lebens der Nation.

- Ernennungen im Auswärtigen Dienst:
Zu Gesandten ernannt: Legationsrat von Heeren (Belgrad), Freiherr von Weizsäcker (Bern), Rüdt von Collenberg-Bödigheim (Mexiko), von Mackensen (Madrid), Konsul Ziemke (Beirut). Zu Botschafter ernannt: von Dirksen (Tokio), Nadolny (Moskau). Konsul Borchers ist für die Verwaltung des Generalkonsulats in New York vorgesehen.

- Vom Kreditausschuss der Deutschen Gesellschaft für Öffentliche Arbeiten (Öffa) wurde u.a. der weitere Ausbau der Landeswasserversorgung Württemberg mit 3 Millionen RM gefördert.

- Amerika hat u.a. Zerstörer vor Kuba stationiert.

8. September
- In Wien wurde der „Allgemeine deutsche Katholikentag“ eröffnet.

- Die Zahl der Arbeitslosen sank in der zweiten Augusthälfte um 207 000 auf 4,13 Millionen.

- Bei einer Razzia gegen Schwarzarbeit auf den Berliner Güterbahnhöfen wurden mehr als 100 Personen festgenommen.  



10. September
- Das badische Dorf Oeschelbronn bei Pforzheim ist niedergebrannt. Der Gebäudeschaden wird auf eine Million RM geschätzt.

11. September
- Der Zweckverband Wasserversorgung Jagstgruppe, Sitz Crailsheim, wird ermächtigt, die zur Durchführung der Hauptzubringerleitung seiner Gruppenwasserversorgungsanlage notwendigen Grundstücke (hier aufgelistet) Markung Dankolsweiler, Gemeinde Jagstzell, Oberamt Ellwangen im Wege der Zwangsenteignung zu erwerben. Als Enteignungsbehörde wird das Oberamt Crailsheim bestellt.

12. September
- Der Reichswehrminister erlaubt seinen Beamten, Angestellten und Arbeitern das Tragen von NS-Unifomen im Dienst. Er weist auch darauf hin, dass ihnen keine Beziehungen zur SPD und KPD – auch loser Art – erlaubt sind.

- Die Deutsche Reichsbahngesellschaft hat zur Gründung eines Frachtflugverkehrs die ersten Maschinen in Auftrag gegeben.

- Auftrag zur Erschließung des dichterischen Nationalbesitzes. Die Gesellschaft „Deutsche Literatur“ soll ein Gesamtwerk von etwa 300 Werken zusammenstellen, die in einer Reihe zusammengefasst sein sollen. Aufgebaut wird auf der bereits vorhandenen, 40 Bände umfassenden Reclam-Bücher-Serie. Ein neuer Vorstand unter Ministerialdirektor Dr. Buttmann vom Reichsinnenministerium soll auch die anderen relevanten Ministerien einschließen. So soll es u.a. eine Reihe „Deutsche Märchen“, Deutsche Sagen“, „Deutsche Volkslegenden“ geben. Eine gesonderte Reihe „Das Ringen um das deutsche Volkstum im Ausland“ soll die Verbundenheit mit dem Grenz- und Auslandsdeutschtum ausdrücken.

- Der französische Luftfahrtminister hat einen Besuchsflug in die Sowjetunion angetreten.

13. September
- Vererbungslehre und Rassenkunde wird Pflicht-Prüfungsthema für alle Schüler

- Reichsminister Darre hat den ersten Spatenstich zur Melioration Eiderabdämmung getan.

- Kommunistische Umsturzpläne veröffentlicht.
Auf einer Pressekonferenz in Berlin wurde eine 188seitige, ausführlich bebilderte Dokumentation von Dr. Adolf Ehrt „Bewaffneter Aufstand – Enthüllungen über den kommunistischen Umsturzversuch am Vorabend der nationalen Revolution“ vorgestellt.
Auftraggeber: Gesamtverband Deutscher antikommunistischer Vereinigungen e.V., dem vor allem antikommunistische religiöse russische Gruppen angehören.

Nach Erlt sollte das Signal für den Aufstand Ende Februar/Anfang März 1933 die Ermordung Hitlers auf seiner Reise in die entmilitarisierte Zone des Rheinlands sein. Die Befehlszentralen waren in Düren und Krefeld.

Der sehr detaillierte Plan - z.B. zur Übernahme aller Radiostationen – enthielt lange Listen von Personen, die zuerst erschossen werden sollten.

Herausgestellt wurden auch Dokumente der Spionage der KPD für die Sowjetunion sowie über die Verbindungswege in die Sowjetunion.

Lt. Erlt sollen die Verhaftungsaktionen nach dem Reichstagsbrand die Verwirklichung der Pläne verhindert haben.

Das Buch wurde in hoher Auflage gedruckt – und ist noch heute antiquarisch für Forschungszwecke lieferbar.

- Eine juristische Untersuchungskommission hat in London ihre eigene Arbeit zur Untersuchung des Reichstagsbrands aufgenommen.

14. September
- Der Reichswirtschaftsminister hat neue Vorschriften zur Verhinderung der Kapitalflucht erlassen.  

- Verordnung des württembergische Staatsministeriums für Zwangsenteignungen für den Ausbau der Straße Reutlingen – Mössingen.

- Landesbischof D. Wurm und Stadtpfarrer Schairer (Hedelfingen) werden für Württemberg an der Reichsynode in Berlin teilnehmen.

- Gegenwärtig findet ein diplomatischer Meinungsaustausch zwischen England, Frankreich und Italien über schwebende Fragen des Völkerbundes und der Abrüstung statt.

- Großer Propagandafeldzug ab 1. Oktober geplant. Dr. Goebbels gab auf einer Rede in Berlin bekannt: „Jeder Redner ist aufgefordert, wen er ein hohes Staatsamt bekleidet, in zwei Monaten 15, und wenn er kein Staatsamt bekleidet, in zwei Monaten 25 Termine für Versammlungen zur Verfügung zu stehen. Wir werden in zwei Monaten 150 000 Versammlungen abhalten.“

15. September
- Um Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass der Arbeitsdienst der freien Wirtschaft Arbeit wegnimmt, hat die Reichsleitung des Arbeitsdienstes angeordnet, dass in Zukunft nur solche Arbeiten staatliche Zuschüsse erhalten, bei denen die Träger der Arbeit eine Gemeinde, ein Gemeindeverband oder eine sonstige öffentliche Körperschaft ist.

- Das Kabinett hat Außenminister v. Neurath mit der Führung der deutschen Delegation für die bevorstehende Vollversammlung des Völkerbundes ernannt.

- An der nächsten Südamerikafahrt des Luftschiffs „Graf Zeppelin“ wird der württembergische Wirtschaftsminister Prof. Dr. Lehnich teilnehmen.

- Adolf Hitler besuchte die Brandstädte in Oeschelbronn bei Pforzheim.

- Die Frage der Gleichberechtigung: Außenminister Neurath vor der internationalen Presse: Ziel der deutschen Außenpolitik ist die Gleichberechtigung. Wenn in der Abrüstungsfrage die hochgerüsteten westlichen Großmächte die Aufrechterhaltung der alte Auflagen und die Herrschaft der Sieger verewigen wollen, wird sich Deutschland weigern, einen solchen Zustand weiter zu ertragen. Gleichberechtigung oder Zusammenbruch der Abrüstungsgespräche.


17. September
- Gründung der Reichsvertretung der deutschen Juden.

- Zum 2. württ. B.d.M. Obergautreffen kamen 10 000 Mädel nach Stuttgart.

18. September
- In Paris begannen Besprechungen zwischen dem abrüstungsfeindlichen Frankreich und dem abrüstungsfreundlichen England über den Fortgang der Abrüstungskonferenz.

19. September
- In Warschau wurde ein danzig-polnisches Protokoll zur Nutzung des Hafens von Danzig unterzeichnet.

- Die österreichische Polizei verhaftete in einer physikalischen Versuchsanstalt fünf Personen. Es wird behauptet, dass es sich um einen Nachrichtenzentrale der NSDAP handle.

20. September
- Die Arbeitslosigkeit ist seit Jahresbeginn von 6 Millionen auf 4 Millionen gesunken.

- Der Generalrat der Wirtschaft tagte ganztägig zuerst unter Vorsitz des Reichswirtschaftsministers, dann unter Vorsitz des Reichskanzlers. Es wurde ein neuer Wirtschaftsplan zur weiteren nachhaltigen Besserung der Wirtschaftslage aufgestellt, vor allem um Neuinvestitionen der Wirtschaft zu erreichen.

