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Wirtschaft 1948

Quelle sind die Berichte des Landratsamtes an den CIC der Militärregierung Crailsheim, die ab 24. März 1948 von Landrat Dr. Ansel unterzeichnet sind, der am 13. Februar 1948 neu gewählt worden war.

Januar
Das Wetter war schlecht, die Temperaturen sehr niedrig. Unter den allseitigen Mängeln sind die spürbarsten: Arbeitskleidung, Schuhe – und Glühbirnen.
Die Wohnungssituation ist für Sozialfälle – vor allem Alte – untragbar. Wir können sie nicht unterbringen!
Die Stadt Crailsheim erwartet sehnlichst die Spenden aus Worthington.
Das Heizungsmaterial ist weitgehend aufgebraucht. Zusätzliche Zuteilungen wären erforderlich.

Februar
Die Rohmaterial-Knappheit drosselt die Produktion dringend gebrauchter Gebrauchsgüter. Die Rationierung in Deutschland dauert jetzt schon 9 Jahre!
Die jetzt absehbare Nahrungsmittel-Knappheit lässt Schlimmes befürchten. Getreide und Mehl reichen noch 8 Wochen. Hier Vorsorge tragen ist das wichtigste Gebot der Stunde.
Die auch Ende Februar noch andauernde Kälte eskaliert die Heizstoffknappheit.

März
Die Menschen verstehen nicht, dass drei Jahre nach Kriegsende die Versorgung schlechter ist als im Krieg.
Der Straßenzustand ist nach wie vor katastrophal. Einfach die Löcher zuschütten – ohne Teer – ist eher eine Verschlimmerung als Besserung.

April
Es ist keine Veränderung zu berichten. Den Bedarf an Möbeln wird man wohl noch viele Jahre nicht decken können. Die Versorgung hat sich durch die Schaffung der Bi-Zone nicht verbessert, eher im Gegenteil. Und: Die Industrie hortet anscheinend Waren.

Mai
Die Lage hat sich nicht verbessert – im Gegenteil. Die Verteilung berücksichtigt nicht den Grad der Zerstörung in den Städten und Gemeinden. Das überfordert anscheinend die deutsche Behörden.

Juni
In Erwartung der Währungsreform ist das Wirtschaftsleben Anfang Juni praktisch zum Stillstand gekommen. Die Geschäfte geben Ware auch nicht auf vorhandene Bezugsscheine heraus, z.T. werden Läden einfach geschlossen.
Die Verteilung von Raucherkarten auch an Frauen zwischen 18 und 25 Jahren hat die Männer aufgebracht. Junge Frauen würden so zum Rauchen verführt – und verringern die Zuteilung für Männer. Das Verbot der Buna-Produktion und des Wahlfangs für Deutsche durch die Alliierten bekräftigt die Ansicht, dass es um eine dauerhafte Schädigung der deutschen Wirtschaft geht.

Die Währungsreform fand am 20. Juni 1948 statt. Ab 21. 6. 1948 war nicht mehr die Reichsmark (RM) Zahlungsmittel, sondern die Deutsche Mark (DM).

 

Juli
Die Abwertung betrug für den Normalbürger 1:10. Sofort ausgegeben wurde ein Betrag von 40 DM (Kopfquote) gegen 60 RM, für Bankguthaben gab es nur 6,5 Prozent. Das Erstaunen war groß, wie schnell sich manche Schaufenster füllten. Die Rationierung der Lebensmitte blieb aufrecht erhalten.

August
Das soziale Gefälle wurde deutlicher sichtbar.


September
Crailsheim hat wieder 9 427 Einwohner, der Landkreis mit seinen 58 Gemeinden hat
62 817 Einwohner.
Es gibt keine Besatzungstruppe mehr im Kreis, auch keine Displaced Persons Lager.


