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Wirtschaft 1947
Die Quelle der Informationen sind die von den Amerikanern angeordneten Berichte des Landrats von Oelffen an die Abteilung CIC der Militärregierung.


Januar
Es fehlt nach wie vor an Schuhen und Bekleidung und allem, was sonst noch rationiert ist. Und das ist im Hochwinter schlimm. Bei den Notbauten der Besitzer zerstörter Grundstücke könnte es vorangehen – wenn nur Material vorhanden wäre. Im Januar mussten von der Kreispflege 2.453 RM für Besatzungskosten und Kriegesfolgekosten auf vorgelegte Rechnungen bezahlt werden, darunter die Sozialversicherung für die Angestellten der Militärregierung, Mieten für beschlagnahmte Häuser, erbrachte Dienstleistungen und Lieferungen und auch die Kosten des deutschen Sprengkommandos der Blindgänger.
Das sind wiederkehrende monatliche Kosten.

Februar
Die Produktion von Gütern ist fast ganz zusammengebrochen. Die Stromsperrungen und der Mangel an Kohlen sind die Hauptgründe.

März
Die Umsatzsteuer-Zahlungen sind praktisch zum Stillstand gekommen, das zeigt die Passivität des Wirtschaftslebens.
Das zugeteilte Brennholz ist aufgebraucht. Das hat zu Holzdiebstählen in den Wälder geführt. Die Stimmung der Bevölkerung ist auf einem Tiefpunkt.
Das Fehlen von Glühbirnen wirkt sich überall aus. Vor allem in den landwirtschaftlichen Betrieben ist die Rückkehr zu Petroleumlampen mit Brandgefahr verbunden.
Die Straßen im Kreis sind in einem katastrophalen Zustand.
Die Handwerker verlangen Nahrungsmittel für ihre Arbeit, sonst geht nichts.

 

Transport und Verkehr
Aus der Meldung des Leiters des Straßenverkehrsamtes des Kreises Crailsheim, Haussmann, an die Militärregierung vom 13.3.1947:

Zugelassene Fahrzeuge:
Vergaser Kraftstoff: 485 Kräder, 318 Pkw, 51 Lkw
Dieselkraftstoff: 27 Lkw
Holz: 10 Pkw, 68 Lkw

Verkehrslage:
Infolge des schlechten Wetters war es äußerst schwierig, in den Wintermonaten die notwendigen Transporte durchzuführen, da die Straßen größtenteils mit Schnee bedeckt und vereist waren. Die Treibstofflage ist äußerst schlecht.
Im Februar erhielten wir noch 49 000 Liter Benzin ( Wirtschaft 39 660, Landwirtschaft 1 400, Sägewerke 3 000, Holzabfuhr 5 000).
Im März waren es noch 24 500
(Wirtschaft 12 000, Landwirtschaft 1,400, Sägewerke 3 000, Holzabfuhr 8 000).

Das Wirtschaftsministerium teilte mit, dass die Treibstofftransporte aus Bremen nicht eingetroffen sind.

Der große Reifenmangel macht sich sehr bemerkbar. Es mussten in der letzten Zeit eine ganze Anzahl Fahrzeuge infolge schadhafter Reife, die nicht ersetzt werden konnten, stillgelegt werden. Es stehen allein drei Omnibusse, die für den Arbeiterverkehr eingesetzt werden sollen, außer Betrieb, da die erforderlichen Riefen nicht aufgetrieben werden können.

Die verkehrsmäßige Erschließung ist sehr schlecht, da nurwenig Verkehrsmöglichkeiten (Reichsbahn und Omnibusse) zur Verfügung stehen. Der Mangel an Nutzkraftfahrzeugen macht sich jetzt mit dem Einsetzen der Bautätigkeit sehr stark und unangenehm bemerkbar. Es fehlt im Kreis sehr stark an Nutzkraftfahrzeugen. Mit den vorhandenen Fahrzeugen ist es unmöglich, jetzt im Frühjahr, die notwendigen Transporte reibungslos durchzuführen. Es sind Betriebe im Kreis vorhanden, die vor und während des Krieges mehrere Fahrzeuge hatten und heute ohne solche da­stehen und ihren Aufgaben nicht nachkommen können.
 
April
Die Landwirte protestieren gegen die Zwangsherabsetzung des Viehbestandes. Es musste bereits zu Zwangsmaßnahmen gegriffen werden. Das Hamstern und Betteln auf dem Land hat stark zugenommen, besonders im Umfeld von Bahnstationen.