Die Grundlinien des Planes;
1. Gesundung der Kommunalfinanzen durch Konsolidierung der kurzfristigen Schulden und Sanierung des Haushalts durch starke Entlastung von Wohlfahrtsausgaben.
2. Energische Weiterführung der Arbeitsbeschaffung.
3. Lösung der Starre auf Geld- und Kapitalmarkt.

- Der Reichskanzler stimmte den Plänen für den 30-Millionen-Neubau der Reichsbank zu. Vorgesehen sind u.a. die Verlängerung der Jägerstraße bis zur Spree und die Schaffung eines großen Reichsbankplatzes.

- Das württ. Staatsministerium erlässt eine Verordnung zur beschlossenen zeitweiligen Herabsetzung der Höchstgehälter ab 1. Oktober.

- Der Stuttgarter Oberbürgermeister Dr. Strölin ist zum Führer des Ausschusses des Deutschen Auslandsinstitutes berufen worden.

22. September
- Das Reichskabinett verabschiedet das Kulturkammergesetz.
Errichtet werden als Körperschaften des öffentlichen Rechts diese Kammern:
Reichsschrifttumskammer, Reichspressekammer, Reichsrundfunkkammer, Reichstheaterkammer, Reichsmusikkammer, Reichsfilmkammer, Reichskammer der bildenden Künste.Wer ihnen nicht angehörte – arisch Voraussetzung – hatte kaum Chancen auf Anstellung im öffentlichen Raum.

- Gesetz zum Schutz der deutschen Warenausfuhr.
Länder, die deutschen Waren Einfuhrbeschränkungen unterwerfen, können ebenfalls mit Einfuhrbeschränkungen belegt werden.

23. September
- Autobahnbau. Der erste Spatenstich erfolgte in Frankfurt/Main.

- Der deutsch-polnische Vertrag zur Sozialversicherung ist bereits in Kraft getreten. Die bisher wegen Aufenthaltes in anderen Staaten ruhenden Renten der beiderseitige Versicherungsvertreter werden in Zukunft wieder gezahlt.

- Der polnische Ministerpräsident und der polnische Handelsminister statteten dem Danziger Senatspräsidenten einen Staatsbesuch ab.

- Der Reichsaußenminister Freiherr von Neurath hat der „New York Times“ ein Interview gegeben und den deutschen Standpunkt in der Abrüstungsfrage dargestellt.

U.a.:
„Deutschland ist nicht nur jede Militärluftfahrt, sondern auch der Besitz von Flugabwehrgeschützen verboten. Dadurch befindet sich Deutschland in einem Zustand völliger Wehrlosigkeit. … Deutschland hat das gleiche Recht auf Sicherheit wie alle anderen Länder. … Deutschland ist nach wie vor in der Abrüstungsfrage Gläubiger. Denn es hat seinen Beitrag zur allgemeinen Abrüstung längst geleistet. Es verlangt, dass nun endlich bei den anderen mit der Abrüstung ernst gemacht wird.“

- Am ersten Tag im Reichtagsbrandstifter-Prozess wurde der Hauptangeklagte vernommen.

- Eintopf-Bekanntmachung: Am 1. Oktober wird nicht nur in den Privathaushalten sondern auch in Hotels und Gaststätten ein Eintopfgericht auf den Tisch kommen. Mindesten 0,50 RM
werden an das Winterhilfswerk überwiesen.

- Der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda hat den Parteigenossen Hilgerfeld, Leiter der NS-Volkswohlfahrt auch zum Reichswalter für das Winterhilfswerk „Kampf gegen Hunger und Kälte“ eingesetzt.

24. September
- Das Kabinett verabschiedet das neue Patentanwaltgesetz. Patentanwälte werden den Rechtsanwälten gleichgestellt. Beide können in Patentsachen vertreten.


- Nationalsozialistische Gemeinschaft korpsstudentischer Verbände. Der Kösener Senioren-Convent-Verband, der Miltenberger Ring, der Hamburger Senioren-Convent, der Rudolstädter Senioren-Convent und der Weinheimer Senioren-Convent wollen ihre Kraft dem nationalsozialistischen Staat dienstbar machen.

- Bei einer Wirbelsturmkatastrophe in Mexiko sind 5 000 Menschen ums Leben gekommen.

25. September
- Eröffnung der Völkerbundsversammlung in Genf. Zum Vorsitzenden wurde te Water (Südafrika) gewählt.
Reichsminister Goebbels und Außenminister v. Neurath trafen am 24. 9. in Genf ein.

- Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt hielt auf eine Kundgebung in München eine Grundsatzrede. Daraus diese Punkte:
Deutschland müsse aus dem Handel und dem Verkehr mit der übrigen Welt Vorteile ziehen können.
Die deflationistische Tendenz müsse gestoppt werden – ohne in eine inflationistische Welle zu geraten.
Durch die im Gang befindliche Banken-Enquete würde ein tadelloses Funktionieren der Banken und Sparkassen erreicht.
Aufgabe des Staates gegenüber der Wirtschaft sei es zu überwachen, aber nicht einzugreifen.
Voraussetzung sei die Herstellung der Rentabilität jedes einzelnen Betriebes.
Die ungeheuere Steuerlast könne von der Wirtschaft nicht weiter getragen werden. Neben der Arbeitsbeschaffung sei die zweite große Aufgabe eine Ermäßigung der Steuerlast.
Die dritte Aufgabe sei die Senkung der Zinsen – und die Erhaltung des Lohn- und Preisniveaus..

- Das württ. Staatsministerium erlässt eine Bekanntmachung zum Erntedankfest am Sonntag, den 1. Oktober. Danach sind alle Dienstgebäude zu beflaggen. Alle Beamten, Angestellten und Arbeiter sollen sich aktiv an der Gestaltung beteiligen.
Am 29. September sind in den Schulen Gedenkstunden abzuhalten.
Am Samstag, den 30. September sind in den Städten mit mehr als 10 000 Einwohnern klassenweise Lerngänge in ländliche Betriebe vorzunehmen, darüber hinaus fällt im Lande der Unterricht aus.

- Das württ. Staatsministerium weist darauf hin, dass am 2. Oktober, dem 86. Geburtstag des Reichspräsidenten, Generalfeldmarschall Hindenburg, alle Dienstgebäude zu beflaggen.

26. September
- Das Reichskabinett beschließt ein Gesetz zum bäuerlichen Erbhofrecht zu erlassen.
- Der Stellvertreter des Führers, Rudolf Hess, nimmt Stellung zu Propagandameldungen aus dem Ausland, dass Deutschland auf weite Sicht die Einverleibung von Teilen der Schweiz, Hollands, Belgiens, Dänemark etc. betreibe. Die Unterstellung sei unsinnig. Kein ernsthafter Mensch in Deutschland denke daran, die Unabhängigkeit anderer Staaten anzutasten.

- In diesen Tagen erreicht die Auflage von Adolf Hitlers „Mein Kampf“ die Millionengrenze.

- Produktiv-Darlehen für erwerbslose ältere Angestellte. Der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung werden Mittel zur Verfügung gestellt, um älteren Arbeitslosen (Männer ab 40 Jahre, Frauen ab 35 Jahre) eine Darlehen (1 000 bis 2 000 RM) die Errichtung einer selbständigen Existenz zu ermöglichen. Verzinsung um 4 Prozent.

- Die Zentralstelle für Wohltätigkeit in Württemberg wird zu Weihnachten wieder Auszeichnungen für langjährig tätige Hausgehilfinnen verleihen.

- Das württ. Staatsministerium hat Regierungsrat Dr. Dederer aus dem Wirtschaftsministerium zum Oberbürgermeister von Reutlingen ernannt.

- Die Aussetzung der Betriebsrätewahlen wird bis Jahresende verlängert.

27. September
- Das württ. Staatsministerium hat über weitere   Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen berichtet. Danach werden 4 Millionen zusätzlich für die Elektrifizierung von Bahnstrecken, landwirtschaftliche Bodenverbesserungen und für den Landstraßenbau vorgesehen.
    

Der englische Außenminister Sir John Simon eröffnete die Völkerbundsitzung mit einer Rede.

- Reichsminister Goebbels empfing in Genf die internationale Presse und erläuterte die Außenpolitik Deutschlands im Zeichen des Friedens.

29. September
- Geplantes Reichserbhofgesetz: Bauer kann nur sein, wer deutscher Staatsbürger, deutschen Blutes und ehrbar ist.

- Der Reichtagsbrandstifter Lubbe legt ein Geständnis ab: er habe den Brand gelegt.

- In Leipzig wird der erste deutsche Juristentag abgehalten.

