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Die Zerstörungen Crailsheims


Wer Ende Januar 1945 nach Crailsheim kam - wie dieser Berichterstatter - fand ein wunderschönes, besonders durch seine Altstadt geprägtes württembergisch-fränkisches Städtchen, das unzerstört war und in dem das Leben noch fast normal verlief. Die Zerstörungen begannen im Februar 1945, auch wenn es bereits 1944 zahlreiche Fliegeralarme und Feindtätigkeiten aus der Luft - speziell im Flugplatzbereich - gegeben hatte.

Die militärische Bedeutung Crailsheims war durch wichtige Straßen- und Bahnknotenpunkte gegeben, dem bedeutenden Personen- und Güterbahnhof mit Werkstätten; außerdem durch einen Militärflugplatz und einige Rüstungsbetriebe.

Der Umfang der Zerstörung Crailsheims (ohne Vororte Altenmünster und Ingersheim) geht aus einer Aufstellung des Stadtbauamts vom August 1945 hervor:

Von den dort aufgeführten 1.157 Hauptgebäuden wurden 390 total zerstört (33,8%), schwer beschädigt 178 (15,4%), mittelschwer 49 (4,3%), leicht 392 (33,9%). Unbeschädigt blieben 148 Gebäude (12,6 %). Die Statistik führt auch 461 Nebengebäude auf, von denen 214 total zerstört (41,4%) und 165 (35,8%) leicht beschädigt wurden. Nicht beschädigt wurden 82 (17,8%) der Nebengebäude.

Hier soll nur sehr knapp der Grad der Zerstörung bis zum 20.4.45 dargestellt werden,basierend auf den sehr ausführlichen Berichten von Konrad Rahn in seiner Arbeit „Kriegschronik der Stadt Crailsheim im Frühjahr 1945“, Crailsheim 1955.

- Der Angriff am 2. Februar 1945 mit dem Volltreffer auf den sogenannten Konsum forderte 13 Todesopfer, die Schäden andernorts - z.B. am Gaswerk - konnten noch weitgehend behoben werden.

 - Die beiden schweren Fliegerangriffe am 23. Februar 1945 zerstörten 138 Gebäude total, beschädigten 113 schwer und 268 mittel oder leicht. Gas- und Elektrizitätswerk wurden völlig zerstört, das Rathaus schwer beschädigt. Rahn: "Die Werkanlage des Rüstungsbetriebes Robert Bosch GmbH wurde zu 80 Prozent, das Sägewerk Speer & Gscheidel zu 10 Prozent beschädigt. Die gesamten Bahnanlagen zwischen der Hallerstraße-Unterführung (nördlich) und der Gaildorferstraße-Unterführung (südlich) wurden zerstört und für den Betrieb unbrauchbar gemacht. Auch alle Bahnhofsgebäude für den Personen- und Güterverkehr sowie sämtliche Nebengebäude wurden völlig zerstört und die Gleise unbrauchbar gemacht."

Es kamen 62 Crailsheimer ums Leben.
Der Hitlerjunge Kurt Marquart starb als Flugbeobachter auf dem Rathausturm. Er konnte schwer verletzt nicht geborgen werden. Der Hitlerjunge Reiner Baumann starb als Melder im Gaswerk.

- Die beiden schweren Angriffe am 4.April 1945 - die erste Welle waren Sprengbomben, die zweite Brandbomben - ist statistisch nicht so erfasst wie die Angriffe am 23.2. Konrad Rahn schreibt:
"Der 4. April brachte einen schweren Großangriff, bei dem die ganze Stadt mit Spreng- und Brandbomben belegt wurde und der die Fabriken des Industriegeländes fast gänzlich vernichtete. Das Sägewerk Speer & Gscheidel, die Marmeladenfabrik Bourzutschky, die Kleiderfabrik Habelt, die Lederbekleidungsfabrik Hohenstein, die Möbelfabrik König, die Schuhfabrik Möbus, die Werkzeugfabrik Kaltenbach, die Schlackeverwertung Paul Illig und die Bezirksmolkerei brannten zum größten Teil total aus und auch das Mauerwerk wurde durch Sprengbomben weithin zerstört. - Was von den Bahnanlagen noch vorhanden war, fiel der restlosen Vernichtung anheim.

 In der Stadt wurden viele Häuser zerstört. Die Brunnenstraße und die Kronprinzenstraße wurden völlig vernichtet. Auch in der Schießbergstraße, Ackerstraße, Sandgrubenstraße und Ölbergstraße hatten viele Häuser Schaden gelitten."

"Der Gebäude und Materialschaden auf dem Flugplatz war beträchtlich. Etwa 40 % aller Gebäude war vernichtet."

- Vom 8. bis 10. April wurde Crailsheim durch deutsche Werfer beschossen.
Rahn:
Der Beschuss "hat in Crailsheim ungeheuren Schaden angerichtet. Am Schweinemarktplatz und in anderen Straßen wurden Häuser getroffen, das Schloss, das Krankenhaus, der Fliegerhorst, die Kuppelismühle, die Häuser von Freitag, Wieser, das Leiberich'sche Haus "Zum wilden Mann", die Hirschscheuer, die Scheuer von Albrecht wurden schwer getroffen; die Volksbank Ecke Karl- und Schillerstraße brannte völlig aus."

- Beim Abzug der Amerikaner am 10. April, abends, steckten die Amerikaner Häuser in Brand. Rahn: "Beim Abzug verübten sie umfangreiche Brandstiftungen durch Phosphor und Benzin. Besonders der Hammersbacherweg, am Mittleren Weg, in der Schillerstraße, Lange Straße, Wilhelmstraße, Bahnhofstraße und Schießbergstraße ... Das Feuerwehrgerät der Stadt war von ihnen freventlich vernichtet worden bis auf eine kleine Motorspritze ... Auf den Straßen am Ausgang der Stadt hatten die Amerikaner viel Minen gelegt, die in der Dunkelheit nicht gesehen werden konnten und manches Opfer gekostet haben."

 - Nach dem Abzug der Amerikaner, weiter Konrad Rahn: "Vom 13. April an begannen wieder die Fliegerangriffe der Amerikaner; insbesondere waren es Jagdbomber, die im Tiefflug mit Bomben und Bordwaffen angriffen". An anderer Stelle: "Der Bau der Panzersperren in den Straßen der Stadt wurde von den feindlichen Aufklärern bald erkundet und die Fliegerangriffe setzten darauf wieder ein, die sich besonders seit dem 16. April (Montag) häuften. An diesem Tag waren drei heftige Angriffe und es entstanden große Brände am Schweinemarktplatz, in der Hirschstraße und in der Schmale Straße bis zum Schlossplatz, in der Karlstraße und in anderen Straßen....waren die Brände nicht mehr zu löschen, das Feuer fraß sich weiter und immer neue Bombenangriffe schufen neue Brandherde. Die Löschmaßnahmen reichten bei weitem nicht aus, da ja fast alle Löscheinrichtungen von den Amerikanern vernichtet worden waren. Auch mussten die Löscharbeiten immer wieder unterbrochen werden wegen der Tieffliegerangriffe.

Am 17. April brannte in der Karlstraße die Handelsbank und die Blezinger'sche Apotheke total aus. Neue schwere Angriffe vernichteten das Rathaus und die daneben stehende Kapelle vollständig."

Die Fliegerangriffe dauerten bis kurz vor der restlichen Zerstörung Crailsheims am 20./21. April durch Artillerie- und Phosphorbeschuß der Amerikaner.

 

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