Mai
Das benötigte Baumaterial für die Landwirtschaft und Wohnraumbeschaffung steht nur zu etwa 10 Prozent zur Verfügung. Die Landwirte und Handwerker sind gezwungen, sich Notwendiges auf dem Schwarzen Markt zu beschaffen.
Arbeitskleidung steht für den einheimischen Markt nicht zur Verfügung, da OMGUS Exportverträge abgeschlossen hat. Die Schuhproduktion wurde für Belieferung von Bergarbeitern in Anspruch genommen.

Juni
Keine Änderung. Die Stimmung ist katastrophal. Wir brauchen Kleidung und Schuhe für die arbeitende Bevölkerung.

Juli
An dem katastrophalen Zustand der Straßen im Kreis hat sich nichts geändert. Es ist absehbar, dass die Straße Crailsheim-Schrozberg-Bad Mergentheim bald nicht mehr befahrbar ist. Vor Beginn des Winters muss hier etwas getan werden. Die Militärregierung sollte hier Anweisungen erlassen.
Der extreme Mangel im Bereich der Baumaterialien - Zement, Gips, Kalk – verhindert jeglichen Wiederaufbau. Der schwarze Markt blüht auch hier, d.h. dass die Baumaterial-Hersteller schwarz verkaufen. Während die Landwirtschaft strikt überwacht wird, ist der Vertrieb der Fabriken weitgehend unkontrolliert.

August
Die ersten Fahrzeuge im Kreis Crailsheim mussten wegen Reifenmangel stillgelegt werden.
Geschimpft wird, dass die Amerikaner die Berge von ihren Altreifen nicht freigeben, die noch gut verwendbar sind. Die Transportausfälle beeinträchtigen die Belieferung der Landgemeinden, die keine Bahnstationen haben.
Die verordnete 50%ige Einsparung von Papier hat dazu geführt, dass die vierseitigen Amtsblätter nur noch zweiseitig erscheinen. Eine Folge ist, dass die Behörden nicht mehr in der Lage sind, die Fülle der Anordnungen fristgerecht zu veröffentlichen.

September
Mehrfach wurde hier vom Landrat auf den katastrophalen Zustand der Straßen im Kreis hingewiesen. Inzwischen sind Ausbesserungen auf der Straße Crailsheim-Blaufelden in Gang gekommen. Aber der der Zustand der anderen Straßen, so Crailsheim-Gaildorf, Crailsheim-Dinkelsbühl, Kirchberg-Rotenburg etc. ist unverändert schlecht. Sie werden wohl im nächsten Frühjahr geschlossen werden müssen.
Die Situation auf dem Baumaterial-Sektor hat sich noch verschlechtert. Es ist nicht möglich, begonnene Notunterkünfte fertig zustellen. Wir müssen bis Winterbeginn noch 300 Familien unterbringen. Entlassene deutsche Kriegsgefangene aus Frankreich berichten, dass dort genügend deutsches Baumaterial zur Verfügung steht.

Oktober
Die Versorgung der Bevölkerung mit Brennholz für den Winter ist nicht gesichert. Zugeteilt wurden pro Haushalt ein Raummeter Holz und 3 Zentner Kohle. Das ist nicht ausreichend. Weitere Zuteilungen müssen im Winter erfolgen.

November
Die Veröffentlichung der Demontagepläne in der Bizone hat Beunruhigung hervorgerufen. Eingesehen wird, dass Rüstungsbetriebe abgebaut werden müssen. Die Demontageliste umfasst aber auch Betriebe, die nicht dazu gehören. Es gibt die Meinung, dass das erfolgt, um Deutschland wirtschaftlich schwach zu halten. Die bisher positive Stimmung gegenüber den Amerikanern baut sich ab.
Eine Linderung der Wohnungsnot war nicht möglich, da auch 12 000 Ostflüchtlinge im Kreis aufgenommen werden mussten. Es müssen noch 308 Familien in winterfeste Räume umquartiert werden.
Kritik erfahren auch die verdoppelten Gebühren für Bahnreisen und den Postverkehr.

Dezember
Mit Beginn des Winters wird noch deutlicher, in welcher Situation sich Deutschland befindet. Es gibt nicht viele Menschen, die sich warm genug anziehen können.
Obwohl die Bevölkerung des Kreises seit Kriegsbeginn um ungefähr 12 bis 13 000 Personen zugenommen hat gab es keine Zunahme an Wohngebäuden, vielmehr wurden die zu 80 Prozent in Crailsheim und zu 90 Prozent in 17 Kreisgemeinden zerstört.
Am 11. Dezember mussten die Behörden den Wehrmachtsrank ihrer Mitarbeiter der Militärregierung mitteilen.
Die Menschen verstehen nicht, warum die Militärregierung den weiter zunehmenden Schwarzen Markt – auf dem es alles zu höheren Preisen gibt - nicht unterbindet. Sind ihre Angehörigen zu sehr involviert?

 

 

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