30. September
- Die württ. Politische Polizei (Innenministerium) veröffentlicht eine neue Liste von jeweils 30 Hilfs- und Ersatzorganisationen sowohl der Kommunistischen als auch Sozialdemokratischen Partei. Ihr Vermögen ist oder wird eingezogen. Die Aufträge gehen an die Oberämter, Polizeidirektionen und staatliche Polizeiämter.

- Ausweisung deutscher Pressevertreter aus der Sowjetunion. Deutsche Verbalnote an den sowjetischen Botschafter.


Oktober

1. Oktober
- Das im ganzen Reich gefeierte Erntedankfest hatte seinen Höhepunkt in der Ganztagesfeier auf dem Bückeberg (Weserbergland). 500 000 Menschen nahmen teil. Adolf Hitler hielt am Nachmittag eine viel umjubelte Rede.

- An der Eisenbahnlinie Stuttgart – Immendingen wird der neue Bahnhof Tuttlingen in Betrieb genommen. Es besteht damit zweigleisiger Betrieb von Stuttgart bis Neckarhausen, von Rottweil bis Neufra (bei Rottweil) und von Spaichingen bis Tuttlingen.

- Jeder Reichsbeamte, der eine Ehe eingehen will, muss vorab nachweisen, dass der Ehepartner arischer Abstammung ist. Die Reichsleitung des Arbeitsdienstes schloss sich der Regelung an.

2. Oktober
- Auf dem Leipziger Juristentag wurde durch Proklamation die Akademie des Deutschen Rechts gegründet. Es soll die wissenschaftliche Zentralstelle zur Umgestaltung und Fortbildung des deutschen Rechts im Sinne der Weltanschauung des neuen Reiches sein.  

3. Oktober
- Reichskanzler Adolf Hitler hielt auf dem Juristentag eine Rede, in der er die rassische Bedingtheit des Rechtsbegriffs herausstellte. Der totale Staat werde keinen Unterschied zwischen Recht und Moral dulden. Nur im Rahmen seiner gegebenen Weltanschaung könne und müsse eine Justiz unabhängig sein.

- Auf dem Juristentag hielt Staatssekretär Reinhardt ein Referat über die geplante Finanzreform. Danach werden Reich, Länder und Gemeinden steuerlich als Einheit betrachtet werden. Die Vielheit der Steuern soll durch eine einzige große Steuer abgelöst werden, die die Einnahmequelle für die Gesamtheit von Reich. Ländern und Gemeinden sein werde. Dabei werde aber genügend Spielraum für Länder und Gemeinden zur Anpassung an örtliche Verhältnisse bleiben. Das Steuersystem soll reichseinheitlich verwaltungsmäßig drastisch vereinfacht werden, so dass der Steuerpflichtige nur einen Steuerbescheid im Jahr erhält.

- Der Kreditausschuss der Deutschen Rentenbankkreditanstalt hat aus dem Arbeitsbeschaffungsprogramm der Reichsregierung weitere 7,5 Millionen RM bewilligt:
1,4 Millionen RM gehen an Ostpreußen, um die Alle zu regulieren, Hamburg erhält Mittel zur Ufersicherung und Baggerungen an der Elbe, ebenso erhält der Kreis Wetzlar Mittel zur Regulierung der Lahn.

- Auf Kuba herrscht völlige Anarchie.

- Der neue polnische Gesandte in Berlin, von Lipski, hat seine Arbeit aufgenommen.

-Verständliches Amtsdeutsch: Reichsinnenminister Frick fordert alle öffentlichen Institutionen auf, für jedermann verständliches Deutsch in ihren Veröffentlichungen zu benutzen. Er verweist auf eine Schrift „Fingerzeige für eine Gesetzes- und Amtssprache“.

- Im Bus- und Eisenbahnverkehr erhalten Begleitpersonen von Schwerkriegsbeschädigten freie Fahrt.

- Vizekanzler v. Papen erläuterte Ziele und Aufgaben der neu gegründeten Arbeitsgemeinschaft katholischer Deutscher. Zugelassen sind nur deutsche Männer. Aufgabe ist, sich ergebende Probleme zu behandeln und allen Instanzen der Kirche, des Staates und der Partei für Auskünfte und Ratschläge zur Verfügung zu stehen.

- Der Reichsarbeitsminister hat eine neue Verordnung zur Krankenkassen-Zulassung von Ärzten erlassen. Ärzte, die auf eine Tätigkeit in der SA und SS vor 1933 verweisen können, sollen bei gleicher Befähigung bevorzugt werden.

4. Oktober
- Vor dem Wirtschaftsausschuss des Völkerbundes wurde die Emigrantenfrage erörtert. Deutscherseits wurde eine Erklärung abgegeben, dass eine Völkerbundsunterstützung nicht diejenigen Elemente erfassen dürfe, die vom Ausland aus die deutsche Regierung offen oder heimlich bekämpfen.

- Ein neues Schriftleitergesetz macht den Beruf zu einem Träger öffentlicher Aufgaben. Geregelt werden Zulassung, Ausübung und Schutz in verbandsrechtlicher und staatsrechtlicher Beziehung.
Dr. Goebbels führte aus: „ Der deutsche Schriftleiter ist kraft des Gesetzes nur seinem Volke und seiner Nation, sonst niemandem mehr, weder dem Verleger noch irgendwelchen Geldgebern und Interessengruppen verantwortlich. Sein Beruf wurde als erster ständisch aufgebaut, er hat das größtmögliche Maß von Selbstverwaltung, seine eigene Gerichtsbarkeit und damit das modernste Pressegesetz der Welt erhalten.
An anderer Stelle: „Der Begriff Meinungsfreiheit wird heute in der ganzen Welt auf das lebhafteste diskutiert. Der Glaube, dass es eine Freiheit des Geistes und eine Freiheit der Meinung, losgelöst vom nationalen und völkischen Interesse überhaupt geben könne, dieser Glaube ist allgemach im Rückzug begriffen.“

6. Oktober
- Die Spielbank in Baden-Baden wird eröffnet.

- Der Reichsarbeitsminister erlässt Bestimmungen für Darlehen für den Eigenheimbau.
Begünstigt sind Kinderreiche und Schwerkriegsbeschädigte.

7. Oktober
- Zweite Verordnung zur Verhütung der Einschleppung von Kartoffelkäfern aus Frankreich.
Der französische Ministerpräsident hielt eine weitere Rede mit Verdächtigungen gegen Deutschland.

8. Oktober
- Der neue Bahnhof Eutingen an der Strecke Stuttgart – Böblingen – Horb wird in Betrieb genommen.

- In der Stuttgarter Stadthalle fand eine Kundgebung der NSBO (Nationalsozialistische Betriebszellen-Organisation) statt. 125 NSBO-Fahnen wurden geweiht.

- Stand der Reben: Der schöne Nachsommer hat den Stand der Reben gefördert. Die Qualität des 1933ers wird gut, mengenmäßig wird die Ausbeute unterschiedlich sein, da einzelne Lagen während der Blüte gelitten haben.


- In Berlin fand zur Erinnerung an die ersten deutschen Einwanderer in Nordamerika eine Veranstaltung statt auf der Reichsminister Goebbels sprach.

9. Oktober
- Die bevölkerungspolitische Broschüre „Mütter kämpfte für Eure Kinder“ hat bereits eine Auflage von 9 Millionen Stück überschritten. Eine zweite Broschüre „ Die kommende Generation klagt an“ ist von der Reichsleitung der NS-Volkswohlfahrt in Vorbereitung.

- Abrüstungskonferenz: Der Leiter der Konferenz, der Brite Henderson, gab einen Bericht über den Stand:
Als fortgeschritten bezeichnete er 8 Punkte:
1. Allgemeiner Verzicht auf Gewaltanwendung. 2. Definition des Angreifers. 3. Kontrolle.
4. Vereinheitlichung der kontinentalen europäischen Heere hinsichtlich der ausgebildeten Reserven, der Heeresstärke und der Kolonialtruppen. 5. Rüstungskontrolle durch Offenlegung der Budgets. 6. Bombenangriffe aus der Luft. 7. Die baldige Schaffung einer Abrüstungskonferenz. 8. Die Flottenfrage.

Als schwierige Probleme bezeichnete er:
1. Die Dauer der ersten Abrüstungskonvention.
2. Die Größe der Tanks und des Kalibers der Artillerie.
3. Die Verringerung des Landkriegsmaterials durch Zerstörung.
4. Waffenherstellung und -handel.
5. Heeres- und Marineluftfahrt.
6. Sanktionen im Falle der Verletzung der Konvention.

