Crailsheim-Zeitgeschichte eine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Ziegler gewünschte Kapitel bitte anklicken
Crailsheim-Zeitgeschichteeine Internetseite von Dr.rer.pol.Armin Zieglergewünschte Kapitel bitte anklicken

Weihnachten 1947

Auch 1947 war ernährungsmäßig und wirtschaftlich generell ein mieses Jahr.   
Das Jahr hatte schon zu trocken begonnen.

Schon im März 1947 hatte in einem Bericht eines von der Militärregierung eingesetzten Investigators gestanden: 85 Prozent der Bevölkerung sind unterernährt. Die Ernährung war in den letzten 8 Jahren unzureichend, das wird jetzt besonders spürbar, da die Zuteilungen immer kleiner werden. Das gilt besonders für Fett.    

 

Für einen zügigen Wiederaufbau fehlten die Baumaterialien. Das machte sich bei allen – nicht wenigen – provisorischen Behelfsmaßnahmen in den zerstörten Gebäuden sehr bemerkbar.

In allen Berichten wird hervorgehoben, dass Schuhe und Bekleidung fehlten. Sich warm anzuziehen war nicht leicht möglich.

Die Zuteilungen an Kartoffeln waren zu gering.

Die Transportsituation litt nicht nur unter Treibstoffmangel – oft fehlten die Reifen.

Im Alltag fehlten vor allem auch die Glühbirnen.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Brennstoffen war nicht ausreichend. Im Oktober waren für den Winter pro Haushalt ein Raummeter Holz und 3 Zentner Kohle zwar zugeteilt aber nicht immer voll ausgeliefert worden. Auch die gelieferte Ration reichte nicht durch den Winter.

Der Schwarzmarkt blühte, auch lokal, ansonsten war da immer noch das Umfeld um den Stuttgarter Hauptbahnhof.

Und trotzdem gab es 1947 auch  ermutigende Entwicklungen und Ereignisse:

Im März wurde eine Theatergemeinde gegründet, die schon im April die Heidenheimer  Kammerspiele mit „ Der Mustergatte“ nach Crailsheim holen konnte.

Im April wurde die Crailsheimer Volkshochschule gegründet. Ihr Leiter wurde Studienrat Bechtel. Zuerst dominierten die praktischen berufsfördernden Kurse.

Das Musikleben der Stadt fand vorwiegend in den Kirchen mit beachtlichen Konzerten statt. In der katholischen Bonifatiuskirche stand dafür der Name Paul Stirmlinger. In der evangelischen Johanneskirche war es Gunther Mühlichen.
 
Im Mai wurde das hergerichtete und mit Umkleideräumen versehene Freibad
an der Jagst – Eingang Grabenstraße - eröffnet. Es hatte eine große Liegewiese  - und ein Sprungbrett. Es kostete Eintritt – mit günstigen Dauerkarten für Jugendliche.

Ende Juni begann die Schulspeisung für alle Schüler. Sie war mit Schwierigkeiten gestartet und wurde dann  zügig und effektiv von Frau Pöhler organisiert.

In der Gemeinderatssitzung am 31. Juli 1947 gab Bürgermeister Schatz bekannt, dass die amerikanische Stadt Worthington in Minnesota Crailsheim adoptiert hat.
(Siehe Anhang Worthington.)

Im September fand ein „Sommerfest“ mit Vergnügungspark auf der Volksfestwiese statt.
Der Name Volksfest wurde noch nicht wieder verwendet.

Am 7. Dezember 1947 wurde in Crailsheim ein neuer Gemeinderat gewählt. Er hatte zwar seine erste Sitzung noch vor Weihnachten, am 18. Dezember, aber für das Weihnachtsfest  wurde da nichts mehr beschlossen. Sonderzuteilungen gab es auch dieses Jahr nicht.

Den Wintersport gab es nur verhalten. Gerodelt wurde am Karlsberg, Schlittschuhfahren gab  mehr schlecht als recht auf der Jagst.  Das Ski-Fahren war ein Ski-Laufen, so im Wald links der Bundesstraße im Eichwald Richtung Rudolfsberg.

Buchhinweis:
Das Jahr 1947 ist gut in einem Anfang 1948 in Heilbronn erschienenem Buch dokumentiert:
„ So lebten wir … Ein Querschnitt durch 1947“.
Es ist auch noch häufig antiquarisch angeboten, so im Internet unter ZVAB.



Anhang Worthington
Mit einem Schreibe vom 9. Juli 1947 informierte CRALOG (Council OF Relief Agencies Licenced for Operating In Germany) Bürgermeister Schatz, dass Crailsheim für die angestrebte Patenschaft der Stadt Worthington in Minnesota mit einer deutschen Stadt ausgesucht worden war. Die Suche hatte Worthington CRALOG überlassen. Die Vorgabe war: Etwa die gleiche Größenordnung und Religionsverteilung, ähnliche wirtschaftliche Struktur, möglichst in einer landwirtschaftlichen Gegend und durch Kriegsereignisse stark betroffen. Es waren  sieben Städte in die engere Wahl gekommen.
Bürgermeister Schatz nahm Kontakt mit Worthington auf und informierte am 31. Juli den Gemeinderat und damit die Öffentlichkeit.

In Worthington erfolgte die erste Kleidersammlung am 22. August 1947. Sie war sehr erfolgreich: 3 Tonnen Kleidung und mehr als 1000 Paar Schuhe.
Man wollte nur einwandfreie Kleidungsstücke schicken und nahm sich Zeit,  alle Stücke durchzusehen – und entschloss sich dann noch, die Kleidung chemisch reinigen zu lassen.
Die Sendung wurde daher dann erst  am 7. November verpackt in Armee-Kleidersäcke abgeschickt und man ging davon aus, dass sie vor Weihnachten in Crailsheim ankommen würde.
In Crailsheim hatte das „Zeit-Echo“ von Anbeginn ausführlich berichtet und am 17. September gemeldet, dass  die Sendung nächste Woche auf den Weg gebracht würde.

In Crailsheim hatte schon die Nachricht der Patenschaft Dankbarkeit und Hoffnung ausgelöst – aber dann auch große materielle Hoffnungen geweckt. Das Warten erforderte nun  Geduld. Für die Verteilung war ein Worthington-Komitee gebildet worden,  in dem auch die Kirchen vertreten waren.

Am 13. Dezember in formierte das „Zeit-Echo“, dass die Sendung unterwegs sei. Aber dann wurde klar, dass die Ankunft nicht mehr vor Weihnachten erfolgen würde.

Die Sendung kam Anfang Januar 1948  in Bremerhaven an. Die US-Armee transportierte sie nach Stuttgart, wo sie an Crailsheim übergeben wurde und konnte dann am
6. Februar 1948 feierlich empfangen werden.

Siehe auch das Kapitel „Worthington“ unter www.crailsheim-zeitgeschichte.de





 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Armin Ziegler