Oktober 
Es wird von einem Vorsichtsverhalten der Geschäftsleute berichtet. Die Herausgabe gehorteter Ware diente vor allem dazu, schnell Geldmittel flüssig zu haben. Glühbirnen und Fahrradreifen sind nach wie vor nur zu überheuten Preisen zu bekommen. Gespart wird von der Bevölkerung nicht. Die Sparguthaben gehen zurück. Das Geld für größere Sachwerte ist noch nicht vorhanden.
Die Baustoffpreise steigen laufend an, auch die Löhne im Baugewerbe. Die Bauherren haben zunehmende Schwierigkeiten.
Ersatzteile für Autos sind auch 4 Monate nach der Währungsreform noch schlecht zu bekommen.


November
Es gibt nach wie vor keine Glühbirnen und das Angebot an Arbeitskleidung und Schuhen ist ungenügend. Generell ist die Rohstoffknappheit längst nicht überwunden. Benzin ist knapp. Die Bauern schimpfen über die hohen Preise für ihre notwendigen landwirtschaftlichen Bedarfsartikel, z.B. Treibriemen sind 50 Prozent teurer geworden.
Die Geschäfte beklagen die schlechte Lieferfähigkeit ihrer Lieferanten. Die Anlaufschwierigkeiten sind unübersehbar. Auch die Crailsheimer Bekleidungsfirmen sind nicht ausgelastet und haben Schwierigkeiten, Stoffe zu bekommen. Und es gibt noch immer Stromsperren.


Dezember
Am 3. Dezember findet eine Viehzählung statt – mit einer anschließenden Kontrolle. Auch die Wintersaat wird erfasst.
Im Handel ist noch keine Änderung eingetreten. Ware ist knapp. Die deutsche politische Führung gilt als schwach. Die Einsparungen von Strom laufen darauf hinaus, dass die Fabriken einen Tag in der Woche stillstehen werden.
Das Fehlen von Ware wirkt sich auf die Preise aus. Beispiel Glühbirnen: Sie sind nirgends zu haben. Angeblich werden in der britischen Zone monatlich knapp 5 Millionen Stück hergestellt. Nach wie vor gehen Kontingente an Großverbraucher wie Verkehr, lebenswichtige Betriebe und die Industrie. Der Rest wird „kompensiert“. (Auf dem Land ist der schwarze Glühbirnenpreis ein Pfund Butter.)
Bei Tabakwaren sollen teure Fertigimporte (aus den USA) die fehlende Rohware ersetzen. Das stiftet Zorn. Ebenso die gedrosselte Abgabe von Benzin.
Deutschland ist ein Veredelungsland, d.h. es ist auf die Einfuhr von Rohstoffen angewiesen. Das wird sowohl von der Militärregierung als auch der Landesregierung nicht genügend  gesehen. Vielmehr soll – so die Meinung in der Bevölkerung - anscheinend der zähe deutsche Fleiß und Lebenswille eingedämmt bleiben.
Landrat Dr. Ansel muss noch immer – seit März - im Gasthaus übernachten. Er konnte noch keine Wohnung für seine Familie finden.

Für die Bizone ist im I. Quartal 1949 eine Kürzung der Benzinzuteilung um weitere 7,6 Prozent angekündigt.

Dr. Ansel schreibt abschließend in seinem Bericht vom 31.12.1948:
„Dies steht im vollkommenen Widerspruch mit der immer wieder betonten Hilfe seitens der Besatzungsmächte, die deutsche Industrie, Handel, Gewerbe und Handwerk auf eigene Füße zu stellen und ihnen jede Hilfe angedeihen zu lasen. Interessant wäre zu erfahren, aus welchen Quellen die Schwarzmarkt-Benzinstellen versorgt werden, die vorwiegend bei den DP’s unterhalten werden. Es ist kaum anzunehmen, dass deutsche Verteilerstellen in der Lage sind von den bescheidenen Kontingenten etwas für den schwarzen Markt abzuzeigen.“

 

 

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