Die deutsche Delegation begrüßte die Ausführungen, die französischen und englischen Kommentare blieben zurückhaltend.

- Ende September betrug die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland 3 850 000.

- In ganz Deutschland wurde abends ein starker Sternschnuppenregen beobachtet.

10. Oktober
- Das britische Kabinett veröffentlichte eine Erklärung zur Abrüstungskonferenz, in der es u.a. heißt, dass die Abrüstung ein hochpolitische Problem sei und die englische Regierung die gesteigerte Beunruhigung der französischen Regierung und des französischen Volkes in Bezug auf die Sicherheit sehr beachtet.

11.Oktober
- Mütterdienstwerk: In Württemberg haben sich die Frauenschaft der NSDAP, die Frauenabteilung des Evangelischen Volksbundes und der Katholische Deutscher Frauenverband zum Mütterdienstwerk zusammengeschlossen. Aufgabe ist u.a. die Vorbereitung von Bräuten und jungen Müttern auf ihre Aufgaben in der Ehe. Das soll u.a. in Kursen geschehen, vor allem auch für Bewerberinnen um Ehestandsdarlehen. Die Gemeinden werden aufgefordert, die Kurse und den Besuch auch finanziell zu unterstützen.

- Die 14. Völkerbundvollversammlung hat ihre Arbeiten abgeschlossen. Es geht jetzt um die Planung der Arbeitsgruppen. In welcher Form und mit welchem Inhalt soll die Abrüstungskonferenz weitegeführt werden? Die deutsche Befürchtung ist, dass die Großmächte den jetzigen Stand der Abrüstung für Deutschland einfrieren wollen, wobei dann Deutschland u.a. weiterhin keine Luftwaffe und keine Flugabwehr haben darf.

 

Zur Richtigstellung über Falschmeldungen im Zusammenhang mit dem Reichsautobahnbau wird der Stand der Strecken-Planung vom Generalinspekteur der Autoahnen bekanntgegeben:
1. Frankfurt/Main – Mannheim, 2. Köln – Düsseldorf, 3. München – Salzburg und Berlin- Stettin. Die Streckenführung steht nur für Frankfurt-Mannheim und München-Salzburg fest.

- Die amtlichen Zahlen werden für den Landhelfer-Einsatz Mitte September bekanntgegeben:
Im gesamten Reichsgebiet sind es 127 529 männliche und 37 736 weibliche. Gegenüber dem Vormonat sind es rund 10 000 mehr.

12. Oktober
- Das belgische Regierung beantragt im Parlament die Erhöhung der Rüstungsausgaben um 750 Millionen Franken.

- In Berlin haben Verhandlungen mit Vertretern der lichtensteinschen Regierung über Kapitalflucht und Einbürgerung stattgefunden. Die lichtensteinsche Regierung erklärt, dass sie die Gesetze über die Staatsangehörigkeit dahingehend ändern wird, dass sie erst nach mehrjährigem Aufenthalt erworben werden kann.

- Das württ. Staatsministerium verkündet die Schaffung eines Technischen Landesamtes zum 1. November 1933 an. Die Dienstaufsicht führt das Innenministerium.
Als eine Abteilung des Landesamtes steht bereits eine fest, die für den Kulturbau und die Bodenverbesserung zuständig ist.

13. Oktober
- In Genf kam es zu keiner Einigung über einen gemeinsamen Entschließungsentwurf zwischen England und Frankreich über die Deutschland betreffende Einfrierung des vorhandnen Zustandes. Amerika sagte seine Beteiligung an einer dafür vorgesehenen Debatte ab. Italien schloss sich an. Eine englische Erklärung wird für den 16. Oktober angekündigt.

- Der österreichische Heimatschutz ist in die Vaterländische Front eingegliedert worden.
Führer ist der österreichische Bundeskanzler Dollfuss.

- Eine Richtigstellung zur Beschäftigung weiblicher Lehrer und Beamter durch den Reichsminister des Inneren. Es gibt keine Gesetze, die eine grundsätzliche Schlechterstellung von Frauen vorsehen. Jedoch: Im öffentlichen Dienst sei bei gleicher Eignung dem männlichen Bewerber der Vorzug zu geben. Ausnahmen sind Jugendfürsorge und Jugendpflege und manche Unterrichtsfächer. Generell seien verheiratete weibliche Beamte und weibliche Lehrer nur dann zu entlassen, wenn ihre Versorgung auf Dauer gesichert ist.

Samstag, 14. Oktober
- Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus. „Deutschland hat wegen der demütigenden Lage auf der Abrüstungskonferenz den Austritt Deutschlands aus dem Völkerbund erklärt. Gleichzeitig hat die deutsche Vertretung die Abrüstungskonferenz verlassen.
Offizieller Text: Um der Nation Gelegenheit zu bieten, zu den Lebensfragen des deutschen Volkes Stellung zu nehmen, hat der Reichspräsident durch Verordnung vom 14. Oktober 1933 den Reichstag und die Länderparlamente aufgelöst. Neuwahlen zum Reichstag sind für den 12. November ausgeschrieben.
Unterschriften am 14. Oktober 1933: Reichspräsident von Hindenburg, Reichskanzler Adolf Hitler und Reichsminister des Inneren Dr. Frick
Es gab zwei Aufrufe, einmal einen persönlichen von Adolf Hitler und einen der Reichsregierung. In beiden wurde ein Bekenntnis zu Friedenswille, Versöhnung und Verständigung abgelegt, aber gleichzeitig die Verweigerung der deutschen Gleichberechtigung und Einstufung als rechtlose und zweitklassige Nation als nicht akzeptierbar betont. Man sei jedoch jederzeit zum Abschluss von Nichtangriffspakten in Europa bereit.

- Beginn der Werbewoche für das deutsche Handwerk. In Württemberg gab es Geleitworte von Reichsstatthalter Murr und Ministerpräsident Mergenthaler, die beide die wichtige Rolle des selbständigen, schöpferischen Handwerks in der deutschen Wirtschaft hervorheben.

16. Oktober
- Der Völkerbund vertagt die Zusammentritte seiner Generalkommission und des Hauptausschusses für Abrüstungsfragen auf den 26. Oktober.

 


- Das jüdische Landschulheim Herrlingen wird unter Leitung von Hugo Rosenthal eröffnet und besteht bis Ostern 1939. Schülerzahl etwa 100.

17. Oktober
- Das Reichskabinett verlängerte das Gesetz zum Schutz des Einzelhandels vom 12.5.1933, das die Einrichtung neuer Verkaufsstellen bis 1. November 1933 verboten hatte, bis 1. Juli 1934.
- Für die Eidesformel der Reichs- und Landesminister ist diese Fassung neu festgelegt:
„Ich schwöre, ich werde meine Kraft für das Wohl des deutschen Volkes und Vaterlandes einsetzen, Verfassung und Gesetze wahren, die mir obliegenden Pflichten treu und gewissenhaft erfüllen und meine Geschäfte unparteiisch und gerecht gegen jedermann führen, so wahr mir Gott helfe.“

- Das Bankgesetz vom 30.8.1924 wird in mehreren Punkten geändert, darunter
1. Die Leitung der Reichsbank wird zukünftig vom Reichspräsidenten ernannt.
2. Die Reichsbank erhält die Befugnis, festverzinsliche Wertpapiere zur Regulierung und Förderung des Geldmarktes zu kaufen und verkaufen.
3. Sie darf gekaufte Wertpapiere und Lombardforderungen (Sicherheiten) als bankmäßige Notendeckung verwenden.
4. Die mechanische Erhöhung des Diskontsatzes wird abgeschafft.

18. Oktober
- Der Reichspräsident empfing den neu ernannten Botschafter Englands, Sir Eric Phipps, und die neuen Gesandten Polens, Portugals und Brasiliens.  
- Auf einer Führer-Tagung der NSDAP sagte Adolf Hitler u.a.
„Das große Werk der Versöhnung in unserem Volke, das der Nationalsozialismus begonnen habe, müsse nunmehr seine Krönung finden. Auch unseren früheren innerpolitischen Gegnern würden wir … entgegen kommen und ihnen die Hand reichen, wenn sie beweisen, dass sie Bekenner der deutschen Ehre und Friedensliebe seien.“

20. Oktober
- Der Nationalsozialistische Deutsche Studentenbund verbietet seinen Mitgliedern, jüdische Repetitoren zu besuchen.

 

- In Weimar beginnt der „Erste Reichsbauerntag“ mit Ansprachen zum Thema Bauern im Dritten Reich und deutsche Agrarpolitik u.a. von Landwirtschaftsminister Darre.

 

Reichskanzler Adolf Hitler gewährte dem Sonderkorrespondenten des britischen Daily Mail, Ward Price, ein langes Interview. Zu Beginn gab er diese Erklärung ab:
„Es sei ein Unglück gewesen, dass am 4. August 1914 zwischen den beiden großen germanischen Nationen, die hunderte von Jahren in Frieden gelebt hatten, Krieg ausgebrochen sei. Er hoffe, dass die beiden stammverwandten Völker den Weg zu ihren alten freundschaftlichen Beziehungen finden würden.

Der „Staats-Anzeiger für Württemberg“ vom 20. Oktober veröffentlichte das lange Interview.
Der englische Journalist eröffnete seine Fragen mit dem Hinweis auf eine Rede des Unterstaatssekretärs im englischen Verteidigungsministerium, Duff Cooper, der sagte, dass kein Volk in der Geschichte der Welt sich jemals mit derartiger Begeisterung für den Krieg vorbereite wie das deutsche. Die Ansicht sei in England weit verbreitet.

Hitler: Ich möchte den Frontsoldaten sehen, der sich mit Begeisterung auf einen neuen Krieg vorbereitet. … Das ist eine uns einfach unfassbare Verkennung des Sinns der deutschen Revolution. Wir hängen mit leidenschaftlicher Liebe an unserem Volk genauso wie jeder anständige Engländer an seinem. Wir erziehen unsere Jugend zum Kampf gegen die inneren Laster und in erster Linie zum Kampf gegen die kommunistische Gefahr, von deren Größe man in England keine Vorstellung hat.

Ward: Der Verdacht besteht, dass Deutschlands letzte Ziele kriegerische sind, … dass es ein tiefes und echtes Zerwürfnis mit Frankreich hat und dass dieses nur durch einen deutschen Sieg wieder gut gemacht werden kann.

Hitler: Wir erziehen unser Volk zur Liebe zum eigenen Volk und zu einem Bekenntnis für die Begriffe von Ehre und Anständigkeit. Glauben Sie, dass wir unsere Jugend , die unsere ganze Zukunft ist, … nur erziehen, um sie dann auf dem Schlachtfeld zusammenschießen zu lassen?
… Wir wollen mit Frankreich kein Zerwürfnis, sondern eine aufrichtige Verständigung, allerdings auf der Basis, die ein Volk mit Ehrgefühl, unterschreiben kann. Und außerdem wollen wir leben können.

Ward: … dass Deutschlands Rüstungen schon viel weiter fortgeschritten sind. … dass die deutsche Regierung in Schweden, Holland, und anderen Ländern Munitionsfabriken erworben habe, in der große Vorräte von Kriegsmaterial auf Lager gestapelt werden, um bei Entstehen einer Kriegsgefahr sofort über die deutsche Grenze befördert zu werden.

Hitler: Diese Ansichten sind lächerlich. Wo sind denn diese Fabriken genau? Das muss doch für findige Nachrichtendienste leicht sein, sie zu nennen. … Nein das ist ja alles zu lächerlich, aber leider Gottes genügend, um ein Volk, das nichts will als sein Recht in einer Welt anzuschwärzen, die tatsächlich überhaupt nur eine einzige Rüstungsfabrik ist.

- In Weimar beginnt der „Erste Reichsbauerntag“ mit Ansprachen zum Thema Bauern im Dritten Reich und deutsche Agrarpolitik u.a. von Landwirtschaftsminister Darre.

21. Oktober
- Die Verhandlungen über die Wiederaufnahme der russisch-amerikanischen diplomatischen Beziehungen haben Fortschritte gemacht. Der sowjetische Volkskommissar des Äußeren Litwinow wird nach Washington kommen.

- Das württ. Staatsministerium ruft Beamte, Arbeiter und Angestellte zur Beteiligung am Winterhilfswerk auf. Sie sollen von ihren Einkünften monatlich einen festen Betrag abbuchen lassen. Dafür können Sie an ihrer Wohnungstür eine Plakette anbringen, die weitere Sammlungen bei ihnen abweist.

 


- Das württ. Wirtschaftsministerium hat – wie auch sonst im Reich – zur Vereinheitlichung der Fremdenverkehrswerbung einen Fremdenverkehrsverband eingerichtet. Der Fremdenverkehrsverband Württemberg-Hohenzollern wird sein Büro im Stuttgarter Hauptbahnhof haben. Die Oberämter werden angewiesen, dem Verkehrsverband Aufstellungen über die vorhandenen Verkehrsvereine etc. einzureichen. Satzungen, letzte Kassen- und Tätigkeitsberichte und alle Werbeschriften sind beizufügen.

24. Oktober
- Das französische Kabinett Daladier, das neun Monate im Amt war, wurde gestürzt.

- Die Gewerkschaften und Berufsverbände des Saargebietes, die für die Rückgliederung des Saarlandes an das Reich sind, haben sich zur Deutschen Gewerkschaftsfront zusammengeschlossen.

- Die Reichsregierung hat dem Land Württemberg weitere 640 000 RM für vorstädtische Kleinsiedlungen zugesagt. Voraussetzung: unverzüglicher Beginn der Baumassnahmen und Rohbauerstellung möglichst noch 1933.

- Das württ. Staatsministerium gibt bekannt, dass die Grundsteuer so gesenkt wird, dass sie zwischen 1. Oktober 1933 und dem 31. März 1934 nicht erhoben wird.

26. Oktober
- Im neu gebildeten französischen Kabinett Sarrant verbleiben Paul-Boncour als Außenminister und Daladier als Kriegsminister.

- Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ traf im Chicagoer Luftschiffhafen ein.

27. Oktober
- Vorbereitung auf den morgigen Besuch Hitlers in Stuttgart. Das Polizeipräsidium erlässt die Anordnungen, dass sämtliche Durchfahrtstrassen von abgestellten Fahrzeugen freigemacht werden müssen, Omnibusse werden umgeleitet und: Blumen, Sträuße, Kränze etc. dürfen nicht ins Auto des Herrn Reichskanzlers oder in die seines Gefolges geworfen werden.
Auf allen Plätzen in deren Nähe der Führer vorbeikommt, sind Großlautsprecher aufgestellt. Die gesamte SA, SS, HJ, BdM, Stahlhelm und Arbeitsdienst werden Spalier auf der Fahrt zwischen Schlossplatz und Stadthalle bilden.

Stuttgart, Samstag, 28. Oktober
- Das Flugzeug Hitlers landet in Böblingen – empfangen von einer tausendköpfigen Menge. Nach einem kurzen Besuch im Werk Sindelfingen der Firma Daimler-Benz wird er auf der Fahrt nach Stuttgart gefeiert. Vor dem Hotel Viktoria wartet eine Menschenmenge, nur um ihn zu sehen. Die Stadthalle ist seit Stunden überfüllt. Breite Wandplakate verkünden „Die Ehre ist des Volkes Gut“ und „Wir wollen Frieden und Gleichberechtigung“.


D
ie Berichterstattung des „Staats-Anzeiger für Württemberg“ geht seitenlang weiter - wird hier aber nicht fortgesetzt, da der Tenor offensichtlich ist.

- Dem Reichspräsidenten von Hindenburg ist das Großkreuz des ungarischen Verdienstordens durch den ungarischen Reichsverweser von Horthy verliehen worden.

- In Jaffa demonstrieren Araber gegen die Zunahme der jüdischen Einwanderung.

30. Oktober
- Der russische Außenminister Litwinow stattet Außenminister v. Neurath in Berlin einen Besuch ab.

- Das Luftschiff „Graf Zeppelin“ ist aus Südamerika zum Rückflug nach Deutschland gestartet.

- Reutermeldung: In Jerusalem ist es zu neuerlichen Zusammenstößen zwischen Arabern und der britischen Polizei gekommen.

- Als Ergebnis der Volkszählung im Juni 1933 sind die Städte Biberach und Kirchheim(Teck) nun mit mehr als 10 000 Einwohnern in die Klasse der Mittelstädte eingereiht.

31. Oktober
- Deutsche Journalisten sind wieder in Russland und russische in Deutschland zugelassen.

November

1. November
- Die Einheitsliste. Der Reichswahlausschuss unter Vorsitz des Präsidenten des Statistischen Reichsamts, Dr. Reichardt, hat als einzigen Wahlvorschlag für die Wahl am 12. November 1933 den 685 Namen enthaltenen Vorschlag der NSDAP einstimmig angenommen. Auf der Liste befinden sich auch einige Namen von Politikern bürgerlicher Parteien.

- Die Arbeitsgemeinschaft Katholischer Deutscher fordert in einem Wahlaufruf auf, Adolf Hitler bei der Wahl rückhaltlos Gefolgschaft zu leisten.

- Als Abschluss der Berliner Festlichkeiten zum zehnjährigen Bestehen der türkischen Republik führt u.a. der türkische Botschafter aus, dass die Türkei mit Deutschland in Freundschaft verbunden bleiben möchte, auch Eingedenk der Waffenkameradschaft 1914 – 1918.

- Vor den Außenausschüssen des Abgeordnetenhauses und des Senats erklärte Außenminister Dr. Benesch, dass die Tschechoslowakei nichts an dem bisherigen guten und korrekten Verhältnissen zu Deutschland ändern werde.

- Dr. Goebbels sprach am Abend in Stuttgart in der überfüllten Stadthalle. Er kam auf dem gleichen Weg in und durch Stuttgart wie Adolf Hitler am 28. Oktober – und wurde von der Bevölkerung ebenso umjubelt.

- Die Zahl der Arbeitslosen ist im Oktober um rund 100 000 zurückgegangen.

2. November
- Der Reichsminister für Luftfahrt Göring hat aus Anlass der 50. Ozean-Überquerung
Dr. Eckener und der Besatzung des Luftschiffes „Graf Zeppelin“ Dank und Anerkennung ausgesprochen.

- Die Bauvorhaben der Reichsautobahnen Köln - Düsseldorf – Duisburg - Dortmund sind vom Generalinspektor Todt freigegeben worden.

- Der württ. Reichsstatthalter Mergenthaler vollzog den ersten Spatenstich zum Neckardurchstich bei Altbach-Dezisau.

- Zum 450. Geburtstag von Martin Luther am 10. 11. wird evangelischen Schülern schulfrei gegeben. Die eigentliche Feier wurde auf Sonntag, den 19. November verschoben.

3. November
- Die Durchführungsbestimmungen zum Reichskulturkammer-Gesetz wurden veröffentlicht. Sie umfassen 33 Paragraphen und klären Errichtung der jeweiligen Kammer, Zugehörigkeit, Verfassung der Kammer und die Aufgaben. (Siehe 22. September 1933)

4. November
Das württ. Wirtschaftsministerium ordnet für den 5. Dezember eine Viehzählung durch die Gemeinden an. Gezählt werden: Pferde, Esel, Rindvieh, Schafe, Schweine, Ziegen, Geflügel und Bienenstöcke und Edelpelztiere. Kaninchen werden nicht gezählt.


5. November
- Die zur Neugestaltung des Rechtslebens geschaffene Akademie für deutsches Recht hielt ihre erste Sitzung im Berliner Rathaus ab. Sie hat 108 Mitglieder und steht unter der Leitung des Reichsjustizkommissars Dr. Hans Frank.

9. November
- Ehrentag der nationalsozialistischen Bewegung zum Gedenken an die 16 Kameraden, die am 9. November 1923 bei der Auflösung des Marsches zur Feldherrnhalle in München durch Polizei getötet wurden. Ein Aufruf von Rudolf Hess, Stellvertreter des Führers, würdigte die Opfer. Adolf Hitler sprach im Bürgerbräukeller. Es wurde ein Mahnmal eingeweiht.

10. November
- In den Siemenswerken in Berlin hielt Adolf Hitler eine Rede „Deutsche Arbeit“. Sie wurde in eine Vielzahl deutscher Betriebe übertragen. Der „Staaats-Anzeiger für Württemberg“ schätzt die Zuhörerzahl auf 15 Millionen „Arbeiter und Angestellte zusammen mit den Unternehmern.“

- Die schwedische Nobel-Akademie hat beschlossen, den russischen Schriftsteller Iwan Bunin, der als Emigrant im Ausland lebt, den Nobelpreis für Literatur zu verleihen.

Nobelpreisträger für Physik wurde Professor Heisenberg, Universität Leipzig.

11. November
- Der „Staatsanzeiger für Württemberg“ :“ Schicksalstag des deutschen Volkes: Geht zur Wahl, stimmt mit Ja und wählt zum Reichstag!“

- Über ganz Österreich ist das Standrecht verhängt und die Todesstrafe eingeführt worden.

12. November
- Wahl zum Reichstag und Volksabstimmung über die Erklärung zum Austritt aus dem Völkerbund: „Politik des Friedens, der nationalen Ehre und internationale Gleichberechtigung“.

13. November
- Bekanntgabe der Wahl-Ergebnisse:
Im Reich: Wahlbeteiligung = 95,2 %, Reichstag = 92,3 % NSDAP-Liste,
Volksabstimmung: Ja = 93,4 Prozent.
In Württemberg: Kein davon wesentlich abweichendes Ergebnis.
Stuttgart: Wahlbeteiligung = 95,8 Prozent, Reichstag = 92,3 % NSDAP-Liste
Volksabstimmung: Ja = 94 Prozent.

17. November
- Überschrift im „Staatsanzeiger“: „Deutsch-polnische Verhandlungen.“ Berichtet wird über ein Gespräch zwischen dem Reichskanzler und dem neuen polnischen Gesandten Lipski. Konkretes Ergebnis: Beide Seiten wollen Verhandlungen aufnehmen – und erklären vorab einen Verzicht auf Gewaltanwendungen.

18. November
- Deutsche diplomatische Einsprüche gegen Zeitungs-Berichte in Frankreich und England über einen angeblichen Aufsatz von Dr. Goebbels mit dem Titel „Deutschlands Ziele, Deutschland verlangt mehr Gebiete“.
- Der Film von Leni Riefenstahl über den Reichsparteitag 1933 in Nürnberg „Der Sieg des Glaubens“ ist fertig gestellt und wird am 1.12. in Berlin uraufgeführt.

Sonntag, 19. November
- In Ganz Deutschland ist der Luther-Tag anlässlich des 450. Geburtstags von Martin Luther festlich begangen worden. (Wegen der Reichstagswahl wurde der eigentliche Geburtstag, der 10.11. 1483 verschoben.)
In Botnang pflanzten Oberbürgermeister Strölin und Prälat Vöhringer eine Martin-Luther- und eine Adolf-Hitler-Eiche.

20. November
- Der Kreditausschuss der Deutschen Rentenbankkreditanstalt hat weitere 1 Million RM für Siedlungszwecke in Pommern, 850 000 RM für die Regulierung der Zwickauer Mulde in Sachsen und je 200 000 für die Moorkultivierung im Regierungsbezirk Aurich und die Milde-Biese-Regulierung im Kreis Salzwedel bewilligt.

- Gründungssitzung des Reichsausschusses für Volksgesundheit. Reichsminister Dr. Frick: „Die erbgesunde deutsche Familie ist die Lebensgrundlage des Volkes.“

- Der deutsche Botschafter Nadolny hat in Moskau sein Beglaubigungsschreiben überreicht.

23. November
- Der „Staats-Anzeiger für Württemberg“ veröffentlicht die Liste der Liquidatoren (Bezirksnotare) der 43 von der Einziehung volks- und staatsfeindlichen Vermögens betroffenen Verbände und Vereine in Stuttgart und Bad Cannstatt.


-
Ankündigung des Werkes „Nach der Arbeit“. Jedem Volksgenossen, vor allem aber den Arbeitern soll die Teilnahme am Kulturleben der Nation ermöglicht werden. Die Deutsche Arbeitsfront und die Reichskulturkammer sollen gemeinsam die Aufgabe in Angriff nehmen. Geplant ist, in jeder Stadt einen gesellschaftlichen Mittelpunkt mit großen Veranstaltungsräumen, Theater, Kino, Klubs, Sport- und Unterhaltungsräumen einzurichten.

24. November
- In Frankreich ist die Regierung Sarraut gestürzt worden. Der Grund war eine Abstimmungsniederlage im Zusammenhang mit der Kürzung von Beamtengehältern.

- Der „Berliner Lokalanzeiger“ (Scherl Verlag) setzt für die Aufklärung der Fälschung des Artikels von Dr. Goebbels, die zu Veröffentlichungen in der französischen Zeitschrift „Petit Parisien“ und der englischen „Saturday Review“ geführt hatten, 50 000 RM Belohnung aus.

- An der bayerisch-österreichischen Grenze wurde eine unbewaffnete deutsche Reichswehrpatrouille von österreichischen Grenzwächtern beschossen. Ein deutscher Soldat wurde getötet.

- Der französische Botschafter Francois-Poncet wurde vom Reichskanzler empfangen.

Totensonntag 26. November
- Die Stuttgarter Feierlichkeiten finden auf dem Waldfriedhof statt.
Noch finden sich am jüdischen Ehrenmal auf dem Pragfriedhof Vertreter der Reichswehr und der Stadtverwaltung ein.


27. November
- In Frankreich wurde unter dem Ministerpräsident Chautemps ein neues Kabinett gebildet.
Die meisten Mitglieder des Kabinetts Sarraut wurden übernommen.

- Staatsbegräbnis für den von österreichischen Grenzbeamten erschossenen Reichswehsoldaten Michael Schuhmacher in Nürnberg in Anwesenheit des Führers und des Reichswehministers Generaloberst v. Blomberg.

- Dr. Ley, Führer der Deutschen Arbeitsfront, verkündete den nun offiziellen Namen der Freizeitorganisation: „Kraft durch Freude“.

28. November
- Im Reichstagsbrandstifterprozess wurden weitere Zeugen zu den kommunistischen Umsturzplänen verhört.

- In Dessau wurden zehn Todesurteile wegen Ermordung des SA-Mannes Cieslik ausgesprochen.

- Österreich bedauert den Tod des deutschen Soldaten und will den Vorfall untersuchen.

- In Berlin wurde das deutsch-polnische Roggenabkommen zur Stabilisierung der Preise unterzeichnet.

29. November
- Amtlich wurde festgestellt, dass die Arbeitslosigkeit Mitte Oktober gegenüber dem Vorjahr um 1 300 000 bzw. 25,2 Prozent abgenommen hat. Es müsse jetzt aber mit einer saisonalen Zunahme um etwas 700 000 gerechnet werden. Damit die Zunahme aber so gering wie möglich bleibe werden Mittel in Höhe von 2 Milliarden RM bereitgestellt, vor allem für Förderung von Instandsetzungsarbeiten. Die Unternehmen werden zur Weiterbeschäftigung aufgefordert evt. unter Verkürzung der Arbeitszeit.

30. November
- Der Präsident des Reichstags, Reichsminister Göring, hat den neugewählte Reichstag zum 12. Dezember 1933 einberufen.

- Der Reichswirtschaftsminister hat die Wirtschaftsverbände ermahnt, die Maßnahmen der Reichsregierung zur Arbeitsbeschaffung und Wirtschaftsbelebung nicht durch unbegründete Preiserhöhungen zu gefährden. Das gelte nicht nur für Warenpreise, sondern auch für u.a. handwerkliche Leistungen. Sollten solche Preiserhöhungen erfolgt sein, müssen sie sofort zurückgenommen werden.


Dezember

1. Dezember
- Sechs zum Tode verurteilte Rotfrontkämpfer, die im Februar 1933 zwei SA-Männer aus dem Hinterhalt erschossen hatten bzw. die Mörder dazu angestiftet haben, wurden in Köln hingerichtet.

2. Dezember
- Das Reichsarbeitsministerium legt im Kabinett einen Gesetzesvorschlag vor, das die Leistungen der Invaliden-, Angestellten- und der Knappschaftsversicherung – alle kämpfen mit finanziellen Schwierigkeiten – absichert und den Versicherten ihre Ansprüche garantiert.

- Die NSDAP wurde per Gesetz zu einer Körperschaft des öffentlichen Rechts erklärt. Für Partei und SA wurde eine eigene Gerichtsbarkeit eingeführt, die auch Haft und Arrest verhängen kann. Polizei und Gerichtsbehörden haben Amts- und Rechtshilfe zu leisten.

- Das Württ. Innenministerium verbietet Spielhallen, bestehende werden geschlossen. Ausnahmegenehmigungen kann die Politische Polizei des Innenministeriums erteilen.
Spielautomaten in Gaststätten sind vom Verbot nicht betroffen.

- Die Vereinigung der industriellen Arbeitgeberverbände hat die Auflösung seiner Verbände beschlossen.

- Bis 26. November 1933 sind 103 345 Ehestandsdarlehen in einer Gesamthöhe von mehr als 70 Millionen RM gewährt worden.

3. Dezember
- Der Volksbund für das Deutschtum im Ausland veranstaltete im preußischen Landtag eine Kundgebung unter Leitung des Reichsführers des VDA, Dr. Hans Steinacher. Dr. Ulitz, Abgeordneter des ostoberschlesischen Sejm, erinnerte daran, dass 40 Millionen Deutsche außerhalb des Reiches siedeln und allein in Europa 10 Millionen Deutsche außerhalb der Grenzen deutscher Staaten leben.

- Der russische Außenminister Litwinow trifft in Rom zu einer Unterredung mit Mussolini ein. Er wird auch vom italienischen König empfangen.

- Über ganz Spanien ist der Ausnahmezustand verhängt worden.

4. Dezember
- Die Wiener Polizeidirektion hat die Einrichtungen der NSDAP beschlagnahmt.

- In Berlin wurde die Ausstellung „Der Osten – das deutsche Schicksalsland“ mit Ansprachen von Reichsminister Frick und Reichsleiter Alfred Rosenberg eröffnet.

- In den USA ist das Alkoholverbot gefallen, nachdem alle Staaten das Gesetz ratifizierten. .

- Der Reichskanzler hat den englischen Botschafter Sir Eric Phipps empfangen.

6. Dezember
- Ein ¼-Liter-Milchfrühstück an allen deutschen Schulen ist in Planung. Von den 3.5 Millionen Schülern in Deutschland könnten etwa eine Million erfasst werden.
- Im Reichtagsbrandprozess wurde de Beweisaufnahme geschlossen.

- In der Sitzung der französischen Kammer für auswärtige Angelegenheiten wurde eine Stellungnahme zum Saarproblem abgegeben: 1. Keine direkten Verhandlungen mit Deutschland. 2. Durchführung der Volksabstimmung 1935 gemäß Vertrag von Versailles und Schutz der Saarländer gegen Gewalttätigkeiten der NSDAP.

7. Dezember  
- Die Arbeitslosenzahl im November sank um 31 000.

8. Dezember
- Der Generalinspekteur für das Deutsche Straßenbauwesen, Dr. Todt, unterrichtete über den Stand der Bauarbeiten an den Autobahnen und die weiteren Pläne:
Es gibt im Augenblick 8 Oberbauleitungen, geplant sind 15. Ermöglicht werden soll auf den Autobahnen ein durchgehender Tag/Nacht-Verkehr. Die Lösung ist nicht eine Beleuchtung der Straße, sondern eine Änderung an den Scheinwerfern, die das gegenseitige Blenden verhindert. Vorläufig ist der Mittelstreifen ein Blendschutz.

Bis zum Frühjahr 1934 können 1 200 Kilometer baureif sein. 1934 werden 1 500 bis 1 800 Kilometer im Bau sein. Das gesamte Programm von 6 000 bis 7 000 Kilometer wird in etwa

6 Jahren – ca. bis Ende 1939 – bewältigt werden.  

- In Preußen werden 5 000, in Bayern 500 Schutzhäftlinge aus den Konzentrationslagern entlassen.

- In Innsbruck wurden bei einer Razzia gegen Nationalsozialisten zahlreiche Personen verhaftet, zu 4 bis 6 Monaten Arrest verurteilt und in ein Konzentrationslager gebracht.

- Der „Deutsche Tag“ wurde in New York von 25 000 Deutschamerikanern feierlich begangen.

- Im Rahmen des Winterhilfswerkes hat jeder Bedürftige und Erwerbslose zwei Zentner Kohlen und ein Zentner Kartoffeln erhalten.

- Laut Bekanntmachung des Führers der Deutschen Arbeitsfront, Dr. Ley, übernimmt die Deutsche Arbeitsfront die Verpflichtungen der Arbeitgeber- und Arbeitnehmer-Verbände.

- In Hamm wurden drei Polizeibeamte, die den Mörder eines SA-Mannes verhaften wollten, durch Schüsse lebensgefährlich verletzt. Der Mörder ist entkommen.

11. Dezember
- Der Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft hat eine erste Verordnung über den Aufbau des Reichsnährstandes erlassen. Danach ist der Reichsnährstand die Vertretung der Deutschen Bauernschaft und der deutschen Landwirtschaft einschließlich der landwirtschaftlichen Genossenschaften, des Landhandels und der Be- und Verarbeiter landwirtschaftlicher Erzeugnisse. Der Reichsbauernführer ist der Führer und gesetzliche Vertreter des Reichsnährstandes, er wird vom Reichskanzler ernannt.

- Die Deutsche Gesellschaft für öffentliche Arbeiten (Oeffa) hat weitere 30 Millionen RM Darlehen bewilligt. Für Straßenbauarbeiten erhielt die Provinz Oberschlesien 300 00 RM, das Land Württemberg 800 000 RM und das Land Bayern 2,4 Millionen RM.

- Der Reichskanzler empfing in Gegenwart des Außenministers den französischen Botschafter Francois Poncet. Der deutsche Botschafter in Frankreich, Dr. Köster, hatte mit dem französischen Außenminister ein Gespräch.

12. Dezember
- Der neue Reichstag tritt um 15 Uhr zu seiner ersten Sitzung zusammen. Der Präsident des alten Reichstags, Hermann Göring eröffnet die Sitzung. Der Abgeordnete Dr. Frick schlägt vor, durch Zuruf zu wählen. So wird Hermann Göring auch Präsident des neuen Reichstags. Frick hatte auch die weiteren Mitglieder des Präsidiums benannt. Die Bestätigung erfolgt durch das Erheben von den Sitzen. So geschieht auch das Wählen der Ausschüsse.

Reichstagspräsident Göring wird ermächtigt, Zeitpunkt und Tagesordnung der nächsten Sitzung zu bestimmen. In einer Erklärung Görings außerhalb des Reichstages gegenüber einem Pressevertreter hieß es, dass das der Reichstag nur noch zusammentreten würde, wenn große außenpolitische Entscheidungen zu billigen oder wenn grundlegende Fragen der Innenpolitik zu behandeln seien.

(Anmerkung: Die nächste Reichstagssitzung fand nach dem Tod von Reichspräsident von Hindenburg im August 1934 statt, in der das Amt des Reichspräsidenten abgeschafft und Adolf Hitler „Führer und Reichskanzler“ wurde.)

Vor der Eröffnung des Reichstages hatten Festgottesdienste im Berliner Dom und in der
St. Hedwigs Kathedrale stattgefunden.

Der Bericht des „Staatsanzeiger für Württemberg“ am 13. Dezember 1933 hatte die Überschrift „Reichstag ohne Parteien – Die Eröffnungssitzung – nur zehn Minuten Dauer.“

14. Dezember
- Der tschechoslowakische Außenminister Dr. Benesch erklärte vor seinem Besuch in Paris, dass die Tschechoslowakei wisse, dass sie auf Frankreich zählen könne und Frankreich dürfe der treuen Freundschaft der Tschechoslowakei versichert sein.

15. Dezember
- Die im ganzen Reich eingerichteten Meldeämter für den Arbeitsdienst nehmen ihre Arbeit auf. Hier werden ab jetzt die Freiwilligen für den Arbeitsdienst eingestellt. Über sie erfolgen dann auch die Entlassungen und die Ausstellung des neuen Arbeitspass. Dieser Arbeitspass soll Türen für die jungen Menschen in der Wirtschaft öffnen.

- Das Reichskabinett verabschiedete ein Gesetz über die Reichsluftfahrtverwaltung. Die bisher noch bei den Ländern liegenden Hoheitsbefugnisse gehen an das Reich über.

- Ein Gesetz über ein Unternehmen „Reichsautobahnen“ regelt die Errichtung von Gebäuden und Nebengebäuden in der Nähe von Fahrbahnen.

- Geschaffen wird eine eigene Reichsstelle Devisenbewirtschaftung, die nun getrennt ist vom Reichswirtschaftsministerium.

- In Breslau fanden vom 1. bis 15. 12. Besprechungen über deutsch-polnische Zollfragen und über Grenzübergänge statt. Vorab wurden die Vereinbarungen aus dem Jahr 1925, die Ende 1933 auslaufen würden, bis Ende Juli 1934 verlängert.

- Im Reichstagsbrandprozess beantragte der Oberreichsanwalt die Todesstrafe für die Angeklagten Lubbe und Torgler, für die drei bulgarischen Angeklagten Freispruch.

18. Dezember
- Deutschen Beamten im Memelgebiet, die nicht die litauische Staatsangehörigkeit besitzen, wurde die Ausübung des Dienstes untersagt.

21. Dezember
- Francois Poncet, der französische Botschafter in Deutschland, setzte sich in einen Artikel in „Ami du Peuple“ für ein Bündnis Frankreichs mit Deutschland gegen den Kommunismus ein: Zwei mächtige Nationen, Deutschland in Europa und Japan in Asien, haben sich entschieden für die Zivilisation kämpfen zu wollen. Frankreichs Platz ist an ihrer Seite.

- Der Plan einer Reichsautobahn zwischen Stuttgart und Ulm ist zur Bearbeitung freigegeben.

22. Dezember
- Deutsch-französische Wirtschaftsverhandlungen in Paris sind gescheitert. Es ging um die Einfuhrkontigentierung. Frankreich bestand auf Zuteilung von Teilkontigenten. Damit ist auch eine Verlängerung des Reiseabkommens nicht zustande gekommen. Hier ging es vor allem um die Erhöhung der Devisenfreigrenze von 200 auf 700 RM.

- Ab 1. Januar 1934 werden die Ausreisesichtvermerke für Reichsangehörige aufgehoben.

- Die Mitglieder der evangelischen Jugend sind nach Verhandlungen mit der evangelischen Kirche in die Hitlerjugend aufgenommen worden.

- Bei Gesprächen zwischen Frankreich und England in Paris wurde in zwei Punkten Übereinstimmung erreicht.
1. Die wesentlichen Grundsätze des Völkerbundes müssen unverändert gelassen werden.
Die italienischen Vorschläge zur Reform sind abzulehnen.
2. Zwischen Frankreich und Deutschland kann in direkten Verhandlungen nichts endgültig geregelt werden, da das Rüstungsproblem und die Saarfrage Angelegenheiten seien, die alle Mitglieder des Völkerbundes angehen.

23. Dezember
- Senatspräsident Dr. Bünger verkündete das Urteil im Reichstagsbrandprozess vor dem Reichsgericht in Lepzig: Die Angeklagten Torgler, Dimitroff, Popoff und Taneff werden freigesprochen. Der Angeklagte van der Lubbe wird wegen Hochverrats in Tateinheit mit aufrührerischer Brandstiftung zum Tode und zum dauernden Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt. Dr. Bünger: Der Angeklagte war voll geständig.
Erwiesen sei, dass Mittäter und Auftraggeber im Lager der Kommunisten stehen und die Brandstiftung Teil der Verwirklichung der Bürgerkriegspläne der KPD gewesen ist.
Die freigesprochenen Angeklagten wurden von der Leipziger Polizei in Schutzhaft genommen.

- Die Reichsleitung der Deutschen Christen ist von Dr. Kinder übernommen worden.
Seine Aufgabe sei die Schicksalsverbundenheit zwischen dem Nationalsozialismus und dem evangelischen Volk herzustellen.

Vom 24. bis 26. Dezember erschien der „Staatsanzeiger für Württemberg“ nicht.

27. Dezember
- Die österreichischen Bischöfe hatten zu Weihnachten einen Hirtenbrief veröffentlicht, in dem gegen die politische Neuordnung in Deutschland und den Nationalsozialismus Stellung genommen worden ist. Der heutige „Völkische Beobachter“ nimmt dagegen scharf Stellung und verweist darauf, dass so eine Einmischung gegen den Sinn und Geist des zwischen Deutschland und dem Vatikan geschlossenen Konkordats verstößt.

- Die holländische Regierung bittet über ihren Gesandten die Reichsregierung für van der Lubbe um Gnade und Umwandlung der Todesstrafe.

28. Dezember
- Die NSDAP legt fest, dass in Zukunft die Leiter politischer Organisationen nicht mehr Amtswalter sondern politische Leiter heißen. Die Bezeichnung Amtswalter verbleibt den Verbänden der Deutschen Arbeitsfront.

29. Dezember
- Der Reichsinnenminister hat wegen der augenblicklichen Überfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen die Zahl der Abiturienten, denen im Jahre 1934 die Hochschulreife zuerkannt wird, auf 15 000 begrenzt.

Samstag, 30. Dezember
Im Leitartikel der letzten Ausgabe 1933 des „Staats-Anzeiger für Württemberg“ heißt es u.a.:
„Zwei Maßnahmen des Führers haben ihm vor allem das Vertrauen des werktätigen Volkes verschafft; … die Arbeitsbeschaffung, die mehr als 2,5 Millionen Arbeitslose wieder in Lohn und Brot brachte; zum anderen das umfassende Winterhilfswerk für die Bedürftigen, von dessen Wohltaten niemand ausgeschlossen ist, ob er vor einem Jahr noch Kommunist war, ob er im Reichsbanner organisiert war oder in der SPD.“

Der Leitartikel schließt mit dem Losungswort „ Aufwärts aus eigener Kraft“.

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© Armin Ziegler